
Schmuck aus venezianischem Glas: Murano, Millefiori und ein tausendjähriges Geheimnis
Die Insel, die man nicht verlassen durfte
1291 verlegte Venedig alle Glasmacher auf die Insel Murano. Offiziell ging es um die Feuersgefahr: Öfen in einer hölzernen Stadt auf dem Wasser waren tödlich gefährlich. In Wahrheit hütete die Republik ein Geheimnis. Ein Glasmeister durfte den Degen tragen, seine Tochter durfte einen Adligen heiraten, doch die Insel verlassen durfte er nicht. Floh er mit einem Rezept, konnte man ihm Mörder nachschicken. Glas wurde als Sache des Staates behandelt.
Aus diesem geschlossenen Labor kam das venezianische Glas, jahrhundertelang ein Luxus, der bis heute im Schmuck weiterlebt. Wir sehen uns an, wodurch es sich vom gewöhnlichen Glas unterscheidet, welche Techniken Murano erfand, wie man Echtes von Fälschungen unterscheidet, wie man es trägt und pflegt, und warum hinter einer einzigen klaren Perle sieben Jahrhunderte Geschichte stehen.
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Warum das Glas nach Murano zog
Venedig stand auf Pfählen in einer Lagune, die Stadt war dicht mit Holz bebaut, und ein Glasofen brennt rund um die Uhr bei fast eintausendfünfhundert Grad. Ein umgestürzter Tiegel konnte ein ganzes Viertel in Brand setzen, und in einer Stadt auf dem Wasser ist ein abgebranntes Viertel nicht in einer Saison wiederaufzubauen. Darum beschloss der Große Rat am 8. November 1291, alle Glaswerkstätten nach Murano zu verlegen, anderthalb Kilometer vor der Stadt. Die Öfen kamen auf die Insel; die Häuser und Lager der Meister durften nicht in der Stadt bleiben.
Doch es ging nicht nur um die Brände. Glas brachte der Republik enormes Geld, und die Rezepte mussten geschützt werden. Eine Insel in der Lagune ist eine natürliche Festung: man erreicht und verlässt sie nur über Wasser, und Boote sind gut zu überwachen. Auf Murano waren die Meister leichter im Auge zu behalten, und so wurde die Glasherstellung zum Staatsmonopol.
Privilegien und Unfreiheit des Meisters
Die Glasmacher erhielten einen Rang, wie ihn kein anderes Handwerk kannte. Ab 1376 nahm die Tochter eines Glasmachers, die einen Patrizier heiratete, ihren Kindern nicht den Adel, und die Meister selbst wurden fast als Adel ins Goldene Buch eingetragen. Man gestattete ihnen, Waffen zu tragen, und hielt Gläubiger von ihren Öfen fern. Die Besten nannte man beim Namen; ihre Familien, die Barovier, die Serena, die Brigadin, hüteten ihre Geheimnisse über Generationen.
Die Kehrseite dieser Privilegien war die Gefangenschaft. Der Meister war an die Insel gebunden. Das Gebiet der Republik mit einem Rezept des Handwerks zu verlassen, galt als Verrat, und dem Flüchtigen drohten harte Maßnahmen: die Republik konnte ihn ächten, seine Verwandten einkerkern und, manchen Berichten zufolge, sogar einen Mörder schicken, um ihn zurückzuholen oder zum Schweigen zu bringen. Der Rat der Zehn, der Geheimdienst Venedigs, nahm solche Fälle ernst. Die lautesten Geschichten über vergiftete Flüchtlinge sind eher Legende als Tatsache, doch die rechtliche Drohung war real, und viele Meister flohen tatsächlich nach Böhmen, Frankreich und England und nahmen Muranos Verfahren mit.
Monopol, Niedergang und Rückkehr
Über mehrere Jahrhunderte hatte Murano keinen Rivalen. Venezianisches Glas wurde an alle Höfe Europas gebracht, und das Wort cristallo bedeutete Luxus. Die Wende kam, als die Geheimnisse doch durchsickerten. Im siebzehnten Jahrhundert lernte Böhmen ein hartes Pottascheglas zu schmelzen, das man wie einen Stein mit Facetten schliff, und in England gewann George Ravenscroft um 1674 das Bleikristall, schwerer und funkelnder als das venezianische. Gegen sie begann Muranos dünnes Glas in der Mode des Schliffs und des Glanzes zu unterliegen.
Dann kam ein direkter Schlag. 1797 vernichtete Napoleon die Republik Venedig, die Insel verlor ihre Privilegien, der Markt brach zusammen und die Öfen erloschen einer nach dem anderen. Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts blieben von dem großen Handwerk nur Reste. Die Wiedergeburt ist mit dem Anwalt Antonio Salviati verbunden: 1859 gründete er eine Werkstatt auf der Insel und begann, die Meister und die alten Rezepte wieder zusammenzuführen, Kopien historischer Stücke für Sammler und Museen zu fertigen. Zum Ende des Jahrhunderts lieferte Murano wieder Glas in alle Welt, und dieses zweite Leben der Insel dauert bis heute an.
Perlen, die die Erde umrundeten
Die Perlen verdienen ein eigenes Kapitel. Murano führte millionenweise winzige Glasperlen aus, die conterie und perle, hergestellt durch Schneiden und Umschmelzen feinster Glasröhrchen. Venezianische Perlen verbreiteten sich über Afrika, Asien und beide Amerikas und dienten Jahrhunderte lang im Handel gleichrangig mit Geld: gegen sie tauschte man Gold, Gewürze, Felle, und in manchen Gegenden zahlte man unmittelbar mit ihnen. So verteilte sich das Glas einer einzigen Insel in der Lagune über die ganze Welt und wurde zu einer der ersten wirklich globalen Waren.
