
Cimaruta: das neapolitanische Hexenamulett aus einem Rautenzweig
Die Cimaruta ist ein silberner Rautenzweig, behängt mit winzigen Symbolen: Mondsichel, Schlüssel, Schlange, Hahn, Hand, Blüte. Ein neapolitanisches Amulett mit doppeltem Zweck, das Kinder vor dem bösen Blick schützte und zugleich als geheimes Erkennungszeichen des alten Glaubens diente, in dem die Mondgöttin Diana regierte.
Der Name spricht sich „tschima-ruta" und bedeutet im neapolitanischen Dialekt wörtlich „Spitze der Raute", cima di ruta. Die Raute ist ein gewöhnliches Gartenkraut mit graugrünen Blättern und einem scharfen Geruch. Im alten Mittelmeerraum galt sie als Pflanze, die das Böse vertreibt. Neapels Goldschmiede verwandelten den Zweig dieses Krauts in einen silbernen Anhänger und hängten ein ganzes Ensemble von Schutzzeichen daran.
Wenn der Cornicello die einzelne Klinge gegen den bösen Blick ist, dann ist die Cimaruta ein Schlüsselbund zu einer ganzen Welt der Volksmagie. Auf einem einzigen kleinen Anhänger finden eine antike Göttin, die Hexentradition Süditaliens, christliche Symbole und der Glaube einer Bäuerin Platz, dass Silber das Unheil von der Wiege ihres Kindes fernhält.
Warum ausgerechnet ein Rautenzweig
Die Raute ist keine zufällige Pflanze. In der Antike pflanzte man sie ums Haus, gab sie in Heiltränke, hängte Büschel über die Tür. Man glaubte, sie schärfe den Blick, reinige die Luft und schrecke Hexen ab. Die Ärzte der Antike verschrieben sie gegen alles Mögliche, und das einfache Volk war überzeugt, dass der bittere Saft des Krauts den bösen Blick „ausbrennt".
Darin steckt auch ein Paradox. Die Raute schützte vor Hexen und war zugleich das Kraut der Hexen selbst. In der neapolitanischen Tradition nannte man die Hexe jettatura, und die Raute gehörte ebenso zu ihrem Arsenal wie die Kräuter der Heilkundigen. Eine Cimaruta zu tragen hieß, auf beiden Seiten zugleich zu spielen: sich vor fremdem Zauber zu schützen und zu zeigen, dass man selbst nicht wehrlos ist.
Die Silberschmiede nahmen die Form des Zweigs, der sich in der Natur in zwei und drei Teile spaltet, und krönten jeden Ausläufer mit einem Symbol. So entstand ein Amulett nach dem Baukastenprinzip. Im Folgenden gehen wir der Reihe nach durch, woraus es zusammengesetzt ist, woher jedes Zeichen stammt, warum es aus Silber besteht, wie man es trug und worin es sich vom benachbarten Cornicello in der Vitrine unterscheidet.
Die Volksmagie Süditaliens war nie ein einheitliches System mit Lehrbuch und Regeln. Sie fügte sich über Jahrhunderte aus römischen Vorstellungen, griechischen Kulten, christlicher Symbolik und dörflichem Aberglauben zusammen. Die Cimaruta ist dieser ganze Mischmasch in Materie gefasst, zusammengepresst zu einem Anhänger von der Größe eines Fingerglieds. Genau deshalb stimmen die Zeichen auf den verschiedenen Exemplaren nicht überein: jede Werkstatt und jede Familie fügte ihr Eigenes hinzu.
Was ist eine Cimaruta
Definition und Name
Die Cimaruta ist ein Amulett in Form eines silbernen Rautenzweigs, an dessen Ausläufern Schutzsymbole hängen oder in die sie eingraviert sind. Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen: cima (Spitze, Trieb) und ruta (Raute). Im literarischen Italienisch hieße das cima di ruta, doch der neapolitanische Dialekt verschmolz beide Teile zu einem Wort, cimaruta.
Außerhalb Italiens nennt man das Amulett manchmal einfach „Rautenzweig" oder „neapolitanisches Amulett". In der englischsprachigen Volkskundeliteratur hat sich die Schreibweise cimaruta ohne Übersetzung durchgesetzt. Im Deutschen kommt man mit „Cimaruta" der Aussprache am nächsten, gelegentlich liest man auch „Chimaruta".
Wie eine echte Cimaruta aussieht
Ein klassisches Exemplar erkennt man sofort an mehreren Merkmalen:
Verzweigung. Die Grundlage ist ein Stängel, der sich in zwei oder drei Hauptzweige teilt, und diese wiederum spalten sich weiter. Genau so wächst die Raute in der Natur, in dreifachen Verzweigungen, und der Meister wiederholt dieses Muster im Metall. Die Drei ist hier kein Zufall, dazu mehr im Abschnitt über Diana.
Symbole an den Enden. Jeder Zweig endet in einer kleinen Figur: Mondsichel, Hand, Schlüssel, Hahn, Schlange, Blüte, Herz, Fisch, Dolch. Die Zahl der Figuren schwankt von drei bis zu zehn und mehr.
Silber. Eine echte traditionelle Cimaruta besteht aus Silber, nicht aus Gold oder Koralle. Das ist grundsätzlich und hängt mit der Mondsymbolik zusammen. Das Metall ist fast immer weiß.
Flache Silhouette. Anders als das plastische Horn des Cornicello ist die Cimaruta meist flach, gegossen oder geschnitten wie ein durchbrochenes Plättchen. Man kann sie bequem an den Stoff stecken oder an eine Kette hängen.
Größe. Meistens handelt es sich um einen Anhänger von drei bis sechs Zentimetern. Es gab auch größere Stücke fürs Haus und ganz winzige für den Säugling.
Das Ensemble der Symbole am Zweig
Die Hauptbesonderheit der Cimaruta liegt darin, dass sie nicht ein Zeichen ist, sondern ein Sternbild von Zeichen. Die Logik ist einfach: je mehr Schutzsymbole zusammenkommen, desto dichter der Panzer. Jeder Ausläufer ist für seine eigene Gefahr und seine eigene Schutzgottheit zuständig.
Ein Teil der Symbole kehrt fast immer wieder: Mondsichel, Schlange, Blüte oder Schlüssel. Diese drei gelten den Volkskundlern als Kern des Amuletts, verbunden mit der Mondgöttin. Die übrigen Zeichen kamen nach dem Geschmack des Meisters hinzu, auf Wunsch der Familie oder nach lokaler Mode. Genau deshalb findet man kaum zwei völlig gleiche alte Cimaruten. Unten gehen wir jedes Symbol einzeln durch, denn hinter jedem steht seine eigene Geschichte.
In diesem Ensemble steckt auch eine innere Logik. Die Symbole teilen sich in himmlische (Mondsichel, Hahn als Bote der Morgenröte), irdische (Rautenblüte, Weintraube, Fisch) und unterirdische (Schlüssel der Hekate, Schlange). Zusammen umspannen sie alle drei Ebenen des Kosmos, wie ihn die mittelmeerische Antike sah. Die Trägerin einer Cimaruta führte gleichsam die Karte eines ganzen Universums bei sich, in dem auf jeder Etage ein eigener Wächter stand. Daher das Gefühl der Vollständigkeit, das dem einzelnen Amulett fehlt: das Horn deckt eine Richtung, der Rautenzweig gleich alle.
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Die Symbole der Cimaruta und ihre Bedeutungen
Mondsichel: das Zeichen der Diana
Die Mondsichel ist ein fast obligatorisches Element. Sie verweist auf den Mond und auf die Göttin Diana, die Schutzherrin der Jagd, der wilden Tiere und der Frauen. In der römischen Überlieferung herrschte Diana über den nächtlichen Himmel, und ihr Symbol war die Sichel des jungen Mondes. Für die Bäuerin Süditaliens, die eine Cimaruta über die Wiege hängte, bedeutete die Mondsichel nächtlichen Schutz: wenn die Sonne gegangen und die Welt verwundbar geworden war, wachte die Mondgöttin über das schlafende Kind.
