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Veles im Schmuck: Gott des Viehs und des Reichtums, das Siegel des Veles und das Zeichen des Herrn der Unterwelt

Veles im Schmuck: Gott des Viehs und des Reichtums, das Siegel des Veles und das Zeichen des Herrn der Unterwelt

In alten Verträgen schworen die Fürsten der Rus bei zwei Göttern zugleich: bei den Waffen Peruns und beim Vieh des Veles. Perun stand für das Wort des Kriegers, Veles für Wohlstand, Handel und die Unverbrüchlichkeit des Geschäfts. Brach man den Eid im Namen des Veles, sollte man gelb werden wie Gold und zugleich verarmen. Heute legt sich das Zeichen dieses Gottes wieder auf einen silbernen Anhänger.

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Wer ist Veles

Veles ist einer der Hauptgötter des slawischen Pantheons, Schutzherr des Viehs, des Reichtums, des Handels, der Weisheit und Herr der unteren, unterirdischen Welt. Man nannte ihn den "Viehgott", und hinter diesem Wort steckt weit mehr als eine Herde Kühe. Vieh war bei den alten Slawen das Maß für Reichtum, das Wort selbst bedeutete lange Zeit zugleich "Besitz" und "Geld". Der Gott des Viehs ist deshalb der Gott des Wohlstands im weitesten Sinn: der Ernte, des Gewinns, des erworbenen Guts, des glücklichen Handels.

Der Name des Gottes erscheint in den Quellen in zwei verwandten Formen, Veles und Volos. Gelehrte streiten bis heute, ob es sich um zwei verschiedene Gottheiten handelt oder um eine unter zwei Namen, doch in der Volkserinnerung verschmolzen sie zu einem einzigen Bild des Herrn über Reichtum und unterirdische Gewässer. Vom Stamm dieses Namens leiten sich nach einer Deutung Wörter ab, die mit Wille, Macht und Besitz zu tun haben, nach einer anderen mit Vieh und Wolle, dem "Haar". In jeder Lesart geht es um einen Gott, der Wohlstand und die unteren Kräfte der Erde in seiner Hand hält.

Über Veles ist nur wenig überliefert, und das sollte man von Anfang an im Kopf behalten. Schriftliche Zeugnisse der Heiden selbst sind nicht erhalten, denn die slawische Überlieferung vor der Schrift wurde mündlich weitergegeben. Vom Gott wissen wir durch Erwähnungen in Chroniken, durch aufgezeichnete Eide, durch späte ethnografische Beobachtungen von Bräuchen und durch den Vergleich mit dem Glauben benachbarter Völker. Deshalb setzen die Gelehrten das Bild des Veles zu großen Teilen aus Bruchstücken zusammen, und manche der heute geläufigen Einzelheiten sind eine begründete Rekonstruktion, keine wörtliche alte Überlieferung. Das macht das Bild nicht weniger lebendig, verlangt aber Ehrlichkeit: wo gesichertes Wissen steht und wo eine vorsichtige Vermutung.

Im Schmuck erscheint Veles nicht als Porträt, sondern durch seine Zeichen. Das wichtigste davon ist das sogenannte Siegel des Veles, ein kantiges Zeichen in Form eines umgekehrten Buchstabens "A" oder einer Stierschnauze mit Hörnern. Daneben stehen Stier und Auerochse, der Bär, die Schlange, das Füllhorn. Jedes dieser Bilder liest sich als Wunsch nach Wohlstand, Kraft und Verbindung zur alten, erdverbundenen Weisheit. Ein Anhänger mit dem Siegel des Veles oder ein Ring mit Stierkopf wirkt wie ein altes Amulett für Gewinn und einen festen Hof.

Veles steht unter den slawischen Göttern für sich. Ist Perun der Gott des Gewitters, der Gefolgschaft und der himmlischen Ordnung, so ist Veles der Gott der Erde, des Viehs, der unterirdischen Gewässer und dessen, was sich ansammelt und aufbewahrt wird. Er ist nicht der Schutzherr der Krieger, sondern der Hirten, Kaufleute, Sänger und der Wolchwen, der alten Priester und Hüter des Wissens. Dieser Zug gibt seiner Symbolik einen besonderen Klang: Sie spricht nicht von kriegerischer Tapferkeit, sondern von Hof, Weisheit und der Verbindung zu den Ahnen, die in derselben Erde ruhen.

Der Platz des Veles unter den slawischen Göttern

Veles nimmt im slawischen Pantheon den Platz des irdischen, unteren Pols ein, dem himmlischen Perun entgegengesetzt. Über der Welt herrscht der Donnerer Perun, Gott der fürstlichen Gefolgschaft und des Gewitters, dessen Götterbild in Kiew oben auf einem Hügel stand. Veles dagegen ist mit dem Unten verbunden, mit der Erde, dem Vieh, den Gewässern und dem unterirdischen Reich, und sein Götterbild stand nach Aussage der Chroniken unten, auf dem Kiewer Podol, beim Marktplatz. Schon diese Geografie selbst, oben und unten, erzählt vom Verhältnis der beiden Götter.

Auch den Bilderkreis des Veles sollte man sich einprägen. Das Vieh und der Auerochse als Zeichen des Reichtums, der Bär als Herr des Waldes und Tier des Gottes selbst, die Schlange als Hüterin unterirdischer Schätze und Gewässer, das Füllhorn als Sinnbild des Wohlstands. Dieses Gefolge erklärt, warum Stierkopf, Bärenkralle und Schlangenmotiv in der slawischen Amulettsymbolik so oft beieinanderstehen: Sie zeigen den Gott durch seine Tiere und Attribute, nicht durch ein Gesicht, das uns die Überlieferung kaum hinterlassen hat.

Weiter der Reihe nach: woher der Kult des Veles kam, was jedes seiner Zeichen bedeutet, welchen Sinn seine Symbole tragen, warum man das umgekehrte kantige Zeichen das Siegel des Veles nennt, worin Veles dem Perun entgegengesetzt ist, woraus man solchen Schmuck fertigt, wie und wozu man ihn trägt, und wo Veles in Folklore und Ethnografie weiterlebt.

