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Slawische Amulette und Götter im Schmuck

Slawische Amulette und Götter im Schmuck

Von den Slawen sind kaum schriftliche Mythen erhalten: Ihre Priester führten keine eigenen Bücher, und spätere Chronisten hielten die fremden Götter nur knapp und feindselig fest. Deshalb rekonstruiert man das Pantheon aus Tonscherben, aus der Stickerei auf Hemden, aus Anhängern in Grabhügeln und aus Worten, die sich noch im 19. Jahrhundert in Beschwörungsformeln versteckten. Das Amulett ist hier älter als jeder Text.

Das macht die slawische Symbolik besonders. Die Skandinavier haben die Edda, die Griechen ganze Bibliotheken, bei den Slawen aber ist das Zeichen auf Metall oft die einzige erhaltene Quelle. Die Lunula, das Pferdchen, der Kamm, das Glöckchen am Kinderhemd, der Schläfenring an der Schläfe einer Frau: All das trug man als Schutz, als guten Wunsch, als Gespräch mit dem Unsichtbaren. Heute kehren dieselben Motive in Anhänger, Ringe und Ohrringe zurück, und hinter jedem steht kein Muster um der Schönheit willen, sondern eine ganze Art, die Welt zu sehen.

Wie slawische Amulette aufgebaut sind

Das slawische Heidentum ist kein geordnetes System mit Tempeln und Dogmen, sondern ein lebendiger Volksglaube, eng verwoben mit dem bäuerlichen Jahr. In seinem Zentrum standen die Kräfte der Natur und die Ahnen. Donner, Sonne, Erde, Wasser, das Feuer im Ofen, das Feld, das Vieh, das Frauenlos am Spinnrocken: All das hatte seine Schutzgötter und seine Zeichen. Das Amulett war ein Werkzeug, um mit diesen Kräften zu sprechen, eine Möglichkeit, um Schutz zu bitten und Unheil abzuwenden.

Vorchristlicher Glaube der Ostslawen

Vor der Taufe der Rus am Ende des 10. Jahrhunderts verehrten die Ostslawen eine Vielzahl von Göttern und Geistern. Die obere Schicht bildeten die großen Götter: der Donnergott, der Gott des Viehs und des Reichtums, die Sonnengottheiten, die Göttin des Frauenloses. Darunter lag eine riesige Welt der Geister: der Hausgeist in der Stube, der Waldgeist im Wald, der Wassergeist im Fluss, die Nixen am Wasser, die Schutzgeister. Zwischen Mensch und diesen Kräften stand das Amulett, ein kleiner Gegenstand, den man am Körper trug oder im Haus aufhängte. Es bildete den Gott nicht buchstäblich ab, meist war es ein Zeichen: der Sonnenkreis, der Rhombus des besäten Feldes, ein Kamm, ein Schlüssel, ein Löffelchen, eine Tierfigur.

Was der Doppelglaube ist

Nach der Taufe verschwand der alte Glaube nicht, sondern verschmolz mit dem Christentum zu einem Phänomen, das Forscher als Doppelglaube bezeichnen. Der Mensch ließ sich taufen, ging in die Kirche, hängte aber weiterhin die Lunula an die Wiege, trug ein Glöckchen gegen die bösen Geister, besprach die Krankheit. Heilige nahmen unmerklich die Plätze der alten Götter ein: Der Prophet Elias auf seinem feurigen Wagen trat an die Stelle des Donnergottes, der heilige Blasius wurde Schutzpatron des Viehs anstelle des früheren Herdengottes, die heilige Paraskeva (Freitag) übernahm die weiblichen Sorgen und das Spinnen. Der Doppelglaube zog sich über Jahrhunderte hin, und gerade deshalb findet man in ein und derselben Grabstätte sowohl ein Kreuzchen als auch einen alten Schutzanhänger an einer Schnur.

Was man wirklich trug

Hier braucht es Ehrlichkeit. Die meisten der schönen "slawischen" Symbole, die heute als uralt verkauft werden, sind in ihrer überlieferten Form jünger, als sie scheinen, und ein Teil wurde überhaupt erst im 20. Jahrhundert erdacht. Die Archäologie liefert ein anderes Repertoire: Schläfenringe der Frauen, Lunulae, Anhänger in Form von Pferdchen und Entchen, Glöckchen, winzige Löffelchen, Kämme, Schlüssel-Amulette, Tierfiguren. Diese Dinge findet man tatsächlich in Grabhügeln und städtischen Schichten. Wenn es um die echte Tradition geht, sollte man sich genau auf sie stützen, und die rekonstruierten Zeichen nennt man ehrlicher Rekonstruktion und nicht Altertum.

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Geschichte der slawischen Amulette

Bevor das slawische Amulett zum Anhänger an einer Kette wurde, legte es einen langen Weg zurück: vom groben Bronzeanhänger der Bronzezeit über die silberne Filigranarbeit der vormongolischen Rus bis zu den ethnografischen Aufzeichnungen der letzten Jahrhunderte. Diese Geschichte ist aus Funden zusammengesetzt, und jede Schicht fügt ihr etwas Eigenes hinzu.

Archäologie: Schutzanhänger und die Tierwelt

Goldener Kolt der Kiewer Rus mit Zellenschmelz: zwei Vögel zu beiden Seiten des Lebensbaums
Kolt (Schläfenanhänger) der Kiewer Rus, 11. bis 12. Jahrhundert: zwei Vögel zu beiden Seiten des Lebensbaums in Zellenschmelz. Der Baum und die paarigen Vögel bilden ein beständiges Schutzmotiv, das man als Wunsch nach Fruchtbarkeit und Schutz der Sippe las. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).Schläfenanhänger mit zwei Vögeln zu beiden Seiten des Lebensbaums (Vorderseite) und geometrischen Bleimotiven (Rückseite), ca. 1000 bis 1200. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Die frühesten Amulette der Ostslawen und ihrer Nachbarn sind gegossene Anhänger aus Bronze und Kupferlegierungen. Darunter finden sich Figuren von Pferden, Entchen, Bären, Vögeln, dazu Kämme und Glöckchen. Das Pferd ist mit der Sonne und dem Guten verbunden, die Ente mit dem Wasser und dem Ursprung der Welt, der Kamm mit dem Schutz vor Krankheit. Viele Anhänger waren hohl, mit einem Kügelchen darin, und beim Gehen klingelten sie leise: Man glaubte, der Klang vertreibe die bösen Geister. Das ist kein Schmuck in unserem Sinne, sondern ein funktionierender Gegenstand, wie ein Schloss an der Tür.

