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Farbloser Zirkon im Schmuck: der Naturstein, der heller funkelt als ein Diamant

Farbloser Zirkon: der Naturstein, der heller funkelt als ein Diamant

Zirkon zerlegt weißes Licht fast so stark in Regenbogenblitze wie ein Diamant (seine Dispersion liegt bei 0,039 gegenüber 0,044 beim Diamanten). Und die Brechzahl mancher Exemplare steigt bis auf 1,98, höher als bei jedem Quarz, Topas oder Saphir. Auf dem Tisch des Juweliers lässt sich ein geschliffener farbloser Zirkon leicht mit einem Brillanten verwechseln, und im 19. Jahrhundert tat man genau das: Er schmückte Diademe und Colliers neben echten Diamanten.

Zirkon ist weder Fälschung noch Laborprodukt. Er ist ein eigenständiges Mineral, ein Zirkoniumsilikat, das über Milliarden Jahre in der Erdkruste auskristallisiert. Die ältesten irdischen Zirkone sind über vier Milliarden Jahre alt, fast so alt wie der Planet selbst. Die farblose Varietät ist die seltenste und wertvollste von allen: Ein Stein wird nur dann farblos, wenn das Ausgangsmagma von ungewöhnlicher Reinheit war.

Die Verwirrung beginnt mit den Namen. Zirkon (das Mineral ZrSiO4), Zirkonium (das metallische Element Zr) und Zirkonia, auch CZ genannt (synthetisches ZrO2, eine Diamantimitation), sind drei verschiedene Dinge mit ähnlich klingenden Namen. Dieser Text handelt vom ersten: vom natürlichen farblosen Zirkon, seiner Chemie, seiner Geologie, seiner Geschichte und davon, wie man ihn von ähnlichen Steinen unterscheidet.

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Woher stammt der historische Zirkon des 19. Jahrhunderts?

Was Zirkon ist: Chemie und Physik des Steins

Zusammensetzung und Kristallstruktur

Die chemische Formel von Zirkon ist ZrSiO4, ein Zirkoniumsilikat. In jeder Elementarzelle sitzen ein Zirkoniumatom, ein Siliziumatom und vier Sauerstoffatome. Zirkon kristallisiert im tetragonalen System: Seine natürlichen Kristalle sehen aus wie kurze vierseitige Prismen mit pyramidalen Spitzen, ein wenig wie ein kleines Türmchen.

Reiner Zirkon ist farblos. Die Farbe kommt von Beimengungen: Eisen, Uran, Thorium und Seltene Erden, die beim Wachstum des Kristalls ins Gitter geraten. Ein farbloser Stein entsteht nur dann, wenn das Magma sauber genug war, dass kaum solche Beimengungen vorhanden waren. Darum treten durchsichtige Exemplare merklich seltener auf als farbige.

Härte und Tragbarkeit

Auf der Mohs-Skala erreicht Zirkon 6,5 bis 7,5. Zum Vergleich: Diamant liegt bei 10, Saphir und Rubin bei 9, Topas bei 8, Quarz bei 7. Zirkon ist also härter als Glas und die meisten Oberflächen im Haushalt, aber weicher als die klassischen Edelsteine erster Reihe.

In der Praxis heißt das: Zirkon eignet sich hervorragend für Ohrringe, Anhänger und Gehänge, wo er kaum Stöße abbekommt. In einem Ring trägt man ihn besser in einer geschlossenen oder schützenden Fassung, die die Kanten des Steins abdeckt. Eine offene Fassung an einem Ring, der über Jahre nicht abgenommen wird, bekommt mit der Zeit kleine Absplitterungen und Kratzer an den Facetten. Das ist kein Grund, auf Zirkon zu verzichten, sondern ein Grund, das passende Schmuckstück für ihn zu wählen.

Optik: Brechung, Dispersion, Doppelbrechung

Der Hauptgrund, weshalb Zirkon einem Diamanten ähnelt, ist seine Optik.