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Geschichte und Kult des Veles

Altrussischer goldener Schläfenanhänger des 11. bis 12. Jahrhunderts mit Zellenschmelz: zwei Vögel zu beiden Seiten eines Lebensbaums
Schläfenanhänger altrussischer Arbeit: zwei Vögel hüten den Lebensbaum. Vögel und Weltenbaum sind feste Bilder jener unteren, von den Ahnen bewohnten Welt, deren Herr man Veles glaubte. Temple Pendant with Two Birds Flanking a Tree of Life, Kiewer Rus, um 1000 bis 1200. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).Temple Pendant with Two Birds Flanking a Tree of Life (front) and Geometric Lead Motifs (back), ca. 1000–1200. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Das Bild des Veles hat ein langes Leben hinter sich, vom heidnischen Vertrag mit Donner und Waffen bis zum dörflichen Erntefest, und auf fast jeder Stufe hinterließ es Spuren in Bräuchen, Wörtern und Dingen, die die Menschen bei sich trugen. Rekonstruiert wird dieses Bild aus Chroniken, aus aufgezeichneten Eiden, aus späten ethnografischen Aufzeichnungen von Bräuchen und aus Namen, die bis in die neuere Zeit überdauert haben.

Der Viehgott: Reichtum, gemessen in Herden

Der früheste und beständigste Name des Veles ist "Viehgott". In einer Welt, die Reichtum nach Stückzahlen des Viehs zählte, war ein solcher Gott für alles Erworbene zuständig: für den Zuwachs der Herden, für die Ernte, für den Wohlstand des Hauses, für das Glück im Handel. Vieh gab Milch, Fleisch, Wolle, Zugkraft, man tauschte es und bezahlte mit ihm wie mit Geld. So wurde der Schutzherr des Viehs ganz von selbst zum Schutzherrn des Reichtums überhaupt. Der Bauer bat Veles um einen festen Hof, der Kaufmann um ein glückliches Geschäft, und beide wandten sich an denselben Gott des Wohlstands. Diese Verbindung ist uns in der Sprache selbst erhalten: "skot" als Besitz, "skotniza" als Schatzkammer.

Gott der Weisheit, der Lieder und der Wolchwen

Veles ist außerdem ein Gott der Weisheit, der Erzählungen und des verborgenen Wissens, Schutzherr der Wolchwen, der alten Priester und Hüter der Überlieferung. Im "Igorlied" wird der Sänger Bojan als "Enkel des Veles" bezeichnet, also als Erbe des Gottes der Dichtung und der Eingebung. Die Verbindung des Gottes des Reichtums mit der Weisheit ist kein Zufall: Wissen galt den Alten als ebenso ansammelbares Gut wie eine Herde, und der Sänger, der Geschlechter und Sagen im Gedächtnis trug, hütete einen Reichtum, der dem an Vieh nicht nachstand. Daher hat Veles auch die Seite eines Herrn über Wort und Gedächtnis, nahe denen, die Verstand und Gelehrsamkeit schätzen.

Herr der Unterwelt und der unterirdischen Gewässer

Veles ist der Gebieter der unteren, unterirdischen Welt, des Reichs der Toten und der Schatzkammer verborgener Kostbarkeiten. Zu ihm gehen die Seelen der Ahnen, in seiner Obhut stehen die unterirdischen Gewässer, die Wurzeln des Weltenbaums, alles, was unter der Erde und in der Erde liegt. Dieser Zug macht ihn dem Bild des Herrn über unsichtbaren Reichtum verwandt: Auch Gold und Erz liegen in der Erde, in seinen Gefilden. Die Alten sahen darin eine schlüssige Logik, der Gott des Wohlstands und der Gott der Unterwelt seien ein und derselbe, denn beides liegt in der Tiefe verborgen und kommt von dort zum Menschen. Die Verbindung zu den Ahnen rückt die Symbolik des Veles nahe an das Thema von Geschlecht und Erbe.

Verträge, Eide und das unverbrüchliche Wort

Der Name des Veles erklang in den wichtigsten Eiden der alten Rus. Laut Chronik schwor die Rus beim Abschluss von Verträgen mit den Griechen bei zwei Göttern zugleich: die Krieger bei den Waffen und bei Perun, die Übrigen bei Veles, dem "Viehgott". Wer einen solchen Eid brach, zog sich den Zorn des Gottes des Reichtums zu: Man versprach ihm, er werde gelb werden wie Gold und sein Erworbenes verlieren. So wurde Veles zum Bürgen des ehrlichen Geschäfts und des unverbrüchlichen Wortes, besonders in Handels- und Wirtschaftsdingen. Diese Rolle macht sein Zeichen zu einem passenden Amulett für jene, die ein gegebenes Versprechen und die Festigkeit eines Vertrags schätzen.

Veles und Perun: der Gegensatz im Mythos

In der Rekonstruktion des alten slawischen Mythos sind Veles und Perun ewige Gegner. Nach einer Deutung raubt Veles als Schlange dem Donnerer das Vieh, die Gewässer oder die Frau, verbirgt sie in der Unterwelt, und Perun verfolgt ihn, schlägt mit Blitzen auf ihn ein, treibt ihn unter die Erde und unter den Stein und befreit das Geraubte. Diesen Stoff vom Kampf des himmlischen Gottes mit der irdischen Schlange nennen Gelehrte den Grundmythos der Slawen. Man sollte im Kopf behalten, dass vieles hier eine aus Bruchstücken zusammengesetzte Rekonstruktion ist und keine geschlossene alte Überlieferung. Doch der Gegensatz der beiden Kräfte, des gewittrigen Oben und des unterirdischen Unten, lässt sich im slawischen Weltbild klar verfolgen.

Doppelglaube: Veles und der heilige Blasius

Mit dem Kommen des Christentums erlosch der offene Kult des Veles, doch das Bild verschwand nicht, sondern ging auf einen im Namen und in der Rolle nahestehenden Heiligen über. Schutzherr des Viehs wurde der heilige Blasius, dessen Name dem Volos-Veles ähnelt, und im Volk nannte man ihn ebenso den "Kuh-" oder "Viehgott", den Fürsprecher der Herden. Am Blasiustag hielt man Andachten für die Gesundheit des Viehs, besprengte die Tiere und buk besonderes Gebäck in Form von Kühen. So lebte der heidnische Gott des Wohlstands still unter christlichem Namen bis in die neuere Zeit weiter, und das ist ein selten klares Beispiel des Doppelglaubens, bei dem Altes und Neues in einem Fest zusammenwuchsen.