Schläfenringe: die Unterschrift der Frau

Goldener Kolt der Kiewer Rus mit Email: zwei Sirenen zu beiden Seiten des Lebensbaums
Kolt aus dem 11. bis 12. Jahrhundert mit zwei Sirenen zu beiden Seiten des Lebensbaums. Solche Anhänger befestigte man an den Schläfen an der Kopfbedeckung: Sie waren zugleich Schmuck, Schutzzeichen und sichtbare Unterschrift des Standes einer vornehmen Frau. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).Schläfenanhänger mit zwei Sirenen zu beiden Seiten des Lebensbaums (Vorderseite) und einander zugewandten Vögeln (Rückseite), 11. bis 12. Jahrhundert. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Eine besondere Kategorie bilden die Schläfenringe, metallene Schmuckstücke, die Frauen an den Schläfen trugen, ins Haar geflochten oder an die Kopfbedeckung gehängt. Archäologen schätzen sie, weil die Form der Schläfenringe bei jedem Stammesverband eine eigene war: siebenstrahlig bei den Radimitschen, siebenlappig bei den Wjatitschen, spiralförmig bei den Sewerjanen. Am Ringtyp aus einer Grabstätte erkennt man, welchem Verband eine Frau angehörte. Es war eine Art Unterschrift, ein Erkennungszeichen der Sippe und des Landes, getragen direkt am Kopf.

Lunulae und Sonnenzeichen

Unter den Anhängern stehen die Lunulae gesondert, Schmuckstücke in Form des Mondes mit den Hörnern nach unten, ein weibliches Amulett des Mondes, des Frauenloses und der Fruchtbarkeit. Man trug sie auf dem gesamten slawischen Gebiet und darüber hinaus, von der Bronzezeit bis ins Mittelalter. Eine ausführliche Betrachtung von Form und Sinn findet sich im eigenen Artikel über die Lunula, das slawische Mondamulett. Neben dem Mondzeichen lebte das Sonnenzeichen: Kreise, Kreuze im Kreis, Rosetten, Räder. Die Sonne war für den Bauern die wichtigste Kraft, von der die Ernte und das Leben selbst abhingen, deshalb bedeckten Sonnenzeichen sowohl den Schmuck als auch die Fensterrahmen der Häuser und die Spinnrocken.

Taufe und Doppelglaube im Metall

Mit dem Kommen des Christentums baute sich die Werkstatt nicht an einem Tag um. Dieselben Handwerker, die Lunulae und Pferdchen gossen, begannen Kreuze und Heiligenbildchen zu gießen, und die Auftraggeber trugen beides zugleich. Es erscheinen Lunulae mit eingeschriebenem Kreuz, Kreuze mit Mondbasis, Anhänger, in denen das alte und das neue Zeichen in einem Gegenstand vereint sind. Das ist keine Verwirrung, sondern lebendiger Doppelglaube: Der Mensch deckte sich mit allen verfügbaren Kräften, ohne zwischen ihnen zu wählen.

Ethnografische Rekonstruktionen

Die dritte Quelle ist die Ethnografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als Gelehrte begannen, bäuerlichen Aberglauben, Beschwörungen, Stickerei und Ritualgesänge aufzuzeichnen. Aus diesen Aufzeichnungen rekonstruiert man, was die Archäologie nicht hergibt: Namen und Rollen der Götter, den Sinn der Muster, die Beschwörungsformeln. Hier ist Vorsicht geboten. Ein Teil dieser Rekonstruktionen ist verlässlich, ein Teil sind bereits Mutmaßungen der Forscher, und manche "uralten" Götter und Symbole entstanden überhaupt erst in den Studierstuben des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein ehrlicher Zugang trennt den Fund von der Hypothese.

Grabhügel, Hortfunde und städtische Schichten

Woher kommen die Anhänger überhaupt, anhand derer man den Glauben rekonstruiert. Es gibt drei Quellen. Die erste sind die Grabhügel und Flachgräberfelder, in denen das Amulett genauso am Körper des Verstorbenen lag, wie man es zu Lebzeiten trug, und deshalb besonders wertvoll für das Verständnis des Ensembles ist. Die zweite sind Hortfunde, in unruhigen Jahren versteckte Schmucksätze, an denen man sieht, was man zusammen trug und wie man es schätzte. Die dritte sind die Kulturschichten der Städte aus vormongolischer Zeit, wo Bruchstücke, Gussformen und Rohlinge vom Handwerk selbst erzählen. An einer Gussform sieht man zum Beispiel, dass ein Meister sowohl die Lunula als auch das Kreuz goss, je nach Nachfrage verschiedener Auftraggeber.

Perun: der Donnergott und das Donnerzeichen

Perun ist der höchste Gott des ostslawischen Pantheons, der Gott des Donners, des Blitzes, des Krieges und der fürstlichen Gefolgschaft. Gerade sein Götzenbild stellte Fürst Wladimir vor der Taufe in Kiew an die Spitze des Pantheons, und gerade Perun stürzte man später in den Dnepr. Das ist der am zuverlässigsten bezeugte slawische Gott.

Die Axt als Zeichen Peruns

Das wichtigste tragbare Zeichen Peruns ist das Äxtchen. Archäologen finden eine Vielzahl kleiner Amulett-Äxtchen aus Bronze und Blei-Zinn, die man am Gürtel und am Hals als Amulett des Kriegers und des Mannes trug. Die Axt ist mit dem Donner verbunden wie beim nordischen Donnergott der Hammer: Beide Götter spalten den Himmel mit einem Schlag. Über diese enge Verwandtschaft der Zeichen erzählt ausführlich der Artikel über die Axt von Thor und Perun im Schmuck. Im Schmuck ist das Äxtchen Peruns ein Zeichen der Kraft, des Schutzes und des männlichen Prinzips.

Das Donnerzeichen und das Rad

Mit Perun verbindet man das sogenannte Donnerzeichen, eine sechsstrahlige Rosette oder ein Rad im Kreis. Man schnitzte es in die Dachfirste, in die Spinnrocken, in das Geschirr als Schutz vor Blitz und Brand: Gleiches vertrieb Gleiches. Man sollte ehrlich sagen, dass die direkte Verbindung dieses Musters gerade mit Perun in weiten Teilen eine Rekonstruktion und keine bewiesene Tatsache ist. Aber als altes Sonnen- und Gewitterzeichen existierte die sechsstrahlige Rosette tatsächlich und wurde in der Volkskunst breit verwendet.