Wodurch sich venezianisches Glas vom gewöhnlichen unterscheidet
Muranos großer Durchbruch war die Klarheit. Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts brachte der Meister Angelo Barovier die Formel zu einem nahezu farblosen, reinen Glas, das man cristallo nannte, „Kristall", obwohl es kein Blei enthielt. Zuvor war das Glas trüb, grünlich, voller Blasen, verdorben durch das Eisen im Sand. Das venezianische cristallo glänzte wie Bergkristall und ließ sich zu feinsten Fäden ziehen, ohne zu reißen.
Das Geheimnis lag im Rohstoff und seiner Reinheit. Statt eisenhaltigen Flusssands nahmen die Meister reine Quarzkiesel aus den Flüssen Norditaliens und zerstießen sie zu Pulver. Das Alkali gewannen sie aus der Asche eines mediterranen Quellers, ein Soda, das sie allume catino nannten, und es ergab ein Natronglas, das weicher und formbarer war als das nördliche Kaliglas. Die Mischung wurde zweimal geschmolzen und abgeschäumt, um Verunreinigungen zu entfernen, und zum Entfärben gab man etwas Mangan hinzu, die „Glasmacherseife", die das Grün des Eisens dämpfte.
Eben diese Reinheit und Formbarkeit erlaubten den Venezianern, was anderen verwehrt blieb: feinste Gefäße zu blasen, Muster ins Glas zu schmelzen, farbige Fäden zu ziehen, Gold in die Masse einzuschließen. Natronglas kühlt langsamer ab als Kaliglas, und der Meister hatte mehr Zeit für die feine Arbeit am Feuer, solange der Werkstoff geschmeidig blieb. Daraus wuchsen alle berühmten Techniken. Venezianisches Glas erkennt man nicht an einem Merkmal, sondern an einer Verbindung: Leichtigkeit, Klarheit im Gegenlicht, lebendige Farbe im Körper und die Spuren der Handarbeit.
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Die Techniken des venezianischen Glases
Es gibt nicht eine Art venezianisches Glas, sondern eine ganze Familie von Verfahren, jedes mit seinem erkennbaren Muster. Es lohnt sich, sie zu kennen: die Technik verrät sofort, was man in der Hand hält und wie viel Handarbeit darin steckt.
Millefiori
Millefiori heißt „tausend Blumen". Ihr Kern ist die murrina, ein farbiger Stab mit verborgenem Muster im Inneren. Der Meister schichtet farbiges Glas, presst den Rohling zu einer Stern- oder Blütenform, schichtet weitere Farbe darüber, und wenn die glühende Masse zu zweit in die Länge gezogen wird, schrumpft das Muster, behält aber seine Verhältnisse über den ganzen Stab. Es entsteht ein Glasstäbchen, das in jedem Querschnitt dieselbe Blume oder denselben Stern zeigt, manchmal nicht dicker als ein Streichholz.
Der erkaltete Stab wird dann in dünne Scheiben geschnitten, und jede Scheibe trägt das fertige Muster. Mit diesen Scheibchen legt man die künftige Perle oder den Anhänger aus, dicht, ohne Lücken, und erhitzt erneut, damit die Schnitte zu einer einzigen Fläche verschmelzen. Das Stück ist am Ende mit winzigen Blumen übersät, und es kommen keine zwei gleichen Perlen heraus: das Muster legt sich jedes Mal anders. Millefiori erkennt man leicht, eine Vielzahl kleiner runder Blüten mit scharfen Strahlen. Das Verfahren kannten schon Römer und Ägypter, doch auf Murano brachte man es zur Vollendung, und das Wort millefiori setzte sich erst in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts durch.
Lampwork (Arbeit über der Flamme)
Lampwork, italienisch a lume, ist die Arbeit mit einem fertigen Glasstab über der Flamme eines Brenners, nicht am großen Ofen. Das Feuer kam einst von einer Öllampe mit Blasebalg, daher der Name. Der Meister hält den farbigen Stab in die Flamme, schmilzt die Spitze und wickelt einen Tropfen geschmolzenes Glas auf einen beschichteten Metallstab, den Dorn, den er ständig dreht, damit der Tropfen nicht abläuft. Solange das Glas weich ist, schmilzt man Punkte, Spiralen, farbige Fäden, Stücke Blattgold oder fertige murrine hinein und baut das Muster Schicht für Schicht auf.
Ist die Perle aufgebaut, zieht man den Dorn heraus, und innen bleibt ein sauberer Kanal für den Faden. Danach kühlt die Perle langsam in einem Kühlofen ab, sonst würde der Temperaturschock sie zersprengen. So entstehen die kunstvollsten Einzelstücke, jedes unwiederholbar. Es ist eine langsame Handtechnik, und gerade sie gibt den venezianischen Perlen ihren lebendigen, leicht unregelmäßigen Charakter: die zarte Asymmetrie, die Verdickung am Kanal, das einmalige Muster sind die Spur der Meisterhand, kein Fehler.