Späte Spuren in der Ethnografie

In späten Aufzeichnungen von Bräuchen hat sich noch eine deutliche Spur des Veles erhalten. Die Schnitter ließen auf dem abgeernteten Feld ein ungeschnittenes Büschel Ähren stehen, das man "Veles' Bärtchen" oder "Volotka aufs Bärtchen" nannte, knickten es um und schmückten es. Das war ein Opfer an den Gott der Fruchtbarkeit und des Feldes, die Bezahlung für die Ernte und die Bitte um künftigen Wohlstand. Der Brauch überdauerte bis ins neunzehnte und sogar zwanzigste Jahrhundert, als sich an Veles selbst kaum noch jemand erinnerte, und zeigt, wie tief der Name des Gottes in das bäuerliche Jahr eingewachsen war. Aus solchen kleinen, hartnäckigen Spuren setzen die Gelehrten das Bild des alten Gottes zusammen.

Symbole des Veles

Goldener Schläfenanhänger der Kiewer Rus des 11. bis 12. Jahrhunderts mit Zellenschmelz: zwei Sirenen zu beiden Seiten eines Lebensbaums
Sirenen als Halbvögel und der Lebensbaum auf einem Schläfenanhänger Kiewer Arbeit. Die Tier- und Vogelmotive des altrussischen Metalls klingen mit dem Bilderkreis des Veles zusammen, des Herrn der Tiere und der Unterwelt. Temple Pendant with Two Sirens Flanking a Tree of Life, Kiewer Rus, 11. bis 12. Jahrhundert. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).Temple Pendant with Two Sirens Flanking a Tree of Life (front) and Confronted Birds (back), 11th–12th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Veles hat einen ganzen Satz von Zeichen, und jedes taugt zu einem eigenständigen Schmuckmotiv. Gehen wir sie einzeln durch und behalten dabei im Kopf, dass ein Teil der Deutungen eine moderne Rekonstruktion ist und kein wörtliches altes Zeugnis.

Das Siegel des Veles, oder das Zeichen des Veles

Das wichtigste grafische Zeichen des Gottes ist das Siegel des Veles, ein kantiges Symbol in Form eines umgekehrten Buchstabens "A" mit Querbalken, das man als stilisierte Stier- oder Bärenschnauze mit nach unten gerichteten Hörnern liest. Die Umkehrung und die Ausrichtung nach unten verbinden das Zeichen mit der Unterwelt, mit der Erde und den unterirdischen Kräften, den Gefilden des Veles. Das Siegel des Veles trägt man als Amulett für Reichtum, Weisheit und Glück in den Geschäften, als Zeichen der Verbindung zur alten erdgebundenen Kraft. Ehrlich gesagt: vollständige archäologische Bestätigungen für dieses Zeichen in genau dieser Gestalt gibt es nur wenige, vieles davon ist ein Bild, das erst in neuer Zeit auf der Grundlage der Mythologie geformt wurde. Doch als Grafik ist es knapp und kraftvoll, die kantigen Linien fügen sich zu einer wiedererkennbaren, fast runischen Zeichnung, die sich gut auf einen Anhänger wie auf einen Ring legt.

Stier und Auerochse

Der Stier und sein wilder Vorfahr, der Auerochse, sind das unmittelbarste Zeichen des Veles, des Gottes des Viehs und des Reichtums. Das mächtige gehörnte Tier verkörperte Kraft, Fruchtbarkeit, Fülle, die Idee des erworbenen Guts selbst. Der Auerochse, der heute ausgestorbene wilde Stier, war für die Slawen ein Bild urtümlicher Macht, seine Hörner schätzte man, aus ihnen fertigte man rituelle Gefäße und Amulette. Ein Stierkopf oder Hörner im Schmuck lesen sich als Zeichen von Wohlstand, einem festen Hof, männlicher Kraft und Beharrlichkeit. Ein Anhänger oder Ring mit Stierkopf verweist auf den Kern des Veles: ein Gott, dessen Reichtum man an einer gehörnten Herde maß. Das ist ein altes, auch ohne Beschriftung verständliches Zeichen für Gewinn und Stärke.

Der Bär

Der Bär ist der Herr des Waldes und ein Tier, das besonders eng mit Veles verbunden ist. Den Gott stellte man nicht selten in Bärengestalt dar, und den Bären selbst verehrte das Volk als Herrn des Waldes, stark, weise, verbunden mit dem Reichtum der Reviere und mit der Welt der Ahnen, denn das Tier schläft im Winter ein, als ginge es in die Unterwelt, und kehrt im Frühling zurück. Bärenkralle und Fangzahn trug man von alters her als kräftiges Amulett für Stärke und Schutz. Im Schmuck liest sich das Bärenmotiv, der Kopf des Tieres, die Tatze, die Kralle, als Zeichen urtümlicher Macht, des Schutzes, der Verbindung zur Wald- und Erdweisheit des Veles. Das ist ein strenges, männliches Symbol für jene, die Kraft und Standfestigkeit schätzen.

Die Schlange

Die Schlange ist eine der Gestalten des Veles selbst und sein Zeichen als Herr der Unterwelt. Im Grundmythos tritt Veles als riesige Schlange auf, die unterirdische Gewässer und Schätze bewacht, und gerade mit ihr kämpft der Donnerer Perun. Die Schlange ist bei den Slawen mit Erde, Wasser, unterirdischen Reichtümern verbunden, mit Weisheit und Langlebigkeit, mit dem Häuten als Bild der Erneuerung. Das Schlangenmotiv im Schmuck liest sich doppeldeutig: als Hüterin des verborgenen Reichtums, als Zeichen der Weisheit und als alte erdgebundene Kraft. Wir behandeln die Schlange als eigenständiges Symbol ausführlich, im Zusammenhang mit Veles aber ist die Schlange gerade als Gestalt des Gottes wichtig, als Wächterin seiner unterirdischen Schätze.