Dichte

Die Dichte von Zirkon liegt bei 4,6 bis 4,7 g/cm³, etwa ein Drittel höher als die des Diamanten (3,52). Deshalb wirkt ein Zirkon vom gleichen Gewicht wie ein Diamant optisch kleiner. Ein Ein-Karat-Zirkon kommt in der Größe einem Brillanten von etwa 0,8 Karat nahe. Die hohe Dichte ist eine weitere Möglichkeit, den echten Stein zu erkennen: Ein geschliffener Zirkon ist spürbar schwerer als Glas gleicher Größe.

Wie Zirkon in der Natur entsteht

Zirkon kristallisiert aus Magma, das tief in der Kruste langsam abkühlt, bei Temperaturen über tausend Grad. Er gehört zu den ersten Mineralen, die aus der Schmelze ausfallen, daher tritt er als feine Einsprengung in vielen magmatischen Gesteinen auf, vor allem in Graniten.

Der Kristall selbst ist chemisch und mechanisch fest. Wenn das umgebende Gestein verwittert und zerfällt, übersteht der schwere, beständige Zirkon diese Zerstörung, gelangt in Flüsse und sammelt sich in Kies- und Sandablagerungen. Aus solchen Seifen wird er gewonnen: Man wäscht die schweren Körner aus dem Flusskies.

Natürliches kristallines Zirkon-Exemplar im Muttergestein vor schwarzem Hintergrund
So sieht Zirkon in der Natur aus: ein grobkristallines Mineral ZrSiO4, eingewachsen ins Muttergestein, lange vor jedem Schliff und jeder Politur. Aus Exemplaren wie diesem gewinnt man die durchsichtigen Kristalle für den Schmuckschliff. Mineralogische Probe, etwa 6 cm. Wikimedia Commons, CC0.Zircon (GeoDIL number - 252), Nessa Eull, 26 March 2001. Wikimedia Commons, Open Access (CC0 1.0)

Metamiktisierung: warum ein Zirkon heller leuchtet als ein anderer

Zirkon hat eine Besonderheit, die für den Käufer wichtig ist. In sein Gitter geraten Spuren von Uran und Thorium. Diese Elemente zerfallen langsam, und ihre Strahlung zerstört die Kristallstruktur nach und nach von innen. Je stärker die Zerstörung, desto trüber und weicher der Stein. Dieses Phänomen nennt man Metamiktisierung.

Mineralogen teilen Zirkone in drei Typen ein. Hoher Zirkon hat fast die ganze Struktur bewahrt: Er ist dicht, durchsichtig und glänzt lebhaft. Niedriger Zirkon ist stark durch Strahlung geschädigt: trüber, weicher, oft mit grünlichem oder bräunlichem Ton. Der mittlere Typ liegt dazwischen. Farblose Schmuck-Zirkone gehören zum hohen Typ. Niedrige Steine sind meist farbig und spröde und werden selten geschliffen.

Eben diese Eigenschaft machte Zirkon zu einem zentralen Werkzeug der Wissenschaft. Das Uran in ihm zerfällt mit bekannter Geschwindigkeit zu Blei, und aus dem Verhältnis dieser Elemente datieren Geologen Gesteine auf wenige Millionen Jahre genau. Die ältesten irdischen Zirkone wurden in den Jack Hills in Westaustralien gefunden, datiert auf etwa 4,4 Milliarden Jahre.

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Geografie: wo Zirkon abgebaut wird

Farbloser und heller Zirkon wird in mehreren Regionen abgebaut, und jede hat ihren eigenen Charakter des Rohmaterials.

