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Yggdrasil: der nordische Weltenbaum im Schmuck

Yggdrasil: der nordische Weltenbaum im Schmuck

In der Krone eines Baumes thront ein Adler, an den Wurzeln nagt der Drache Nidhöggr am Stamm, und das Eichhörnchen Ratatöskr flitzt unentwegt am Stamm auf und ab, um beiden ihre gegenseitigen Beleidigungen zu überbringen. Das ist kein Märchen über einen Wald. Das ist der Bauplan des gesamten Kosmos der Nordleute: die Esche Yggdrasil, an der neun Welten hängen und die das Dasein selbst trägt.

Einen Anhänger mit Yggdrasil trägt man nicht als hübsches Baummotiv. Er ist ein Zeichen der Verbundenheit: alles ist mit allem verflochten, die Wurzeln reichen dorthin, wohin auch die Äste streben, und das Leben verläuft im Kreis. Der nordische Kosmos in einer einzigen Silhouette.

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Was Yggdrasil ist

Yggdrasil ist der Weltenbaum der nordischen Mythologie, eine gewaltige immergrüne Esche, die alle neun Welten des nordischen Kosmos verbindet und auf sich trägt. Ihre Wurzeln reichen in unterirdische Quellen, ihr Stamm durchzieht die mittlere Welt der Menschen, und ihre Krone ragt über den Wohnsitz der Götter hinaus. Solange Yggdrasil steht, steht auch die Schöpfung. Wenn der Baum erzittert, bricht das Ende der Welt an, Ragnarök.

Den Namen übersetzt man üblicherweise als „Roß des Ygg", wobei Ygg einer der Beinamen Odins ist. Das Roß meint hier kein Tier, sondern den Galgen: dem Mythos nach hing Odin neun Tage lang an diesem Baum, von seinem eigenen Speer durchbohrt, und opferte sich selbst, um die Runen zu erlangen. „Auf dem Baum reiten" hieß in der Sprache der Dichtung gehängt werden, weshalb die Esche zum „Roß Odins" wurde. Schon im Namen steckt der Gedanke von Opfer und einer Weisheit, die durch Leiden erworben wird.

Wie das Symbol aussieht

Im Schmuck wird Yggdrasil fast immer in einem Kreis dargestellt. Oben eine ausladende Krone mit verzweigten Ästen, unten spiegelbildlich die Wurzeln, und oft verflechten sich Krone und Wurzeln zu einem einzigen Muster und bilden einen Kreis oder eine geschlossene Sphäre. Dieser Kunstgriff ist kein Zufall: er zeigt, dass oben und unten, Himmel und Unterwelt, Wachstum und Erinnerung ein Ganzes sind. Häufig verschlingen sich die Linien im keltischen und nordischen Knotenstil, ohne Anfang und Ende.

Woher das Bild des Baumes stammt

Skandinavischer Goldbrakteat, dünner runder Anhänger mit geprägtem Muster, 400 bis 600
Skandinavischer Goldbrakteat, 400 bis 600. Solche runden Anhänger mit geprägten Mustern trug man lange vor der Niederschrift der Mythen, und in ihrer Ornamentik liest sich bereits die nordische Vorliebe für den geschlossenen Kreis. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)Gold Bracteate, 400–600. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Die Vorstellung von einem Baum, der die Welt trägt, ist bei den Nordleuten nicht einzigartig, aber mit besonderer Vollständigkeit ausgearbeitet. Eine riesige Esche oder Eiche als Weltachse begegnet bei vielen Völkern Eurasiens. Bei den Skandinaviern ist dieses Bild dank der isländischen Aufzeichnungen am ausführlichsten überliefert, wo der Baum einen Namen hat, eine genaue Anatomie, Bewohner und eine Rolle im Schicksal von Göttern und Menschen.

Esche oder Eibe

Am häufigsten nennt man Yggdrasil eine Esche, und so bezeichnet sie auch die Snorra-Edda ausdrücklich. Doch ein Teil der Forschung streitet darüber: immergrün ist die Esche nicht, in den Texten wird der Baum jedoch als ganzjährig grün beschrieben. So entstand die These von der Eibe, einem Nadelbaum, der tatsächlich im Winter grün bleibt und Jahrtausende alt wird. Der Streit ist nicht entschieden, in der Überlieferung hat sich die Esche durchgesetzt, doch von der Eibe zu wissen lohnt sich: es erklärt, warum der Baum „ewig grün" ist.

Was Yggdrasil von einem bloßen „Baum" unterscheidet

Einen Baum als Schmuck kann man auf ein Dutzend Arten lesen: Stammbaum, Natur, Ökologie, Wachstum. Yggdrasil hebt sich aus dieser Reihe durch einige Merkmale ab. Erstens die Symmetrie: Krone und Wurzeln sind nahezu spiegelbildlich, das Obere wiederholt das Untere. Zweitens die Geschlossenheit zu einem Kreis oder einer Sphäre, in der Äste und Wurzeln zusammentreffen. Drittens die skandinavische Grafik: harte Linien, Knoten, mitunter Runen am Rand. Trägt der Baum diese Züge, haben Sie den nordischen Weltenbaum vor sich und kein Gartenmotiv.

Yggdrasil in verschiedenen Schreibweisen

Der Name des Baumes sieht in verschiedenen Quellen und Sprachen unterschiedlich aus: Yggdrasil, Yggdrasill, mitunter Iggdrasil. Das alles sind Varianten desselben altnordischen Wortes. In Katalogen und Beschreibungen begegnen beide Formen, deshalb sollten Sie bei der Wahl eines Schmuckstücks nicht auf die genaue Schreibweise achten, sondern auf die erkennbare Silhouette des Baumes im Kreis.

Geschichte und Mythos

Yggdrasil ist das sinnstiftende Zentrum des gesamten nordischen Weltbildes. Um den Anhänger zu verstehen, lohnt es sich, den Baum selbst in seine Teile zu zerlegen: seine Welten, Wurzeln, Quellen und Bewohner.