Das Füllhorn

Das Füllhorn ist ein Bild des Wohlstands, unmittelbar mit dem Gott des Reichtums verbunden. Das volle Horn, aus dem die Gaben rieseln, Korn, Früchte, Münzen, liest sich als Wunsch nach Gewinn, Ernte, vollem Haus. Bei Veles ist dieses Symbol besonders passend, denn das Stierhorn und die Idee des mit Gut überquellenden Gefäßes treffen in seinem Bild des Gottes des Viehs und des Erworbenen zusammen. Im Schmuck wirkt das Füllhorn als knappes Zeichen für Glück in den Geschäften und materielles Wohlergehen, ein Geschenk mit einem verständlichen Wunsch nach Wohlstand für jemanden, der ein Geschäft oder einen Hof beginnt.

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Bedeutung des Veles im Schmuck

Wozu das Zeichen des Veles tragen? Der Gott hat mehrere Bedeutungsschichten, und jede beantwortet ihren eigenen menschlichen Wunsch.

Reichtum und Wohlstand

Veles ist vor allem ein Gott des Reichtums, und das ist sein wichtigster Sinn. Der Viehgott war für Wohlstand, Gewinn, erworbenes Gut, Glück in der Wirtschaft zuständig. Sein Zeichen zu tragen heißt, auf einen festen Hof zu setzen, auf materielles Wohlergehen, auf die Fähigkeit, zu erwerben und zu bewahren. Das Siegel des Veles, der Stier, das Füllhorn lesen sich als altes Amulett für Gewinn und Wohlstand, als Wunsch nach einem vollen Haus. Das ist jenen nah, die ein Geschäft aufbauen, einen Hof führen, einen verlässlichen Wohlstand schätzen.

Es lohnt sich, genauer zu bestimmen, welche Art von Reichtum Veles beschützte. Es ist nicht das zufällige Glück des Spielers und kein vom Himmel gefallener Schatz, sondern erworbener, gezüchteter, ehrlich erhandelter Wohlstand. Die Herde wächst von Jahr zu Jahr, das Feld trägt nach der Arbeit, der Handel bringt dem Geschickten Gewinn. Der Gott des Viehs war für den Zuwachs zuständig, für das, was sich ansammelt und vermehrt, nicht für das, was zerrinnt. Daher ist sein Amulett dem gründlichen Menschen näher, der Wohlstand langsam und auf Dauer aufbaut und nicht den schnellen Fang erjagt. In diesem Sinn liest sich das Zeichen des Veles als Wunsch nicht nach plötzlichem Reichtum, sondern nach einem festen, wachsenden Hof, den man weitergeben kann.

Weisheit und Wissen

Veles ist ein Gott der Weisheit, der Lieder und des verborgenen Wissens, Schutzherr der Sänger und Wolchwen. Wissen sammelten die Alten wie Reichtum und hüteten es wie eine Herde. Deshalb steht die Symbolik des Veles jenen nah, die Verstand, Gelehrsamkeit, Gedächtnis schätzen, die von Wort und Wissen leben. Das Zeichen des Gottes liest sich für sie nicht als Geld, sondern als ein anderer Reichtum, als Weisheit und Besitz der Überlieferung. Das ist eine seltene Facette für einen Gott des Wohlstands, und sie macht das Bild vielschichtiger.

Handwerk und Handel

Veles ist Schutzherr der Kaufleute, Handwerker und des ehrlichen Geschäfts. Bei seinem Namen schwor man in Handelsverträgen, ihn bat man um Glück im Geschäft und um die Unverbrüchlichkeit des Wortes. Die Symbolik des Gottes steht jenen nah, die handeln, fertigen, Geschäfte abschließen, die von Handwerk und Tausch leben. Das Zeichen des Veles wirkt für sie als Amulett für ehrlichen Gewinn, einen festen Vertrag und Glück in den Geschäften. Das ist ein verständlicher Wunsch für jemanden, der ein Geschäft eröffnet oder Verhandlungen führt.

Verbindung zu den Ahnen

Veles ist der Herr der Unterwelt, in die die Seelen der Ahnen gehen, und dadurch ein Gott der Verbindung des Geschlechts zu jenen, die vor uns waren. Seine Gefilde sind die Erde, in der die Großväter, Wurzeln, Ursprünge ruhen. Die Symbolik des Veles steht jenen nah, denen Geschlecht, Erbe, Erinnerung an die Ahnen, die Verbindung der Generationen wichtig sind. Das Zeichen des Gottes liest sich in diesem Sinn als Faden, der in die Tiefe des Geschlechts reicht, als Amulett für die Festigkeit der Familie und die Achtung vor den Wurzeln. Ein verwandtes Thema hütet auch das alte slawische Mondamulett Lunula, das mit dem weiblichen Los und dem Geschlecht verbunden ist.

Bei den alten Slawen verbanden sich die Verehrung der Ahnen und der Herr der Unterwelt unmittelbar. Die Großväter ruhen in der Erde, und Erde wie unterirdisches Reich sind die Gefilde des Veles, also stehen auch die Verstorbenen selbst in seiner Obhut. Bei den Totenbräuchen, an den Gedenktagen, an denen man der Hingegangenen gedachte, war auch das Bild des Gottes unsichtbar zugegen, der die Seelen aufnimmt. Daher wirkt das Zeichen des Veles bei jenen, die es heute des Geschlechtsthemas wegen tragen, nicht als Schmuck über Geld, sondern als stille Erinnerung an die Wurzeln, an die, die vor uns waren, an die Pflicht des Gedächtnisses. Das ist eine für ein Amulett des Reichtums seltene Facette, und sie macht das Symbol des Veles tiefer als ein bloßes Zeichen des Geschäftsglücks.

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Veles und Perun: zwei Kräfte

Aus der gesamten slawischen Mythologie verdient das Paar Veles und Perun ein eigenes Gespräch, denn gerade ihr Gegensatz hält das Gerüst des ganzen Weltbilds und erklärt, worin sich das Zeichen des Veles von den Zeichen der oberen, himmlischen Götter unterscheidet.