Sri Lanka (Ceylon). Der historische Maßstab. Die Steine werden im Südwesten der Insel aus dem Flusskies gewaschen, in der Gegend von Ratnapura, einem Namen, der sich als „Stadt der Edelsteine" übersetzen lässt. Die Abbauweise hat sich in zweihundert Jahren kaum verändert: schmale Schächte bis zur Kiesschicht, das Gestein in Körben hochgezogen, das Waschen im fließenden Wasser. Den farblosen Zirkon aus Ceylon schätzt man für seine Reinheit und seinen ruhigen Glanz ohne grünen Stich. Von hier stammten die Steine, die in den europäischen Schmuck des 19. Jahrhunderts gelangten.

Kambodscha. Die Provinz Ratanakiri im Nordosten gab der Welt den besten blauen Zirkon des 20. Jahrhunderts: Das bräunliche Material vor Ort nimmt nach dem Erhitzen einen tiefen himmelblauen Ton an. Der Abbau ist halb handwerklich, die Mengen springen von Saison zu Saison.

Myanmar. Das Mogok-Tal, berühmt für seine Rubine, liefert nebenbei einen rötlichen Zirkon mit warmem Honigton und guter Durchsichtigkeit.

Thailand. Ein großer Lieferant und das wichtigste Schleifzentrum der Welt. Das thailändische Material trägt oft einen leicht gelblichen oder bräunlichen Ton, doch die besten Exemplare sind nahezu durchsichtig. Auch Rohmaterial aus anderen Ländern wird zum Schleifen hierhergebracht.

Australien. Quelle für braunen Zirkon, der nach dem Erhitzen blau oder hellgelb wird. Der größte Teil des blauen Zirkons auf dem Markt ist australisches oder kambodschanisches Material, das wärmebehandelt wurde.

Vietnam, Madagaskar, Tansania, Nigeria. Vietnam liefert kleine, aber reine Steine. Madagaskar bringt große Mengen mittlerer Qualität. Ost- und Westafrika liefern seit einigen Jahrzehnten grüne und olivfarbene Zirkone, meist stark metamikt und spröde, eher für Sammler als für das tägliche Tragen interessant.

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Geschichte: der vergessene Rivale des Diamanten

Entdeckung und Herkunft des Namens

Der Name geht auf das persische „zargun" (golden) zurück, über das Arabische vermittelt. Jahrhundertelang nannte man die alten rötlich-goldenen Zirkone Hyazinthe und Jazinthe. 1789 isolierte der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth bei der Untersuchung von Zirkon aus ihm ein neues Oxid und nannte das darin enthaltene Element Zirkonium. So gab das Mineral dem chemischen Element seinen Namen, auch wenn man beide seither im Alltag ständig verwechselt.

Der Stein des europäischen Schmucks im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert verteilte sich farbloser und blauer Zirkon aus Sri Lanka auf die Schmuckwerkstätten von London, Paris und Amsterdam. Seine hohe Dispersion machte ihn zum idealen Stein eines Zeitalters von Kerzen- und Gaslicht: Bei diesem matten, warmen Licht spielte er heller im Regenbogen als viele andere durchsichtige Steine. Zirkon kam in Ringe, Ohrringe, Broschen und Colliers, oft als Mittelstein, gefasst in Gelb- und Weißgold.

In Museumssammlungen erscheinen die farblosen und rötlichen Zirkone des 19. Jahrhunderts oft unter historischen Namen wie „Hyazinth" oder einfach als helle, durchsichtige Steine ihrer Zeit, und sie ohne gemmologische Analyse zu unterscheiden, ist keine leichte Sache. Roter Zirkon wiederum wurde ständig mit Granat verwechselt: Beide warmen Steine kamen in dieselbe Fassung.

