
Der Pfau im Schmuck: das "Auge" auf der Feder, das ein Volk als Schutzamulett traegt und ein anderes nicht ins Haus laesst
In Indien haengt man das "Auge" der Pfauenfeder ueber die Wiege, um das Kind vor dem boesen Blick zu schuetzen, in manchen englischen Haeusern bringt man dieselbe Feder bis heute nicht ueber die Schwelle, weil sie als Unglueck gilt. Ein und dasselbe Muster, zwei entgegengesetzte Urteile. Der Pfau ist ohnehin ein Vogel der Extreme: Man machte ihn zugleich zum Sinnbild der Unsterblichkeit, der Eitelkeit, der Herrschaft, des Paradieses und des boesen Blicks, und jede dieser Bedeutungen war einmal jemandes fester Glaube.
Dieser Artikel verfolgt den Pfau durch die Kulturen, in denen er etwas ernsthaft bedeutete: Indien mit seinen Goettern, Griechenland mit seiner Goettin, das fruehe Christentum mit seinem Versprechen der Auferstehung, das persische und islamische Bild vom Waechter des Paradieses, die chinesische Wuerde. Wir nehmen uns den zentralen Widerspruch vor, Schutzamulett gegen boesen Blick, erklaeren, warum die Feder zu einem eigenen Amulett und Mehndi-Muster wurde, und kommen bis zum Jugendstil, wo das Pfauenmotiv in Metall und Emaille eine wahre Bluete erlebte. Und vor allem: welche Steine und Techniken jenes blaugruene Schillern wiedergeben, das keine Fotografie ganz einfaengt.
Was der Pfau als Symbol ist und warum ihn Juweliere so lieben
Woher der Pfau seine "Augen" hat und warum gerade sie zur Bedeutung wurden
Der Schwanz des Pfaus ist kein Schwanz im gewohnten Sinn. Was sich faecherfoermig oeffnet, ist die Oberschwanzdecke, ein Buendel verlaengerter Deckfedern, und am Ende jeder sitzt ein leuchtender Fleck, den man im Deutschen "Auge" nennt und im Lateinischen Ocellus, "kleines Auge". Dieser Fleck besteht aus konzentrischen Ringen in Blau, Bronze, Gold und Gruen, und sie schillern nicht durch Pigment, sondern durch die Mikrostruktur der Feder: winzige Schichten werfen das Licht in verschiedenen Winkeln zurueck. Darum "brennt" die Feder anders, sobald man den Kopf dreht.
Eben dieses "Auge" gab dem Pfau fast seine ganze Symbolik. Voelker, die in ihm Schutz sahen, glaubten, das Auge auf der Feder wehre den fremden neidischen Blick nach dem Prinzip eines Spiegels ab. Wer den Pfau fuerchtete, sah in demselben Auge ein unheimliches Allsehen oder den "boesen Blick", der selbst Unglueck anzieht. Ein Muster, zwei Lesarten, und beide gruenden auf der Idee des Blicks.
Warum Juweliere den Pfau mehr lieben als viele andere Voegel
Der Pfau gibt dem Meister, was kaum eine andere Figur bietet: eine fertige Farbpalette und eine fertige Form. Der Schwanzfaecher ist eine natuerliche Komposition fuer Brosche, Anhaenger oder Ohrring, und das "Auge" auf der Feder verlangt geradezu nach einem eingesetzten Stein. Das blaugruene Schillern des Gefieders deckt sich mit dem, was Opal, Labradorit und Zellenschmelz koennen, darum wurde der Pfau zum Lieblingsmotiv jener Epochen, die in Farbe und fliessende Linie verliebt waren. Nimmt man die reiche Symbolik hinzu, versteht man, warum das Motiv Welle um Welle wiederkehrt.
Wo der Pfau wirklich lebt
Der uns vertraute blaue Pfau ist der indische (gewoehnliche) Pfau, beheimatet auf dem indischen Subkontinent und in Sri Lanka. Es gibt auch den gruenen Pfau Suedostasiens und den seltenen Kongopfau Afrikas. Fuer die Schmucktradition kam fast alle Bedeutung vom indischen: gerade seine Feder verbreitete sich ueber die Handelswege, gelangte in griechische, roemische, persische und europaeische Haende und zog einen ganzen Schweif von Geschichten hinter sich her.
Indien: Vogel der Goetter und nationales Symbol
Der Pfau und Sarasvati: Wissen vor Schoenheit
In der indischen Tradition ist der Pfau Reitvogel und Begleiter mehrerer Gottheiten, und jede setzt einen eigenen Akzent. Sarasvati, die Goettin der Weisheit, der Musik und der Kuenste, wird oft neben einem Pfau dargestellt. Hier steht der Vogel nicht fuer Eitelkeit, sondern fuer Unterscheidung: die Faehigkeit, echtes Wissen von leerem Glanz zu trennen. Das Paradox liegt darin, dass das prachtvollste Wesen einer Goettin dient, die Konzentration hoeher schaetzt als Schmuck. Den Pfau in dieser Logik zu tragen heisst, sich fuer Klarheit des Geistes zu entscheiden, und das schoene Stueck kommt als Zugabe.
Kartikeya auf dem Pfau: ein Krieger reitet die Schoenheit
Kartikeya (auch Skanda, Murugan), der Kriegsgott und Anfuehrer der himmlischen Heere, reitet auf einem Pfau namens Paravani. Der Mythos erklaert das schoen: Der Pfau kann Schlangen toeten, darum wurde er zum Sinnbild des Sieges ueber das Boese und ueber die eigenen niederen Leidenschaften. Ein Kriegsgott auf dem schoensten Vogel ist eine Erinnerung daran, dass Staerke und Anmut einander nicht widersprechen. In der suedindischen Tradition gehoert das Bild Murugans auf dem Pfau zu den beliebtesten.