Perun und Veles als Paar

Perun versteht man fast immer im Paar mit Veles. Das sind zwei Pole der Welt: Perun oben, der Gott des Himmels, des Gewitters, der Gefolgschaft und der fürstlichen Macht, Veles unten, der Gott der Erde, der Herden, des Wohlstands und der Totenwelt. In volkstümlichen Nacherzählungen verbindet sie ein ewiger Streit: Der Donnergott verfolgt seinen Gegner über den Himmel, schlägt mit dem Blitz, jener versteckt sich im Stein, im Baum, im Wasser. Dieses Paar der Gegensätze hält den ganzen bäuerlichen Kosmos zusammen: oben und unten, Gewitter und Erde, Krieg und Wirtschaft. Wer das Zeichen Peruns oder Veles' wählt, wählt gleichsam seinen Pol dieser Welt.

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Veles: Gott des Viehs, des Reichtums und der Anderswelt

Veles, oder Volos, ist der zweitwichtigste Gott, Schutzpatron des Viehs, des Reichtums, des Handels sowie der Weisheit, der Dichtung und der Verbindung zur Welt der Ahnen. Wenn Perun der Gott der Gefolgschaft und des Himmels ist, dann ist Veles der Gott des Unten, der Erde, der Herden und des Wohlstands. In den Chroniken schworen die Fürsten ihren Eid bei beiden: bei der Waffe Peruns und beim Reichtum Veles'.

Vieh als Reichtum

Für den Slawen war das Vieh ein wandelndes Kapital, das Wort "Vieh" bedeutete in alter Zeit zugleich Geld. Veles war genau für diesen Reichtum zuständig, für den Zuwachs der Herden, für den Wohlstand des Hauses. Deshalb wandten sich die Wirte an ihn, wenn sie Gewinn wünschten, und man ehrte ihn unsichtbar selbst nach der Taufe, als seine Rolle auf den heiligen Blasius überging, den Schutzpatron des Hausviehs. Im Schmuck handeln die Motive Veles' vom Wohlstand, vom Wachstum, von der festen wirtschaftlichen Grundlage des Lebens. Das rekonstruierte Zeichen Veles' zeichnet man oft als umgekehrte, runenartige Figur, aber auch hier spricht man ehrlicher von einer modernen Rekonstruktion und nicht von einem echten alten Symbol. Ausführlicher ist die Gestalt im Text über Veles, den slawischen Gott im Schmuck, zusammengetragen.

Mokosch: das Frauenlos und der Faden des Schicksals

Mokosch ist die einzige Göttin im Kiewer Pantheon Wladimirs, Schutzpatronin des Frauenloses, des Spinnens, des Webens, der Fruchtbarkeit und des Wassers. Sie spann den Faden des menschlichen Schicksals und ist deshalb mit der Spindel, dem Spinnrocken und dem Garn verbunden. Nach der Taufe gingen ihre Züge weitgehend auf die heilige Paraskeva (Freitag) über, die Schutzpatronin des Handarbeitens und der weiblichen Sorgen.

Garn, Spinnrocken und Spindel

Das Spinnen war für die Bäuerin zugleich Arbeit und Ritus. Der Faden, den man spann, galt als Faden des Lebens, und der Spinnrocken selbst bedeckte sich mit Schutzmustern. Der Freitag galt als Tag der Mokosch und der Paraskeva, und an diesem Tag war das Spinnen verboten, um die Göttin nicht zu erzürnen. Im Schmuck handeln die Motive der Mokosch von weiblicher Kraft, vom Haus, von der Fruchtbarkeit, vom Schutz von Mutter und Kind. Hierher gehören auch die Lunula und die weiblichen Anhänger. Das gesamte weibliche Ensemble behandelt der Text über Mokosch und die slawischen weiblichen Amulette.

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Swarog: der himmlische Schmied

Swarog ist der Gott des Himmels und des himmlischen Feuers, ein Schmied, der der Überlieferung nach den ersten Pflug schmiedete und die Menschen lehrte, Metall und Erde zu bearbeiten. Seinen Namen verbindet man mit dem Feuer und mit dem Wort, das den Himmel bezeichnete. Swarog ist der ordnende Gott, der den Menschen das Handwerk und das Gesetz der Ehe gab. Im Volksgedächtnis reicht sein Erbe bis zum Feuer in der Schmiede und im Ofen. Im Schmuck handelt die Gestalt Swarogs vom Schaffen, von der Meisterschaft, von der Kraft des Feuers, das Erz in ein nützliches Ding verwandelt, deshalb steht er dem Thema der Schmuckkunst selbst nahe.

Daschdbog: Sonne und Geber der Gaben

Daschdbog ist der Sonnengott, Geber von Wärme, Licht und Ernte, dessen Name sich als "gebender Gott" lesen lässt. Im "Igorlied" nennt man die Rus die Enkel Daschdbogs, also Nachkommen der Sonne. Er ist einer jener Götter, deren Name zuverlässig zu uns gelangt ist. Die Sonne war für den Bauern die Quelle des Lebens selbst, deshalb nehmen die Sonnenzeichen im Amulett einen besonderen Platz ein.

Sonnenzeichen: Kreis, Rad, Rosette

Der Sonnenkreis, das Rad mit Speichen, die Rosette, das Kreuz im Kreis sind die ältesten Sonnensymbole, gemeinsam vielen Kulturen. Bei den Slawen bedeckten sie Spinnrocken, Fensterrahmen, Geschirr und Stickerei als Wunsch nach Licht, Wärme, Fruchtbarkeit und Schutz. Im Schmuck handelt das Sonnenzeichen vom Leben, von der Energie, vom Guten. Man trug es als Anhänger in Radform wie auch als runde Platte. Hier ist es wichtig, echte volkstümliche Rosetten und Räder von späteren Stilisierungen zu trennen.

Kolowrat als altes Sonnenzeichen

Kolowrat ist der Name für das sich drehende Sonnenrad, das Zeichen der sich bewegenden Sonne. Das Motiv der sich drehenden Rosette oder einer wirbelnden Figur ist eines der ältesten Sonnensymbole der Menschheit, das von Indien bis Skandinavien vorkommt, darunter in der slawischen und finno-ugrischen Stickerei und Schnitzerei als Wunsch nach Sonne, nach der Bewegung des Jahres und nach Fruchtbarkeit. Hier braucht es einen klaren Vorbehalt. Im 20. Jahrhundert wurde eine ähnliche geometrische Figur von politischen Bewegungen vereinnahmt und erhielt einen völlig anderen, düsteren Sinn, der mit dem bäuerlichen Sonnenzeichen nichts zu tun hat. Und das Wort "Kolowrat" als Bezeichnung gerade des slawischen Symbols kam erst im 20. Jahrhundert auf, im Kreis der Rekonstrukteure, nicht im Altertum. Deshalb ist es korrekt, so zu sagen: Das alte sich drehende Sonnenzeichen existierte und war ein guter Wunsch nach Licht, aber sein spätes politisches Schicksal und der heutige Name sind bereits eine andere, gesonderte Geschichte, die man nicht mit der Ethnografie vermischen darf.