Goldbrosche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Granat und Perlen
Rötlicher Zirkon hieß historisch „Hyazinth" und wurde ständig mit Granat verwechselt: Im Schmuck des goldenen Zeitalters kamen beide Steine in dieselbe Fassung. Brosche mit Granat und Perlen, um 1850. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0).Brooch, ca. 1850. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Warum Zirkon aus der Mode kam

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Zirkon fast aus den Schaufenstern der Juweliere verschwunden. Der Grund lag nicht in der Qualität des Steins, sondern in einem Geschmackswandel: Die Werbung verankerte den Diamanten im Bewusstsein als den einzig „echten" durchsichtigen Stein, und die erschwinglicheren klaren Edelsteine galten fortan als Zugeständnis. Zirkon fiel aus dem Gedächtnis der Käufer, obwohl seine Optik unverändert blieb.

In den letzten Jahrzehnten kehrt das Interesse an ihm zurück. Das liegt teils an einer wachsenden Aufmerksamkeit für Echtheit und für die Geschichte der Materialien, teils an einer Vorliebe für ein vernünftiges Verhältnis von Wert und Preis. Zirkon ist ein Naturstein mit langer Abstammung und ohne komplizierten Ruf, und dieses wellenförmige Schicksal gibt ihm Charakter.

Arten von Zirkon

Farbloser Zirkon steht an der Spitze der Seltenheitsskala, ist aber nur eine seiner Farben. Ein vollständiger Überblick über alle Töne lebt in einem eigenen Führer zum Zirkon in allen Farben, und hier ein kurzer Rundgang durch die wichtigsten Varietäten.

Farblos (weißer Zirkon)

Die seltenste und wertvollste Art. Ein durchsichtiger Stein von nahezu null Farbe, der im Licht einen kühlen, klaren Glanz mit hellen Regenbogenblitzen wirft. Er wird in kleinen Mengen abgebaut, vor allem in Sri Lanka und Australien (Letzteres nach dem Erhitzen). Geschätzt wird er gerade wegen der Farblosigkeit: Optisch ist er einem Brillanten am nächsten.

Blau

Eine der beliebtesten Arten. Die Töne reichen von hellem Himmelblau bis zu einem satten Blaugrün. Die Farbe geben Eisenbeimengungen im Gitter. Die überwiegende Mehrheit der blauen Zirkone entsteht durch Erhitzen braunen Rohmaterials aus Kambodscha und Australien: Das ist eine stabile, allgemein anerkannte Behandlung, die ein ehrlicher Verkäufer angibt. Ein eigener Text widmet sich dem blauen Zirkon.

Rötlich und golden (Hyazinth)

Der historische „Hyazinth". Die Farben von Rot und Orangerot bis zu rostigem Gelb geben Eisenbeimengungen und Spuren radioaktiver Elemente. Die besten Steine kommen aus Myanmar und Thailand. Mehr im Artikel über den roten Zirkon.

Braun

Die häufigste und günstigste Art. Meist dient er als Rohmaterial fürs Erhitzen, nach dem er blau, hellgelb oder fast farblos wird. Ungeglühten braunen Zirkon verwechselt man mitunter mit Rauchquarz, doch Zirkon glänzt deutlich heller.

Farbwechselnd

In Sri Lanka findet man hin und wieder einen Zirkon, der seinen Ton zwischen Tages- und Kunstlicht wechselt. Das ist eine Seltenheit und wird hoch geschätzt.

Zirkon vs Diamant: Vergleich der Eigenschaften
EigenschaftZirkonDiamant
Härte (Mohs)6,5–7,510
Dispersion (Feuer)0,039 (höher!)0,044
Brechungsindex1,923–1,9842,419
Dichte (g/cm³)4,6–4,73,52
HerkunftNatürliches MineralNatürlich oder im Labor gezüchtet
PreissegmentErschwinglich, der Preis eines Kaffees pro SteinPremium, um ein Vielfaches teurer
Verwendung in SchmuckOhrringe, Anhänger, Armbänder, CocktailringeVerlobungsringe, Alltagsklassiker
Geschichte in SchmuckIm 19. Jahrhundert beliebt, im 20. Jahrhundert vergessen, im 21. Jahrhundert wiederbelebtStatussymbol seit Mitte des 20. Jahrhunderts dank Werbung

Wie man Zirkon von ähnlichen Steinen und Fälschungen unterscheidet

Zirkon verwechselt man mit zwei Dingen: mit dem Diamanten (dem er optisch nahesteht) und mit Zirkonia, dem kubischen Zirkoniumoxid, einer synthetischen Diamantimitation mit bis zur Verwechslung ähnlichem Namen. Hier die brauchbaren Merkmale.