Krishna und die Feder im Haar
Das bekannteste indische Pfauenbild ist die Feder in Krishnas Krone. Mor pankh, die Pfauenfeder, traegt Krishna im Haar, und dieses Motiv wiederholt sich in Malerei, Skulptur und Schmuck unendlich oft. Die Feder ist hier Zeichen der Liebe, der Freude und des Spiels, jener Eigenschaften, fuer die Krishna am meisten verehrt wird. Eine Feder in der Frisur oder am Anhaenger wird in der indischen Kultur sofort als Verweis auf ihn gelesen.
Der Nationalvogel Indiens
1963 wurde der Pfau offiziell zum Nationalvogel Indiens: fuer seine Schoenheit, fuer seine Verwurzelung in der Mythologie und dafuer, dass er im ganzen Land vorkommt. Das ist kein Museumsfaktum, sondern lebendiger Teil der Identitaet: der Pfau auf Stoffen, auf Geschirr, in der Architektur, im Hochzeitsschmuck. In den indischen Schmucktraditionen, besonders im Kundan- und Minakari-Stil, ist der Pfau eines der zentralen Motive, und man traegt ihn nicht als Exotik, sondern als das Eigene.
Kundan, Minakari und die Mogularbeit
Indien gab dem Pfau zwei Techniken, die ueber Jahrhunderte Bestand haben. Kundan ist das Fassen von Steinen in hauchduenne Streifen reinen Goldes ohne Krappen: Der Stein scheint in einem goldenen Rahmen zu schweben, und auf diese Weise legte man ganze Pfauenschwaenze in Halsketten und Stirnschmuck aus. Minakari ist mehrfarbige Emaille, meist auf der Rueckseite desselben Stuecks, und gerade sie gab das blaugruene Schillern der Feder lange vor dem europaeischen Jugendstil. Die Mogul-Meister verbanden Kundan vorn und Minakari hinten in einem einzigen Stueck, sodass der Pfau von vorn mit Steinen und von hinten mit Emaille strahlte. Diese Zweiseitigkeit ist einer der Gruende, warum der indische Pfau reicher wirkt als eine flache Brosche.
Mesopotamien und zoroastrische Wurzeln
Das Pfauenpaar am Lebensbaum ist aelter als Griechenland und das Christentum. Ein aehnliches Motiv, symmetrische Voegel zu beiden Seiten eines heiligen Baumes oder einer Quelle, findet sich schon in der Kunst Mesopotamiens und des alten Iran, wo es Fruchtbarkeit, Schutz und die Verbindung zum jenseitigen Garten bedeutete. Als spaeter Christen und Muslime dieses Bild aufgriffen, erfanden sie es nicht neu, sondern erbten ein fertiges Schema. Der Pfau am Baum ist eines der langlebigsten Ornamente der Menschheitsgeschichte.
Trage das Symbol, lies nicht nur darüber. Jetzt verfügbar:
Antikes Griechenland und Rom: der Vogel der Hera und die "Augen" des Argus
Der Mythos vom Argus: woher die Augen auf der Feder kamen
Die Griechen erklaerten die "Augen" auf dem Schwanz durch einen Mythos, und der ist duesterer, als er scheint. Hera, die eifersuechtige Gemahlin des Zeus, stellte den hundertaeugigen Riesen Argus Panoptes, den "Allsehenden", als Waechter ueber die in eine Kuh verwandelte Io. Argus hatte Augen am ganzen Koerper, und sie schliefen abwechselnd, sodass er nie alle zugleich schloss. Zeus schickte Hermes, der den Riesen einschlaeferte und toetete. Hera, die um ihren treuen Waechter trauerte, uebertrug seine Augen auf den Schwanz ihres Lieblingsvogels, des Pfaus. So gerieten die "Augen" auf die Feder.
Der Pfau als Vogel der Hera (Juno)
Der Pfau war der heilige Vogel der Hera, der Koenigin der Goetter, bei den Roemern der Juno. Den Wagen der Juno zogen nach poetischen Beschreibungen Pfauen. Der Vogel verkoerperte Koeniglichkeit, die Ehe und die Goettin selbst als Schutzherrin von Heirat und Staat. Darum verband man den Pfau in der Antike vor allem mit Macht und Wuerde, nicht mit leerer Eitelkeit: Diese Bedeutung kam erst spaeter, in der christlichen Moralistik.
Der Pfau und die Vergoettlichung der Kaiserinnen in Rom
Im kaiserlichen Rom hatte der Pfau eine ganz konkrete politische Rolle. Auf Muenzen, die zu Ehren verstorbener und vergoettlichter Kaiserinnen gepraegt wurden, bildete man den Pfau als Vogel ab, der die Seele in den Himmel zu Juno traegt. Der Adler trug die Seele des Kaisers, der Pfau die Seele der Kaiserin. So wurde der Vogel der Hera zum Zeichen der Apotheose, der Vergoettlichung, und tat den naechsten Schritt zum kuenftigen christlichen Sinn der Unsterblichkeit.
Fruehes Christentum: Unsterblichkeit und Auferstehung
Warum man den Pfau als Sinnbild der Unverweslichkeit ansah
Die fruehchristliche Kunst uebernahm den Pfau und gab ihm eine neue Deutung, gestuetzt auf den antiken Glauben, das Fleisch des Pfaus verwese nicht. Der heilige Augustinus schrieb, er habe das an gekochtem Pfauenfleisch geprueft, und es habe sich laenger gehalten als gewoehnlich. Ob das stimmt oder nicht, ist fuer das Symbol unwichtig: Ein Vogel, dessen Fleisch "nicht verdirbt", wurde zum natuerlichen Zeichen der Unverweslichkeit, der Unsterblichkeit der Seele und der Auferstehung. In den Katakomben, auf Sarkophagen und fruehen Mosaiken begegnet der Pfau staendig.