Die Form der Sichel klingt an das Horn an. Dieselbe geschwungene Linie, die den feindseligen Blick zur Seite lenkt, wirkt auch hier. Die Frauen der Antike trugen die Lunula, einen Mondsichelanhänger, mit genau demselben Zweck. Die Cimaruta hat die Lunula als einen ihrer Ausläufer in sich aufgenommen.
Schlange: Weisheit und Erneuerung
Die Schlange auf der Cimaruta ist keine Bedrohung, sondern eine Verbündete. In der mittelmeerischen Kultur stand die Schlange seit jeher für Weisheit, Heilung und die Fähigkeit zur Erneuerung, denn sie streift die alte Haut ab und wird gleichsam neu geboren. Die Schlange umwand den Stab des Asklepios, des Gottes der Heilkunst, und schmückt bis heute das medizinische Emblem.
Für die Volksmagie des Südens ist die Schlange mit der Erde verbunden und mit den unterirdischen Kräften, über die die dunkle Gestalt der Göttin gebot. Eine kleine Schlange am Rautenzweig verlieh dem Amulett einen heilenden Sinn: sie vertrieb die Krankheit, so wie die Mondsichel die nächtlichen Ängste vertrieb.
Schlüssel: das Tor der Hekate
Der Schlüssel ist eines der rätselhaftesten Symbole der Cimaruta. Er verweist auf Hekate, die griechische Göttin der Kreuzwege, der Grenzen und der Zauberei, die man in Italien mit Diana zu einem einzigen Bild verschmolz. Hekate hielt die Schlüssel zu den Toren zwischen den Welten: zwischen Leben und Tod, zwischen Wachen und Traum, zwischen dem Haus und der äußeren Finsternis.
Auf der alltäglichen Ebene bedeutete der Schlüssel den Schutz der Schwelle. Ein Haus mit einem Schlüssel am Amulett ist gleichsam für das Unheil verschlossen. Der Schlüssel verhieß außerdem das „Aufschließen" von Glück und Wegen, deshalb schenkte man ihn gern denen, die auf Reisen gingen oder ein neues Vorhaben begannen.
Hand: die Geste gegen den bösen Blick
Die Hand auf der Cimaruta ist meist zu einer Schutzgeste geformt. Häufiger ist es die mano fica, die Faust mit dem Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger, ein uraltes antikes Zeichen gegen den bösen Blick. Seltener zeigt sich die Hand mit offener Handfläche, näher an der Geste des Segens.
Die Hand ist die unmittelbare, körperliche Antwort auf den bösen Blick, genau jene Geste, die die Italiener bis heute machen, wenn sie fremden Neid spüren. In der Miniatur am Rautenzweig wirkt sie rund um die Uhr, ohne dass die Trägerin die Finger bewegen müsste. Ein sinnverwandtes Symbol, die Hand der Fatima oder Hamsa, stammt aus einer anderen Tradition, löst aber dieselbe Aufgabe.
Hahn: die Morgenröte vertreibt die Finsternis
Der Hahn bringt in das Mondensemble einen sonnenhaften Ton. Sein Ruf kündigt die Morgenröte an, und mit dem Sonnenaufgang zerstreut sich dem Volksglauben nach das ganze nächtliche Gesindel: Hexen, Gespenster, böse Geister. Der Hahn auf der Cimaruta ist das Versprechen, dass die Nacht enden und das Licht zurückkehren wird.
Es gibt hier auch einen Bezug zur Wachsamkeit. Der Hahn erwacht als Erster und gibt bei Gefahr als Erster Laut. Indem eine Familie einen Hahn ans Amulett hängte, stellte sie gleichsam einen wachen Posten an die Wiege. Der sonnenhafte Hahn und die mondhafte Sichel schlossen zusammen den Kreis der Tagesschutzwache: eine Figur wacht am Tag, die andere in der Nacht.
Blüte: das heilige Kraut und das Leben
Die Blüte am Ende des Zweigs stellt meist die Blüte der Raute selbst dar oder die des Eisenkrauts, eines weiteren heiligen Krauts der Diana. Sie steht für Leben, Fruchtbarkeit und die Fortsetzung des Geschlechts. Für ein Amulett, das man vor allem Kindern anhängte, war das Zeichen des Lebens zentral: es wünschte dem Kind, zu überleben, aufzuwachsen und Nachkommen zu bekommen.
Die Blüte schließt auch die botanische Logik des Amuletts ab. Die ganze Cimaruta ist ein Rautenzweig, und die Blüte erinnert daran, dass die Quelle der Kraft hier die Pflanze selbst ist, während die Metallsymbole nur verstärken, was im Kraut bereits angelegt ist.
Herz, Fisch, Dolch und andere Zeichen
Neben dem Grundkern findet man auf der Cimaruta eine ganze zweite Reihe von Symbolen, die man je nach Anlass hinzufügte:
- Herz für Liebe und Treue, in späteren christlichen Fassungen ein Verweis auf das Heilige Herz.
- Fisch für Fruchtbarkeit und Überfluss, bei den Christen das geheime Glaubenszeichen, der Ichthys.
- Dolch oder Schwert für aktive Verteidigung, ein Symbol, das das gerichtete Böse „zerteilt", der nächste Verwandte der scharfen Spitze des Cornicello.
- Cherub oder Engelsköpfchen eine spätere christliche Beigabe, die das heidnische Amulett mit der Kirche versöhnte.
- Adler oder Falke für Kraft und Scharfsicht, ein Blick, der die Gefahr von weitem erkennt.
- Weintraube für Wohlstand, Ernte, südlichen Überfluss.
Keines dieser Zeichen war zwingend. Der Meister stellte die Cimaruta wie einen Strauß zusammen, kombinierte den Kern mit Beigaben nach dem Geschmack des Auftraggebers. Deshalb sind alte Exemplare so reizvoll zu betrachten: jedes erzählt seine eigene Geschichte durch die Auswahl der angehängten Figürchen.
Die Zahl der Zeichen und ihr Sinn
Die Menge der Figuren am Zweig war für die Gläubigen nie zufällig. Die Drei verwies auf die dreifache Göttin und auf die natürliche Verzweigung der Raute, sie ist das häufigste und „reinste" Mondminimum. Die Sieben galt als Zahl der Vollständigkeit und des Glücks, deshalb tragen reiche Cimaruten oft genau sieben Symbole und umfassen Himmel, Erde und Unterwelt auf einmal. Die Neun, drei mal drei, findet sich auf den kunstvollsten Prunkstücken und wurde als verstärkter Schutz gelesen.
Dabei kannte die Tradition keine strenge Regel „je mehr, desto stärker". Ein bescheidener Zweig mit drei Zeichen bei einer Heilkundigen konnte höher geschätzt werden als ein üppiger Anhänger mit zehn Figuren, wenn ein wahrer Segensspruch und eine gute Meisterhand dahinterstanden. Die Zahl gab dem Amulett Rhythmus und Stimmung, doch seine Kraft verlieh ihm der Sinn, der in jede Figur gelegt war, nicht die Arithmetik.
Geschichte: Neapel, Diana und der alte Glaube
Die Raute als heilige Pflanze der Antike
Lange vor den silbernen Anhängern war die Raute bereits ein Kraut der Kraft. Griechen und Römer pflanzten sie an die Schwelle, gaben sie in den Wein, nutzten sie in der Medizin. Man glaubte, die Raute schärfe Verstand und Blick, schütze vor Gift und vertreibe böse Geister. Ihren scharfen Geruch nahm man als Beweis der Kraft: wenn ein Kraut so riecht, dann flieht das Böse davor.
In der christlichen Epoche verlor die Raute ihren Status nicht. Man nannte sie „Kraut der Gnade" und besprengte damit bei Riten. Ein Büschel getrockneter Raute über der Tür blieb in italienischen Dörfern bis ins zwanzigste Jahrhundert üblich. Aus dieser alten Ehrfurcht vor dem Kraut erwuchs die Idee, seinen Zweig ständig bei sich zu tragen, in unvergängliches Metall gegossen.