Avventurina und Goldstone
Avventurina ist Glas, das von schimmernden Funken durchzogen ist. Im siebzehnten Jahrhundert geriet Kupfer in eine Glasschmelze auf Murano und schied beim langsamen Abkühlen in sauerstofffreier Atmosphäre als eine Vielzahl winziger flacher Kupferkristalle aus. Die Mechanik ist hier genau: das Kupfer muss sich erst vollständig im heißen Glas lösen, dann beim Abkühlen in einem luftdicht geschlossenen Ofen wieder als Metallschuppen genau bestimmter Größe ausfallen. Überhitzt man die Schmelze, lässt Sauerstoff zu oder kühlt zu schnell, erscheinen die Funken gar nicht erst oder das Glas trübt zu einem braunen Klumpen ein. Jeder gelungene Kristall wirkt wie ein mikroskopischer Spiegel, der das Licht fängt, daher scheint das Glas voller goldener Funken, wie ein Sternenhimmel in einem Stein. Es gibt auch blaue oder grüne avventurina, bei der die Farbe der Glaskörper selbst gibt, während die Flitter kupfern bleiben.
Die Legierung wurde avventurina genannt, von a ventura, „durch Zufall", weil das geglückte Glas fast zufällig entstand und sich lange schlecht wiederholen ließ: das genaue Abkühlregime hüteten die Familien Muranos jahrhundertelang als strenges Geheimnis. Bemerkenswert ist, dass das natürliche Mineral Aventurin seinen Namen später gerade von diesem venezianischen Glas erhielt, nicht umgekehrt: den Stein mit ähnlichem funkelndem Glanz benannte man nach seiner Ähnlichkeit mit dem Glas. Über den Stein selbst gibt es einen eigenen Beitrag zum Aventurin.
Blattgold (foglia d'oro)
Ins klare Glas lernten die Venezianer das feinste Blatt aus echtem Gold oder Silber einzuschmelzen, die foglia d'oro. Blattgold wird auf Bruchteile eines Mikrons geschlagen, auf eine noch heiße Glasunterlage gelegt, angedrückt, damit es haftet und nicht verbrennt, und dann unter einer Schicht klaren Glases versiegelt. Das Gold liegt am Ende zwischen den Schichten eingeschlossen und leuchtet von innen mit warmem metallischem Glanz, und reißt das Blatt bei der Arbeit ein wenig ein, durchzieht es ein Craquelé-Netz, das das Licht noch verspielter fängt.
Es ist eines der prächtigsten Verfahren und zugleich dauerhaft: das Gold sitzt im Glas, nicht an der Oberfläche, darum reibt es sich nicht an Haut und Kleidung ab, läuft an der Luft nicht an und wäscht sich im Wasser nicht ab. Perlen mit Blattgold erkennt man an einem tiefen Leuchten, das aus dem Kern zu kommen scheint und nicht auf der Oberfläche liegt.
Sommerso
Sommerso heißt „eingetaucht". Farbiges Glas wird in eine dicke Schicht klaren Glases eingeschlossen, manchmal in mehrere Schichten verschiedener Farbe übereinander, die man durch wiederholtes Eintauchen des Rohlings in die Schmelze aufnimmt. Das Ergebnis lässt einen gesättigten Farbkern irgendwo tief in der klaren Masse zu schweben scheinen, wie ein Tropfen Tinte im Wasser, und beim Drehen den Ton wechseln, weil die Dicke des klaren Glases über der Farbe überall verschieden ist.
Die Meister Muranos brachten diese Technik im zwanzigsten Jahrhundert zur Kunst, vor allem das Haus Seguso in den dreißiger Jahren. Sommerso gab dem Schmuck ein Volumen und eine Tiefe, die flache Färbung nicht erreicht: der Anhänger wirkt wie eine kleine Linse, in der die Farbe in unterschiedlicher Tiefe lebt. Sommerso erkennt man an der dicken klaren „Hülle" um einen dichten farbigen Kern.
Filigrana und Zanfirico
Das ist die Familie des Fadenglases, das höchste Können der Venezianer. Filigrana, oder vetro a fili, ist klares Glas mit feinen Glasfäden, die ins Innere geschmolzen sind, meist weiß aus lattimo. Die Fäden legt man reihenweise in den Rohling, und beim Blasen ziehen sie sich mit dem Glas zu geraden oder spiralig gedrehten Streifen.
Zanfirico ist eine Stufe höher. Hier setzt man den Stab schon vorab aus mehreren farbigen Fäden zusammen, dreht sie zu einer festen Kordel, und aus diesen fertigen gedrehten Stäben baut man die Wand des Stücks auf. Im Glas entsteht kein einfacher Streifen, sondern ein Spitzengeflecht, als hätte man feine Glasspitze in den Körper gewoben. Der Name ist nach einer verbreiteten Deutung die Verballhornung des Antiquars Antonio Sanquirico aus dem neunzehnten Jahrhundert, der den Meistern alte Vorlagen zum Nachbilden lieferte. Zanfirico erkennt man am charakteristischen durchbrochenen Muster im klaren Glas, das sich durch keine Oberflächenfärbung nachahmen lässt.
Lattimo, das Milchglas statt Porzellan
Lattimo ist ein dichtes, milchig-weißes, undurchsichtiges Glas, und sein Name kommt vom lateinischen lac, Milch. Weiße und Undurchsichtigkeit geben ihm Trübungsmittel: Zinnverbindungen und in alten Rezepten Knochen und Arsenverbindungen, die das Licht in der Masse mit einer feinen Schwebe winziger Kristalle streuen. Die Venezianer machten aus lattimo Geschirr in Nachahmung des teuren eingeführten Porzellans, lange bevor Europa zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts selbst echtes Porzellan herzustellen lernte. Das Milchglas bemalte man mit feinen Emails nach chinesischen Vorbildern, und aus der Ferne war es kaum von Porzellan zu unterscheiden. Im Schmuck schätzt man lattimo für ein dichtes, warmes Weiß, das den farbigen Fäden und murrine als sauberer Grund dient, ohne mit ihnen zu streiten.