Mauser und Erneuerung: eine jaehrliche Auferstehung
Es gab auch ein zweites Argument. Der Pfau wirft jedes Jahr seinen prachtvollen Schwanz ab und laesst ihn neu wachsen, noch leuchtender. Fuer die Christen wurde das zur anschaulichen Metapher der Auferstehung und Erneuerung: Das Alte stirbt, das Neue wird schoener als zuvor geboren. Zwei Pfauen, die aus einem Kelch trinken oder sich zum Lebensbaum neigen, stellte man auf fruehchristlichen Reliefs als Bild des ewigen Lebens dar, das die Seele an der Quelle erlangt.
Der Pfau in der byzantinischen und mittelalterlichen Kunst
In Byzanz und im fruehen Mittelalter ging der Pfau fest ins Ornament ein: Mosaiken, Stoffe, Schnitzwerk, illuminierte Handschriften. Ein Pfauenpaar zu beiden Seiten eines Kelchs oder Baumes wurde zum festen dekorativen Zeichen fuer Paradies und Unsterblichkeit. Von dort kam das Motiv auch in den Schmuck: Anhaenger und Broschen mit Pfau trugen in der christlichen Kultur lange nicht "Stolz", sondern die Hoffnung auf das ewige Leben.
Kundenstimmen
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Persien und Islam: Waechter des Paradieses und der Thron mit zwei Pfauen
Zwei Pfauen am Baum: das Bild des Paradieses
In der persischen und weiter gefasst nahoestlichen Tradition ist der Pfau Waechter und Bewohner des Paradieses. Verbreitet ist das Motiv zweier Pfauen zu beiden Seiten des Lebensbaums oder eines Brunnens: ein symmetrisches Paar, das die Quelle der Ewigkeit huetet. Dieses Bild ist aelter als der Islam, wurzelt in der zoroastrischen und mesopotamischen Antike und ueberlebte alle Religionswechsel, weil es als dekoratives und sinntragendes Schema zu gut ist. Der blaugruene Vogel am Baum ist ein nahezu universelles Zeichen fuer den Garten der Seligkeit.
Der Pfau im islamischen Ornament und der "Pfauenthron"
In der islamischen Kunst, in der die Darstellung lebender Wesen eingeschraenkt ist, blieb der Pfau dennoch eines der Lieblingsbilder der weltlichen Hofkunst: auf Stoffen, Keramik, in der Buchmalerei. Der beruehmteste Nachhall ist der "Pfauenthron" der Grossmogulen, ein legendaerer Thron, dessen Rueckenlehne den Beschreibungen nach zwei goldene Pfauen mit aus Edelsteinen gebildeten, gefaecherten Schwaenzen schmueckten. Der Vogel ist hier Zeichen der hoechsten Macht und der paradiesischen Pracht.
Die Feder in der persischen Dichtung
In der persischen Kultur begegnet die Pfauenfeder sowohl als Lesezeichen in heiligen Buechern als auch als poetisches Bild. Die sufische Tradition kennt eine Parabel, in der der Pfau der erste Vogel ist, der ins Paradies gesetzt wurde, und seine Feder eine Spur der himmlischen Schoenheit, die in die irdische Welt gelangte. Diese Linie macht den Pfau nicht zu einem eitlen, sondern zu einem nach dem verlorenen Paradies sehnenden Wesen, was sich stark von der europaeischen Moral ueber den Hochmut unterscheidet.
China und Ostasien: Wuerde, Rang und Schoenheit
Der Pfau als Zeichen von Rang und Vornehmheit
Im kaiserlichen China war die Pfauenfeder kein Schmuck, sondern eine Auszeichnung. Beamten hohen Ranges verlieh man Pfauenfedern an der Kopfbedeckung, und die Zahl der "Augen" auf der Feder bezeichnete den Grad der Ehre. So wurde der Vogel zum Zeichen von Status, Wuerde und verdienter Stellung. In der Malerei symbolisiert der Pfau oft Schoenheit, Wohlstand und Wuerde, und ein Pfauenpaar den Wunsch nach einer gluecklichen Ehe.
Die Verbindung zur Goettin der Barmherzigkeit und die buddhistische Linie
In der buddhistischen Tradition ist der Pfau mit Mitgefuehl und der Faehigkeit verbunden, Gift in Schoenheit zu verwandeln: Man glaubte, der Vogel fresse giftige Tiere und sein Gefieder werde davon nur leuchtender. Daraus entstand das Bild eines Wesens, das Boeses und Leid in etwas Schoenes umarbeitet. In diesem Zusammenhang ist der Pfau ein Zeichen der Laeuterung und der Ueberwindung, nicht des leeren Glanzes.
Japan und der gemeinsame ostasiatische Sinn
In Japan ging der Pfau (Kujaku) ebenfalls als Sinnbild von Schoenheit, Wuerde und Schutz vor dem Boesen in die Kunst ein, teils ueber buddhistische Bilder. Die gemeinsame Linie Ostasiens liest sich so: Der Pfau ist Vornehmheit, die sich nicht beweisen muss, und Schoenheit, die dient, statt vergeblich zu strahlen.