Diana, Artemis und der Mondkult
Der Symbolik der Cimaruta liegt der Kult jener Göttin zugrunde, die die Römer Diana nannten, die Griechen Artemis. Sie ist die Herrin der wilden Natur, der Jagd, der Geburt und des Mondes. Für Süditalien war Diana keine Abstraktion aus dem Lehrbuch, sondern ein lebendiges Bild, das der Volksglaube über Jahrtausende unter verschiedenen Namen trug.
Besonders wichtig ist die Dreifaltigkeit der Göttin. Diana verehrte man in drei Gestalten: als Mond am Himmel, als Diana die Jägerin auf der Erde und als Hekate in der Unterwelt. Daher die dreifache Verzweigung der Raute und die drei Schlüsselsymbole: Mondsichel (Himmel), Blüte oder Kraut (Erde), Schlüssel oder Schlange (Unterwelt). Die Cimaruta ist im Grunde ein tragbarer Altar der dreifachen Göttin, getarnt als botanischer Anhänger.
Der Diana-Kult erwies sich in Süditalien als bemerkenswert zählebig. Das Christentum wechselte den offiziellen Glauben, doch die dörfliche Magie zog den alten Göttern einfach neue Kleider an. Die Mondherrin verehrte man weiter unter dem Deckmantel der Verehrung verschiedener Schutzheiliger, und die Riten an nächtlichen Kreuzwegen sowie die Sprüche auf den abnehmenden Mond überlebten fast unverändert bis in die neuere Zeit. Die Cimaruta war der stoffliche Beweis dieser Kontinuität: solange die Bäuerin eine silberne Mondsichel über die Wiege hängte, blieb die antike Göttin im Amt, wie auch immer die Kirche sie nannte.
Stregeria: die Hexenkunst Süditaliens
Die volksmagische Tradition Italiens nennt man Stregeria, vom Wort strega, Hexe. Das ist keine organisierte Religion, sondern ein loses Bündel dörflicher Praktiken: Sprüche gegen den bösen Blick, Heilen mit Kräutern, Wahrsagen, Verehrung der Mondkräfte. Heilkundige und Wahrsagerinnen wurden im Süden zugleich geachtet und gefürchtet, man ging zu ihnen für den Liebeszauber wie für die Heilung eines Kindes.
Die Cimaruta war das Arbeitsgerät dieser Tradition und zugleich ihr Erkennungszeichen. Eine Frau, die einen Rautenzweig mit allen Symbolen trug, zeigte, dass sie mit den alten Kräften im Einklang stand. Zugleich schützte derselbe Anhänger sie vor fremdem Zauber. Die Doppeldeutigkeit ist hier kein Widerspruch, sondern das Wesen der Volksmagie selbst: der beste Schild gegen eine Hexe ist ein wenig Hexenkunst bei sich.
Benandanti: der nächtliche Krieg um die Ernte
Um die Welt zu verstehen, in der die Cimaruta einen Sinn hatte, lohnt sich ein Blick auf die Benandanti, die „zum Guten Gehenden". So nannte man im Nordosten Italiens, im Friaul, Menschen, die „in der Glückshaube" geboren wurden, in den Fruchthäuten. Nach dem Volksglauben verließ ein solcher Mensch in bestimmten Nächten des Jahres im Schlaf seinen Körper und zog aus, um mit den Hexen um das Schicksal der Ernte zu kämpfen. Als Waffe dienten den Benandanti Fenchelstängel, die Hexen fochten mit Hirsestängeln. Vom Ausgang dieser unsichtbaren Schlacht hing ab, ob das Jahr satt oder hungrig würde.
Die Geschichte der Benandanti ist uns durch die Protokolle der Inquisition des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts überliefert, die lange nicht entscheiden konnte, wen sie da vor sich hatte: Zauberer oder Beschützer vor der Zauberei. Die Benandanti selbst beharrten hartnäckig darauf, dass sie gegen das Böse kämpften und ihm nicht dienten. Diese Verwirrung zeigt den Kernnerv des italienischen Volksglaubens: die Grenze zwischen Hexe und Hexenjäger war fließend, und ein und derselbe Mensch konnte auf beiden Seiten stehen. Die Cimaruta erwuchs aus genau derselben Doppeldeutigkeit, in der die Raute die Hexen vertrieb und zugleich das Kraut der Hexen selbst war.
Benevento: die Stadt der Hexen
Einen besonderen Platz in der Volkskunde nimmt die Stadt Benevento in Kampanien ein. Der Legende nach versammelten sich rund um einen dort wachsenden riesigen Nussbaum die Hexen ganz Italiens zum Sabbat. Die Sage vom „Nussbaum von Benevento" wurde über Jahrhunderte weitererzählt, und die Stadt erwarb den Ruf einer Hauptstadt der italienischen Hexenkunst. Kein Wunder, dass gerade der Süden, mit Neapel und Benevento im Herzen, zur Heimat der Cimaruta wurde.
Die Legende von Benevento ist nicht an sich wichtig, sondern als Hintergrund. Sie zeigt, dass Hexen und Mondkräfte für die Bewohner des Südens ein Teil des alltäglichen Weltbilds waren. Ein Amulett gegen sie trug man nicht aus Exotik, sondern aus gesundem Menschenverstand, genau so, wie man nachts die Tür verriegelte.
Achtzehntes und neunzehntes Jahrhundert: die silberne Blütezeit
Gerade in der Epoche der Bourbonen, im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert, erreichte die Cimaruta als Schmuckstück ihre Blüte. Die neapolitanischen Silberschmiede brachten die Fertigung feiner durchbrochener Zweige in Gang, und aus dem dörflichen Selbstgemachten wurde ein wiedererkennbares städtisches Amulett. Man hängte es über die Wiege, steckte es an die Kinderkleidung, schenkte es zur Taufe.
Zu dieser Zeit bildete sich auch ein typisches Symbolensemble heraus. Die Werkstätten Neapels boten Cimaruten verschiedener Komplexität an: schlichtere mit drei bis vier Zeichen und reichere mit einer ganzen Traube von Figuren. Silber blieb die unbedingte Voraussetzung. Eine goldene Cimaruta hätte man beinahe für Unsinn gehalten: sie zerriss die Verbindung zum Mond.
Charles Leland und die „Aradia"
Weltbekanntheit brachte der Cimaruta der amerikanische Volkskundler Charles Godfrey Leland. Ende des neunzehnten Jahrhunderts sammelte er in der Toskana und der Romagna die Reste des Volksglaubens und beschrieb in seinem Buch „Etruscan Roman Remains" (1892) den Rautenzweig ausführlich als Amulett der dreifachen Göttin. Später, in der berühmten „Aradia oder das Evangelium der Hexen" (1899), gab er die Überlieferungen der italienischen Zauberinnen wieder, in denen Diana und ihre Tochter Aradia die zentralen Figuren waren.
Lelands Arbeiten sind umstritten: ein Teil der Forscher meint, er habe das gesammelte Material ausgeschmückt und ergänzt. Doch gerade ihm ist es zu verdanken, dass die Cimaruta ins Blickfeld europäischer und amerikanischer Autoren geriet und im zwanzigsten Jahrhundert zu einem der Symbole des wiedererwachten Interesses an Hexenschmuck und okkulter Ästhetik wurde. Aus dem neapolitanischen Wiegenanhänger wurde ein Zeichen einer ganzen Bewegung.
Regionale Varianten
Einen einheitlichen Kanon hatte die Cimaruta nicht, und die Geografie erklärt das gut. Der klassische silberne Zweig mit dem vollen Ensemble der Mondsymbole stammt aus Neapel und dem umliegenden Kampanien, wo der Diana-Kult und das Handwerk der Silberschmiede besonders dicht zusammentrafen. Gerade der neapolitanische Typ mit der durchbrochenen dreifachen Verzweigung wurde in den Museumssammlungen zum „Musterexemplar".