Neun Welten an Ästen und Wurzeln

Bügelfibel aus Gold und Elektrum, baltische oder skandinavische Arbeit, 7. Jahrhundert
Bügelfibel, baltische oder skandinavische Arbeit, 7. Jahrhundert, Gold und Elektrum. Die verschlungenen Linien des Tierstils auf solchen Spangen folgten derselben Logik wie der nordische Kosmos: alles ist zu einem einzigen Muster verbunden. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)Bow Brooch, 7th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Der nordische Kosmos besteht aus neun Welten, und sie alle ruhen auf Yggdrasil, verteilt über seine Äste und Wurzeln. In verschiedenen Nacherzählungen schwankt die Zusammensetzung der Welten leicht, doch der klassische Bestand ist dieser: Asgard, die Himmelsfeste der Götter, Wanaheim, der Wohnsitz der Wanen, Alfheim, die Welt der Lichtalben, Midgard, die mittlere Welt der Menschen, Jötunheim, das Land der Riesen, Schwarzalfenheim, die Welt der Dunkelalben und Zwerge, Muspelheim, das Reich des Feuers und der Feuerriesen, Niflheim, die Welt aus Ureis und Nebel, und Hel, das unterirdische Totenreich.

Der Baum ist zugleich Karte und Gerüst. Götter oben, Menschen in der Mitte, Tote und Ungeheuer unten, doch verbunden sind sie nicht über getrennte Wege, sondern über einen gemeinsamen Stamm und gemeinsame Wurzeln. Darin liegt die ganze Idee: die Welten sind nicht isoliert, sie wachsen aus einem einzigen Baum.

Drei Wurzeln und drei Quellen

Yggdrasil hat drei große Wurzeln, und jede reicht zu ihrer eigenen Quelle. Die erste führt zum Urdbrunnen, an dem die Nornen wohnen und die Götter sich zur Beratung versammeln. Die zweite steigt hinab zu Mimirs Quelle, dem Brunnen der Weisheit. Die dritte führt zu Hvergelmir, der brodelnden Quelle in der Welt des Eises, aus der alle Flüsse entspringen und an der der Drache an der Wurzel nagt.

Diese Dreiheit ist wichtig. Der Baum ruht nicht auf einer einzigen Stütze, sondern auf drei verschiedenen Elementen: Schicksal, Weisheit und dem Urchaos der Wasser. Jede Wurzel nährt den Baum auf ihre Weise, und jede ist mit ihrem eigenen Kreis von Wesen und Bedeutungen verbunden.

Genau darin liegt die Schönheit des nordischen Weltbildes: die Welt ruht nicht auf einem Einzigen, sondern auf dem Gleichgewicht verschiedener Kräfte. Schicksal, Wissen und Element ziehen den Baum jeweils zu sich, und solange sie ausgewogen sind, hält Yggdrasil. Hat man dieses Schema im Kopf, hört der Baumanhänger auf, ein bloßes Muster zu sein: hinter jeder Wurzel steht ihr eigener Brunnen, ihre eigene Geschichte und ihr eigener Sinn.

Der Urdbrunnen und die Nornen

Der Urdbrunnen ist der heilige Ort unter der Wurzel, an dem die drei Nornen wohnen: Urd, Werdandi und Skuld, deren Namen man mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Verbindung bringt. Die Nornen sind die nordischen Schicksalsspinnerinnen, sie bestimmen das Los von Menschen und Göttern und weben die Fäden jedes Lebens. Jeden Tag schöpfen sie Wasser aus der Quelle und begießen damit die Wurzel Yggdrasils, vermischt mit weißem Lehm, damit der Baum nicht fault und nicht verdorrt.

So entsteht ein lebendiges Bild: das Schicksal ist nicht irgendwo außerhalb, sondern buchstäblich an den Wurzeln der Welt und hält den Lebensbaum selbst aufrecht. Am Urdbrunnen halten die Götter Gericht, hierher reiten sie über die Regenbogenbrücke. Es ist das Herz des nordischen Kosmos, wo Schicksal und Gesetz zusammenlaufen.

Mimirs Quelle und Odins Auge

An der zweiten Wurzel sprudelt Mimirs Quelle, in der alle Weisheit und alles Wissen beschlossen liegen. Der Herr des Brunnens, der weise Mimir, trinkt jeden Morgen aus ihm und weiß deshalb mehr als alle anderen. Odin, ein Gott, besessen vom Wissensdurst, kam zur Quelle und bat um einen Schluck. Der Preis war hoch: Mimir verlangte ein Auge als Pfand. Odin gab sein Auge her, und es blieb für immer auf dem Grund des Brunnens liegen.

Seither ist Odin einäugig, und das ist kein Gebrechen, sondern ein Zeichen: höchste Weisheit verlangt ein Opfer. Zusammen mit der Geschichte von den neun Tagen am Baum ist das der zentrale Gedanke des gesamten Mythos um Yggdrasil. Wissen gibt es nicht umsonst, für die Tiefe zahlt man mit dem Körper und mit Schmerz.

Hirsche und Ziege in den Ästen

Die Krone Yggdrasils benagen vier Hirsche, die durch die Äste streifen und die jungen Triebe abfressen. Ganz oben im Baum lebt ein Adler, zwischen dessen Augen ein Habicht sitzt. Am Stamm, zwischen den Ästen, weidet die Ziege Heidrun, aus deren Euter nicht Milch fließt, sondern Met, der die Krieger in Walhall nährt. Daneben weidet der Hirsch Eikthyrnir, von dessen Geweih die Feuchtigkeit tropft, die den Flüssen ihren Anfang gibt.

Der Baum wimmelt geradezu von Leben. Man frisst an ihm, nagt an ihm, melkt ihn und zaust ihn von allen Seiten, und dennoch steht er. In diesem Bild steckt der Gedanke der Standhaftigkeit: die Welt erträgt ständigen Verschleiß und hält dennoch.

Das Eichhörnchen Ratatöskr

Am Stamm Yggdrasils flitzt auf und ab ein Eichhörnchen namens Ratatöskr. Seine Beschäftigung ist seltsam und sehr menschlich: es trägt böse Worte zwischen dem Adler an der Spitze und dem Drachen Nidhöggr an den Wurzeln hin und her, verbreitet Klatsch und hetzt oben gegen unten. Dieses Botschafter-Eichhörnchen ist wohl der drolligste Bewohner des Weltenbaums, und doch liegt in seiner Rolle ein finsterer Sinn: die Feindschaft zwischen oben und unten verstummt nie, weil ständig jemand Öl ins Feuer gießt.