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Der zentrale Widerspruch: Schutzamulett oder "boeser Blick"
Woher der Aberglaube kommt, der Pfau im Haus bringe Unglueck
Der haertnaeckigste Aberglaube ueber den Pfau ist europaeisch: Die Feder im Haus bringe Unglueck. Die Wurzeln reichen zum Mythos vom Argus, in dem das "Auge" auf der Feder das Auge des getoeteten Riesen ist, also ein Zeichen von Verrat und boesem Schicksal. Spaeter naehrte das Theater den Aberglauben: Schauspieler hielten die Pfauenfeder auf der Buehne fuer ein schlechtes Omen, und der Glaube verbreitete sich weiter. Mit den tatsaechlichen Eigenschaften des Vogels hat das nichts zu tun, eine reine Kette von Assoziationen, in der man das "Auge" als unheilvoll las.
Warum dieselben "Augen" in anderen Kulturen ein Schutzamulett sind
Dort, wo man im fremden Blick die Gefahr des boesen Blicks sah, las man das Pfauen-"Auge" umgekehrt als Schutz. Die Logik ist dieselbe wie beim Nazar, dem blauen Auge gegen den boesen Blick: Das spiegelnde Auge wirft den neidischen Blick zurueck. In Indien haengt man die Pfauenfeder ueber Kinder und ins Haus gerade als Schutzamulett, das fremden Neid abwehrt. Dasselbe Motiv findet sich in der Schutztradition weltweit, und der Pfau reiht sich folgerichtig in eine Linie mit den klassischen Amuletten und Talismanen ein.
Wie man heute damit umgehen kann
Der Aberglaube vom "Unglueck" ist ein lokaler europaeischer Volksglaube, keine allgemeinmenschliche Wahrheit, und es gibt weit mehr gegenteilige Traditionen, in denen der Pfau ein Segen ist. Ob man den Pfau traegt oder die Feder im Haus haelt, ist eine Frage der eigenen Kultur und des Geschmacks, kein objektiver "Schaden". Will man die Seite bewusst waehlen: Fuer das Schutzamulett sprechen Indien, Persien und die Schutztradition des "Auges"; dagegen nur ein schmaler europaeisch-theatralischer Aberglaube. Das Uebergewicht ist klar.
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Die Pfauenfeder als eigenes Amulett, Muster und Detail
Die Feder als eigenstaendiges Schutzamulett
Die Feder fuehrt ihr eigenes symbolisches Leben, getrennt vom Vogel. In der indischen Tradition ist mor pankh zugleich Attribut Krishnas, Haus-Schutzamulett und ein Gegenstand, mit dem man nach dem Volksglauben segnet. In der Schmuckkunst ist die Feder bequemer als der ganze Vogel: Sie laesst sich leichter zu einem laenglichen Anhaenger oder Ohrring stilisieren, und das "Auge" am Ende ist ein natuerlicher Platz fuer einen Stein. So wurde die Feder im Alltagsschmuck beliebter als die Figur des Pfaus selbst.
Die Pfauenfeder in Mehndi und Bemalung
In der Kunst des Mehndi (der Hennabemalung) gehoeren Pfau und Feder zu den haeufigsten Motiven, besonders in der Hochzeitsbemalung. Die geschwungene Feder legt sich schoen entlang der Linie von Hand und Unterarm, und das "Auge" erlaubt das Spiel mit der Fuellung. Hier ist der Pfau Zeichen der Liebe, der Fruchtbarkeit und der Schoenheit der Braut. Dasselbe Muster wandert in Gravur und Emailleschmuck und bewahrt die hochzeitliche, festliche Note.
Die Feder in Mode und Accessoires
Die Pfauenfeder war ueber Jahrhunderte ein modisches Material: Faecher, Hueter, venezianische Masken, Broschen mit einer echten eingesetzten Feder. Heute verwendet man haeufiger nicht die natuerliche Feder, sondern ihre juwelierische Umsetzung in Metall und Emaille, was haltbarer und ethischer ist. Das Thema der Feder als Zeichen von Leichtigkeit und Freiheit ist im Schmuck ueberhaupt gross, ihm ist ein eigenes Gespraech ueber die Symbolik der Feder gewidmet, doch die Pfauenfeder steht gerade wegen des "Auges" und des Schillerns fuer sich.
Die Farbe des Pfaus: ein Blaugruen, das sich vor den Augen wandelt
Warum das Gefieder schillert und was die Physik damit zu tun hat
Die Farbe der Pfauenfeder ist keine Farbe, sondern Struktur. Die blaugruenen und bronzenen Toene entstehen aus mikroskopischen Schichten in den Federaesten, die das Licht in bestimmten Winkeln zurueckwerfen, die sogenannte Strukturfarbe, wie bei einer Seifenhaut oder einem Schmetterlingsfluegel. Darum wirkt ein und dieselbe Feder bald smaragdgruen, bald blau, bald kupfergolden, sobald man den Winkel wechselt. Fuer den Juwelier ist das eine Herausforderung: nicht eine Farbe wiederzugeben, sondern den Uebergang zwischen ihnen.
Was die blaugruene Skala bedeutet
Das "Pfauen"-Blaugruen, ein tuerkis-smaragdener Ton mit goldenem Schimmer, liest sich als Verbindung aus der Ruhe des Blaus und der Lebenskraft des Gruens. Es ist die Farbe von Wasser und Laub zugleich, darum verbindet man sie mit Erneuerung, Wohlergehen und einer Schoenheit ohne Geschrei. Der Ton selbst ist so unverwechselbar, dass "Pfauenblau" und "Pfauengruen" laengst zu Farbnamen in der Palette der Gestalter geworden sind.