Das Material, das Leland sammelte, stammte aus der Toskana und der Romagna, aus Mittel- und Norditalien. Die dortigen Zweige sind oft schlichter als die neapolitanischen und stützen sich stärker auf den mündlichen Spruch als auf ein reiches Figurenensemble. In Sizilien und im Süden des Festlands vertraute man den Schutz vor dem bösen Blick häufiger dem Cornicello und der mano cornuta an, und die Cimaruta kam seltener vor und galt als Sache der Heilkundigen.
Auch das Zeichenensemble war verschieden. An manchen Orten herrschte das strenge Mondminimum aus Mondsichel, Schlange und Schlüssel, an anderen behängte man den Zweig dicht mit christlichen Herzen und Cherubim und versöhnte so das alte Amulett mit der Kirche. An diesen Akzenten erkennt ein Kenner manchmal, aus welcher Ecke Italiens ein bestimmtes Exemplar stammt, ungefähr so, wie man am Tonfall einen Landsmann erkennt.
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Woraus man die Cimaruta fertigt
Silber als Metall des Mondes
Silber ist für die Cimaruta keine Designerwahl, sondern eine Forderung der Tradition. Das weiße, kalte Metall verband man seit jeher mit dem Mond, wie man Gold mit der Sonne verband. Da das Amulett der Mondgöttin Diana geweiht ist, fertigt man es aus ihrem Metall. Ein silberner Zweig ist buchstäblich ein Stück Mondlicht an der Kette.
Silber hat auch eine praktische Seite. Es ist weicher als Gold und lässt sich leichter in feiner durchbrochener Arbeit bearbeiten, und genau eine solche Arbeit braucht es, um den Zweig mit all seinen Verzweigungen und Figürchen zu gießen. Für den Alltag eignet sich 925er Silber: stabil genug und für die meisten Menschen verträglich.
Warum nicht Gold und nicht Koralle
Den Cornicello fertigt man aus roter Koralle und Gold, und das ist folgerichtig: das Horn ist der Lebenskraft, dem Blut, dem sonnenhaften Glück geweiht. Die Cimaruta spielt auf einem anderen Feld. Ihr Element ist die Nacht, der Mond, das Geheimnis, das Weibliche. Rote Koralle und gelbes Gold passen dem Sinn nach schlicht nicht dazu.
Selten begegnet man vergoldeten oder mit Koralle besetzten Einlagen auf silberner Grundlage, doch ein reines Goldexemplar kennt die Tradition nicht. Wenn man Ihnen eine goldene „Cimaruta" anbietet, haben Sie eher eine moderne Stilisierung vor sich als die Nachbildung eines echten Amuletts. Ein echter Rautenzweig leuchtet stets in kaltem Licht.
Moderne Werkstoffe
Heute gießt man die Cimaruta sowohl aus Silber als auch aus günstigeren Legierungen. Es gibt Fassungen aus Neusilber, aus versilbertem Messing, aus Edelstahl mit weißer Beschichtung. Das symbolische Gewicht ist dasselbe: es wirkt das Ensemble der Zeichen, nicht der Feingehalt des Metalls.
Für alle, die das Amulett täglich tragen und sich nicht mit der Pflege abmühen wollen, ist Stahl praktisch: er läuft nicht an, hinterlässt keine grünen Spuren auf der Haut und scheut kein Wasser. Kenner wählen dagegen nach wie vor Silber, wegen der Verbindung zur Mondtradition und wegen des lebendigen Glanzes, den nur echtes Metall gibt.
Pflege des silbernen Zweigs
Eine durchbrochene Cimaruta braucht etwas mehr Aufmerksamkeit als ein glatter Anhänger, denn Schmutz und Anlauf verstecken sich gern in den Gabelungen des Zweigs und in den feinen Durchbrüchen der Figuren. Silber läuft mit der Zeit vom Kontakt mit Luft, Schweiß und Kosmetik an, das ist eine normale Oxidation und kein Verderben des Amuletts. Viele Kenner lieben im Gegenteil das leichte Schwarz in den Vertiefungen: es betont das Relief und gibt dem Zweig ein altes Aussehen.
Man reinigt die Cimaruta mit einem weichen Silbertuch, die schwierigen Stellen geht man mit einer weichen Zahnbürste und einem Tropfen Seife ab und wischt danach trocken. Aggressive Pasten und harte Schleifmittel sind dem Durchbruchwerk abträglich, sie schleifen die feine Ausarbeitung der Symbole ab. Über Nacht nimmt man das Amulett besser ab und bewahrt es in einem Stoffbeutel oder einem luftdichten Kästchen auf, dann läuft das Silber langsamer an. Parfüm und Creme trägt man auf, bevor man den Anhänger anlegt, nicht danach: so setzt sich die Chemie der Kosmetik nicht auf dem Metall ab.
Wie man die Cimaruta trägt
Am Hals als Anhänger
Die vertrauteste Weise ist, die Cimaruta an eine Kette zu hängen und am Herzen zu tragen. Die flache Form legt sich eben auf die Brust, ohne sich umzudrehen, deshalb sind die Symbole stets mit der Vorderseite der Welt zugewandt. Die Kette wählt man dünn und silbern, im Ton des Amuletts, damit sie mit dem durchbrochenen Zweig nicht streitet.
Der Anhaltspunkt für die Länge ist einfach. Eine kurze Kette hält die Cimaruta offen, sichtbar. Eine mittlere lässt sie über wie unter dem Kragen tragen. Eine lange verbirgt das Amulett näher am Körper, für alle, die den unauffälligen Schutz vorziehen. Anders als beim Cornicello gibt es bei der Cimaruta keine strenge Regel „mit der Spitze nach unten": man hängt sie so, wie sich der Zweig am schönsten legt.
Im Haus, über der Wiege, auf Reisen
Historisch war der wichtigste Ort der Cimaruta die Kinderstube. Das Amulett steckte man an die Windel, hängte es über die Wiege, nähte es an das Mützchen des Säuglings. Die Logik ist dieselbe wie bei anderen Schutzamuletten: das Kind ist das verwundbarste Wesen im Haus, und auf es fällt zuerst der neidische Blick.
Erwachsene trugen den Zweig auch bei anderen Gelegenheiten: sie nahmen ihn auf Reisen mit, hängten ihn ins neue Haus, hielten ihn im Laden hinter dem Ladentisch. Eine silberne Cimaruta kann man an die Tasche stecken, an den Schlüsselbund hängen, ans Kopfende des Betts legen. Regeln gibt es hier wenige, wichtig ist, dass das Amulett bei dem Menschen ist oder bei dem, was er behütet.
Amulett und Spruch gegen den bösen Blick
Der silberne Zweig wirkte selten allein. In der neapolitanischen Tradition war er Teil eines ganzen Ritus gegen das malocchio, den bösen Blick. Man erkannte den bösen Blick auf einfache Weise: man tropfte Olivenöl in einen Teller mit Wasser und sah, ob es zerlief oder sich zu einem Äuglein zusammenzog. Zerliefen die Tropfen, galt der böse Blick als gegeben, und über dem Menschen sprach man einen besonderen Spruch, oft über die weibliche Linie weitergegeben und nur an bestimmten Tagen.
Die Cimaruta war in diesem Verbund für den ständigen Schutz zuständig, während Spruch und Öl die „Erste Hilfe" leisteten, wenn das Unheil bereits nahte. Das eine hob das andere nicht auf: das Amulett trug man täglich, und den Ritus mit dem Öl vollzog man bei einer Unpässlichkeit des Kindes oder einem plötzlichen Leiden. Das Wissen um den Spruch galt als Familienschatz, und seine Weitergabe an die neue Hausherrin war nicht weniger wichtig als die Weitergabe des silbernen Zweigs selbst.
Womit man sie kombiniert
Der durchbrochene silberne Zweig verträgt sich mit schlichten Stücken und mit anderer Symbolik:
- Mit dünnen silbernen Ketten in verschiedenem Geflecht.
- Mit einem Cornicello an einer benachbarten Kette: die Neapolitaner trugen oft beide Amulette zusammen.