Im Schmuck begegnet Ratatöskr seltener als der Baum selbst, doch man kennt und liebt es als Sinnbild für Verbindung und Kommunikation, wenn auch nicht der gutartigsten Sorte.

Adler und Habicht an der Spitze

Auf dem Wipfel Yggdrasils sitzt ein weiser Adler, der vieles weiß, und zwischen seinen Augen hat sich ein Habicht namens Wedrfölnir niedergelassen. Der Adler ist ein Bild himmlischer Weisheit und Schärfe, des Blicks von oben auf die ganze Welt. Mit ihm liegt der Drache an der Wurzel im Streit, und ihren Wortwechsel trägt das Eichhörnchen hin und her. Der Adler oben und der Drache unten sind die beiden Pole des Baumes: schwebender Verstand und kriechende Zerstörung, und zwischen ihnen ist die ganze Senkrechte der Schöpfung gespannt.

Der Dichtermet und die Verbindung zum Schaffen

Yggdrasil ist mittelbar auch mit dem Thema der Inspiration verknüpft. Odin, der am Baum die Runen errang, stiehlt in einem anderen Mythos den Dichtermet, der die Gabe der Dichtkunst verleiht. Baum, Opfer, Wissen und Wort verflechten sich in der nordischen Überlieferung zu einem Knäuel: alles Wertvolle wird um den Preis von Anstrengung und Wagnis errungen. Deshalb wählen den Weltenbaum nicht selten schöpferische Menschen, die in ihm ein Zeichen der Inspiration sehen, die aus der Tiefe gewachsen ist.

Der Drache Nidhöggr

An der untersten Wurzel, in der Quelle Hvergelmir, haust der Drache Nidhöggr. Er nagt unablässig an der Wurzel des Weltenbaums und untergräbt ihn von unten. Seinen Namen deutet man als „der hasserfüllt Schlagende" oder „der Schrecken der Finsternis". Außer an der Wurzel zerfleischt er die Leiber der Toten, die in die dunkelsten Bereiche des Totenreichs geraten sind.

Nidhöggr ist die Kraft der Zerstörung, die die Welt von innen zermürbt. Die Nornen heilen den Baum mit Wasser von oben, der Drache nagt ihn von unten an, und dieses Ziehen nach oben und unten hält Yggdrasil in ewiger Spannung zwischen Leben und Zerfall. Nach Ragnarök wird Nidhöggr der Weissagung nach noch am Leben sein und Leichen auf seinen Flügeln davontragen.

Odin am Baum und die Runen

Der wichtigste Mythos, der Yggdrasil unmittelbar mit dem Menschen verbindet, ist das Opfer Odins. Der Gott wollte die Runen ergründen, die geheimen Zeichen von Kraft und Schicksal, und opferte sich dafür selbst sich selbst. Er hing neun Tage und neun Nächte in den Ästen des Weltenbaums, von seinem eigenen Speer durchbohrt, ohne Speise und Trank, und blickte in den Abgrund. Am Ende schrie er auf, ergriff die Runen und fiel vom Baum, im Besitz des Wissens.

Diese Szene verbindet Baum, Opfer und Weisheit zu einem Knoten. Deshalb sind Runen und Yggdrasil so eng verknüpft: die Schrift der Nordleute selbst wurde an diesem Baum errungen. Wer eine Runeninschrift trägt, berührt dieselbe Überlieferung; dazu lohnt sich gesondert die Lektüre der Beiträge über die Algiz-Rune und die Odal-Rune.

Woher wir das überhaupt wissen

Wikingerbrosche mit Tierkopf aus vergoldeter Kupferlegierung, 1000 bis 1100
Wikingerbrosche mit Tierkopf, 1000 bis 1100, vergoldete Kupferlegierung. Gerade solche Funde aus der Wikingerzeit ergänzen die isländischen Texte und zeigen, dass die Bilder von Tieren und Verflechtungen lange vor den Aufzeichnungen lebendig waren. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)Animal-Head Brooch, 1000–1100. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Die nordische Mythologie ist im Wesentlichen über zwei isländische Texte des 13. Jahrhunderts auf uns gekommen. Die Lieder-Edda ist eine Sammlung alter Lieder über Götter und Helden, und die Snorra-Edda schrieb der gelehrte Isländer Snorri Sturluson als Lehrbuch für Dichter, und gerade sie liefert die ausführlichste Beschreibung Yggdrasils. Beide Texte wurden bereits in der christlichen Epoche niedergeschrieben, Jahrhunderte nach dem Glauben selbst, weshalb vieles bruchstückhaft und mit späteren Eingriffen überliefert ist. Die Archäologie ergänzt das Bild: Runensteine, Amulette und Schnitzwerk der Wikingerzeit zeigen, dass das Bild des Baumes und der mit ihm verbundenen Wesen lange vor den Aufzeichnungen lebendig war.

Yggdrasil und Ragnarök

Das Schicksal des Baumes ist unmittelbar mit dem Ende der Welt verknüpft. Der Weissagung nach wird Yggdrasil vor Ragnarök erzittern und ächzen, und das wird das Zeichen sein, dass der Untergang der Götter naht. In der letzten Schlacht fallen Odin, Thor, Freyr, Heimdall und fast alle übrigen, die Welt verbrennt und versinkt im Meer. Doch der Baum hält stand. In seinem Stamm verbergen sich zwei Menschen, Lif und Lifthrasir, und treten nach der Katastrophe heraus, um die erneuerte Welt neu zu besiedeln. Deshalb ist Yggdrasil kein Sinnbild der Verdammnis, sondern ein Sinnbild dafür, dass es nach dem Ende immer eine Fortsetzung gibt.

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Bedeutung

Yggdrasil ist eines der vielschichtigsten nordischen Symbole: in einem einzigen Baum stecken gleich mehrere große Bedeutungen, und man trägt ihn auf verschiedene Weise, je nachdem, was einem näher liegt.