Warum das Schillern wichtiger ist als der genaue Ton
Die Hauptaufgabe eines Pfauenschmucks ist es, die Bewegung der Farbe wiederzugeben, nicht einen einzelnen Ton. Ein Stueck, das einfach "blau" oder einfach "gruen" ist, verliert seinen Kern. Darum waehlen Juweliere Materialien mit eigenem Spiel: Opal mit seinen inneren Blitzen, Labradorit mit kaltem Schimmer, Emaille mit Uebergaengen und einer metallischen Unterschicht. Gerade die Veraenderlichkeit, nicht die Saettigung, macht den Pfau zum Pfau.
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Der Pfau in den Schmuckepochen: die Bluete des Jugendstils
Warum gerade der Jugendstil den Pfau liebte
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert suchte der Jugendstil in der Natur fliessende, geschwungene Linien, und der Pfau passte perfekt: der Schwanzfaecher, der weiche Hals, die "Augen" als fertiges rhythmisches Muster. Die Meister dieser Richtung machten den Pfau zu einem ihrer Hauptmotive: Broschen, Diademe, Anhaenger, Kaemme. Der Vogel entsprach allem, was der Stil schaetzte: der Asymmetrie, dem Naturmotiv, dem Kult der Schoenheit und dem Spiel der Farbe. Das war der wahre Gipfel des Pfauenthemas im Schmuck.
Emaille als Herz des Pfauenschmucks
Um das Schillern wiederzugeben, wandte sich der Jugendstil der Emaille zu, und vor allem ihren komplexen Spielarten. Der Zellenschmelz (Cloisonne), bei dem farbiges Glas in die Zellen zwischen duennen Metallstegen gegossen wird, legt sich perfekt auf das schuppige Muster der Feder: jede Zelle wie ein Federast. Der Fensteremail (Plique-a-jour), durchscheinend wie ein Kirchenfenster, gab eben jenen Effekt des von innen leuchtenden Schwanzes. Wie Schmuck mit Emaille aufgebaut ist und wie er lebt, sollte man gesondert wissen: Es ist die heikelste, aber ausdrucksstaerkste Technik fuer den Pfau.
Was vor und nach dem Jugendstil war
Der Pfau begann und endete nicht mit dem Jugendstil. Davor lebte das Motiv im indischen Kundan und Minakari, in der persischen und Mogularbeit, im byzantinischen Ornament. Danach blieb der Pfau im Art deco (dort wurden seine Linien strenger und geometrischer) und kehrt bis heute regelmaessig wieder. Doch gerade der Jugendstil verband Pfau, Emaille und schillernden Stein zu einer einheitlichen, unverwechselbaren Sprache, derer sich die Juweliere auch heute bedienen.
Steine und Techniken, die das Schillern des Pfaus wiedergeben
Opal: inneres Feuer in der Farbe der Feder
Der edle Opal ist der wichtigste "Pfauen"-Stein: In seinem Inneren blitzen Flecken von Blau, Gruen, Gold auf, und dieses Spiel (die Opaleszenz) wiederholt die Logik der Feder, in der die Farbe aus der Struktur entsteht, nicht aus dem Pigment. Der Opal ist heikel (weich, empfindlich gegen Schlaege und Austrocknung), doch kein anderer Stein gibt das "lebendige" Schillern so genau wieder. Mehr zum Wesen des Steins im Beitrag ueber den Feueropal und sein Farbspiel.
Labradorit: kalter Schimmer wie die Rueckseite der Feder
Der Labradorit gibt einen anderen Effekt, ein blaulich-gruenes Leuchten, das aus dem dunklen Stein beim Drehen aufsteigt (die Labradoreszenz). Er ist strenger und grafischer als der Opal, gibt jene Seite der Pfauenfeder vorzueglich wieder, die ins dunkle Bronze und Blaustahl uebergeht. Der Stein ist haerter als der Opal und ruhiger im Tragen. Ist der Opal das "Auge" der Feder, dann ist der Labradorit ihr dunkler, flimmernder Grund. Zu Eigenschaften und Auswahl des Steins gibt es eine eigene Betrachtung ueber Labradorit im Schmuck.
Zellenschmelz und Fensteremail
Wo der Stein einen Lichtpunkt gibt, gibt die Emaille ein durchgehendes Farbfeld mit Uebergaengen. Der Zellenschmelz baut das "Auge" der Feder aus Ringen verschiedener Toene, der Fensteremail laesst den Schwanz im Gegenlicht leuchten. Emaille erlaubt es, die Farbe vollstaendig zu steuern, waehrend der Stein sein Spiel selbst diktiert. Die besten Pfauenstuecke verbinden oft Emaille (Koerper, Feder) und Stein (die Pupille des "Auges").
Pfauenjaspis, Tuerkis, Malachit und Perle
Es gibt auch erdigere Materialien. Der "Pfauenjaspis" (auch Kambaba-Jaspis) mit seinen gruenen konzentrischen "Augen" erinnert unmittelbar an das Muster der Feder, auch wenn er mit echtem Jaspis nur bedingt verwandt ist. Tuerkis und Malachit geben ein dichtes Blaugruen ohne Schillern, dafuer bestaendig und unverwechselbar. Eine Perle mit gruenlich-blauem Oberton ("Pfauen"-Perle) fuegt ein weiches Flimmern hinzu. Diese Steine waehlt man, wenn man die Farbe des Pfaus braucht, aber nicht die Zerbrechlichkeit des Opals.
Der Pfau in der Geschichte von Macht und Mode
Der Pfauenthron der Grossmogulen
Das lauteste Pfauenbild in der Geschichte der Schmuckkunst ist der Pfauenthron, in Auftrag gegeben vom Mogulherrscher Shah Jahan, eben jenem, der das Tadsch Mahal erbauen liess. Die Rueckenlehne des Throns kroenten zwei goldene Pfauen mit gefaecherten Schwaenzen, ausgelegt mit Saphiren, Rubinen, Smaragden und Perlen, und zwischen ihnen ein Baum aus Edelsteinen. Der Thron galt als der reichste der Welt und wurde zum Inbegriff koeniglicher Pracht. Spaeter brachte man ihn als Kriegsbeute fort, und der Gegenstand selbst ist verloren, doch der Name blieb ein Sinnbild der hoechsten Macht, und der Pfau festigte sich in der oestlichen Tradition als Vogel der Herrscher.