- Mit einem Nazar oder blauen Auge, wenn man den Schutz aus verschiedenen Traditionen zusammenstellen möchte.
- Mit Mond- und Sternanhängern, die mit der Mondsichel am Zweig widerhallen.
- Mit einem Kreuzchen: wie der Cornicello vertrug sich die Cimaruta über Jahrhunderte friedlich mit christlichen Zeichen.
Das Einzige, was man meiden sollte, ist die Überladung. Die Cimaruta ist an sich komplex, mit einem Dutzend kleiner Symbole, und neben einem ebenso kleinteiligen Schmuckstück geht sie unter. Sie braucht Luft und einen glatten Hintergrund, damit sich jedes Figürchen lesen lässt.
Silber, Amulette gegen den bösen Blick, Symbolik, Mond- und Schutzanhänger.
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Für wen die Cimaruta passt
Die kurze Antwort: für alle, denen die Idee des Schutzes durch Symbole nahe ist und die Dinge mit einer Geschichte im Inneren lieben.
Die Cimaruta ist kein geschlossenes Kulturzeichen und kein religiöser Gegenstand im strengen Sinn. Sie tragen Menschen verschiedener Überzeugungen, und keine Tradition verbietet einem Menschen ohne italienische Wurzeln, einen Rautenzweig anzulegen. Die Italiener freuen sich eher über das Interesse an ihrer Volkskultur, besonders wenn man weiß, welche Symbole am Zweig hängen.
Das Amulett passt gut:
- Denen, denen ein Zeichen zu wenig ist. Wenn der Cornicello zu einfach erscheint, gibt die Cimaruta ein ganzes Sternbild von Bedeutungen auf einem Anhänger.
- Liebhabern der Mond- und okkulten Ästhetik. Mondsichel, Schlange, Schlüssel der Hekate fügen sich zu einer wiedererkennbaren nächtlichen Sprache.
- Kennern der Geschichte. Hinter dem Zweig stehen die antike Diana, die neapolitanischen Hexen und die Bücher Lelands.
- Als sinnvolles Geschenk. Nach derselben Logik wie beim Cornicello schenkt man das Amulett traditionell, statt es sich selbst zu kaufen, und besonders oft zur Geburt eines Kindes.
- Männern und Frauen. Innerhalb der Tradition galt die Cimaruta eher als weibliches und kindliches Amulett, doch der silberne Zweig steht allen gleich gut, und die strenge Grafik der Figuren wirkt nicht „geschlechtsfremd".
Man sollte ehrlich auch sagen, wem der Rautenzweig weniger passt. Wenn Sie große, auffällige Schmuckstücke mit einem hellen Akzent lieben, kann die kleinteilige Cimaruta unruhig wirken. Wenn Ihnen warmes Gold näher ist als kaltes Silber, streitet das traditionelle Amulett mit der übrigen Garderobe. Und wenn Sie ein Zeichen wollen, das den Umstehenden auf den ersten Blick klar ist, bedenken Sie: die Cimaruta erkennen nur wenige. Anders als der Cornicello oder das blaue Auge bleibt sie ein Symbol für Eingeweihte. Für den einen ist das ein Minus, für den anderen gerade der Hauptreiz.
Die Psychologie des Amuletts
Man muss nicht an die Mondgöttin glauben, damit die Cimaruta wirkt. Die Mechanismen, die Schutzamulette nützlich machen, sind untersucht und brauchen keine Mystik.
Senkung der Angst. Ein Mensch, bei dem „etwas gedeckt" ist, wälzt seltener mögliche Übel im Kopf. Der silberne Zweig am Hals gibt das Gefühl, dass ein Teil der Sorgen an das Amulett delegiert ist, und der Geist lässt überflüssige Unruhe los.
Anker der Erinnerung. Wenn ein naher Mensch die Cimaruta schenkt, wird der Anhänger zur stofflichen Bindung an diese Person. Der Blick fällt auf den Zweig, und im Kopf taucht der auf, der ihn geschenkt hat. Mit der Zeit wirkt das wie ein stiller Regler der Stimmung.
Taktile Beruhigung. Die kleinen Figuren am Zweig lassen sich angenehm mit den Fingern befühlen. Die Gewohnheit, im Moment der Unruhe das Amulett zu berühren, lenkt ab und beruhigt, eine einfache Selbstregulation, die viele Jahrhunderte alt ist.
Bekräftigung der Identität. Für einen Menschen, dem das Thema der Volksmagie und der Mondsymbolik nahe ist, ist das Tragen der Cimaruta ein tägliches „so bin ich". Anker der Identität erhöhen die Widerstandskraft gegen Stress, deshalb tragen Menschen so gern die Zeichen dessen, woran sie glauben.
Nichts Übernatürliches steckt darin. Das Amulett ändert nicht die Wirklichkeit, es ändert das Verhältnis der Trägerin zu ihr, und es ändert es messbar.
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Die Cimaruta in Kunst und Sammlungen
Alte Cimaruten bewahrt man heute in ethnografischen und Schmucksammlungen Europas auf. Man schätzt sie sowohl als Volkskunst wie als Quelle zur Geschichte des Glaubens Süditaliens. Betrachtet man eine Auswahl solcher Amulette, sieht man, wie sich die Mode auf Symbole wandelte: an einer Stelle herrscht die Mondsichel, an anderer christliche Herzen und Cherubim, wieder anderswo ein ganzer Zoo aus Schlangen, Fischen und Hähnen.
Im zwanzigsten Jahrhundert trat das Bild der Cimaruta über die Grenzen der Ethnografie hinaus. Künstler und Goldschmiede des wiedererwachten Interesses am Okkulten begannen, den Rautenzweig in modernem Schmuck neu zu denken. Er blitzt in Kollektionen zum Hexen- und Mondthema auf, in Illustrationen zu Büchern über Volksmagie, in Arbeiten von Meistern, die sich bewusst auf die mittelmeerische Tradition stützen. Für viele wurde die Cimaruta zum grafischen Symbol des „alten Glaubens" überhaupt, gleichrangig mit Pentagramm und Mondsichel.
Ein eigenes Leben führt das Amulett in der digitalen Kultur. In Gemeinschaften, die sich für Volkskunde und die Geschichte der Magie begeistern, wird der Rautenzweig besprochen, gezeichnet, als Tätowierung gestochen. Aus einem lokalen neapolitanischen Amulett ist ein wiedererkennbares Zeichen für alle geworden, denen das Thema der Mondgöttinnen und der volkstümlichen Zauberei am Herzen liegt.
Wie man eine Cimaruta auswählt
Größe und Detailtreue
Für einen Alltagsanhänger sind drei bis fünf Zentimeter optimal. Unter drei verschwimmen die Figürchen und verlieren an Lesbarkeit, denn der ganze Reiz der Cimaruta liegt in den wiedererkennbaren Symbolen. Über sechs beginnt das Amulett den Look zu erdrücken und bleibt mit den durchbrochenen Rändern an der Kleidung hängen.
Achten Sie auf die Ausarbeitung. Bei einer guten Cimaruta ist jedes Symbol erkennbar: die Mondsichel ist eine Mondsichel und kein namenloser Schnörkel, der Schlüssel liest sich als Schlüssel, der Hahn als Hahn. Billige Güsse geben oft verwaschene Figürchen, bei denen sich die Hälfte der Zeichen nicht bestimmen lässt. Ein Amulett, dessen Symbole man nicht lesen kann, verliert seinen Hauptsinn.
Echtheit der Symbole
Bevor Sie kaufen, klären Sie, was genau am Zweig hängt. Der klassische Kern ist Mondsichel, Schlange, Schlüssel, Hand, Hahn, Blüte. Wenn ein Verkäufer das Stück Cimaruta nennt, es aber ein zufälliges Ensemble ohne ein einziges Mond- oder Schutzzeichen trägt, haben Sie eher einen abstrakten Zweig vor sich als ein echtes Amulett.