Doppelbrechung. Das Hauptmerkmal. Blicken Sie mit der Lupe durch den geschliffenen Stein auf die fernen Facettenkanten: Bei einem Zirkon erscheinen sie verdoppelt und verschwommen. Bei Diamant, Glas und Zirkonia sind die Kanten einfach und scharf.

Der Charakter des „Feuers". Die Dispersion von Zirkonia (0,06) liegt weit über der des Diamanten, und seine Regenbogenblitze wirken übertrieben, „bonbonhaft". Die Dispersion von Zirkon entspricht fast der des Diamanten, sein Lichtspiel ist daher natürlicher.

Gewicht und Dichte. Zirkon ist dicht (4,6 bis 4,7 g/cm³), spürbar schwerer als Glas (etwa 2,5) gleicher Größe. Zirkonia ist noch schwerer (etwa 5,7), sodass sich die drei Materialien nach Gefühl und Gewicht unterscheiden.

Kantenverschleiß. Bei alten Zirkonia runden sich die Facettenkanten rasch ab und trüben ein, weil das Material für ständiges Tragen relativ weich ist. Natürlicher Zirkon hält seine Kanten besser.

Zertifikat. Der verlässlichste Weg ist ein Stein mit einem Befund eines gemmologischen Labors. Darin stehen der Steintyp (Zirkon), Farbe, Reinheit, Gewicht und die Tatsache der Wärmebehandlung (heat treated), falls es eine gab. Das Erhitzen ist ein normales und ehrliches Verfahren; misstrauisch machen sollte gerade das Verschweigen oder die Unlust des Verkäufers, den Befund zu zeigen.

Verwechseln Sie die drei Wörter nicht: Zirkonium ist ein metallisches Element, Zirkon ist das natürliche Mineral ZrSiO4, und Zirkonia (kubisches Zirkoniumoxid) ist der künstliche Diamantersatz ZrO2.

Mythen über Zirkon: Wahrheit und Fiktion
Zirkon ist ein gefälschter Diamant
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Zirkon ist radioaktiv und gefährlich für die Gesundheit
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Zirkon wird mit der Zeit trübe und verliert seinen Glanz
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Zirkon ist ein billiger Stein für die Armen
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Zirkon kann nicht in alltäglichen Ringen getragen werden
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Wärmebehandelter Zirkon ist schwächer als unbehandelter
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Wie man einen guten farblosen Zirkon auswählt

Für Zirkon gibt es kein so strenges Bewertungssystem wie die 4C beim Diamanten, doch dieselben vier Parameter greifen.

Farbe. Je näher der völligen Farblosigkeit, desto höher der Wert. Das Ideal ist ein Stein ohne sichtbaren Ton. Ein leichter Gelbstich senkt den Preis.

Reinheit. Zirkon kann sehr rein sein. Für ein Stück für jeden Tag genügt es, dass die Einschlüsse mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Unter der Lupe reine Steine kosten mehr, doch der Unterschied bleibt dem Auge oft verborgen.

Schliff. Richtige Proportionen geben das Licht an den Betrachter zurück und entfalten den Glanz; Fehler des Schleifers ersticken ihn. Der runde Brillantschliff gibt das meiste „Feuer"; der Treppenschliff (Smaragdschliff) gibt ein ruhigeres Bild mit weniger Regenbogenspiel, hilfreich, wenn Ihnen ein Übermaß an Dispersion zu bunt erscheint.