Der Pfau in der Heraldik und auf Wappen
In der europaeischen Heraldik begegnet der Pfau als Zeichen von Stolz, Schoenheit und Unsterblichkeit, meist dargestellt mit gefaechertem Schwanz, in einer Haltung, die die Herolde mit einem stolzen Wort benannten. Er schmueckte die Wappen vornehmer Geschlechter und diente als Helmzier, als Figur ueber dem Helm. Die Pfauenfeder kroente Ritterhelme bei Turnieren als Zeichen von Tapferkeit und Eitelkeit zugleich. Die Doppeldeutigkeit des Vogels, Schoenheit am Rande des Hochmuts, zeigte sich auch hier: Ein und dasselbe Bild las sich als Wuerde und als Warnung vor der Eitelkeit.
Der Pfau in der Mode des Art deco
Nach der Bluete des Pfauenmotivs im Jugendstil verschwand der Vogel nicht aus der Schmuckkunst, sondern wechselte die Sprache. Im Art deco wich die weiche, fliessende Linie der Feder einer strengen Geometrie und Stilisierung: Der Schwanz verwandelte sich in einen Faecher klarer Strahlen, die Augen in Reihen kalibrierter Steine, und die blaugruene Skala wich dem Kontrast von Onyx, Smaragd und Diamant. Der Faecher, eines der Lieblingsmotive der Epoche, reimte sich unmittelbar auf den gefaecherten Pfauenschwanz. So ueberstand der Pfau den Stilwechsel, passte sich jedes Mal dem Geschmack der Zeit an, ohne sich selbst zu verlieren.
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Wie und wem man den Pfau traegt
Wem der Pfau steht
Der Pfau ist Schmuck fuer jemanden, der Farbe und ein auffaelliges Detail nicht scheut. Die blaugruene Skala wirkt besonders vorteilhaft auf warmer und neutraler Haut und streitet mit einer sehr bunten, vielfarbigen Kleidung, darum traegt man den Pfau besser vor ruhigem Hintergrund und laesst ihn das Solo spielen. Dem Sinn nach passt der Vogel zu denen, denen die Ideen von Erneuerung, Wuerde und Schoenheit als Kraft nahestehen, nicht als Kapitulation vor der Mode.
Womit man ihn kombiniert
Der beste Hintergrund fuer den Pfau ist einfarbige Kleidung in kalten oder neutralen Toenen: Dunkelblau, Smaragd, Schwarz, Grau, Creme. Das Metall waehlt man nach der Aufgabe: warmes Gold verstaerkt die "koenigliche" Note und die bronzenen Reflexe der Feder, Silber und Weissgold betonen das kalte Blau und die Emaillearbeit. Die begleitenden Steine sind dieselben wie im Schmuckstueck selbst, Opal, Labradorit, Perle, um nicht mit dem Hauptmotiv zu streiten.
Hochzeit, Geschenk und Anlass
In der indischen Tradition ist der Pfau ein klassisches Hochzeitsmotiv, Sinnbild der Liebe und der Schoenheit der Braut, und in dieser Rolle eignet er sich als Geschenk zur Hochzeit oder Verlobung. Im weiteren Sinn ist der Pfau ein gutes Geschenk fuer jemanden, der Leuchtkraft schaetzt und sich nicht versteckt: zum Geburtstag, zur Befoerderung (der chinesische Sinn von Wuerde und Rang), als Zeichen eines neuen Abschnitts (die christliche Linie der Erneuerung). Ein Feder-Anhaenger ist neutraler als der ganze Vogel und passt sogar dem Aberglaeubischen.
Brosche, Anhaenger, Ohrringe: was waehlen
Die Brosche entfaltet den Schwanzfaecher am besten und gibt dem Meister den meisten Platz fuer Emaille und Steine, das ist die "epochalste", jugendstilhafteste Variante. Der Anhaenger mit einer einzelnen Feder ist tragbarer und leiser, gut fuer jeden Tag. Feder-Ohrringe geben Bewegung und Schillern beim Drehen des Kopfes, sie arbeiten also gerade mit der Haupteigenschaft des Pfaus. Ein Ring mit dem "Auge" der Feder ist eine kompakte Art, das Motiv unauffaellig zu tragen.
Groesse und Verhaeltnis: wo der Pfau angebracht ist
Der Pfau ist Schmuck der grossen Geste, und der Massstab entscheidet. Eine grosse Brosche oder ein Diadem verlangen einen schlichten Hintergrund und einen einzigen Akzent: Zu einem solchen Stueck braucht es keine konkurrierende Kette und Ohrringe, sonst zerfaellt das Bild. Ein kleiner Feder-Anhaenger dagegen lebt ruhig im Ensemble und vertraegt sich mit feinen Ketten. Die allgemeine Regel: Je leuchtender und groesser der Pfau, desto leiser muss alles uebrige am Menschen sein. Ein starkes Stueck liest sich besser als drei mittlere.