Fragen Sie nach dem Symbolensemble und seiner Bedeutung. Eine gewissenhafte Werkstatt erklärt, warum sie gerade diese Figuren zusammenstellte. Das unterscheidet ein sinnvolles Amulett von einem Schmuckstück, das einfach eine modische Form wiederholt, ohne sie zu verstehen.
Wo man suchen sollte
- Bei den Silberschmieden Süditaliens, wenn Sie ein Stück mit historischer Genauigkeit und dem vollen Ensemble traditioneller Zeichen wünschen.
- Bei modernen Goldschmieden des Mond- und Okkultthemas, wenn Sie eine eigenwillige Neudeutung für Ihren Stil suchen.
- In ethnografischen und Antiquitätenläden, wenn Sie ein altes Exemplar mit Geschichte jagen.
Meiden Sie gesichtslose Massenware, bei der man die Cimaruta als „einfachen Zweiganhänger" ausgibt. Der Wert des Amuletts liegt im sinnvollen Ensemble der Symbole und in der Verbindung zur Tradition, nicht allein in der botanischen Form.
Wie man den alten Zweig vom Nachbau unterscheidet
Eine antike Cimaruta verrät ihr Alter durch mehrere Merkmale. Man schaut auf die Rückseite: bei altem Guss ist sie meist nicht so glatt wie die Vorderseite, mit Spuren der Handnacharbeit und einer weichen, tiefen Patina in den Vertiefungen, die sich künstlich schwer nachahmen lässt. Ein gleichmäßiges, überall gleiches Schwarz spricht öfter für ein absichtliches „Altmachen" eines neuen Stücks.
Es hilft auch der Feingehaltsstempel. Alte neapolitanische Sachen punzierte man nicht immer nach einheitlichem Standard, doch viele tragen lokale Beschauzeichen, nach denen ein Fachmann das Stück datiert. Das völlige Fehlen von Stempeln ist an sich kein Urteil, aber ein Anlass, den Verkäufer nach der Geschichte des Stücks zu fragen. Schließlich schaut man auf den Verschleiß von Öse und Anhängerring: bei einem Amulett, das jahrzehntelang an der Kette getragen wurde, ist die Öse meist abgeschliffen und ausgezogen. Eine ideal frische Öse an einem „hundertjährigen" Zweig ist ein Anlass zum Zweifeln.
Nichts Schlechtes steckt in einem modernen Nachbau, eine gute neue Cimaruta wirkt genauso wie eine alte. Die Alterungsmerkmale zu kennen lohnt aus einem anderen Grund: um zu verstehen, was genau man in der Hand hält, und einen frischen Guss nicht für eine seltene Antiquität zu halten.
Cimaruta und Cornicello: worin der Unterschied liegt
Beide Amulette stammen aus Süditalien, beide schützen vor dem bösen Blick, und beide trugen die Neapolitaner oft zusammen. Doch sie sind verschieden gebaut, und das Verständnis des Unterschieds hilft, das Eigene zu wählen.
Form. Der Cornicello ist ein einzelnes geschwungenes Horn, plastisch und glatt. Die Cimaruta ist ein flacher, sich verzweigender Zweig mit einer Traube kleiner Symbole. Ein Zeichen gegen ein ganzes Sternbild.
Material. Den Cornicello fertigt man aus roter Koralle und Gold und spielt auf die sonnenhafte, lebensspendende Symbolik an. Die Cimaruta ist silbern, mondhaft, weiblich. Die Metalle sind absichtlich entgegengesetzt.
Sinn. Der Cornicello trifft ein Ziel: die Spitze „durchsticht" den bösen Blick. Die Cimaruta ist ein Ensemble von Amuletten, bei dem jede Figur ihre eigene Gefahr abdeckt, und zusammen verweisen sie auf die dreifache Göttin Diana.
Verbreitung. Der Cornicello wurde ein globales Symbol Italiens, man kennt ihn von New York bis Tokio. Die Cimaruta blieb seltener und esoterischer, ein Zeichen für alle, die tiefer in die Volksmagie gegraben haben.
| Merkmal | Cimaruta | Cornicello |
|---|---|---|
| Form | Rautenzweig mit Symbolen | Einzelnes geschwungenes Horn |
| Material | Silber (Metall des Mondes) | Koralle, Gold (Sonne) |
| Symbolik | Zeichenensemble, dreifache Göttin | Ein Zeichen, Spitze gegen den bösen Blick |
| Ursprung | Neapel, Diana-Kult | Antikes Rom, Hornkult |
| Verbreitung | Selten, esoterisch | Globales Symbol Italiens |
Man trägt sie zusammen
Der Gegensatz ist hier bedingt. In der neapolitanischen Tradition hängte man Cornicello und Cimaruta ruhig an einen Hals oder an benachbarte Ketten. Die Logik ist einfach: das Horn ist für den direkten Schlag gegen den bösen Blick zuständig, der Zweig für den breiten Schutz vor einem ganzen Spektrum von Übeln. Das sonnenhafte Horn und der mondhafte Zweig ergänzen einander und schließen den Kreis der Verteidigung.
Wenn Sie schon einen Cornicello tragen und das Ensemble verstärken möchten, ist die Cimaruta der natürliche nächste Schritt. Und umgekehrt: zum silbernen Zweig passt gut ein Korallenhorn dazu, um der Sonnen-Mond-Balance willen. Den Schutz aus mehreren Amuletten verschiedener Traditionen zusammenzustellen, ist eine alte mittelmeerische Gewohnheit und keine moderne Mode.
Der Unterschied der Charaktere ist dabei gut zu bemerken. Der Cornicello ist jedem Passanten verständlich, er wurde längst zur Postkarte aus Italien und braucht keine Erläuterung. Die Cimaruta dagegen ist ein Ding zum Reden: fast jeder, der sie bemerkt, fragt, was das für ein Zweig sei und warum so viele Figuren daran hängen. Das eine Amulett wirkt als Zeichen der Zugehörigkeit, das andere als Anlass, eine ganze Geschichte über Diana, die Raute und die neapolitanischen Hexen zu erzählen. Viele Kenner halten gerade deshalb beide: das Horn für jeden Tag, den Zweig für jene Gelegenheiten, bei denen der Schmuck sprechen soll.
Cimaruta, Lunula und Nazar
Der Rautenzweig ist nicht der einzige mittelmeerische Schild gegen den bösen Blick, und es lohnt sich, ihn in der Reihe seiner Verwandten zu sehen. Am nächsten steht ihm die antike Lunula, ein schlichter Mondsichelanhänger, den man im alten Rom Mädchen um den Hals hängte, des Mondschutzes wegen. Im Grunde ist die Lunula ein einzelner Ausläufer der Cimaruta, jene Mondsichel, die zu einem eigenständigen Amulett herangewachsen ist. Der Rautenzweig hat die Lunula gleichsam in sich aufgenommen und mit anderen Zeichen behängt.
Der Nazar, das blaue Glasauge, kam vom anderen Ufer, aus dem östlichen Mittelmeer und Anatolien. Er trifft dieselbe Gefahr, den bösen Blick, wirkt aber anders: nicht durch ein Ensemble der Symbole der dreifachen Göttin, sondern durch den spiegelnden Blick, der den Neid auf den Neider zurückwirft. Die Hand der Fatima, die Hamsa, fügt dem Auge eine schützende Handfläche hinzu und kommt aus der nahöstlichen Tradition.
Der Unterschied zwischen ihnen liegt nicht in der Kraft, sondern in der Sprache. Die Cimaruta spricht die Sprache des antiken Italiens und des Mondkults, der Nazar die Sprache des östlichen Spiegelamuletts, die Hamsa die Sprache der nahöstlichen Handflächen. Sie zusammenzustellen, wie man es in den mittelmeerischen Hafenstädten seit Langem tut, heißt, die Gefahr gleich in mehreren „Mundarten" abzudecken.
Mythen über die Cimaruta
Um den Rautenzweig ist über die Jahrhunderte eine Menge an Vorstellungen gewachsen, und nicht alle sind zutreffend. Ein Teil hält sich an einer echten Tradition, ein Teil an späten Erfindungen. Die Karten oben nehmen die häufigsten Behauptungen auseinander, hier aber lohnt es, das Wichtigste zu betonen: die Cimaruta hat keinen einzigen „richtigen" Kanon.