Perun ist der Gott des Gewitters, des Donners und des Blitzes, Schutzherr der fürstlichen Gefolgschaft und der Krieger, Gott der himmlischen Ordnung und Kraft. Veles ist sein irdisches Gegenstück, Gott des Viehs, des Reichtums, der unterirdischen Gewässer und der Unterwelt, Schutzherr der Hirten, Kaufleute und Wolchwen. Der eine oben, der andere unten. Der eine herrscht über Donner und Waffen, der andere über Wohlstand und Verborgenes. Dieses Paar, oben und unten, Donner und Erde, ist der Kern des slawischen Kosmos.

Im Grundmythos der Slawen wird ihre Feindschaft als Verfolgung erzählt. Veles in Schlangengestalt raubt dem Perun Vieh, Gewässer oder die Braut und verbirgt sie in der Unterwelt, unter der Erde, unter dem Stein, unter dem Baum. Perun verfolgt den Räuber, schlägt mit Blitzen auf all seine Verstecke und befreit endlich das Geraubte, gibt der Welt Regen, Vieh, Ordnung zurück. Das Gewitter ist in diesem Mythos eben jener Kampf, und der Blitz ist die Waffe des Donnerers. Wichtig ist, im Kopf zu behalten, dass es keinen geschlossenen alten Text dieses Mythos gibt, die Gelehrten setzten ihn aus Bruchstücken von Bräuchen, Liedern und dem Vergleich mit benachbarten Überlieferungen zusammen, es ist also eine begründete Rekonstruktion und keine wörtliche Überlieferung.

Für den Schmuck gibt dieses Paar eine verständliche Wahl des Tons. Will man ein Zeichen der Kraft, des Gewitters, des kriegerischen Schutzes, wählt man den Hammer oder die Streitaxt des Donnerers, und wir behandeln die Axt Thors und Peruns gesondert. Steht einem Reichtum, Weisheit, Hof und die Verbindung zur Erde näher, wählt man das Zeichen des Veles. Ein doppeltes Amulett, in dem beide Kräfte zusammenkommen, begegnet ebenfalls: Die Alten schworen ja bei zwei Göttern zugleich und erkannten an, dass die Welt sowohl Donner als auch Erde, sowohl Kraft als auch Wohlstand braucht.

Materialien

Paariger Schläfenanhänger der Kiewer Rus des 11. bis 12. Jahrhunderts aus Elektron und Perlen mit Zellenschmelz und einander zugewandten Vögeln
Schläfenanhänger aus Elektron mit Perlen und Zellenschmelz, ein Beispiel dafür, wie altrussische Meister mit Edelmetall arbeiteten. Solchen Schmuck hängte man an der Kopfbedeckung neben den Schläfen auf. One of a Pair of Temple Pendants with Confronted Birds, Kiewer Rus, 11. bis 12. Jahrhundert. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).One of a Pair of Temple Pendants, with Confronted Birds (front) and Human Heads (back), 11th–12th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Das Bild des Veles verlangt Materialien, die die Idee von Altertum, erdgebundener Kraft und Echtheit tragen. Es passen längst nicht alle, und jedes hat seine eigene Logik.

Silber

Silber gibt die strenge, archaische Ästhetik der slawischen Symbolik am besten wieder. Silber 925 ist fest, alltagstauglich und löst bei den meisten Menschen keine Allergie aus. Das Siegel des Veles, ein Stierkopf, eine Schlange aus Silber wirken grafisch und gewichtig, und Silber lässt sich in den Vertiefungen des Reliefs leicht schwärzen, um die kantigen Linien des Zeichens oder die Struktur der Tierschnauze hervorzuheben. Geschwärztes Silber ist wohl die "veleshafteste" Wahl: Es gibt jene dunkle, von der Zeit nachgedunkelte Struktur, wie sie alte, aus der Erde gehobene Amulette hatten.

Bronze und Messing

Bronze ist ein historisch naheliegendes Material: viele slawische Amulette, Anhänger und Fibeln goss man gerade aus Bronze und anderen Kupferlegierungen. Der warme kupferne Schimmer verleiht dem Bild eine archaische, museale Tiefe, als hätte man das Stück eben aus der Grabung gehoben. Messing mit goldenem Ton wirkt ähnlich und ist günstiger zu haben. Der Nachteil der Kupferlegierungen liegt darin, dass sie mit der Zeit nachdunkeln und Spuren auf der Haut hinterlassen können, weshalb solche Stücke Pflege brauchen. Bronze und Messing sollte man vor dem Duschen und Schlafen ablegen, mit weichem Tuch abwischen und trocken aufbewahren, dann legt sich die Patina schön und nicht fleckig. Wer eine warme historische Struktur ohne Mühe will, wählt vergoldetes Silber.

Gold

Gold verweist unmittelbar auf die Idee des Reichtums, über die ja Veles gebietet, und liest sich als die statusträchtige Variante des Zeichens. Ein goldenes Siegel des Veles oder ein Stierkopf verbindet das Symbol des Gottes des Wohlstands mit dem reichsten der Metalle, was nach Sinn logisch und schön ist. Der warme Glanz mildert die Strenge des slawischen Zeichens und macht es reicher. Für jene, die das Amulett des Wohlstands mit der Idee von Geschlecht und Erbe verknüpfen wollen, passt Gold am besten, denn gerade Gold sammelte man an und gab es von Generation zu Generation weiter.

Holz, Knochen und Leder

Eine eigene Linie sind die Naturmaterialien im Geist der Epoche selbst. Geschnitztes Holz, Knochen mit eingebranntem Zeichen, eine Lederschnur statt einer Kette. Solche Stücke geben die grobe, von Hand gefertigte Struktur des alten slawischen Amuletts wieder und passen gut zu einem Metalleinsatz, etwa ein silbernes Siegel des Veles an einem Lederband. Holz ist besonders passend für die Wald- und Bärenfacette des Bildes, und Knochen verweist auf die Tieramulette, die Fangzähne und Krallen. Diese Materialien fügen dem Bild Echtheit hinzu und verbinden den modernen Schmuck damit, wie die Amulette unserer Vorfahren wirklich aussahen.