Wie man ein gutes Pfauenstueck vom Kitsch unterscheidet
Der Pfau rutscht leicht in den Geschmacklosigkeit ab, darum lohnt es, die Merkmale der Qualitaet zu kennen. Bei einem guten Stueck entsteht das Schillern durch das Material (Emaille mit Uebergaengen, ein Stein mit Spiel), nicht durch eine Ansammlung bunter Glasstuecke. Die Linie der Feder oder des Schwanzes ist weich, und die "Augen" sind mit Ringen ausgearbeitet, nicht als ein einziger Fleck gemalt. Die Steinfassung ist sauber, die Emaille gleichmaessig, ohne Absplitterungen und Blasen. Ein billiger Pfau verraet sich durch flache, grelle Farbe und groben gepraegten Relief, ein teurer durch Tiefe und dadurch, wie er sich beim Drehen wandelt.
Pflege von Emaille und Steinen des Pfauenschmucks
Emaille: behutsam und ohne Stoesse
Emaille ist Glas, das mit Metall verschmolzen ist, und sie fuerchtet dasselbe wie Glas: Stoesse, schroffe Temperaturwechsel und Abrasion. Nehmen Sie das Emaillestueck vor Sport, Hausarbeit und Schlaf ab, bewahren Sie es getrennt auf, damit anderer Schmuck es nicht zerkratzt. Reinigen Sie mit weichem Tuch, bei Bedarf leicht feucht, ohne harte Buersten und aggressive Chemie. Den Fensteremail (durchscheinend) schonen Sie besonders: Er ist duenn und verletzlich.
Opal: Feuchtigkeit, Weichheit und Vorsicht
Der Opal enthaelt Wasser und mag keine Extreme: Man darf ihn nicht austrocknen (Heizkoerper, direkte Sonne, Ultraschall) und nicht fallen lassen, er ist weicher als Quarz und zerkratzt leicht. Nehmen Sie Opalschmuck bei Kontakt mit Wasser, Kosmetik und Parfuem ab, wischen Sie ihn mit weichem feuchtem Tuch. Lagern Sie ihn besser nicht an einem ganz trockenen Ort. Bei richtigem Umgang dient der Opal lange, bei nachlaessigem truebt er und reisst.
Labradorit, Perle und Metall
Der Labradorit ist haerter als der Opal, mag aber auch keine Stoesse auf die Spaltflaechen: Ein weiches Tuch und eine seltene Reinigung genuegen. Die Perle fuerchtet Saeuren, Parfuem und Schweiss, man wischt sie nach dem Tragen ab und bewahrt sie getrennt auf. Die metallene Grundlage (besonders Silber) haelt man trocken, und das Anlaufen entfernt man mit einem speziellen Tuch, wobei man Steine und Emaille vorsichtig umgeht. Das allgemeine Prinzip: Pfauenschmuck ist kein "Arbeitspferd", sondern ein Stueck fuer behutsames Tragen.
Fakten, die ueberraschen
Ein Schwanz, der kein Schwanz ist
Was wir Pfauenschwanz nennen, ist technisch die Oberschwanzdecke, verlaengerte Deckfedern, waehrend die eigentlichen Steuerfedern kurz sind und sich unter diesem Faecher verbergen. Der gespreizte "Schwanz" eines erwachsenen indischen Pfaus kann anderthalb bis zwei Meter Spannweite erreichen und wiegt dabei wenig, dank der hohlen Struktur der Federn.
Eine Farbe, die es in den Federn nicht gibt
In der Pfauenfeder steckt fast kein gruenes und blaues Pigment. Das Grundpigment ist braun, und das blaugruene Leuchten erzeugt die Mikrostruktur, die das Licht zurueckwirft. Zerstoesst man die Feder, verschwindet die Farbe, es bleibt brauner Staub. Derselbe Trick mit der Strukturfarbe steckt hinter dem "Feuer" des Opals, darum aehneln sich Stein und Feder so: Beide sind vom Licht gefaerbt, nicht von Farbstoff.
Er schreit vor dem Regen
Der Pfau hat einen lauten, beunruhigenden Schrei, und in Indien galt er seit jeher als Vorbote des Monsuns: Die Voegel werden lebhaft und schreien vor dem Regen. Darum geriet der Pfau in die Symbolik der Jahreszeiten und des Regens und in die Dichtung von der Sehnsucht der Trennung, wenn die Heldin den Geliebten "zum ersten Schrei des Pfaus" erwartet.
Die Weibchen sind schlicht, und es tanzt das Maennchen
Alle Pracht faellt dem Maennchen zu: Die Henne ist braeunlich-grau, ohne langen Schwanz. Den Faecher spreizt das Maennchen im Balztanz, und neuere Untersuchungen zeigten, dass die Federn beim "Tanz" zudem mit einer besonderen Frequenz schwingen und ein kaum hoerbares Brummen erzeugen, das das Weibchen spuert. Der Pfauenschwanz arbeitet also zugleich auf das Auge und auf das "Gehoer".
Albinos und weisse Pfauen
Es gibt schneeweisse Pfauen, bei denen die "Augen" auf dem Schwanz nur als leichtes Relief ohne Farbe sichtbar sind. Das sind keine Albinos im strengen Sinn, sondern eine besondere Faerbungsform (Leuzismus). Der weisse Pfau wurde zu einem eigenen dekorativen Bild, einem Sinnbild der Reinheit, und manchmal stilisiert man auch ihn im Schmuck und spielt dann nicht mehr mit Farbe, sondern mit Textur und Metallglanz.
Die Feder als Theatertabu
Der Glaube, die Pfauenfeder auf der Buehne bringe Unglueck, ist im Theatermilieu bis heute lebendig: Man meint, das "Auge" des Argus ziehe Unheil auf die Vorstellung. Rationale Gruende gibt es nicht, doch der Aberglaube haelt sich seit Jahrhunderten, genauso wie sich der gegenteilige Glaube der Inder an die Schutzfeder haelt. Ein Gegenstand, zwei Welten.