Verbindung aller Welten

Die wichtigste Bedeutung Yggdrasils ist Verbindung. Neun Welten hängen an einem einzigen Baum, Wurzeln und Äste verflechten sich, oben und unten sind durch den Stamm verbunden. Es ist ein Bild der Einheit: alles ist mit allem verbunden, nichts besteht für sich allein. Einen Anhänger mit dem Weltenbaum wählt man oft gerade wegen dieser Idee, als Zeichen dafür, dass der Mensch, seine Sippe, die Natur und das Schicksal zu einem gemeinsamen Netz verflochten sind.

Schicksal und die Fäden der Nornen

An den Wurzeln des Baumes spinnen die Nornen das Schicksal, und Yggdrasil ist vom Thema des Vorbestimmten nicht zu trennen. Der Baum bewahrt den Lauf der Zeit: die Vergangenheit in den Wurzeln, die Gegenwart im Stamm, die Zukunft in der Krone. Ein solches Symbol zu tragen heißt anzuerkennen, dass es im Leben sowohl Freiheit als auch Vorbestimmung gibt, und den Lauf der Dinge mit nordischer Würde anzunehmen.

Wachstum und Entwicklung

Ein Baum bedeutet immer Wachstum. Yggdrasil ist ewig grün, er strebt nach oben, trotz der Hirsche in der Krone und des Drachen an der Wurzel. Deshalb liest sich der Weltenbaum auch als persönliches Zeichen der Entwicklung: des Vorwärtskommens, des Verwurzelns und zugleich des Strebens nach dem Licht. Diese Bedeutung liegt auch denen nahe, die sich nicht für Mythologie begeistern, sondern einfach die Idee eines Lebens lieben, das nicht aufgibt.

Standhaftigkeit und Halt

Yggdrasil trägt die ganze Welt auf sich und hält dabei ständigem Verschleiß stand: man frisst an ihm, nagt an ihm, zaust ihn, und er steht. Daraus erwächst die Bedeutung von Standhaftigkeit und innerem Halt. Es ist ein starkes Zeichen für jemanden, der eine schwere Zeit durchlebt und sich daran erinnern möchte, dass man durchhalten kann, auch wenn man von allen Seiten zermürbt wird.

Der Kreislauf des Lebens

Krone und Wurzeln Yggdrasils sind oft zu einem Kreis verflochten, und das ist kein Zufall. Es ist die Idee des Kreislaufs: Leben und Tod, Wachstum und Zerfall lösen einander ab und gehen ineinander über. Nach Ragnarök, dem Untergang der Götter, treten unter dem Baum die überlebenden Menschen hervor, und die Welt beginnt von neuem. Yggdrasil ist ein Symbol des Endes und des neuen Anfangs zugleich.

Verbindung zu Ahnen und Sippe

Ein Baum mit Wurzeln, die in die Tiefe reichen, lässt sich leicht als Bild der Sippe lesen: die Ahnen unten, die Nachkommen in der Krone, der Mensch in der Mitte. Die Nornen an den Wurzeln spinnen die Fäden jedes Schicksals, und in diesem Sinne steht Yggdrasil der Idee des Stammbaums nahe, doch in der nordischen, herben Spielart. Einen solchen Anhänger wählt man oft als Zeichen der Erinnerung an die Sippe und der Verbindung der Generationen, besonders wenn es in der Familie skandinavische Wurzeln oder ein Interesse an der nordischen Kultur gibt.

Schutz und Talisman

Auch wenn Yggdrasil kein Kampfzeichen wie der Hammer Thors ist, trägt man ihn auch als Schutzzeichen. Die Logik ist einfach: der Baum trägt die ganze Welt und hält jedem Verschleiß stand, also stärkt er symbolisch auch den Träger. Für viele ist er ein ruhiges, nicht aggressives Amulett der Standhaftigkeit, anders als die kriegerischen nordischen Zeichen. Mehr über den Unterschied zwischen Schutzzeichen, Amulett und Talisman lesen Sie im allgemeinen Beitrag über Schutzamulette und Talismane.

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Yggdrasil gegen den allgemeinen „Lebensbaum"

Yggdrasil und den „Lebensbaum" verwechselt man oft, zeichnet sie ähnlich und verkauft sie unter einem Etikett. Doch das ist nicht dasselbe, und der Unterschied ist grundlegend.

Der „Lebensbaum" ist ein weites, kulturübergreifendes Symbol. Ein Baum mit Wurzeln und Krone als Bild des Lebens, der Sippe und der Verbindung von Irdischem und Himmlischem begegnet bei nahezu allen Völkern: im Alten Ägypten, in Mesopotamien, in der keltischen Überlieferung, im Christentum, im Judentum. Es ist eine allgemeine, sanfte Idee von Einheit, Wurzeln und Wachstum, ohne Bindung an einen bestimmten Mythos. Diese Linie ist ausführlich in einem eigenen Beitrag über den Lebensbaum und im Leitfaden zu Natursymbolen im Schmuck behandelt.

Yggdrasil ist ein konkreter nordischer Kosmos-Baum. Er hat einen Namen, eine Art (Esche), eine genaue Anatomie: drei Wurzeln, drei Quellen, neun Welten, Adler, Eichhörnchen, Drache, Nornen. Das ist keine Abstraktion, sondern eine Karte der Schöpfung aus einer bestimmten Mythologie, mit dem Opfer Odins, den Runen und Ragnarök darin. Wenn jemand Yggdrasil und nicht den allgemeinen Lebensbaum wählt, wählt er gerade die nordische Welt: Herbheit, Schicksal, Tapferkeit angesichts des Endes.

Optisch lassen sie sich oft so unterscheiden: Yggdrasil wird gewöhnlich in einem strengen Kreis dargestellt, mit spiegelbildlicher Symmetrie von Krone und Wurzeln, im skandinavischen oder Knotenstil, häufig mit Runen oder anderen nordischen Zeichen daneben. Der allgemeine Lebensbaum ist mitunter weicher, naturnäher, ohne strenge Geometrie. Wenn Ihnen gerade die nordische Bedeutung wichtig ist, suchen Sie nach dem Baum im Kreis und nordischer Grafik, nicht nach irgendeinem „Baum".

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Materialien

Die nordische Symbolik lebt historisch im Metall, und Yggdrasil ist keine Ausnahme. Die Wahl des Materials verändert sowohl das Aussehen als auch den Charakter des Schmuckstücks.