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Wie und wozu tragen

Die Symbolik des Veles ist stark und auffällig, deshalb sollte man an ihr Tragen bewusst herangehen. Die gute Nachricht: Das Bild ist universell, es tragen es Männer wie Frauen, nur in verschiedenen Registern.

Anhänger mit dem Siegel des Veles

Das Siegel des Veles an einer Kette oder Lederschnur ist die unmittelbarste Art, das Zeichen des Gottes zu tragen. Ein großes Siegel verlangt einen schlichten Oberteil ohne Muster, damit die strenge kantige Geometrie des Zeichens ganz zur Geltung kommt. Man trägt es meist an einer Kette mittlerer Länge, damit das Amulett auf der Brust liegt. Ein kleines Siegel an einer feinen Kette wirkt zarter und passt zu einem Hemd mit geöffnetem oberen Knopf. Geschwärztes Silber verstärkt die Strenge des Zeichens, Gold mildert sie und verbindet es unmittelbar mit der Idee des Reichtums.

Ring mit Stierkopf

Ein Ring mit Stier- oder Auerochsenkopf ist die männliche, gewichtige Variante des Veles-Zeichens. Den massiven Ring trägt man am Ringfinger oder kleinen Finger, und er wirkt gut für sich allein, ohne weitere Ringe an derselben Hand, damit sie nicht um Aufmerksamkeit streiten. Der Stierkopf liest sich als Zeichen von Kraft, Wohlstand und Beharrlichkeit, und eine Gravur am Reif fügt Tiefe hinzu. Ein silberner Ring passt zum Alltagsbild, ein goldener zum festlichen. Ein verwandtes Amulettthema halten auch Schutzringe mit schützenden Zeichen.

Bärenkralle und Tiermotiv

Ein Anhänger in Form einer Bärenkralle, eines Fangzahns oder eines Tierkopfes ist der älteste Amuletttyp, unmittelbar mit der Waldfacette des Veles verbunden. Ein solches Zeichen trägt man kurz, an den Schlüsselbeinen, oder länger, über dem Pullover, oft an einer Lederschnur, was die urtümliche Struktur verstärkt. Die Kralle liest sich als Zeichen von Kraft, Schutz und Verbindung zum wilden, erdgebundenen Ursprung. Sie verträgt sich gut mit groben Naturmaterialien und neigt zum männlichen, strengen Bild, auch wenn eine zierliche kleine Variante von Frauen getragen wird.

Männlicher und Unisex-Ansatz

Die Symbolik des Veles liest sich traditionell eher als männlich: Kraft, Hof, strenge erdgebundene Weisheit. Doch das Siegel des Veles, das Füllhorn und das Schlangenmotiv tragen längst alle. Die weibliche Variante ist häufiger feiner und grafischer: ein zierliches Siegel, ein kleines Füllhorn, eine schmale Schlangenwindung. Die männliche Variante neigt zur Massivität: ein breiter Ring mit Stier, ein großes Siegel, eine Bärenkralle, ein ausgeprägtes Relief, eine Lederschnur. Geschwärztes Silber macht das Bild strenger, Gold milder und nach Sinn reicher.

Womit kombinieren

Das starke Zeichen des Veles wirkt besser als Akzent und nicht im Haufen. Den Ring mit Stier sollte man an der Hand allein wirken lassen. Das Siegel des Veles kann man in eine Schicht mit neutralen Ketten oder anderen slawischen Zeichen einbinden. Thematisch vertragen sich die Zeichen des Gottes gut mit der übrigen slawischen Symbolik und den Amuletten: der Axt Peruns, der Lunula, dem Schlangenmotiv. Gut fügt sich ein sinnvolles Set im Geist der slawischen Schutzamulette und Talismane zusammen. Meiden sollte man die Mischung mit gegensätzlichem Dekor im Ton: ein strenges Siegel des Veles neben einer Streu von Blümchen verliert seinen Charakter.

Veles und Perun: zwei gegensätzliche Kräfte
MerkmalVelesPerun
BereichVieh, Reichtum, UnterweltDonner, Krieg, Himmelsordnung
Platz in der WeltUnten: Erde und UntergrundOben: Hügel und Himmel
Schutzherr vonHirten, Händler, WeiseFürsten und Gefolgschaft
Zeichen im SchmuckSiegel, Stier, Bär, SchlangeHammer und Axt
Worum man bittetReichtum, Weisheit, guten HandelKraft, Sieg, Schutz

Veles in Folklore und Ethnografie

Veles hat ein reiches Leben jenseits des alten Mythos, in bäuerlichen Bräuchen, in Namen und in späten Volksglauben. All das nährt die Symbolik des Schmucks und hilft zu verstehen, wovon das Bild des Gottes nach der Taufe lebte.

"Veles' Bärtchen": der Ernteritus

Die deutlichste späte Spur des Gottes ist der Ernteritus. Beim Abernten des Feldes ließen die Schnitter ein letztes Büschel Ähren ungeschnitten, knickten und schmückten es und nannten es "Veles' Bärtchen" oder "Volotka aufs Bärtchen". Das war ein Opfer an den Gott des Feldes und der Fruchtbarkeit, die Bezahlung für die diesjährige Ernte und die Bitte um künftigen Wohlstand. Das ungeschnittene "Bärtchen" umwand man bisweilen mit einem Band, legte Brot und Salz darunter. Der Brauch überdauerte bis in die späte Zeit im ganzen ostslawischen Dorf, und in ihm erklang der Name des Veles hartnäckig, als man den Gott selbst schon fast vergessen hatte.

Der heilige Blasius, Fürsprecher des Viehs

Nach der Taufe ging die Rolle des Viehbeschützers auf den heiligen Blasius über, dessen Name dem Volos ähnelt. Im Volk nannte man ihn den "Kuhgott", den Fürsprecher der Herden, und am Blasiustag im Februar hielt man Andachten für die Gesundheit des Viehs, besprengte die Tiere mit Weihwasser, buk rituelles Gebäck in Form von Kühen und Stieren. So lebte der heidnische Viehgott still unter christlichem Namen weiter, und der Bauer, der Blasius um Zuwachs bat, wandte sich im Grunde an denselben alten Schutzherrn des Wohlstands wie seine fernen Vorfahren.