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Haeufige Fragen
Bringt der Pfau im Schmuck Glueck oder Unglueck?
Das haengt von der Kultur ab. In Indien, Persien und der Schutztradition des "Auges" sind der Pfau und seine Feder Schutz, Liebe und Erneuerung. Der Glaube vom "Unglueck" ist ein schmaler europaeisch-theatralischer Aberglaube, gewachsen aus dem Mythos vom getoeteten hundertaeugigen Argus. Es gibt deutlich mehr Traditionen, in denen der Pfau ein Segen ist, also kann man ihn ruhig tragen: Den Sinn geben Sie vor, nicht der Aberglaube.
Stimmt es, dass man die Pfauenfeder nicht im Haus halten darf?
Das ist eine lokale Aberglaubensregel, kein Gesetz. In einem grossen Teil der Welt, vor allem in Indien, bringt man die Pfauenfeder im Gegenteil als Schutzamulett gegen den boesen Blick ins Haus und haengt sie ueber Kinder. Das "Darf nicht" stammt aus dem europaeischen Theater und dem Argus-Mythos. Wenn Ihnen die Schutz- oder die indische Tradition nahesteht, ist die Feder im Haus ein Zeichen von Schutz, nicht von Unglueck.
Was symbolisiert der Pfau im Schmuck insgesamt?
Zusammengefasst: Unsterblichkeit und Auferstehung (fruehes Christentum), Koeniglichkeit und Ehe (Griechenland, Rom, die Goettin Hera), Weisheit und den Sieg ueber das Boese (Indien), das Paradies (Persien, Islam), Wuerde und Rang (China), und ausserdem Schoenheit, Erneuerung und Schutz vor dem boesen Blick. Der konkrete Sinn haengt davon ab, welche Tradition Sie in das Stueck hineinlesen wollen.
Welche Steine geben das Schillern der Pfauenfeder am besten wieder?
Opal (das innere Spiel von Blau, Gruen, Gold), Labradorit (kalter blaulich-gruener Schimmer aus dem dunklen Stein) sowie Zellenschmelz oder Fensteremail (gesteuertes Schillern mit Uebergaengen). Fuer eine bestaendige, aber weniger "lebendige" Farbe eignen sich Tuerkis, Malachit, "Pfauen"-Jaspis und eine Perle mit blaugruenem Oberton.
Warum begegnet der Pfau so oft im Jugendstil?
Der Jugendstil suchte in der Natur fliessende Linien und kultivierte die Farbe, und der Pfau gibt beides: die Biegung des Halses, den Schwanzfaecher, den Rhythmus der "Augen". Zusammen mit dem Zellenschmelz und dem Fensteremail, die das Schillern wiedergeben, wurde der Pfau zu einem der Hauptmotive des Stils und erlebte in ihm seine Bluete.
Wem eignet sich der Pfau als Geschenk?
Jemandem, der Farbe und ein auffaelliges Detail liebt und sich nicht hinter Neutralitaet versteckt. Dem Sinn nach passt der Pfau zur Hochzeit und Verlobung (das indische Sinnbild der Liebe), zur Befoerderung (Wuerde und Rang), als Zeichen eines neuen Abschnitts (Erneuerung). Fuer einen Menschen, der auf Aberglauben empfindlich reagiert, waehlen Sie einen Feder-Anhaenger: Er liest sich sanfter als der ganze Vogel.
Wie pflegt man einen Pfauenschmuck aus Emaille?
Behandeln Sie ihn wie Glas: ohne Stoesse, ohne schroffe Temperaturwechsel, ohne Abrasion und Ultraschall. Nehmen Sie ihn vor Sport, Wasser und Schlaf ab, bewahren Sie ihn getrennt von anderem Schmuck auf, reinigen Sie ihn mit weichem, leicht feuchtem Tuch. Den durchscheinenden Fensteremail schonen Sie besonders, er ist duenn.
Der Opal im Pfauenschmuck, ist er nicht zu zerbrechlich zum Tragen?
Der Opal ist weicher als viele Steine und fuerchtet Austrocknung und Stoesse, darum waehlt man ihn fuer Stuecke des behutsamen Tragens: Anhaenger, Ohrringe, festlichen Schmuck, nicht fuer einen Alltagsring an der arbeitenden Hand. Braucht man einen "Pfauen"-Stein fuer jeden Tag, nehmen Sie Labradorit: Er ist haerter und ruhiger und gibt auf seine Weise ein schoenes Schillern.
Der Pfau ist eine Geschichte davon, wie ein und dasselbe Bild Schutzamulett und Warnung, Koeniglichkeit und Erneuerung, Physik des Lichts und reine Mythologie zugleich sein kann. Wenn Ihnen sein blaugruenes Spiel nahesteht, waehlen Sie nicht einen Ton, sondern das Schillern: Opal, Labradorit, Emaille. Und tragen Sie ihn so, wie Sie ihn selbst lesen.
Ueber Zevira
Zevira macht Schmuck, in dem das Symbol kein Anlass fuer Esoterik ist, sondern ein Anlass fuer ein schoenes und sinnvolles Stueck. Wir lieben Motive mit doppeltem Boden wie den Pfau: Hinter dem Schillern stehen mehrere Kulturen und mehrere Bedeutungen, und jeder waehlt die seine. In der Arbeit mit der Farbe stuetzen wir uns auf Materialien mit eigenem Spiel, Opal, Labradorit, Emaille, damit das Schmuckstueck beim Drehen lebt und nicht ein flaches Bild bleibt. Wenn Sie ein Stueck mit Charakter und Geschichte suchen, beginnen Sie mit dem Katalog.


