Calcedonio, Glas statt Achat
Calcedonio ist ein mehrfarbiges Glas, das einen Halbedelstein nachahmt: Chalzedon, Achat, Onyx. Den Effekt erzielte man mit einer Mischung aus Metalloxiden, vor allem Silber und Kupfer, unter Zusatz von Salzen, und beim Schmelzen schichteten sich die Farben in Schlieren und Adern, wie im natürlichen Achat. Jedes Stück kam unwiederholbar heraus, weil sich ein zufälliges Verlaufen der Farbe nicht genau wiederholen lässt. Das Rezept des calcedonio machte in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts Lorenzo Radi berühmt, der das verlorene alte Verfahren wiederentdeckte. In einer Perle oder einem Cabochon gibt sich solches Glas so überzeugend für Stein aus, dass man es eher am Gewicht und an der Wärme als am Anblick erkennt.
Reticello, das Glasnetz
Reticello, „kleines Netz", ist der Gipfel des Fadenverfahrens. Man nimmt zwei Rohlinge aus filigrana mit gegenläufig gedrehten Fäden und fügt sie ineinander, sodass sich die Spiralen kreuzen. Wo sich die Fäden kreuzen, entsteht ein feinstes, gleichmäßiges Netz, und in jeder seiner Zellen bleibt absichtlich eine winzige Luftblase. Ein reticello ohne Fehler zustande zu bringen, schaffen nur wenige, und ein solches Stück verrät sofort die Hand eines wahren Meisters.
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Die Arten von Schmuck aus venezianischem Glas
Aus venezianischem Glas lässt sich fast jede Form fertigen, und in jeder arbeitet das Glas auf seine Weise.
Perlen und Halsketten
Die klassischste Form und die älteste. Millefiori-Perlen, Perlen mit Blattgold oder glatte farbige reiht man in einer Reihe oder in mehreren Ebenen verschiedener Länge auf. Glas ist deutlich leichter als Stein, darum zieht selbst eine große mehrreihige Kette nicht am Hals, wo dasselbe Volumen in Achat oder Quarz untragbar wäre. Venezianische Perlen sind immer eine Sache der Farbe: eine Reihe davon macht den Look von selbst und ersetzt jedes andere Stück. Die historische Variante ist der Chevron, eine geschichtete Perle mit Sternmuster im Querschnitt, eben jene, die Murano jahrhundertelang in die Welt ausführte.
Anhänger
Ein großer flacher oder plastischer Glasanhänger wirkt wie ein kleines Bild: in ihm sieht man zugleich das Millefiori-Muster, das Spiel des Blattgoldes und die Tiefe des Sommerso. Hier entfaltet sich das Glas am vollsten, weil die Fläche größer ist als bei einer Perle und der Meister Raum hat, das Muster auszubreiten. Den Anhänger trägt man an einer schlichten Kette, einer Lederschnur oder einem Seidenband, damit Fassung und Band in nichts mit dem Glas streiten oder die Aufmerksamkeit von ihm ablenken.
Ohrringe
Glasohrringe bringen die Farbe direkt ans Gesicht und wiegen fast nichts, was vor allem bei langen hängenden Modellen zählt: man kann sie groß fertigen, ohne zu fürchten, dass das Ohrläppchen am Ende des Abends ermüdet. Hier wirken Sommerso-Tropfen, die mit dem Licht spielen, ebenso gut wie paarige Millefiori-Perlen. Da jede Perle einmalig ist, ist ein perfekt passendes Paar schwer zu finden, und ein leichter Unterschied zwischen zwei Ohrringen ist bei handgemachtem Glas normal.
Ringe und Armbänder
In einem Ring sitzt ein Glascabochon in einer Metallfassung wie ein Edelstein und fängt das Licht auf einer facettierten oder glatten Fläche. Armbänder reiht man aus Glasperlen auf einem Gummi oder Stahlfaden, oder man setzt eine einzelne große Glaseinlage in eine feste Schiene. Hier sollte man an die Zerbrechlichkeit denken: am Handgelenk stößt der Schmuck häufiger an Tische, Türklinken und Tastaturen, darum nimmt man Ringe und Armbänder aus Glas für den Look und für besondere Anlässe, nicht für harten Alltag gleichrangig mit Metall.
Rosenkränze
Der Rosenkranz aus Glas ist eine alte und sehr venezianische Form: das Wort für „Perle" geht in vielen Sprachen auf das Gebet zurück, und Venedig versorgte ganz Europa jahrhundertelang mit Glasperlen für Rosenkränze. Glas funktioniert hier vorzüglich: die Perlen müssen gleich groß, glatt und angenehm im Griff sein, weil man sie hundertmal durch die Finger gleiten lässt, und zugleich leicht, damit eine lange Schnur nicht an der Hand zieht. Milchiges lattimo und glatte einfarbige Perlen geben eine ruhige Fläche, die nicht vom Gebet ablenkt, während Perlen mit Blattgold die großen „Vaterunser"-Perlen zwischen den Gesätzen markieren. Glas ist hier zudem praktisch: es dunkelt nicht durch den Schweiß der Hände nach und nutzt sich nicht ab, anders als Holz oder Knochen.