Veles im Volksglauben über Reichtum und Schätze

Als Herr der Unterwelt und der verborgenen Kostbarkeiten blieb Veles im Volksglauben über Schätze und unterirdischen Reichtum erhalten. Die Erde bewahrt im Volksbewusstsein Gold und Erz, und der Herr der Unterwelt gebietet über dieses verborgene Gut. Daher die feste Verbindung des Gottes mit dem Thema des gefundenen Schatzes, des Glücks, des unverhofften Wohlstands, der aus der Erde gehoben wird. Diese Facette rückt die Symbolik des Veles sowohl dem Herrn der Herden nah als auch dem, der an Glück und unverhofften Gewinn glaubt, der das Seine sucht und tief gräbt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In alten Volksglauben galt ein Schatz nicht selten als besprochen, unter die Obhut der unteren Kräfte gestellt, und nehmen konnte ihn nur ein Würdiger oder einer, der das rechte Wort kannte. Dahinter steht eben jenes Bild des Veles, des Gottes, der den verborgenen Reichtum der Erde hält und entscheidet, wem er ihn öffnet.

Veles in moderner Kultur und Neuheidentum

In neuer Zeit setzte man das Bild des Veles aus Chroniken, Liedern und Bräuchen neu zusammen, und es wurde ein großes Thema in der Literatur über das slawische Altertum, in der historischen Prosa und in den neuheidnischen Bewegungen, die vorchristliche Kulte wiederbeleben. Gerade in diesem Umfeld formte sich das Siegel des Veles als wiedererkennbares grafisches Zeichen und ging in den Schmuck ein. Viele kommen zur Symbolik des Gottes gerade über das moderne Interesse an den slawischen Wurzeln, über Bücher, Musik, Rekonstruktion. Daran ist nichts Schlechtes: Das alte Bild fand einen neuen Weg zum Menschen. Wichtig ist nur, die von den Gelehrten gewonnene historische Grundlage von der späten Erfindung zu unterscheiden und zu verstehen, was man trägt und warum.

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Fakten, die überraschen

Veles hat über die Jahrhunderte so viele Geschichten angesammelt, dass manche fast unglaubwürdig klingen.

Das Wort "skot" bedeutete einst "Geld". Im Altrussischen bezeichnete "skot" zugleich die Herde, den Besitz und die Schatzkammer, und die fürstliche Schatzkasse hieß "skotniza". Der Viehgott Veles war im Grunde ein Gott des Geldes und des Reichtums im allerwörtlichsten Sinn, und darin steckt keinerlei Metapher.

Bei Veles schwor man in zwischenstaatlichen Verträgen. Beim Friedensschluss mit Byzanz schwor die Rus bei zwei Göttern: die Krieger bei Perun und den Waffen, die Übrigen bei Veles, dem "Viehgott". Dem Eidbrecher versprach man, er werde gelb werden wie Gold und sein Erworbenes verlieren. Der Name des Gottes stand in einer Reihe mit Staatsverträgen.

Der Sänger Bojan heißt "Enkel des Veles". Im "Igorlied" nennt man den weisen Sänger Bojan den "Enkel des Veles". Das heißt, dass Veles auch ein Gott der Dichtung, der Lieder und der Eingebung war, Schutzherr derer, die die Überlieferung hüteten, und keineswegs nur ein Herr der Herden.

Der Gott überlebte unter dem Namen eines Heiligen bis in die neuere Zeit. Nach der Taufe wurde der heilige Blasius zum Schutzherrn des Viehs, dem Volos-Veles ähnlich im Klang. An seinem Tag besprengte man Kühe und buk Kuh-Gebäck. So lebte der heidnische Gott des Wohlstands still unter christlichem Namen noch ein weiteres Jahrtausend.

Veles und Perun standen in Kiew auf verschiedener Höhe. Das Götterbild des Donnerers Perun stand oben auf einem Hügel, das des Veles unten auf dem Podol, beim Marktplatz. Diese Geografie selbst wiederholte genau die Mythologie: der himmlische Gott oben, der irdische und unterirdische unten, beim Ort des Handels.

Dem "Veles' Bärtchen" überließ man ein Stück Feld. Beim Abernten der Flur ließen die Bauern jahrhundertelang ein ungeschnittenes Büschel Ähren als Opfer für Veles, knickten und schmückten es. Der Brauch überdauerte das Heidentum selbst und reichte bis ins neunzehnte Jahrhundert, als sich an den Gott schon kaum noch jemand erinnerte.

Veles konnte eine Schlange sein. Im Grundmythos der Slawen tritt der Gott der Unterwelt als riesige Schlange auf, die Vieh und Gewässer raubt und unter die Erde verbirgt, während der Donnerer Perun sie mit Blitzen treibt. So erwies sich der Gott des Reichtums auch als unterirdische Schlange, als Hüterin der Schätze.

Der Name des Gottes ist bis heute umstritten. Veles oder Volos, ein Gott oder zwei verschiedene, darüber streiten die Gelehrten seit Jahrhunderten. Die Quellen sind spärlich, und vieles am Bild des Gottes ist eine begründete, aus Bruchstücken zusammengesetzte Rekonstruktion und keine geschlossene alte Überlieferung.

Häufige Fragen

Wer ist Veles in der slawischen Mythologie?

Veles ist einer der slawischen Hauptgötter, Schutzherr des Viehs, des Reichtums, des Handels, der Weisheit und Herr der unteren, unterirdischen Welt. Man nannte ihn den "Viehgott", denn Vieh war das Maß des Wohlstands. Er ist Schutzherr der Hirten, Kaufleute, Sänger und Wolchwen, Gott des Wohlstands und des verborgenen Wissens, Gegenpol zum himmlischen Donnerer Perun.

Was bedeutet das Siegel des Veles?