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Alatyr: der heilige Stein und der Stern

Alatyr ist in der Folklore der heilige weiße, brennende Stein, der mitten im Meer auf der Insel Bujan liegt, das Zentrum der Welt, unter dem heilende Flüsse hervorströmen. An ihn richten sich Hunderte volkstümlicher Beschwörungen: "im Meer, im Ozean, auf der Insel Bujan liegt der Stein Alatyr". Es ist das Bild des Zentrums, der Stütze, der Quelle von Kraft und Heilung.

Der Stern Alatyr

Der sogenannte Stern Alatyr, ein achtzackiger Stern aus zwei übereinandergelegten Quadraten oder ein Kreuz mit Strahlen, wird heute als uraltes Amulett des "Weltzentrums" verkauft. Die achtstrahlige Rosette und der achtzackige Stern sind tatsächlich eines der häufigen Motive der slawischen Stickerei und Schnitzerei, ein Symbol der Sonne, des Sterns, des Wohlergehens. Aber die Anbindung gerade dieses Musters an den folkloristischen Stein Alatyr und der Name "Stern Alatyr" sind eine moderne Rekonstruktion und keine mittelalterliche Tradition. Tragen kann man ein solches Zeichen als schönes Sonnenmotiv, wenn man sein tatsächliches Alter versteht.

Walküre: ein fremdes Zeichen, kein slawisches

Manchmal verkauft man unter den "slawischen Amuletten" ein Muster mit dem Namen Walküre, ein symmetrisches geflochtenes Rad, und schreibt ihm zugleich Schutz des Kriegers und weibliche Kraft zu. Das ist ein Missverständnis. Die Walküren sind Gestalten der skandinavischen, nicht der slawischen Mythologie, Jungfrauen, die die gefallenen Krieger forttragen. Und das konkrete geflochtene Zeichen unter diesem Namen entstand in der modernen Rekonstruktion und hat keine alten slawischen Wurzeln. Das Zeichen ist schön, aber es ein echtes slawisches Amulett zu nennen ist falsch, und es ist ehrlicher, das zu verstehen.

Bereginja, Geister und die niedere Mythologie

Die großen Götter sind nur die Spitze. Weit näher am Alltag des Bauern stand die niedere Mythologie: die Haus- und Naturgeister, mit denen der Mensch jeden Tag zu tun hatte. Viele Amulette schützten gerade vor ihnen oder besänftigten sie im Gegenteil.

Der Hausgeist und die Geister der Wohnstatt

Der Hausgeist ist der Geist des Hauses, der Herr der Stube, der die Wohnstatt, das Vieh und den Wohlstand hütet, wenn man sich mit ihm versteht, und Streiche spielt, wenn man ihn kränkt. Man trug ihn nicht am Hals, aber die mit ihm verbundenen Amulette, Hufeisen, Schlüsselchen, Löffelchen, Glöckchen, hängte man im Haus und an der Kleidung auf als Zeichen des Wohls des Herdes. Der Schlüsselanhänger bedeutete die Bewahrung des Guts, der Löffel Sattheit, der Kamm Gesundheit und Schutz vor Krankheit. Diese Alltagszeichen sind der massivste, volkstümlichste Teil des Amuletts.

Bereginja und die weiblichen Geister

Die Beregini sind in der Volkstradition weibliche Schutzgeister, verbunden mit dem Wasser, der Sippe und dem Schutz. Das Bild der Bereginja wurde in der populären Kultur später stark umgedeutet und romantisiert, deshalb sollte man den schönen "uralten Beregini" mit Vorsicht begegnen. Aber die Idee des weiblichen Schutzprinzips selbst ist real und tritt in den weiblichen Amuletten hervor: die Lunula, Anhänger mit Entchen, das Muster der Roschanizy, zweier weiblicher Figuren zu beiden Seiten eines Baums oder Zeichens. Die Roschanizy sind Göttinnen der Geburt und des Schicksals, man stickte sie auf Handtücher und Hemden als Wunsch nach Fruchtbarkeit und einer gesunden Sippe.

Wald, Wasser und Feld

Die Naturgeister teilten die Welt in ihre Reiche auf. Der Waldgeist als Herr des Waldes, der Wassergeist und die Nixen als Herren des Wassers, der Feldgeist als Herr des Feldes. Der Mensch verhielt sich beim Betreten ihrer Reiche vorsichtig und trug ein Amulett als Passierschein und Schutz. Viele Tieranhänger, Pferdchen, Entchen, Bären, sind keine zufälligen Figürchen, sondern Zeichen der Verbindung zu diesen Kräften und ihrer Gunst. Die Ente etwa ist in der slawischen Kosmologie mit der Erschaffung der Welt aus dem Wasser verbunden, deshalb trug der Entchen-Anhänger einen tiefen und nicht nur dekorativen Sinn.

Wie man ein Amulett wählt

Ein slawisches Amulett wählt man nicht nach der Schönheit des Bildchens, sondern danach, was es bedeutet und wie echt es ist. Zuerst sollte man entscheiden, was wichtiger ist: ein historisch glaubwürdiges Stück oder einfach ein im Sinn naheliegendes Symbol.

Nach Sinn und Lebensbereich

Schutz und Kraft sind das Äxtchen Peruns und die Sonnenzeichen. Wohlstand, Wachstum, Wirtschaft sind die Gestalt Veles'. Frauenlos, Haus, Mutterschaft sind die Lunula und die weiblichen Anhänger der Mokosch. Licht, Wärme, Leben sind das Sonnenrad. Weg und Bewegung des Jahres sind das sich drehende Sonnenzeichen. Zuerst benennt man sein Thema, dann sucht man das passende Zeichen dazu, und nicht umgekehrt.

Echtheit gegen Rekonstruktion

Es hilft, die Symbole ehrlich in drei Gruppen zu teilen. Die erste ist die verlässliche Archäologie: die Lunula, die Schläfenringe, das Äxtchen, die Anhänger in Form von Pferdchen und Entchen, die Glöckchen. Die zweite sind die volkstümlichen Muster mit rekonstruiertem Sinn: die Sonnenrosetten, das Donnerzeichen. Die dritte sind die modernen Rekonstruktionen mit alt anmutenden Namen: viele "Götterzeichen", der Stern Alatyr, die Walküre. Alle drei kann man tragen, aber man sollte ehrlich verstehen, was man in der Hand hält, eine alte Form oder eine schöne neue Idee.