Silber

Silber ist das historische Metall des Nordens. Die Wikinger schätzten gerade dieses und nicht Gold: Silber war zugleich Geld und Status, man tauschte es ein, schmolz es um und trug es als Kapital am Körper. Der kühle, mondene Glanz des Silbers passt ideal zum nordischen Thema, und die Schwärzung in den Vertiefungen hebt die Verflechtungen von Ästen und Wurzeln hervor. Die meisten Yggdrasil-Anhänger fertigt man gerade aus 925er Silber: es ist robust, edel und pflegeleicht.

Bronze und Messing

Bronze und Messing geben einen warmen, etwas archaischen goldenen Ton, der das Gefühl von Altertum gut vermittelt. Solche Legierungen sind günstiger als Silber und wirken „museal", wie ein Fund aus der Erde. Der Nachteil ist, dass Bronze mit der Zeit nachdunkelt und Spuren auf der Haut hinterlassen kann, weshalb man sie oft mit einer Schutzschicht versieht. Für einen großen, reliefierten Baum wirkt Bronze ausdrucksstark.

Gold

Gold hebt Yggdrasil in das Premiumsegment. Gelbgold spielt auf die goldenen Hallen Asgards an und macht das Symbol feierlich, Weißgold gibt eine strenge, fast stählerne nordische Kühle. Ein goldener Weltenbaum ist ein Stück fürs Leben und zum Vererben, was sich von selbst auf die Bedeutung von Baum und Schicksalsfäden reimt.

Holz, Knochen und Kombinationen

Mitunter schnitzt man Yggdrasil aus Holz oder verbindet Metall mit einer Einlage aus Holz, Knochen oder Stein in der Mitte des Kreises. Das ist die „natürlichste" Variante, der Idee der lebendigen Esche am nächsten. Ein Stein im Kern (etwa dunkler Onyx oder grüner Aventurin) bringt Farbe ins Spiel und verwandelt den Baum in einen kleinen Kosmos mit eigenem Zentrum.

Runen und Gravur auf Metall

Häufig bringt man neben dem Baum oder am Rand des Kreises Runen an: einen Namen, eine schützende Inschrift oder ein einzelnes Zeichen. Runen verleihen dem Schmuck Tiefe und persönlichen Sinn, verlangen aber Respekt vor der Überlieferung: jedes Zeichen trägt einen eigenen Namen und eine eigene Bedeutung und funktioniert nicht wie ein gewöhnlicher Buchstabe.

Schwärzung und Patina

Nordischer Schmuck gewinnt fast immer durch Schwärzung, bei der die Vertiefungen der Zeichnung verdunkelt und die erhabenen Stellen hell belassen werden. Bei Yggdrasil bringt dieser Kunstgriff die Verflechtung von Ästen und Wurzeln zur Geltung, macht den Baum plastisch und lesbar. Geschwärztes Silber wirkt älter und herber, näher an archäologischen Funden. Mit der Zeit kann sich die Patina an den erhabenen Stellen abreiben, und das ist normal: das Stück lebt mit seinem Träger und gewinnt Charakter.

Größe und Gewicht

Yggdrasil fertigt man sowohl als großes handtellergroßes Medaillon als auch als kleinen Anhänger von wenigen Zentimetern. Ein großes Stück liest sich als eigenständiges Zeichen und hält das Bild, wiegt aber spürbar am Hals, besonders aus Bronze oder dickem Silber. Ein kleiner Anhänger ist im Alltag bequemer und stört die Kleidung nicht. Bei der Wahl der Größe sollte man sich ehrlich vorstellen, ob man das Stück jeden Tag tragen oder zu Anlässen hervorholen wird.

Wie und wozu man ihn trägt

Yggdrasil ist ein Unisex-Symbol. Ihn tragen sowohl Männer als auch Frauen, der Unterschied liegt nur in Größe, Metall und Stil.

An der Kette

Am häufigsten trägt man den Weltenbaum als Anhänger an der Kette. Ein großes rundes Medaillon mit Baum wirkt gut an einer groben Glieder- oder Panzerkette und liest sich als eigenständiger Blickfang. Ein kleiner, dünner Anhänger rückt näher an den Hals und wirkt sanfter, zur Alltagskleidung. Je rauer die Kette, desto stärker der nordische Charakter des Stücks.

Mit anderer nordischer Symbolik

Yggdrasil verträgt sich hervorragend mit dem übrigen nordischen Repertoire. Man trägt ihn zusammen mit dem Hammer Thors, dem Walknut, Runen und dem Wikingerkompass und baut so ein stimmiges Bild auf. Wenn Sie ein zusammenhängendes Set zusammenstellen möchten, werfen Sie einen Blick in den allgemeinen Leitfaden zu Wikingerschmuck und in den Beitrag über das nordische Pantheon, wo der Baum als Achse der gesamten nordischen Welt gezeigt wird.

Ringe und Armreifen

Den Baum überträgt man auch auf Siegelringe und breite Armreifen. Auf dem Ring gibt man Yggdrasil gewöhnlich als Silhouette oder Gravur wieder, auf dem Armreif breitet man ihn mit den Ästen entlang des Arms aus. Solche Stücke trägt man ständig, als persönliches Zeichen und nicht zum Staat.

Alltäglich oder zum Anlass

Ein silberner Weltenbaum mittlerer Größe fügt sich mühelos in gewöhnliche Kleidung ein: Pullover, Hemd, Jacke. Große Bronze oder Gold verlangen ein durchdachteres Bild und klingen gut in einer dunklen, dichten Farbpalette. Die wichtigste Regel ist einfach: ein starker nordischer Blickfang sichtbar, der Rest gedämpft.

Für wen er passt und wem man ihn schenkt

Yggdrasil ist ein gelungenes Geschenk für jemanden, der eine große Wende im Leben durchmacht und dem man Standhaftigkeit und einen neuen Anfang wünschen möchte. Man schenkt ihn zum Umzug, zur Genesung nach einer schweren Zeit, zum Geburtstag jemandem, der den Norden, die Mythologie oder die Geschichte liebt. Da das Symbol Unisex und nicht an die Romantik gebunden ist, kann man es einem Freund, einem Elternteil, einem Partner oder sich selbst schenken. Wichtig ist nur, dass dem Beschenkten die Idee von Verbindung, Wurzeln und Wachstum nahe ist und nicht allein das äußere Bild des Baumes.