Knöpfe und Manschettenknöpfe
Ein Glasknopf ist für sich ein kleiner Schmuck, und Murano fertigte sie jahrhundertelang für festliche Kleidung. Im Lampwork baut man den Knopf wie eine Perle auf, aber mit einer Schlaufenöse statt eines durchgehenden Kanals, und er nimmt dasselbe Millefiori, Blattgold oder Sommerso auf. Aus derselben Logik wachsen die Manschettenknöpfe: ein Paar dichter Glascabochons in Metallfassung bringt Farbe an die Manschette, wo sonst schlichtes Metall herrscht. Glas gewinnt hier durch Leichtigkeit und durch eine Farbe, die nicht verblasst, und jedes Paar unterscheidet sich im Muster ein wenig, wie es zur Handarbeit gehört.
Broschen
Eine Brosche gibt dem Glas Fläche und hält es zugleich im Metall, das den zerbrechlichen Werkstoff am Rand schützt. Der historische Gipfel der Form ist das Mikromosaik: kleinste Glassteinchen, aus gezogenen Stäben geschnitten, legt man Kante an Kante in einen Metallrahmen und baut daraus ein ganzes Bild auf, eine Blume, eine Taube, römische Ruinen. Eine solche Brosche kann Hunderte oder Tausende winziger Glasstücke verlangen, und diese Arbeit steht dem Juwelenmosaik näher als der gewöhnlichen Glasmacherei. Eine einfachere Brosche fasst einen einzelnen großen Glascabochon aus Sommerso oder Millefiori in eine Fassung, wie einen Edelstein.
Flakon-Anhänger
Eine eigene prächtige Form ist das winzige Glasflakon an einer Kette, das man als Anhänger trägt. Die Venezianer bliesen solche Miniaturgefäße meisterhaft: feinste Wände, Blattgold im Körper, farbige Filigrana-Fäden über den Korpus. Historisch nahm der Flakon-Anhänger duftendes Öl oder Riechsalz auf und war zugleich Schmuck und nützliches Ding. Heute nimmt man ihn eher der Schönheit wegen oder für einen Tropfen des Lieblingsdufts. Hier entfaltet das Glas seine wichtigste Gabe: zugleich durchsichtiges Gefäß und farbiger Schmuck zu sein.
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Farbe und die Chemie der Farbe im venezianischen Glas
Die Farbe im venezianischen Glas ist keine Bemalung von außen, sondern ein Metall und ein Mineral, gelöst in der Schmelze selbst. Der endgültige Ton hängt davon ab, welches Metalloxid man dem Gemenge zusetzte und in welcher Ofenatmosphäre man schmolz, und die Meister kannten diese Zuordnungen auswendig, lange bevor die Chemie sie erklärte.
Kobalt gibt ein tiefes, gesättigtes Blau; ein verschwindend kleiner Anteil, ein Bruchteil eines Prozents, genügt, um die ganze Masse zu färben. Kupfer ist launischer: im gewöhnlichen Ofen gibt sein Oxid Grün und Türkis, doch im reduzierenden Regime ohne Sauerstoff sammeln sich dieselben Kupferatome zu kolloidalen Teilchen und es entsteht ein rubinrotes „Kupfer"-Glas, das die alten Meister venturina rossa nannten. Das teuerste und unberechenbarste Rot, das Goldrubin, schmilzt man mit echtem Gold: ein verschwindend kleiner Anteil gelösten Goldes fällt beim erneuten Erhitzen als feinste Teilchen aus und färbt das Glas tief weinrot, sodass ein Kelch aus solchem Glas ein Vermögen kostete.
Weiter auf der Palette: Mangan gibt Violett und Amethyst, doch in kleiner Dosis wirkt dasselbe Mangan umgekehrt, als Entfärber, der das Grün des Eisens dämpft, weshalb man es jahrhundertelang „Glasmacherseife", sapo vitri, nannte. Chrom geht in ein sattes Grasgrün, Antimon und später Silberverbindungen in Gelb, Selen und Cadmium in leuchtende Gelb- und Orangerottöne. Eisen ohne Korrektur gibt eben jenes Flaschengrün, um dessentwillen der ganze Kampf um die Reinheit ging; Zinn und Arsenverbindungen geben das milchige Weiß des lattimo. Ein und dasselbe Oxid kann je nach dem Sauerstoffgehalt im Ofen eine andere Farbe geben, darum ist ein Rezept nicht nur eine Zusammensetzung, sondern auch ein Regime des Feuers, und gerade diesen Teil hüteten die Meister am strengsten.
Daher der Charakter eines venezianischen Schmuckstücks. Die Farbe lebt im Körper des Glases und spielt im Gegenlicht, statt als Schicht auf der Oberfläche zu liegen, darum ist sie tief und verblasst mit der Zeit nicht. Das Stück ist fast immer lebendig, festlich, von einer Karnevalsstimmung eher als von strenger Zurückhaltung. Es ist Schmuck für jene, die Farbe lieben und sich nicht scheuen, sie zu tragen: Glas wird leicht zum Hauptakzent des Looks, und dann hält man alles Übrige besser ruhig.
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Wie man echtes Murano von einer Fälschung unterscheidet
Muranos Ruhm gebar ein Meer von Fälschungen: billige Perlen „im Murano-Stil" werden aus Ländern mit billiger Glasmacherei eingeführt und als venezianisch ausgegeben, wobei der Preis um ein Vielfaches hochgetrieben wird. Echtes Glas erkennt man an mehreren Merkmalen, und man prüft sie besser zusammen als einzeln.