Das Siegel des Veles ist ein kantiges Zeichen in Form eines umgekehrten Buchstabens "A", das man als stilisierte Stier- oder Bärenschnauze mit Hörnern nach unten liest. Die Ausrichtung nach unten verbindet es mit der Unterwelt und der Erde, den Gefilden des Veles. Das Zeichen trägt man als Amulett für Reichtum, Weisheit und Glück in den Geschäften. Man sollte wissen, dass es in genau dieser Gestalt zu großen Teilen ein erst in neuer Zeit auf der Grundlage der Mythologie geformtes Bild ist.

Worin unterscheidet sich Veles von Perun?

Es sind nach Sinn gegensätzliche Götter. Perun ist der Gott des Gewitters, des Donners und der fürstlichen Gefolgschaft, Gott der himmlischen Ordnung und Kraft, sein Zeichen ist Hammer oder Streitaxt. Veles ist der Gott der Erde, des Viehs, des Reichtums und der Unterwelt, Schutzherr der Kaufleute und Wolchwen. Der eine oben und über Kraft, der andere unten und über Wohlstand. Im Grundmythos sind sie ewige Gegner, der Donnerer verfolgt die Schlange Veles.

Darf eine Frau das Symbol des Veles tragen?

Ja. Das Siegel des Veles, das Füllhorn und das Schlangenmotiv sind längst universelle Zeichen geworden. Die weibliche Variante ist meist feiner und grafischer: ein zierliches Siegel, ein kleines Füllhorn, eine schmale Schlangenwindung. Die Symbolik des Veles trägt die Ideen von Wohlstand, Weisheit, Verbindung zu Geschlecht und Erde, und das steht einem Menschen jeden Geschlechts nah.

Welches Material eignet sich am besten für Schmuck mit Veles-Symbolik?

Das hängt von der Aufgabe ab. Geschwärztes Silber gibt die "veleshafteste" strenge Struktur und eignet sich für jeden Tag. Gold verbindet das Amulett des Wohlstands mit dem reichsten Metall und liest sich als statusträchtige Variante. Bronze gibt einen historischen, musealen Eindruck, den alten slawischen Amuletten nah. Holz, Knochen und Leder fügen handgefertigte Echtheit hinzu, besonders für die Wald- und Bärenfacette des Bildes.

Warum nennt man Veles den Viehgott?

Weil er Schutzherr des Viehs ist, und Vieh war bei den alten Slawen das Maß des Reichtums, das Wort "skot" bedeutete zugleich Besitz und Geld. Der Gott der Herden wurde automatisch zum Gott des Wohlstands, des Gewinns und des erworbenen Guts. An ihn wandten sich der Hirte, der um Zuwachs bat, und der Kaufmann, der um ein glückliches Geschäft bat. Der "Viehgott" ist im Grunde ein Gott des Reichtums.

Ist Veles ein guter oder ein böser Gott?

Weder das eine noch das andere im einfachen Sinn. Veles ist ein vielschichtiger, doppelgesichtiger Gott: Spender von Reichtum, Weisheit und Wohlstand, doch zugleich Herr der unteren, unterirdischen Welt, Gegner des Donnerers, der im Mythos die Gestalt einer Schlange annimmt. Die Alten teilten die Götter nicht in gut und böse, wie wir es tun. Veles ist die Kraft der Erde und des Wohlstands, die der Mensch braucht, doch mit dem Unten, der Dunkelheit und dem Verborgenen verbunden.

Welches Tier ist mit Veles verbunden?

Gleich mehrere. Stier und Auerochse als Zeichen von Reichtum und Vieh, der Bär als Herr des Waldes und Gestalt des Gottes selbst, die Schlange als Hüterin der unterirdischen Schätze und eine weitere Gestalt des Veles. Jedes Tier erschließt eine eigene Facette des Gottes: der Stier den Wohlstand, der Bär die Kraft und die Verbindung zu Wald und Ahnen, die Schlange die Weisheit und den verborgenen Reichtum der Unterwelt.

Veles: Mythen und Wahrheit
Veles war nur ein Gott des Viehs
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Das Siegel des Veles ist ein exaktes altes Symbol aus Gräbern
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Veles und Perun waren rivalisierende Kräfte im Mythos
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Der Gott verschwand nach der Christianisierung völlig
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Veles war auch ein Gott der Dichtung und des Gesangs
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Fazit

Veles hat den Fall seines eigenen Kults überstanden und blieb in der lebenszähesten Form, die die Rus kannte: in einem Namen, der in die Sprache von Geld und Reichtum einwuchs, in einem bäuerlichen Brauch auf dem abgeernteten Feld, im Namen eines Heiligen, der die Herde besprengt, in einem kantigen Zeichen, das man wieder ins Silber schneidet. Stier, Bär, Schlange, Füllhorn und das Siegel des Gottes erwiesen sich als stärker als die Zeit, weil sie einen verständlichen Sinn tragen: Wohlstand, Weisheit, einen festen Hof, die Verbindung zu Erde und Geschlecht. Heute beantwortet die Symbolik des Viehgotts einfache menschliche Wünsche, man will Gewinn, Verstand, verlässlichen Wohlstand, die Erinnerung an die Wurzeln. Wer das Zeichen des Veles wählt, setzt die Geste des fernen Vorfahren fort, der dem Gott ein Büschel Ähren fürs Glück überließ. Und dazu braucht es keinen Glauben an die alten Götter: Das Zeichen wirkt als klare Erinnerung an sich selbst, was man vermehren, bewahren und weitergeben will. Reichtum, Weisheit und die Kraft der Erde finden Platz auf der Handfläche.

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Silber, Gold, slawische Symbolik, Amulette, Zeichen der Kraft und des Wohlstands.

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Über Zevira

Zevira steht für Schmuck mit Bedeutung: Symbole, Amulette, Zeichen der Kraft und des Schutzes in klaren Formen aus Silber und Gold. Wir lieben Dinge mit einer Geschichte von tausenden Jahren und übertragen sie in modernes Design ohne überflüssiges Pathos. Das Siegel des Veles, der Stier, die Schlange und andere Zeichen der alten Götter stehen im Katalog neben minimalistischen Anhängern und Doppelsets, damit jeder sein Zeichen findet.

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