Das Amulett ist Teil einer großen Tradition

Das slawische Amulett steht in einer Reihe mit den Schutzsymbolen anderer Völker, vom Nazar bis zur Hamsa. Wenn die Idee des Schutzschmucks selbst interessiert, behandelt sie der große Leitfaden über Amulette, Talismane und Schutzzeichen. Das slawische Zeichen ist hier nur einer der Zweige eines gemeinsamen alten Baums.

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Männliche und weibliche Amulette

Die slawische Tradition teilte die Zeichen recht klar in männliche und weibliche, obwohl es keine starre Mauer zwischen ihnen gab. Das Verständnis dieser Teilung hilft, ein Stück zu wählen, das stimmig sitzt.

Weibliche Amulette

Das weibliche Repertoire ist vor allem die Lunula, das Symbol des Mondes und des Frauenloses, dazu die Schläfenringe als Zeichen der Sippe, die Entchen-Anhänger, die Kämme, Schlüsselchen und Löffelchen, verbunden mit Haus und Wohlstand. Hierher zählt man auch die Motive der Mokosch: die Spindel, den Spinnrocken, das Muster des besäten Feldes in Form eines Rhombus mit Punkten. Diese Zeichen handeln von Fruchtbarkeit, Mutterschaft, Schutz von Haus und Kind. Das weibliche Amulett ist oft vielschichtig: An einem Grundanhänger hingen zugleich Glöckchen, Löffelchen und Kämme.

Männliche Amulette

Das männliche Repertoire baut sich um Kraft und Schutz auf. Das Äxtchen Peruns ist das wichtigste männliche Zeichen, das Amulett des Kriegers. Dazu fügt man Sonnenräder, Figuren von Raubtieren und Vögeln, später Schwerter und Kampfzeichen. Das männliche Amulett ist meist knapper als das weibliche, ein starkes Zeichen statt einer Traube von Anhängern. Im Schmuck liest sich das als zurückhaltende Kraft, ohne Überfluss.

Kinder-Amulette und gemeinsame Amulette

Kindern hängte man Glöckchen um, deren Klang die bösen Geister vertrieb, und kleine Schutzanhänger an die Wiege und das Hemd. Die Sonnenzeichen, die Lunula in der weiblichen Linie und das Bild des Lebensbaums waren eher gemeinsame, familiäre Zeichen. Heute ist die Teilung relativ: Die Lunula trägt man auch einfach als schönes Mondzeichen, und das Äxtchen nehmen auch Frauen, die seine Grafik und seinen Sinn der Kraft schätzen.

Materialien: Silber, Bronze, Filigran und Granulation

Das slawische Amulett lebte historisch im Metall, und das Material sagt hier nicht weniger als die Form. Die Wahl zwischen Silber und Bronze ist die Wahl zwischen Edlem und der authentischen Grobheit des Fundes.

Silber

Silber ist das wichtigste Edelmetall des slawischen Schmucks aus vormongolischer Zeit. Aus ihm fertigte man die besten Lunulae, Schläfenringe, Kolts und Schmuckkragen. Der kühle Mondglanz des Silbers legt sich ideal auf das Mond- und Sonnenzeichen, und mit der Zeit dunkelt das Metall in den Vertiefungen des Musters nach und betont das Relief der Filigranarbeit. Silber 925 ist eine vernünftige moderne Balance aus Festigkeit und edlem Aussehen, für die die slawische Grafik wie eigens geschaffen ist.

Bronze und Kupferlegierungen

Bronze und Kupferlegierungen sind das Material der massivsten, volkstümlichsten Amulette: der gegossenen Pferdchen, Entchen, Glöckchen, Äxtchen. Der warme goldene Ton der Bronze wirkt gut an massiven Stücken im ethnischen Geist, und die Patina verleiht dem Schmuck mit den Jahren das Aussehen eines echten Grabhügelfundes. Das ist die Wahl für jene, die eine grobe, ehrliche Struktur statt Glanz wollen und das Gefühl archäologischer Echtheit schätzen.

Filigran und Granulation

Kolt der Kiewer Rus aus Elektron mit Zellenschmelz, Perlen und paarigen Vögeln
Einer aus einem Paar Kolts aus dem 11. bis 12. Jahrhundert: Elektron, Perlen und Zellenschmelz mit einander zugewandten Vögeln. Die Goldschmiede der Rus beherrschten schwierigste Techniken (Filigran, Granulation und Email), und das Amulett ist hier von der Qualität der Arbeit nicht zu trennen. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).Einer aus einem Paar Schläfenanhänger mit einander zugewandten Vögeln (Vorderseite) und Menschenköpfen (Rückseite), 11. bis 12. Jahrhundert. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Filigran ist ein Muster aus dünnem gedrehtem oder glattem Draht, aufgelötet auf eine Grundlage oder als Durchbrucharbeit zusammengesetzt. Granulation ist ein Muster aus winzigsten Metallkügelchen, die nach der Zeichnung aufgelötet sind. Diese beiden Techniken waren der Gipfel der altrussischen Goldschmiedekunst: Mit ihnen schmückte man die besten Lunulae, Kolts und Perlen. Filigran gibt eine spitzenartige Leichtigkeit, Granulation ein körniges, schimmerndes Relief. Ein modernes slawisches Stück von hohem Niveau stützt sich oft genau auf diese Verfahren und setzt die Tradition der Meister der vormongolischen Rus fort.

Email und Niello

Zu Silber und Gold fügte man den Zellenschmelz und das Niello. Email gab leuchtende farbige Einsätze in den teuren Kolts und Schmuckkragen, Niello ist eine dunkle Legierung, mit der man die gravierte Zeichnung ausgoss, damit sie kontrastreich auf dem hellen Metall hervortrat. Niellosilber steht strengen Amuletten besonders gut: Das dunkle Muster auf hellem Grund liest sich klar und ernst, dem alten Zeichen entsprechend.

Slawische Götter, Symbole und ihre Zeichen
Gott / SymbolZeichenBedeutung im SchmuckQuelleBeliebtheit
LunnitsaMond mit Hörnern nach untenMond, Frauenlos, FruchtbarkeitArchäologie
PerunBeil, DonnerrosetteStärke, Schutz, KriegArchäologie / Chronik
VelesPferd, Ente, ViehreichtumReichtum, Wachstum, HaushaltChronik / Folklore
MokoshSpindel, Rocken, LunnitsaDas Weibliche, Heim, SchicksalChronik / Folklore
DazhbogSonnenrad, RosetteSonne, Leben, GutesFolklore / Ornament
Alatyr-SternAchtzackiger SternMitte, WohlergehenRekonstruktion

Wie und mit was man es trägt

Das slawische Zeichen ist grafisch und charakteristisch, es diktiert kein strenges Erscheinungsbild, aber es klingt deutlich. Die Hauptregel ist dieselbe wie beim nordischen Thema: ein starkes Zeichen ist ausdrucksvoller als eine Traube von Symbolen.