Spuren der Handarbeit
Echtes handgemachtes Glas ist nie vollkommen gleich. In einer Künstlerperle sieht man winzige Musterunterschiede zur Nachbarin, eine leichte Formasymmetrie, manchmal innen seltene Mikroblasen Luft oder einen leicht versetzten Fadenkanal. All das ist die Spur einer Hand am Feuer, kein Fehler. Eine Maschinenfälschung dagegen ist verdächtig gleichmäßig: ein Dutzend Perlen wie Zwillinge, das Muster gestanzt identisch, die Form geometrisch exakt. Stimmen in einem Set alle Elemente bis ins Detail überein, ist das ein Grund, misstrauisch zu werden.
Gewicht, Temperatur und Klang
Glas ist deutlich schwerer und kühler im Griff als der Kunststoff, mit dem man teure Perlen am häufigsten fälscht. Nimm eine Perle in die Hand: die echte bleibt eine Weile kühl und liegt angenehm schwer in der Hand, der Kunststoff erwärmt sich sofort an der Haut und wiegt fast nichts. Glas an Glas gibt einen feinen, klaren Klang, Kunststoff antwortet dumpf, und ein Zahn gleitet auf Glas ein wenig, während er auf Kunststoff hakt. Die Oberfläche echten Glases ist glatt und etwas glitschig; eine billige Nachahmung zeigt oft eine Gussnaht am Äquator der Perle und einen Grat am Loch. Halte die Perle ins Gegenlicht: in echtem Millefiori sind die Schnitte der murrine scharf, mit harten Musterkanten, weil es geschnittenes Glas ist, während in einer gedruckten Nachahmung die Blümchen verschwommen wirken, wie ein Abziehbild unter Lack.
Marke, Zertifikat und Formulierungen
Echtes Murano kommt oft mit einem Papierzertifikat der Werkstatt und trägt die Marke Vetro Artistico Murano, ein Warenzeichen mit Herstellernummer, das man 1994 eigens einführte, um die echten Meister der Insel vor Fälschungen zu schützen. So fängt man den Käufer: Verkäufer schreiben „im Murano-Stil", „venezianisches Glas" oder „murano style", und das heißt ehrlich gesagt, dass es nicht das Glas der Insel ist. Ein zu niedriger Preis für „Handarbeit aus Venedig" ist fast immer ein Zeichen für Fälschung, denn eine echte Künstlerperle kann nicht so viel kosten wie eine Handvoll Modeschmuck. Das Zertifikat sollte man auf den Namen einer bestimmten Werkstatt prüfen, nicht auf eine abstrakte Aufschrift „Made in Murano" ohne Hersteller.
Wie man venezianisches Glas trägt
Venezianisches Glas will die Hauptsache sein. Ein lebendiges Stück, eine Millefiori-Kette oder ein großer Anhänger mit Blattgold, macht den Look schon, und man muss ihn nicht mit weiteren Akzenten beladen. Den übrigen Schmuck nimmt man besser zurück: eine feine Kette, kleine Stecker, ruhiges Metall ohne Steine. Zwei farbige Glasakzente zugleich beginnen zu streiten, darum nimmt man, wenn am Hals eine Millefiori-Kette sitzt, für die Ohren besser einfarbige Tropfen in der Farbe einer der Perlen.
Die Glasfarbe trägt sich am leichtesten mit der Kleidung. Vor einem ruhigen, einfarbigen Grund, Schwarz, Weiß, Beige, Grau, klingt farbiges Glas am stärksten, weil nichts von ihm ablenkt. Vor einem bunten Druck geht es verloren und beginnt mit dem Stoffmuster zu streiten. Das Metall wählt man nach der Stimmung des Glases: warmes Gold passt zu Blattgold und Bernsteintönen, kühles Silber geht besser zu Blau und Türkis. Venezianisches Glas hat seinen Platz dort, wo man sich Farbe und Feier erlauben darf: ein Ausgang, eine Reise, der Sommer, ein Fest, und nicht ein strenger Bürodresscode. Und denk an die Leichtigkeit: Glas wiegt fast nichts, darum kann man sich eine große, ausdrucksstarke Form erlauben, die in Stein oder Metall am Hals zöge.
Pflege von Glasschmuck
Glas hat eine einzige Schwäche, und das ist die Zerbrechlichkeit. Es fürchtet weder Wasser, Schweiß, Kosmetik noch die Zeit, dunkelt nicht nach und verblasst nicht, die Farbe in ihm ist ewig, weil sie Metall im Körper der Schmelze ist. Doch Glas fürchtet Stoß und Kratzer, und die ganze Pflege baut sich darum herum auf.
Ein Glasstück darf man nicht auf Hartes fallen lassen, und man trägt es besser nicht dort, wo es an Stein, Metall oder Keramik stößt: Ringe und Armbänder aus Glas sind besonders verletzlich, weil die Hand ständig irgendwo hängenbleibt. Nimm das Glas vor dem Putzen, dem Sport und dem Schlaf ab. Bewahre es getrennt vom Übrigen auf, in einem weichen Beutel oder einem eigenen Fach der Schatulle, damit Metallverschlüsse und die Facetten benachbarter Steine keine Kratzer auf dem Glas hinterlassen und die Perlen nicht aneinanderstoßen.