Pflege des Schmuckstücks

Ein silberner Weltenbaum dunkelt mit der Zeit nach, und das ist natürlich. Es genügt, ihn gelegentlich mit einem weichen Tuch oder einem speziellen Pflegetuch zu reinigen, ohne die geschwärzten Vertiefungen zu berühren, um die Zeichnung nicht abzutragen. Bronze schützt man vor Feuchtigkeit und legt sie vor Dusche und Sport ab. Gold ist anspruchslos. Jedes Metall sollte man nachts ablegen und getrennt aufbewahren, damit sich die Kette nicht verheddert und das Relief des Baumes nicht zerkratzt.

Der Weltenbaum bei verschiedenen Völkern

Yggdrasil ist die nordische Spielart einer sehr alten und weit verbreiteten Idee: der Baum als Weltachse, die Himmel, Erde und Unterwelt verbindet. Ähnliche Bilder gibt es bei vielen Völkern, und der Vergleich hilft zu verstehen, worin gerade die nordische Variante ihre Stärke hat.

Sibirien und Zentralasien

Bei den Völkern Sibiriens und der turko-mongolischen Welt ist der Weltenbaum das Zentrum des schamanischen Kosmos. An seinem Stamm steigt der Schamane in Trance zum Himmel auf und hinab in die untere Welt, wie auf einem Weg zwischen den Welten. Oft ist es eine Birke oder Lärche mit Kerben als Stufen. Die Idee ist genau dieselbe wie bei Yggdrasil: der Baum als Achse und Weg zwischen den Stockwerken der Welt.

Der Alte Orient

In Mesopotamien und Assyrien war der heilige Baum, oft stilisiert und von geflügelten Geistern umgeben, ein Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und königliche Macht. In der indischen Überlieferung begegnet ein umgekehrter Baum, dessen Wurzeln in den Himmel reichen und dessen Äste nach unten weisen, ein Bild der Schöpfung, die aus einem göttlichen Ursprung wächst. Diese Bäume stehen der Idee von Leben und Ordnung näher, ohne das nordische Thema der Verdammnis.

Die keltische Welt

Bei den Kelten stand der heilige Baum, häufiger eine Eiche, im Zentrum des Stammeslandes und galt als Verbindung zur Welt der Ahnen und Götter. Der keltische „Lebensbaum" mit verflochtenen Wurzeln und Krone ist grafisch Yggdrasil sehr nahe, und das nicht zufällig: beide sind aus dem gemeinsamen nordeuropäischen Boden gewachsen und werden oft im selben Knotenstil gezeichnet. Gerade wegen dieser Ähnlichkeit vermischt man im Schmuck mitunter den keltischen und den skandinavischen Baum, obwohl unterschiedliche Mythen hinter ihnen stehen.

Die slawische Welt

Auch die Slawen hatten ihren eigenen Weltenbaum, am häufigsten eine Eiche, die drei Stockwerke der Welt verband: das himmlische, das irdische und das unterirdische. Auf dem Wipfel saßen Vögel, an den Wurzeln hauste eine Schlange, und in der Mitte verlief das Leben der Menschen. Die Ähnlichkeit mit Yggdrasil ist verblüffend bis hin zum Adler oben und der Schlange an den Wurzeln, und das zeigt einmal mehr, wie alt und allgemein die Idee des Baumes als Weltachse bei den Völkern Nordeurasiens war.

Die abrahamitischen Überlieferungen

In der Bibel gibt es sowohl den Baum des Lebens im Garten Eden als auch den Baum der Erkenntnis. In der Kabbala ist der „Sephirot-Baum" ein Schema vom Aufbau der Welt und der Wege zum Göttlichen. Hier wird der Baum schon weniger zu einer lebendigen Pflanze als zu einer Karte geistiger Ebenen. Das zeigt, wie weit die Idee vom Baum-Welt reichen kann: von der lebendigen Esche bis zum reinen Schema des Seins.

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Die Psychologie der Wahl eines nordischen Zeichens

Yggdrasil wählt man nicht zufällig, und die Gründe reduzieren sich selten auf eine Mode für „alles Skandinavische".

Das Bedürfnis nach Halt

Am häufigsten fühlen sich Menschen in dem Moment zum Weltenbaum hingezogen, in dem sie inneren Halt brauchen: Umzug, Trennung, Verlust, Berufswechsel. Das Bild eines Baumes, der eine ganze Welt auf sich trägt und dem Drachen an der Wurzel standhält, wirkt wie eine leise Erinnerung an die eigene Standhaftigkeit. Es ist ein ruhiges Symbol, ohne Aggression, anders als der kriegerische Hammer Thors, und deshalb passt es zu jenen, die Kraft suchen und nicht Herausforderung.

Der Zug zu einem geschlossenen Weltbild

Yggdrasil gefällt Menschen, denen die Idee der Verbindung von allem mit allem wichtig ist. In einer Welt, in der alles in Teile zerfällt, gibt das Bild eines einzigen Baumes, an dem alle Welten hängen, ein Gefühl von Ordnung und Sinn. Es ist die Wahl jener, die in Zusammenhängen denken und große Bilder schätzen statt einzelner Bruchstücke.

Das Interesse an Wurzeln und Geschichte

Die nordische Symbolik zieht oft Menschen an, die ihre Abstammung erforschen oder sich einfach für Geschichte und Mythologie begeistern. Ein Baum mit seinen Wurzeln und Generationen fügt sich auf dieses Bedürfnis genauer als jedes andere Zeichen. Für viele ist es eine Möglichkeit, ihre Verbindung zur Vergangenheit an sich zu tragen, ohne sie zu einem Museumsstück zu machen.

Ästhetik ohne große Worte

Es gibt auch ein rein optisches Motiv. Yggdrasil im Kreis ist ein grafisch ausgewogenes, schlichtes Symbol, das in Silber gut aussieht und sich mühelos in einen ruhigen, zurückhaltenden Stil einfügt. Ein Teil der Menschen wählt ihn gerade als schöne Geometrie mit Tiefe im Hintergrund, und daran ist nichts Oberflächliches.