Am Hals

Ein Anhänger mit Lunula, Sonnenrad oder Äxtchen an Kette oder Lederband ist Klassik. Die Lunula tragen Frauen auf kurzer und mittlerer Länge, damit die Zeichnung der Hörner sichtbar ist. Das Äxtchen wirkt gut an einem Lederband oder einer dichten Kette. Den vielschichtigen weiblichen Anhänger mit Glöckchen trägt man als eigenständigen Akzent, ohne das Bild mit anderem Schmuck zu überladen.

An der Hand

Ein Ring mit Sonnenrosette oder geflochtenem Muster, ein breiter Reifarmreif im Geist altrussischer Funde, ein Siegelring mit nielliertem Zeichen: All das sind historisch genaue Arten, das slawische Motiv zu tragen. Der breite Ring mit dichtem Muster steht der männlichen Hand, der schmale Ring mit Rosette ist universell. Der Reifarmreif verleiht dem Bild Gewicht und archaischen Charakter.

In den Ohren

Ohrringe zum slawischen Thema wählt man knapp: kleine Lunulae, Sonnenrosetten, Tropfen mit Granulation. Paarige Lunula-Ohrringe lesen sich weich und feminin. Die Schläfenringe deutet man heute als große Ohrringe oder Anhänger zur Frisur um und bringt so die alte Kopfbedeckung in eine moderne Form zurück.

Womit man es kombiniert

Das slawische Zeichen verträgt sich mit ruhiger Kleidung in natürlichen Tönen, mit Leinen, Wolle, einfachem Schnitt. Die Lunula auf einem freien Ausschnitt legt sich in die Mitte und wirkt als bedeutungsvoller Akzent. Niellosilber und patinierte Bronze verlangen einen zurückhaltenden, leicht archaischen Hintergrund, ohne glänzende Festlichkeit. Ein Amulett auf der Haut oder am Band setzt den ganzen Akzent von selbst.

Psychologie der Wahl eines slawischen Amuletts

Der Zug zum slawischen Zeichen ist selten zufällig. Häufiger steht dahinter der Wunsch nach Verbindung: mit den Wurzeln, mit der Natur, mit Generationen, die man nicht erlebt hat. Das Verständnis dieses Motivs hilft, ein Stück zu wählen, das nicht zufällig sein wird.

Das Zeichen als Verbindung zur Sippe

Viele wählen ein slawisches Amulett um des Gefühls der Kontinuität willen. Die Lunula oder das Äxtchen am Hals wirken als leise Erinnerung: Hinter dir steht eine lange Reihe von Menschen, die nach diesen Zeichen lebten. Das ist keine Magie, sondern Mechanik des Gedächtnisses. Ein Ding, das man viele Male am Tag sieht und berührt, hält den gewählten Wert unmerklich im Fokus, sei es das Haus, die Kraft oder die Verbindung zu den Ahnen. Die slawische Symbolik eignet sich dafür besonders, weil ihre Bedeutungen einfach und fest sind: Sonne, Erde, Schutz.

Ein Ideal, kein Spiegel

Oft wählt man ein Zeichen nicht danach, wie wir sind, sondern danach, wie wir werden wollen oder was wir in uns stärken wollen. Ein sanfter Mensch fühlt sich zum Äxtchen Peruns als Stütze hingezogen, ein hektischer zum ruhigen Sonnenrad. Darin liegt kein Widerspruch: Das Amulett gibt eine Richtung vor, es beschreibt keine Tatsache. Auch der Bauer wandte sich nicht an den Gott, der er war, sondern an den, dessen Kraft in der konkreten Sache nötig war: an Veles wegen des Zuwachses, an Mokosch wegen einer guten Geburt, an Perun wegen des Schutzes.

Ehrlichkeit als Teil des Vergnügens

Eine eigene Freude des slawischen Themas liegt darin, die wahre Geschichte seines Zeichens zu kennen. Das Verständnis, dass die Lunula ein alter Fund ist, der Stern Alatyr aber eher eine schöne neue Idee, entwertet das Stück nicht, sondern macht es ehrlicher. Ein Amulett zu tragen und sein tatsächliches Alter und seinen Sinn zu kennen ist angenehmer, als an eine erfundene Altertümlichkeit zu glauben. Das ist Respekt sowohl vor der Tradition als auch vor sich selbst.

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Das slawische Zeichen in der Volkskunst

Bevor es zum Anhänger wurde, lebte das slawische Zeichen in Holz, Stoff und im Metall des Alltags. Diese Sprache der Muster ist die wichtigste erhaltene Quelle zum Glauben.

Stickerei und Muster

Die Volksstickerei auf Hemden, Handtüchern und Bettbehängen ist ein ganzes Wörterbuch des Amuletts. Der Rhombus mit Punkten darin ist das besäte Feld, das Zeichen der Fruchtbarkeit. Die weibliche Figur mit erhobenen Armen zwischen zwei Reitern oder Vögeln ist das Bild der Göttin und der Roschanizy. Das Schutzmuster verlief an den Rändern der Kleidung: am Kragen, an den Manschetten, am Saum, dort, wo der Körper offen ist und wo das Unheil eindringen konnte. Die Stickerei war kein Schmuck in unserem Sinne, sondern eine funktionierende schützende Grenze.

Schnitzerei und Bemalung

Dieselbe Sprache der Zeichen bedeckte das Holz: die Fensterrahmen, die Giebelbretter und Firstbalken der Dächer, die Spinnrocken, die Spinnbretter, das Geschirr. Sonnenrosetten und Räder, Donnerzeichen, Pferdeköpfe am Dachfirst schützten das Haus von außen und von innen. Der Spinnrocken, das wichtigste weibliche Werkzeug, war über und über mit Amuletten bedeckt, denn das Spinnen verstand man als den Umgang mit dem Faden des Schicksals. Der moderne slawische Anhänger nimmt das Motiv oft direkt aus dieser Schnitzerei.

Metall des Alltags

Zwischen Schmuck und Gebrauchsgegenstand gab es bei den Slawen keine scharfe Grenze. Gürtelbeschläge, Schnallen, Fibeln, Beschläge von Horn und Schöpfkelle trugen dieselben Schutzzeichen wie die Anhänger. Das Amulett lebte am Hals, am Gürtel, an der Kleidung und am Hausrat. Das slawische Zeichen war über den gesamten Alltag verteilt und nicht in einem Anhänger gebündelt, wie heute, und das sollte man im Kopf behalten, wenn man ein Stück wählt.