Gewicht. Zirkon findet sich häufiger in kleinen Größen. Steine über 5 Karat sind selten, und ihr Preis steigt überproportional.

Zwei Steine gleichen Gewichts und gleicher Farbe können sich in der Lebendigkeit deutlich unterscheiden. Die Ursache liegt entweder in der Schliffqualität oder im Zustand des Kristalls: Ein hoher Zirkon ist lebhafter als ein metamikter. Betrachten Sie den Stein daher bei verschiedenem Licht und vergleichen Sie gerade das Spiel.

Der Zirkonschliff: warum es ihn gibt

Für Zirkon haben die Schleifer eine eigene Form ersonnen, eben Zirkonschliff (zircon cut) genannt. Es ist ein runder Brillantschliff mit einer zusätzlichen Reihe Facetten am unteren Teil des Steins, unter dem Pavillon. Der Sinn liegt darin, den größten optischen Nachteil der starken Doppelbrechung zu verbergen: Ohne diese Facetten würden die durch die Tafel sichtbaren Kanten verdoppelt erscheinen und den Glanz verwischen. Der zusätzliche Facettengürtel zerteilt und überdeckt die verdoppelten Spiegelungen, und der Stein liest sich klarer.

In der Praxis gibt das dem Käufer einen Anhaltspunkt. Sieht man unter der Rundiste eines runden Zirkons nicht eine, sondern zwei Linien von Facetten, hat man einen Schliff vor sich, der sauber und eigens für diesen Stein gemacht wurde, und nicht auf einen Diamantrohling umgearbeitet. Billiges Material schleift man oft nach dem Standardschema ohne diesen Gürtel, und dann fällt die Verdopplung der Kanten schon auf Armeslänge ins Auge.

Pflege und Aufbewahrung

Die Pflege von Zirkon ist einfach, doch gibt es Feinheiten wegen seiner mittleren Härte und der Hitzeempfindlichkeit behandelter Steine.

Reinigung. Warmes Wasser mit einem Tropfen Seife und eine weiche Bürste (eine Zahnbürste genügt). Ultraschall ist im Allgemeinen zulässig, doch bei geglühten Steinen ist es sicherer, sich auf die Handreinigung zu beschränken. Dampfreinigung und schroffe Hitze wendet man besser nicht an.

Was zu vermeiden ist. Setzen Sie Zirkon keinen schroffen Temperatursprüngen aus; ein geglühter Stein kann durch Hitzeschock einen Mikroriss bekommen. Nehmen Sie das Schmuckstück vor Dusche, Schwimmbad und heißem Bad ab. Verwenden Sie keine aggressive Chemie: Bleichmittel, Ammoniak, Säuren.

Aufbewahrung. Bewahren Sie Zirkon getrennt von anderen Steinen auf, in einem weichen Beutel oder einem eigenen Fach der Schatulle. Härtere Nachbarn (Topas, Saphir, Rubin, Diamant) hinterlassen leicht Kratzer auf ihm.

Tragbarkeit nach Härte. Wegen der Härte von 6,5 bis 7,5 kann man Ohrringe und Anhänger mit Zirkon jeden Tag tragen, einen Ring schützt man besser vor Stößen und abrasivem Staub oder wählt für ihn eine geschlossene Fassung. Einmal im Jahr lohnt es, das Schmuckstück einem Juwelier zu zeigen: die Fassung nachziehen, das Metall prüfen und bei Bedarf die Facetten nachpolieren.

Was man beim Kauf eines alten Zirkons prüfen sollte

Da Zirkon so reichlich in den Schmuck des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gefasst wurde, taucht er auf dem Antiquitätenmarkt häufiger auf als viele andere Edelsteine. Doch gerade der alte Stein hat eine Schwachstelle, die man vor dem Bezahlen prüfen sollte.