Glas reinigt man mit einem weichen feuchten Tuch, bei Bedarf mit einem Tropfen milder Seife, und wischt es trocken. Verboten sind Scheuerpasten, Soda, harte Bürsten und alle Pulver: sie mattieren die glänzende Oberfläche mit feinen Kratzern, und den Spiegelglanz bekommt man danach nicht zurück. Schmuck mit Blattgold im Inneren ist beim Waschen sicher: das Gold ist zwischen Glasschichten versiegelt und reibt sich nicht ab, man kann ihn wie gewöhnliches Glas waschen. Glas mag auch keinen schroffen Temperaturwechsel, darum wasche es nicht abwechselnd in eiskaltem und heißem Wasser, und lege das Stück nicht auf eine heiße Heizung oder ein Fensterbrett in praller Sonne neben dem kalten Glas des Fensters. Gesondert zum Faden: Glasperlen wiegen mehr, als sie scheinen, und der alte Faden reibt sich mit der Zeit an den Lochrändern durch, darum lohnt es sich, eine große Kette alle paar Jahre auf eine frische Schnur neu aufzufädeln, damit sie nicht im falschen Moment auseinanderfällt. Die Hauptregel ist kurz: schütze das Glas vor dem Fall, nicht vor dem Wasser.
Für wen es passt und zu welchen Anlässen man es schenkt
Venezianisches Glas passt zu jenen, die Farbe, Wärme und ein handgemachtes Ding mit Geschichte lieben. Es ist Schmuck mit festlichem Charakter; er geht an offene, gesellige Menschen, denen Lebendigkeit nahe ist, und seltener an jene, die strenges Monochrom und das Minimum vorziehen. Nach Alter und Anlass gibt es kaum Grenzen: eine leichte Glasperle steht einer jungen Frau ebenso gut wie einer Frau in Jahren, der Unterschied liegt nur in Größe und Palette.
Als Geschenk hat venezianisches Glas den Vorzug, fast immer einmalig zu sein: eine über der Flamme aufgebaute Künstlerperle gibt es in einem einzigen Exemplar, und das geschenkte Stück ist buchstäblich das einzige. Man schenkt es als sinnvolles Andenken von einer Reise nach Venedig und nicht einen Kühlschrankmagneten, man schenkt es Farbliebhabern und jenen, die das Handwerk schätzen, man schenkt es als festliches, aber unverbindliches Präsent an eine Kollegin oder eine Freundin. Und die Leichtigkeit des Glases macht es selbst für jene bequem, die schweren Schmuck nicht mögen und nicht tragen.
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Venezianisches Glas: Fakten, die überraschen
Hinter einer klaren Perle verbirgt sich mehr Geschichte, als es scheint. Ein paar geprüfte Fakten.
Glasmacher hielt man fast wie Gefangene. Ab 1291 hatten die Meister Muranos kein Recht, das Gebiet der Republik zu verlassen. Dafür gab man ihnen die Privilegien des Adels, das Recht auf Waffen und den Adelsrang für die Kinder, doch der Flüchtige mit einem Geheimnis des Handwerks galt als Verräter, und manchen Berichten zufolge schickte man ihm Mörder nach. Das Geheimnis des Glases hütete der Rat der Zehn, der Geheimdienst Venedigs.
Das Mineral Aventurin verdankt seinen Namen dem Glas, nicht umgekehrt. Zuerst gewann Murano im siebzehnten Jahrhundert zufällig das funkelnde Glas avventurina, „durch Zufall", aus Kupfer, das in die Schmelze geriet. Und erst danach erhielt ein natürlicher Stein von ähnlichem Aussehen denselben Namen wegen der Ähnlichkeit des Glanzes.
Venezianische Spiegel kosteten mehr als Gemälde. Solange Murano das Monopol auf klares Glas hielt, konnte ein gerahmter Spiegel mehr kosten als eine Leinwand eines berühmten Malers. Frankreich griff zur Industriespionage: der Minister Colbert schaffte venezianische Meister heimlich außer Landes, um eine eigene Spiegelproduktion für Versailles aufzubauen, und die Republik versuchte dem Gerücht nach, sie um jeden Preis zurückzuholen.
Lattimo fälschte Porzellan Jahrhunderte vor dem europäischen Porzellan. Mit dem milchig-weißen Glas lattimo ahmten die Venezianer das kostbare chinesische Porzellan nach und bemalten es mit Emails nach östlichen Vorbildern, lange bevor Europa zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts selbst echtes Porzellan herzustellen lernte.
Venezianische Perlen waren eine Weltwährung. Die winzigen conterie-Perlen aus Murano wurden millionenweise in die Welt ausgeführt und Jahrhunderte lang im Handel verwendet, auch als Geld in fernen Ländern: gegen sie tauschte man Gold, Gewürze und Felle. Das Glas einer einzigen Insel in der Lagune umrundete den Globus.
Das cristallo war das Werk eines einzigen Mannes. Das nahezu farblose klare Glas, das das Handwerk auf den Kopf stellte, ist mit dem Namen Angelo Barovier Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts verbunden. Seine Familie arbeitet bis heute mit Glas auf Murano, eine der ältesten Handwerksdynastien Europas, neben Häusern wie den Seguso und den Toso, deren Werkstätten sich ebenfalls durch die Jahrhunderte ziehen.
Böhmen und England stießen Murano vom Thron. Im siebzehnten Jahrhundert lernte Böhmen ein hartes Pottascheglas zu schmelzen, das man wie Bergkristall mit Facetten schliff, und in England gewann George Ravenscroft um 1674 ein schweres Bleikristall, das heller funkelte als das venezianische. Die Mode schwenkte zum tiefen Schliff und zum Glanz, und zum ersten Mal seit Jahrhunderten begann Muranos dünnes geblasenes Glas gegen die Rivalen zu verlieren.