Das slawische Pantheon gegen das skandinavische und das griechische

Drei heidnische Welten gaben dem Schmuck drei verschiedene Zeichensprachen. Den Unterschied zu verstehen ist nützlich, wenn man wählt, wessen Tradition man trägt, zumal die slawische und die skandinavische Welt Nachbarn waren und vieles voneinander übernahmen.

Slawisch: Natur, Sippe und das Agrarjahr

Die slawische Symbolik erwuchs aus dem bäuerlichen Leben und dem Kult der Natur. Ihre Zeichen handeln von Sonne und Erde, von Fruchtbarkeit, vom Frauenlos und vom wirtschaftlichen Wohlstand, vom Schutz von Haus und Sippe. Es ist die Sprache des Bauern und der Mutter, nicht allein des Kriegers. Ihr Hauptzug ist die Verbindung mit dem Naturkreislauf: Sonne, Mond, Feld, Wasser, Ahnen. Und ihre Hauptbesonderheit ist die Armut an schriftlichen Quellen, weshalb die Versuchung zur Mutmaßung so groß ist. Das echte slawische Zeichen ist bescheiden und funktional: die Lunula, das Äxtchen, das Sonnenrad, das klingende Glöckchen.

Skandinavisch: Schicksal, Tapferkeit und der Norden

Die nordischen Götter leben unter dem Schatten von Ragnarök, ihrem eigenen Untergang, und ihre ganze Tradition handelt von Standhaftigkeit und Tapferkeit angesichts des Unausweichlichen. Die Zeichen sind kantig, männlich: der Hammer, die Rune, der Walknut, die Tierverschlingungen. Wenn das slawische Symbol oft von Fruchtbarkeit und Haus handelt, dann das nordische davon, wie man sich im Kampf und im Schicksal hält. Die Nachbarschaft der zwei Welten sieht man direkt im Metall: Das Äxtchen Peruns und der Hammer Thors sind fast ein und dasselbe Zeichen des Donnergottes. Eine vollständige Betrachtung der nordischen Götter bietet der Artikel über das nordische Pantheon, die Götter von Asgard.

Griechisch: das menschliche Ideal und die Form

Die griechischen Götter sind unsterblich und den Menschen ähnlich, mit Leidenschaften und Biografie. Ihre Symbolik handelt vom Charakter, von der Harmonie, von der Schönheit der Form, vom Ideal, nach dem man strebt. Die Zeichen sind elegant und ausgewogen, das Erbe ist in der europäischen Kunst gewaltig. Wenn das slawische Zeichen von der Verbindung zur Natur und zur Sippe handelt, dann das griechische davon, wie man sein möchte. Ausführlich sind die Bilder im Artikel über die olympischen Götter, das griechische Pantheon, zusammengetragen.

Was die drei Traditionen verbindet

Alle drei verwandeln Glauben und Charakter in ein kleines tragbares Zeichen. Man kann sie sogar kombinieren, wenn es für dich um den Sinn geht und nicht um die strenge Zugehörigkeit. Die Hauptsache ist, die Sprache jedes Symbols zu verstehen und sie nicht gedankenlos zu vermischen, indem man eines für das andere ausgibt, wie es bei den slawischen und skandinavischen Zeichen oft geschieht.

Mythos oder Fakt?
Die Slawen hinterließen Bücher über ihre Götter
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Alle beliebten slawischen Symbole sind uralt
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Das rotierende Sonnenzeichen und das politische Emblem des 20. Jahrhunderts sind dasselbe
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Nach der Taufe verschwanden die alten Götter sofort
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Die Lunnitsa ist eine rein slawische Erfindung
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An den Schläfenringen lässt sich der Stamm einer Frau ablesen
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Fakten, die überraschen

Das slawische Thema ist voll von Details, die selten in eine kurze Nacherzählung gelangen und die den Blick auf vertraute Amulette verändern.

Ein Buch über ihre Götter haben die Slawen nicht geschrieben. Fast alles, was wir über Perun und Veles wissen, ist über feindselige christliche Chroniken, Verträge mit Byzanz und späte Folklore zu uns gelangt. Die wichtigste Quelle zum Glauben ist kein Text, sondern ein Ding: ein Anhänger, eine Stickerei, ein Muster am Spinnrocken.

Das Wort "Vieh" bedeutete in alter Zeit Geld. Reichtum maß man in Herden, deshalb war der Schutzpatron des Viehs Veles auch der Gott des Wohlstands, und die Worte für "Vieh" und "Schatzkammer" standen nebeneinander. Das wirtschaftliche Amulett bei den Slawen ist im wörtlichen Sinne ein Amulett des Geldbeutels.

An den Schläfenringen lesen Archäologen den Stamm einer Frau wie an einem Pass. Siebenlappige Ringe sind die Wjatitschen, siebenstrahlige die Radimitschen, spiralförmige die Sewerjanen. Die Form des Schmucks an der Schläfe verwies direkt darauf, aus welchem Land und Verband seine Besitzerin stammte.

Viele Glöckchen waren eine Waffe gegen die bösen Geister. Ein hohler Anhänger mit einem Kügelchen darin klingelte beim Gehen, und der Klang galt als Schutz: Böse Geister fürchten den Klang. So funktionierte der Schmuck von selbst, ohne jeden Ritus, einfach solange der Mensch sich bewegte.

Die Lunula trugen nicht nur die Slawen. Das Mondamulett mit den Hörnern nach unten kommt bei einer Vielzahl von Völkern seit der Bronzezeit vor, vom Mittelmeer bis zu den Steppen. Es ist eines der ältesten und verbreitetsten weiblichen Zeichen der Geschichte und keine ausschließlich slawische Erfindung.

Ein Teil der populären "slawischen" Symbole ist jünger als die Dampfmaschine. Viele Götterzeichen, der Stern Alatyr, die Walküre in ihrer heutigen Gestalt und unter den heutigen Namen entstanden im 19. und 20. Jahrhundert, im Kreis von Gelehrten und Rekonstrukteuren. Das macht sie nicht hässlich, aber uralt sind sie nicht.

Die Heiligen nahmen die Plätze der alten Götter fast buchstäblich ein. Der Prophet Elias auf dem feurigen Wagen trat an die Stelle des Donnergottes, Blasius nahm das Vieh, die Paraskeva (Freitag) das weibliche Handarbeiten. Der Bauer des 19. Jahrhunderts betete zum Heiligen, ohne zu ahnen, dass er die Geste seines Ururgroßvaters wiederholte, die einst an Perun, Veles und Mokosch gerichtet war.