Das Symbolensemble, die Zahl der Figuren, sogar die genaue Bedeutung einzelner Zeichen wechselten von Werkstatt zu Werkstatt und von Jahrhundert zu Jahrhundert. Darüber zu streiten, ob eine „echte" Cimaruta acht Symbole gegen eine „echte" mit dreien trägt, ist sinnlos. Beide sind echt, sie sprechen nur verschiedene Mundarten einer Sprache der Amulette. Der Wert des Zweigs liegt in der lebendigen Verbindung zur Tradition, nicht in der buchstäblichen Übereinstimmung mit irgendjemandes Katalog.
Fakten, die überraschen
Ein Amulett gegen Hexen und für Hexen. Die Cimaruta schützte zugleich vor der Zauberei und war das Erkennungszeichen jener, die an dieser Zauberei teilnahmen. Ein und derselbe Gegenstand diente als Schild und als Ausweis.
Die Raute ist giftig. Die Pflanze, die zum Symbol des Schutzes wurde, ruft beim Hautkontakt in der Sonne Verbrennungen hervor, und in großen Dosen ist sie gefährlich. Die Alten wussten um ihre Schärfe, und wahrscheinlich überzeugte gerade diese „Kraft" des Krauts sie davon, dass es auch das Böse ausbrennen kann.
Die Drei steckt im Kraut selbst. Die Raute verzweigt sich in der Natur zu dreien, und das fügte sich ideal in den Kult der dreifachen Göttin. Die Pflanze gab gleichsam selbst die Form des Amuletts vor, für die dreifache Göttin Diana, Hekate und Mond.
Den Ruhm brachte ein Amerikaner. Nicht ein italienischer Gelehrter, sondern der Volkskundler aus den USA Charles Leland führte die Cimaruta Ende des neunzehnten Jahrhunderts in die Weltliteratur ein. Ohne seine Bücher wäre der Zweig eine lokale neapolitanische Kuriosität geblieben.
Nie golden. Anders als fast alle Prunkamulette ist die Cimaruta grundsätzlich silbern. Eine goldene Fassung zerreißt die Verbindung zum Mond und hätte in der alten Tradition als leere Hülle gegolten.
Hahn und Sichel teilen den Tag. Auf einem Anhänger vertragen sich der sonnenhafte Hahn und die mondhafte Sichel. Zusammen geben sie eine Wache rund um die Uhr: der Hahn bewacht Tag und Morgenröte, die Sichel die Nacht.
Die Stadt der Hexen gibt es wirklich. Benevento in Kampanien trug jahrhundertelang den Ruf eines Ortes der Hexensabbate rund um einen legendären Nussbaum. Von dort stammt auch ein Teil der Überlieferungen, die hinter der Cimaruta stehen.
Hexen kämpften im Schlaf. Im Norden Italiens glaubte man an die Benandanti, die „zum Guten Gehenden", die nachts ihren Körper verließen und mit Fenchelstängeln gegen die Hexen um die Ernte fochten. Die Inquisition konnte jahrhundertelang nicht entscheiden, ob das Zauberer waren oder Beschützer vor der Zauberei, genau so, wie die Raute Waffe gegen die Hexen und Kraut der Hexen selbst war.
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Häufige Fragen
Was bedeutet das Wort Cimaruta? Das Wort setzt sich aus den neapolitanischen cima (Spitze, Trieb) und ruta (Raute) zusammen und bedeutet wörtlich „Spitze der Raute". Das Amulett fertigt man in Form eines Zweigs dieses Krauts. Die Raute galt seit der Antike als Pflanze, die das Böse vertreibt, deshalb wurde gerade ihr Zweig zur Grundlage des Amuletts.
Wovor schützt die Cimaruta? Vor allem vor dem bösen Blick (malocchio) und vor der Zauberei. Jedes Symbol am Zweig deckt seine eigene Gefahr ab: die Mondsichel gibt nächtlichen Schutz, die Hand wehrt den bösen Blick ab, die Schlange wahrt die Gesundheit, der Hahn vertreibt das nächtliche Gesindel, der Schlüssel verschließt die Schwelle des Hauses. Zusammen fügen sie sich zu einer breiten Verteidigung.
Warum fertigt man die Cimaruta aus Silber? Silber ist das Metall des Mondes, und das Amulett ist der Mondgöttin Diana geweiht. Gold und Koralle sind mit der Sonne und der Lebenskraft verbunden, deshalb überließ man sie dem Cornicello. Eine echte traditionelle Cimaruta ist stets silbern oder aus weißem Metall, eine goldene Fassung erkennt die alte Tradition nicht an.
Ist die Cimaruta ein heidnisches oder ein christliches Symbol? Beides zugleich. Zugrunde liegt der antike Diana-Kult und die Volksmagie Süditaliens, doch mit der Zeit fügte man dem Zweig christliche Zeichen hinzu: Herz, Cherub, Fisch. Das Amulett vertrug sich über Jahrhunderte friedlich mit dem Kreuzchen, wie auch der Cornicello. Zwei Systeme wirkten nebeneinander.
Darf ich eine Cimaruta tragen, wenn ich kein Italiener bin? Ja. Das ist kein geschlossenes Kulturzeichen. Den Rautenzweig tragen weltweit Menschen, denen das Thema der Mondsymbolik und der Volksmagie nahe ist. Die Italiener nehmen das Interesse an ihrer Tradition eher als Kompliment auf.
Wie viele Symbole muss eine echte Cimaruta haben? Eine strenge Zahl gibt es nicht. Den Kern bilden Mondsichel, Schlange und Blüte oder Schlüssel, und weiter fügte der Meister Figuren nach Geschmack hinzu, von drei bis zu zehn und mehr. Ein Exemplar mit drei Zeichen ist nicht weniger echt als eines mit zehn. Wichtig ist, dass sich die Symbole lesen lassen und einen Sinn haben.
Worin unterscheidet sich die Cimaruta vom Cornicello? Der Cornicello ist ein einzelnes Horn aus Koralle oder Gold, das den bösen Blick mit der Spitze „durchsticht". Die Cimaruta ist ein silberner Zweig mit einem Symbolensemble, der dreifachen Göttin geweiht. Das Horn ist sonnenhaft und zweckgebunden, der Zweig mondhaft und vielschichtig. Die Neapolitaner tragen oft beide Amulette zusammen.
Schenkt man die Cimaruta oder kauft man sie sich selbst? Nach der Tradition schenkt man das Amulett üblicherweise, wie auch den Cornicello. Besonders oft überreichte man die Cimaruta zur Geburt eines Kindes und hängte sie über die Wiege. Ein mit gutem Vorsatz geschenktes Stück gilt als stärker als ein gekauftes, obwohl niemand verbietet, sich den Zweig selbst zu kaufen.
Wie pflegt man eine silberne Cimaruta? Mit einem weichen Silbertuch reinigen, die schwierigen Gabelungen mit einer weichen Bürste und einem Tropfen Seife abgehen und trocken wischen. Schleifende Pasten tragen die feine Ausarbeitung der Symbole ab, deshalb verwendet man sie nicht. Aufbewahren am besten in einem luftdichten Stoffbeutel, und Parfüm sowie Creme aufträgt man, bevor man den Anhänger anlegt. Ein leichtes Schwarz in den Vertiefungen verdirbt das Amulett nicht, sondern betont das Relief des Zweigs.
Stimmt es, dass die Raute giftig ist? Ja, frische Raute ist scharf: ihr Saft kann beim Hautkontakt in der Sonne eine Verbrennung hervorrufen, und in großen Dosen ist die Pflanze gefährlich. Genau diese Kraft des Krauts hielten die Alten für einen Beweis seiner Fähigkeit, das Böse zu vertreiben. Auf das silberne Amulett wirkt sich das nicht aus, denn im Metall bleibt von der Pflanze nur die Form, nicht der Saft.