Yggdrasil und ähnliche Baumsymbole
SymbolHerkunftKernbedeutungAussehen
YggdrasilNordischer MythosVerbindung neun Welten, SchicksalEsche im Kreis, gespiegelte Krone und Wurzeln
Lebensbaum (allgemein)Viele KulturenLeben, Familie, WachstumNaturalistischer Baum, oft im Kreis
Keltischer BaumKeltische TraditionBand zu Ahnen und GötternEiche mit Knotenwerk
Sephirot-BaumJüdische MystikKarte der Welt und des GöttlichenSchema aus Kreisen, keine Pflanze

Der Weltenbaum in Kunst und Kultur

Das Bild Yggdrasils hat die alten Texte längst hinter sich gelassen und lebt in Kunst, Musik und Populärkultur.

Romantik und nationale Wiedergeburt

Ovale Wikingerbrosche aus vergoldeter Kupferlegierung mit dichtem Flechtornament, 900 bis 1000
Ovale Wikingerbrosche, 900 bis 1000, vergoldete Kupferlegierung. Das dichte Knotenornament solcher Spangen inspirierte im 19. Jahrhundert Künstler, die einen erkennbaren nordischen Stil für den Weltenbaum suchten. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)Oval Brooch, 900–1000. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Im 19. Jahrhundert kehrten die nordischen Mythen im Sog des Interesses an den nationalen Wurzeln in die große Kunst Skandinaviens und Deutschlands zurück. Künstler und Illustratoren zeichneten den Weltenbaum mit Adler, Eichhörnchen und Drache und verwandelten die kargen Zeilen der Edda in detaillierte Szenen. Damals entstand das erkennbare Bild Yggdrasils, das wir heute vor uns haben: ein Baum mit spiegelbildlicher Krone und Wurzeln, bevölkert von Tieren.

Yggdrasil in Grafik und Illustration

Das zwanzigste Jahrhundert festigte den Weltenbaum als beliebtes Sujet der Buchgrafik und des Plakats. Die Symmetrie des Baumes fügt sich ideal in eine kreisförmige Komposition, weshalb man Yggdrasil so oft im Medaillon oder auf einem runden Emblem darstellt. Gerade diese Illustrationstradition speist unmittelbar das moderne Schmuckdesign: ein Anhänger mit dem Baum im Kreis ist im Grunde eine auf Metall übertragene Buchgravur.

In Musik und Gegenwartskultur

Das nordische Thema hat in der Musik und der Populärkultur der letzten Jahrzehnte eine kraftvolle Wiedergeburt erlebt. Folk und schwere Stilrichtungen, historische Serien und Spiele nach skandinavischen Motiven haben Yggdrasil in den Alltag von Menschen zurückgebracht, die nie eine Edda aufgeschlagen haben. Für viele kam gerade von hier das Interesse am Weltenbaum, und erst danach an seinem eigentlichen Sinn. Das ist ein normaler Weg: das Bild hat gepackt, und die Tiefe hat sich danach erschlossen.

Skandinavisches Design und Natur

Bemerkenswert ist, dass die moderne nordische Ästhetik mit ihrer Vorliebe für klare Linien, Holz und Naturformen mit dem alten Bild der Weltesche zusammenklingt. Die Idee eines Lebens, das aus der Natur erwächst und zu einem Ganzen verbunden ist, hat sich als erstaunlich langlebig erwiesen. Yggdrasil ist in diesem Sinne der alte Vorfahre der gesamten nordischen Liebe zu Natur und Ordnung.

Ein Symbol, das seinen Glauben überlebt hat

Das Wichtigste am Schicksal Yggdrasils ist, dass er die Religion überlebt hat, die ihn hervorbrachte. Der Glaube an die nordischen Götter erlosch vor mehr als tausend Jahren, doch der Baum, der ihre Welt trug, blieb ein lebendiges Bild, und heute tragen ihn Menschen der verschiedensten Anschauungen. So geht es oft mit starken Symbolen: der Mythos vergeht, doch Form und Sinn bleiben und füllen sich mit neuem Gehalt. Ein Anhänger mit dem Weltenbaum ist eine Brücke zu einem Weltbild, das die herben Menschen der nordischen Meere ersannen, und jeder Träger baut es auf seine Weise weiter.

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Fakten, die überraschen

Die nordische Mythologie ist voll von Einzelheiten, die selten in kurze Beschreibungen gelangen, und gerade sie machen Yggdrasil so lebendig.

Der Name des Baumes selbst, „Roß des Ygg", ist eine Anspielung auf die Hinrichtung durch den Strang: am Baum hängen hieß in der Dichtung „auf dem Roß des Galgens reiten". Eine grausige Etymologie für ein Symbol des Lebens.

Das Eichhörnchen Ratatöskr ist nicht mit dem Sammeln von Nüssen beschäftigt, sondern mit der Verbreitung von Bosheit: seine einzige Aufgabe im Mythos ist es, Beleidigungen zwischen dem Adler oben und dem Drachen unten hin und her zu tragen und sie gegeneinander aufzuhetzen.

Die Nornen begießen die Wurzel des Baumes nicht mit gewöhnlichem Wasser, sondern mit Wasser samt weißem Lehm aus dem Urdbrunnen, und von dieser Feuchtigkeit, so der Text, wird alles weiß, was hineingerät, daher kommt die Erklärung, warum die Schale von Eiern weiß ist.

Yggdrasil überlebt das Ende der Welt. Nach Ragnarök, in dem fast alle Götter fallen, hält der Baum stand, und in seinem Inneren verbergen sich zwei Menschen, Lif und Lifthrasir, von denen das Menschengeschlecht neu ausgeht.

Der Baum hat seine eigene Ziege, die statt Milch Met gibt. Heidrun frisst das Laub Yggdrasils ab, und aus ihrem Euter fließt der berauschende Met, mit dem man in Walhall die gefallenen Krieger tränkt, eine unerschöpfliche Bar direkt am Stamm der Welt.

Der Streit „Esche oder Eibe" lebt seit Jahrhunderten: immergrün ist die Esche nicht, weshalb ein Teil der Gelehrten meint, dem Bild liege die Eibe zugrunde, ein Baum, der auch im Winter grün ist und zwei- bis dreitausend Jahre alt wird.