Das Donnerzeichen schnitzte man wie einen Feuerlöscher. Die sechsstrahlige Rosette brachte man an den Dachfirsten und Fensterrahmen an, im Glauben, Gleiches vertreibe Gleiches, und das Donnerzeichen schütze das Haus vor Blitzschlag und Brand. Das war eine Volksversicherung lange vor dem Auftauchen des Blitzableiters.

Perun und Veles blieben in Namen von Tagen und Kräutern erhalten. Spuren der alten Götter verstecken sich in der Sprache und der Volksbotanik: Kräuter mit dem Namen "Peruns", Glaubensvorstellungen über Gewittertage, die Anbindung des Donnerstags an den Donnergott bei einer Reihe von Nachbarvölkern. Die Götter sind gegangen, aber Splitter ihres Kults steckten in alltäglichen Worten fest.

Das Pferdchen am Dach ist ein Gott auf Wache des Hauses. Der geschnitzte Pferdekopf am Dachfirst, von dem auch das Wort "Konjok" (Firstpferdchen) kommt, ist ein altes Amulett der Wohnstatt. Das Pferd ist mit der Sonne und dem Guten verbunden, und sein Bild oben am Haus bewachte die Familie von oben, wie das Sonnenzeichen an der Wand sie von innen bewachte. Schmuck und Architektur sprachen dieselbe Sprache der Zeichen.

Häufige Fragen

Welche slawischen Götter sind zuverlässig bezeugt?

Am verlässlichsten bezeugt sind Perun, der Donnergott und das Haupt des Pantheons, Veles, der Gott des Viehs und des Reichtums, Mokosch, die einzige Göttin des Kiewer Pantheons, und Daschdbog, eine Sonnengottheit. Ihre Namen stehen in Chroniken, Verträgen und im "Igorlied". Viele andere Namen sind schlechter überliefert oder später rekonstruiert, deshalb sollte man ihnen vorsichtiger begegnen.

Wie unterscheidet sich das Amulett von Talisman und Schutzzeichen?

In der Volkstradition ist die Grenze relativ. Das Amulett ist ein Gegenstand, der bewahrt, das Unheil abwendet und schützt, seine Aufgabe ist defensiv. Der Talisman zieht Glück und Gutes an. In der Praxis tut ein und dasselbe Stück oft beides: Die Lunula schützt die Frau und wünscht ihr zugleich Fruchtbarkeit. Eine große Betrachtung der Unterschiede gibt es im Leitfaden über Amulette, Talismane und Schutzzeichen.

Darf man ein slawisches Amulett als Ungetaufter und Nichtgläubiger tragen?

Ja. Die Lunula, das Äxtchen, das Sonnenrad sind längst zu kulturellen und ästhetischen Zeichen geworden, zu einem Teil des Erbes und nicht zu einem Gegenstand eines verpflichtenden Kults. Man trägt sie um des Sinns und der Schönheit willen, so wie man den Nazar oder die Hamsa außerhalb ihrer ursprünglichen Tradition trägt. Der Glaube ist hier die persönliche Sache jedes Einzelnen.

Stimmt es, dass Kolowrat ein altes slawisches Symbol ist?

Das sich drehende Sonnenzeichen selbst, die Rosette oder das Rad, ist tatsächlich sehr alt und kommt in vielen Kulturen als Wunsch nach Sonne und der Bewegung des Jahres vor. Aber der Name "Kolowrat" gerade für das slawische Symbol tauchte im 20. Jahrhundert auf, im Kreis der Rekonstrukteure. Und eine äußerlich ähnliche Figur wurde im 20. Jahrhundert von politischen Bewegungen vereinnahmt und erhielt einen ganz anderen, düsteren Sinn. Das alte Sonnenzeichen und sein spätes politisches Schicksal sind zwei verschiedene Geschichten, die man nicht vermischen darf.

Warum trägt man die Lunula mit den Hörnern nach unten?

Die Hörner nach unten verwandeln den Mond in eine Schale, ein Gefäß, das gleichsam das Gute, die Fruchtbarkeit, die weibliche Kraft sammelt und festhält. Das ist eine alte, beständige Geste des Mondamuletts. Ausführlich sind Form und ihr Sinn im eigenen Artikel über die Lunula behandelt.

Welche Amulette sind echt archäologisch und welche Rekonstruktion?

Echte Archäologie sind die Lunulae, die Schläfenringe, die Äxtchen, die Anhänger in Form von Pferdchen und Entchen, die Glöckchen, die Kämme, die Löffelchen. Rekonstruktion mit alt anmutenden Namen sind viele "Götterzeichen", der Stern Alatyr, das Zeichen mit dem Namen Walküre. Tragen kann man beides, aber man sollte den Unterschied zwischen einem Fund aus dem Grabhügel und einer schönen neuen Idee ehrlich verstehen.

Welches Material ist das authentischste für ein slawisches Amulett?

Für teure, statushafte Stücke ist es Silber, oft mit Filigran und Granulation, wie man die besten Lunulae und Kolts der vormongolischen Rus fertigte. Für massive, volkstümliche Amulette sind es Bronze und Kupferlegierungen, aus denen man Pferdchen, Entchen und Glöckchen goss. Silber gibt Edles, Bronze mit Patina gibt das ehrliche Aussehen eines Fundes.

Wie unterscheiden sich slawische Amulette von skandinavischen?

Das slawische Zeichen handelt häufiger von Natur, Fruchtbarkeit, Haus, Frauenlos und dem Agrarjahr, es ist weicher und wirtschaftlicher. Das skandinavische handelt von Schicksal, Tapferkeit und Kampf, es ist kantig und kriegerisch. Dabei waren die Welten Nachbarn, und manche Zeichen stimmen fast überein: Das Äxtchen Peruns und der Hammer Thors sind zwei Gesichter eines Donnergottes.

Schlusswort

Das slawische Pantheon ist zu uns nicht durch Bücher gelangt, sondern durch Dinge: durch die Lunula im Grabhügel, das Äxtchen am Gürtel, den Schläfenring an der Schläfe, das klingende Glöckchen am Kinderhemd. Hinter jedem Zeichen steht eine bäuerliche Welt, in der die Sonne das Leben gab, die Erde das Brot gab und das Amulett ein leises Gespräch mit den unsichtbaren Kräften führte. Perun, Veles, Mokosch, Daschdbog, das Sonnenrad und die Mondsichel sind die Sprache dieser Welt. Heute kehrt sie zurück in Silber und Bronze, in Filigran und Niello, in Anhänger, Ringe und Ohrringe. Wer ein slawisches Amulett wählt, dem steht es am ehrlichsten an zu wissen, was er in der Hand hält, eine alte Form aus der Erde oder eine schöne moderne Idee, und es als Zeichen der Verbindung zur Natur, zur Sippe und zum eigenen Gedächtnis zu tragen.

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