Worin unterscheidet sich die Cimaruta von der Lunula? Die Lunula ist ein schlichter antiker Mondsichelanhänger, ein einzelnes Mondzeichen. Die Cimaruta schließt die Mondsichel als einen ihrer Ausläufer ein, fügt ihr aber Schlange, Schlüssel, Hand, Hahn und Blüte hinzu und legt so ein ganzes Ensemble von Amuletten um das Bild der dreifachen Göttin. Man könnte sagen, die Lunula sei eine Cimaruta, auf ein einziges Symbol reduziert.
Kann man sich eine Cimaruta tätowieren lassen? Kein Verbot legt die Tradition auf. In Gemeinschaften, die sich für Volkskunde und das Mondthema begeistern, sticht man den Rautenzweig tatsächlich als Zeichen des „alten Glaubens". Der Sinn bleibt dabei derselbe wie beim Metallamulett: Schutz und Verbindung zur Volksmagie Süditaliens. Der Unterschied liegt nur darin, dass sich eine Tätowierung nicht abnehmen und weiterschenken lässt wie ein silberner Anhänger.
Die Cimaruta lebt im geschwärzten Silber. Spiegelblank poliert verschmilzt der Zweig zu einem glänzenden Klumpen, während die dunkle Patina in den Gabelungen jede Figur heraushebt. Sie auf Hochglanz zu bringen ist hier fast Vandalismus.
Womit man die Cimaruta trägt
Geschichte und Symbole haben wir besprochen, jetzt zum Tragen. Ich habe hier zusammengetragen, was wirklich funktioniert, wenn man die Cimaruta aus der Vitrine nimmt und einem lebendigen Menschen anlegt.
In welchem Silber sollte man die Cimaruta nehmen? Nur weißes Silber, und am besten geschwärzt. Das Amulett ist dem Mond geweiht, warmes Gold zerreißt die Verbindung und wirkt fremd. Ein zum Spiegel polierter Zweig verschmilzt auf der Brust zu einem hellen Klumpen, in dem sich weder Schlüssel noch Hahn ausmachen lassen. Geschwärztes (oxidiertes) Silber wirkt anders: die dunkle Patina zieht in die Gabelungen und Durchbrüche, hebt das Relief, und jedes Figürchen liest sich für sich. Für einen warmen Hautunterton wähle ich weiches, leicht mattes Silber, für einen kühlen empfehle ich ein tiefes Schwarz mit starkem Kontrast. Im Zweifel nehmen Sie das geschwärzte: der Durchbruch gewinnt darauf immer.
Einen kleinen Zweig oder einen großen mit einer Figurentraube? Ich schaue auf Hals und Gesichtszüge. Für einen schmalen Hals und feine Züge rate ich zu einer kompakten Cimaruta mit drei bis vier Zeichen: sie liest sich als feine Grafik und nicht als Traube. Einem breiten Hals und kräftigen Zügen empfehle ich einen reicheren Zweig mit sieben Figuren, er hat Raum, sich zu entfalten. Eine Regel gilt: je kleiner die Figürchen, desto wichtiger die klare Ausarbeitung und die Schwärzung, sonst hängt auf der Brust ein unbestimmbarer Schnörkel statt des Schlüssels der Hekate.
Womit kombiniert man die Cimaruta und wie baut man Schichten? Wenn ich einem Kunden den Look zusammenstelle, halte ich den Zweig als Hauptfigur und belaste ihn nicht mit Konkurrenten. Der Durchbruch ist ohnehin kleinteilig, neben einem ebenso kleinteiligen Schmuckstück geht er unter. Gute Nachbarn sind glatte Stücke im selben Metall: eine dünne silberne Kette, eine Lunula-Mondsichel, ein Korallen-Cornicello auf einer eigenen Länge, der Sonnen-Mond-Paarung wegen. Wenn Sie Schichten wollen, geben Sie der Cimaruta ihre eigene Kettenlänge, damit der Zweig nicht zwischen den Anhängern eingeklemmt wird. Die Metalle rate ich in einem kühlen Ton zu halten: Silber zu Silber, ohne warme Einlagen.
Unter welchen Ausschnitt und Anlass passt die Cimaruta? Der durchbrochene Zweig liebt einen glatten Hintergrund, deshalb wirkt er unter einem offenen Ausschnitt und einem einfarbigen Oberteil am besten: Haut und Stoff dienen als Passepartout, die Symbole lesen sich. Unter einem geschlossenen Kragen wähle ich eine kürzere Cimaruta, damit sie über dem Halsausschnitt liegt und sich nicht in den Falten verbirgt. Für den Alltag empfehle ich mattes Silber ohne überflüssigen Glanz, und für den Abend und dunklen Stoff rate ich im Gegenteil zu kontrastreicher Schwärzung mit einem Schimmer an den Rändern: im Licht flackern die Figuren nacheinander auf.
Wem steht die Cimaruta? Sie steht fast allen, weil die Grafik streng und geschlechtslos ist. Besonders gut sitzt sie bei denen, die ein Stück mit Geschichte lieben und nichts dagegen haben, dass man es betrachtet und danach fragt. Männern empfehle ich eine kargere Fassung, mit dem Mondminimum aus Mondsichel, Schlange und Schlüssel, ohne Herzchen und Cherubim. Und eines vor dem Kauf: entfalten Sie den Zweig und prüfen Sie, dass sich jedes Symbol auf den ersten Blick erkennen lässt. Eine Cimaruta, bei der man den Hahn nicht von der Blüte unterscheidet, verliert den ganzen Sinn, um dessentwillen man sie zusammenstellte.

Kamera einschalten, Ohrringe, Anhänger oder Ring wählen, und das Stück in Echtzeit an sich sehen.
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Fazit
Die Cimaruta ging den Weg vom Rautenbüschel über der Dorftür bis zum feinen silbernen Anhänger mit einem Sternbild von Symbolen. Der Zweig nahm die antike Göttin Diana in sich auf, die nächtlichen Kräfte der Hekate, den sonnenhaften Hahn und eine ganze Reihe von Zeichen der Volksmagie Süditaliens. Auf einem einzigen kleinen Zweig fand das ganze Weltbild Platz, in dem Mond, Schlange und Schlüssel nicht weniger bedeuteten als das Schloss an der Tür.
Ob Sie an die Mondgöttin glauben oder einfach ein schönes Amulett mit tiefen Wurzeln schätzen, die Cimaruta bleibt eines der komplexesten und sprechendsten Symbole der mittelmeerischen Tradition. Neben dem geradlinigen Cornicello liest sie sich wie ein langer Satz neben einem einzigen treffenden Wort. Und beide haben ihre eigene Kraft.
Amulette gegen den bösen Blick: silberne Zweige, Hörner, Nazars und Hamsas in verschiedenen Metallen.
Über Zevira
Zevira fertigt Schmuck von Hand in Albacete, Spanien. Die Cimaruta gehört zu den Symbolen, die wir lieben: hinter einem scheinbar schlichten Zweig steht ein ganzes Universum mittelmeerischer Magie, und jedes seiner Zeichen lässt sich wie eine Zeile lesen. Wir bilden die traditionelle Verzweigung und die wiedererkennbaren Figuren nach, doch in modernen Proportionen und mit klarer silberner Grafik.
Was Sie bei uns zum Thema Amulette finden:
- Silberne Anhänger mit Mond- und Schutzsymbolik
- Cornicello-Anhänger in verschiedenen Farben für die Sonnen-Mond-Balance
- Nazars und Hamsas, um einen vielschichtigen Schutz aus verschiedenen Traditionen zusammenzustellen
- Dünne silberne Ketten in verschiedenem Geflecht für den durchbrochenen Zweig
- Symbolische Anhänger mit Schlangen, Schlüsseln und Mondsicheln
Jedes Schmuckstück fertigt ein Meister von Hand, mit der Möglichkeit persönlicher Gravur. Silber 925 und Gold 14 bis 18 Karat.



