Das Glas von Murano hat sein eigenes jährliches Fest. Die Insel lebt bis heute vom Glas: im Sommer hält sie ein Glasfest mit alten Öfen, Vorführungen der Arbeit am Feuer und Wettkämpfen der Meister, während das Glasmuseum auf Murano Stücke von der Römerzeit bis in unsere Tage bewahrt. Das Handwerk ist keine Museumsantike, sondern das lebendige Werk von Familien, die bis heute Glas schmelzen.
Farbe im Glas ist Metall. Rubinrotes Glas schmolzen die Venezianer mit echtem Gold, blaues mit Kobalt, grünes und türkises mit Kupfer, violettes mit Mangan. Die Farbe lebt im Körper der Schmelze, darum spielt venezianisches Glas im Gegenlicht und verblasst nicht.
Die Marke des echten Murano wurde erst 1994 eingeführt. Um das echte Glas der Insel von der Flut der Fälschungen zu unterscheiden, schuf man das Warenzeichen Vetro Artistico Murano mit Herstellernummer. Davor nannte man im Verkauf fast alles „venezianisch".
Häufige Fragen
Wodurch unterscheidet sich venezianisches Glas vom gewöhnlichen? Vor allem durch die Reinheit der Zusammensetzung und durch die Technik. Im fünfzehnten Jahrhundert schuf Murano ein nahezu farbloses klares Glas, das cristallo, das wie Bergkristall glänzte und sich zu feinsten Fäden ziehen ließ, ohne zu reißen. Das erlaubte, was anderen verwehrt blieb: Millefiori-Muster einzuschmelzen, Blattgold im Glas zu versiegeln, farbige Fäden zu ziehen, Sommerso aufzunehmen. Gewöhnliches Glas vermag das nicht, und die Rezepte Muranos hielt man jahrhundertelang streng geheim.
Was ist Millefiori? Millefiori heißt „tausend Blumen". Farbige Glasstäbe werden verschmolzen und in die Länge gezogen, sodass jeder Querschnitt eine Blume oder einen Stern zeigt, dann schneidet man den Stab in dünne Scheiben, die murrine. Jede Scheibe trägt ein fertiges Muster, und mit diesen Scheiben legt man die Oberfläche einer Perle aus und verschmilzt sie. Darum ist eine Millefiori-Perle ganz mit winzigen Blumen übersät, und keine zwei sind gleich.
Wie unterscheidet man echtes Murano von einer Fälschung? Prüfe die Merkmale zusammen. Echtes handgemachtes Glas ist nicht vollkommen gleich: man sieht kleine Musterunterschiede und manchmal Mikroblasen im Inneren. Es ist schwerer und bleibt länger kühl als Kunststoff, und klingt klar. Echtes Murano kommt oft mit einem Werkstattzertifikat und der Marke Vetro Artistico Murano mit Herstellernummer. Formulierungen wie „im Murano-Stil" und „venezianischer Stil" bedeuten meist, dass es nicht das Glas der Insel ist, und ein zu niedriger Preis für „Handarbeit aus Venedig" ist fast immer eine Fälschung.
Fürchtet venezianisches Glas Wasser? Nein. Glas fürchtet weder Wasser, Schweiß, Kosmetik noch die Zeit, dunkelt nicht nach und verblasst nicht, weil die Farbe in ihm Metall im Körper der Schmelze ist. Seine einzige Schwäche ist die Zerbrechlichkeit: es fürchtet Stoß und Kratzer und auch einen schroffen Temperaturwechsel. Darum muss man es vor dem Fall schützen, nicht vor dem Wasser.
Stimmt es, dass echtes Gold ins Glas eingeschmolzen wird? Ja. In der Technik foglia d'oro legt man zwischen die Glasschichten das feinste Blatt aus echtem Gold oder Silber und versiegelt es darüber mit klarem Glas. Das Metall ist im Inneren eingeschlossen, darum leuchtet es durch das Glas mit warmem Glanz und reibt sich dennoch nie an der Haut ab und läuft an Luft und Wasser nicht an.
Ist Schmuck aus venezianischem Glas schwer? Nein, und das ist sein großer Vorzug. Glas ist deutlich leichter als Stein und Metall, darum spürt man selbst eine große Kette oder lange Ohrringe kaum. Man kann sich eine ausdrucksstarke Form erlauben, die in Stein oder Metall am Hals oder an den Ohrläppchen zöge.
Ist jedes Glasstück einmalig? Künstlerperlen, von Hand über der Flamme aufgebaut, gibt es in einem einzigen Exemplar: Muster, Asymmetrie und Blasen lassen sich nicht genau wiederholen. Auch Stücke aus geschnittenen Millefiori-murrine sind alle verschieden, weil sich die Scheiben jedes Mal anders legen. Darum schenkt man venezianisches Glas als ein von vornherein einzigartiges Ding, und ein perfekt passendes Paar Ohrringe zu finden, kann schwierig sein.
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Über Zevira
Zevira ist eine spanische Schmuckmarke aus Albacete. Farbiges Glas, Perlen und Anhänger sind eine der Kategorien des Katalogs. Wir lieben Stücke mit Charakter und Geschichte, und venezianisches Glas gehört zu den lebendigsten unter ihnen: jede Perle trägt eine Farbe und ein Licht, die sich nicht wiederholen. Neben dem Glas leben im Katalog Steinperlen und Schmuck mit Email, einer verwandten Kunst der Farbe. Aktuelle Stücke siehst du im Katalog.
