Odin opferte sich gerade an diesem Baum für die Runen und hing neun Tage. So ist die nordische Schrift buchstäblich vom Weltenbaum „abgenommen", und eine Runeninschrift auf einem Schmuckstück verweist unmittelbar auf jene Szene.

Yggdrasil: Wahrheit und Mythos
Yggdrasil und der Lebensbaum sind dasselbe
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Yggdrasil ist sicher eine Esche
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Yggdrasil darf nur tragen, wer an die nordischen Götter glaubt
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Das Eichhörnchen am Baum ist nur Deko
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Yggdrasil stirbt am Ende mit den Göttern
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Häufige Fragen

Was symbolisiert Yggdrasil im Schmuck?

Vor allem die Verbindung aller Dinge und Welten sowie Schicksal, Wachstum, Standhaftigkeit und den Kreislauf des Lebens. Es ist ein nordisches Zeichen der Einheit der Schöpfung: alles ist durch Wurzeln und Äste verflochten. Man trägt ihn als Erinnerung an die Verbindung zu Sippe und Natur und als Schutzzeichen der Standhaftigkeit in schwerer Zeit.

Wodurch unterscheidet sich Yggdrasil von einem gewöhnlichen Lebensbaum?

Der Lebensbaum ist ein weites kulturübergreifendes Symbol für Einheit und Wachstum ohne Bindung an einen bestimmten Mythos. Yggdrasil ist ein konkreter nordischer Kosmos-Baum mit Namen, Art, drei Wurzeln, neun Welten und eigenen Bewohnern (Adler, Eichhörnchen, Drache, Nornen). Wenn Ihnen gerade die skandinavische Bedeutung wichtig ist, wählen Sie den Baum im Kreis mit skandinavischer Grafik.

Aus welchem Baum ist Yggdrasil, Esche oder Eibe?

In den Texten nennt man ihn Esche, und so hat es sich in der Überlieferung gefestigt. Doch da die Esche nicht immergrün ist, der Baum aber als ganzjährig grün beschrieben wird, meint ein Teil der Forschung, das Vorbild sei die Eibe gewesen. Der Streit ist nicht entschieden, doch im Schmuck und in Beschreibungen spricht man gewöhnlich von der „Esche".

Darf ich Yggdrasil tragen, wenn ich nicht an die nordischen Götter glaube?

Ja. Heute ist er vor allem ein kulturelles und persönliches Symbol für Verbindung, Sippe und Standhaftigkeit und kein Kultgegenstand. Tragen darf ihn jeder, dem die Idee der Einheit von Welt und Natur nahe ist. Respekt vor der Überlieferung schadet dabei nicht: man sollte verstehen, was genau dargestellt ist.

Wie viele Welten hat Yggdrasil?

Neun. Der klassische Bestand: Asgard, Wanaheim, Alfheim, Midgard, Jötunheim, Schwarzalfenheim, Muspelheim, Niflheim und Hel. In verschiedenen Nacherzählungen ändert sich die Zusammensetzung leicht, doch die Zahl Neun bleibt beständig und ist in der nordischen Überlieferung an sich heilig.

Aus welchem Metall wählt man einen Yggdrasil-Anhänger am besten?

Für historische Stimmigkeit und Alltagstauglichkeit eignet sich am besten Silber, das Metall des Nordens. Bronze gibt einen warmen archaischen Look, Gold hebt das Stück in das Premiumsegment und zum Vererben. Die Wahl hängt von Budget und Charakter ab: kühles Silber ist strenger, warme Bronze sanfter, Gold feierlicher.

Ist Yggdrasil ein männliches oder weibliches Symbol?

Unisex. Den Weltenbaum tragen Männer und Frauen gleichermaßen, es ändern sich nur Größe, Metall und Trageweise. Große, wuchtige Anhänger nimmt man häufiger zum männlichen Bild, feine, zierliche zum weiblichen, doch eine harte Trennung gibt es nicht.

Kann man Yggdrasil mit Runen und dem Hammer Thors kombinieren?

Ja, und das ist naheliegend. Yggdrasil ist die Achse der gesamten nordischen Welt, deshalb fügt er sich vortrefflich zu einem Set mit dem Hammer Thors, dem Walknut, dem Wikingerkompass und Runeninschriften. Wichtig ist nur, das Bild nicht zu überladen: ein großer Blickfang sichtbar, der Rest gedämpft.

Fazit

Yggdrasil ist ein seltener Fall, in dem hinter einem Schmuckstück ein ganzer Kosmos steht, und zwar bis ins Detail ausgemalt: mit Adler und Eichhörnchen, drei Quellen und dem Drachen an der Wurzel. Die Nordleute legten in diesen Baum ihren wichtigsten Gedanken über die Welt: alles ist verbunden, alles wächst und alles weicht eines Tages einer neuen Windung. Den Weltenbaum zu tragen heißt, ein Stück dieses Bildes an sich zu tragen, in dem das Leben im Kreis verläuft und Standhaftigkeit wichtiger ist als Ewigkeit.

Wenn Sie gerade die nordische Bedeutung suchen und nicht die allgemeine Idee eines Baumes, wählen Sie Yggdrasil im Kreis mit skandinavischer Grafik und Runen. Und wenn Ihnen die sanfte, kulturübergreifende Symbolik von Sippe und Wachstum näher liegt, schauen Sie in Richtung des allgemeinen Lebensbaums.

Der nordische Baum in Silber

Yggdrasil, Runen, der Hammer Thors und das ganze Repertoire nordischer Symbolik an einem Ort. Wählen Sie Ihren Weltenbaum und stellen Sie ein stimmiges skandinavisches Bild zusammen.

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Zevira fertigt Schmuck mit Geschichte: hinter jedem Symbol stehen ein Mythos, eine Kultur und ein wirklicher Sinn und nicht allein die Form. Die nordische Linie ist für uns besonders, das ist Strenge, Silber und ein über Jahrhunderte erprobter Charakter. Wir schreiben über das, was wir verkaufen, damit Sie das Zeichen bewusst wählen und verstehen, was genau Sie am Körper tragen.

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