Das Wichtigste ist der Zustand der Facettenkanten. Zirkon ist relativ spröde: Er hat vollkommene Spaltbarkeit und neigt zum Absplittern an den Facetträndern. An einem Stein, der jahrzehntelang in einem offenen Ring getragen wurde, sind die Kanten oft ausgebrochen und die scharfen Facetten geglättet und getrübt. Gemmologen haben sogar einen Spitznamen dafür: den Effekt der „ausgefransten Kanten". Betrachten Sie Rundiste und Kantenlinie unter der Lupe: Eine Vielzahl kleiner Absplitterungen senkt Glanz und Preis, und ein Nachpolieren ist nicht immer möglich, da es Gewicht frisst und die Proportionen verändert.

Der zweite Punkt ist der Austausch. In alten Stücken steckt unter dem Namen „Hyazinth" nicht selten ein Granat, und unter dem eines durchsichtigen „Diamanten" findet sich in günstigen Stücken ein Zirkon oder Glas. Sie mit dem Auge zu unterscheiden ist schwer, also verlangen Sie bei einer ansehnlichen Summe einen Laborbefund. Die Doppelbrechung verrät den Zirkon; Granat und Glas fehlt sie.

Die dritte Feinheit betrifft die Fassung. Alter Zirkon sitzt gewöhnlich in einer geschlossenen Fassung mit einer Folienunterlage unter dem Stein, mit der man den Glanz beim Kerzenlicht verstärkte. Diese Unterlage darf nicht nass werden: Wasser unter der Folie dunkelt nach und erstickt das Spiel des Steins. Kaufen Sie ein antikes Stück, fragen Sie nach der Art der Fassung und reinigen Sie es nicht durch Eintauchen in Wasser.

Symbolik: was die Überlieferung ihm zuschreibt

Hier sollte man vorsichtig sprechen. Den Steinen schrieb man in vielen Kulturen Eigenschaften zu, doch das ist das Feld von Überlieferung und Volksglauben, nicht der nachgewiesenen Tatsache. Eine bestätigte Wirkung von Zirkon auf Gesundheit, Stimmung oder den Lauf der Dinge gibt es nicht, und es ist klug, diese Vorstellungen als Teil der kulturellen Geschichte des Steins zu nehmen.

In der indischen Überlieferung verband man Zirkon mit dem Planeten Jupiter und hielt ihn für einen Stein der Gelehrsamkeit und des klaren Denkens. In mittelalterlichen arabischen Traktaten wird er als Begleiter des Reisenden erwähnt, der auf dem Weg behütet. Die europäische Überlieferung knüpfte an den rötlich-goldenen Hyazinth die Idee von Wärme und Energie. Hinter keiner dieser Vorstellungen steckt eine nachgewiesene Wirkung; es sind Bilder, keine Eigenschaften des Materials.

Wozu man farblosen Zirkon trägt

Farbloser Zirkon verhält sich wie ein zurückhaltender Gesprächspartner in der Garderobe: Er streitet nicht mit der Kleidung, er bringt sie zum Leuchten. Darum lässt er sich leicht in jeden Tag einfügen; man muss nur Stimmung und Anlass treffen.

Für den Alltag wählen Sie einen kleinen Zirkon in Ohrsteckern oder einen feinen Anhänger an der Kette. Sie passen zu hellem Strick, einer weißen Bluse, einem gestreiften Hemd, Jeans und Kaschmir. Der kühle Glanz des Steins belebt eine ruhige Palette und wirkt bei der Arbeit nie aufdringlich. Zurückhaltung steht dem Büro gut: ein auffälliger Stein und Metall im Ton der Fassung, ohne gestapelte Lagen. Ein tiefer V-Ausschnitt oder ein offener Hals heben einen Anhänger hervor, während ein knapper Kragen sich besser mit Ohrringen ergänzt.

Der Abend entfaltet den Zirkon ganz. Seine hohe Dispersion lodert im Regenbogen unter Kronleuchtern und Kerzenlicht, also nehmen Sie für ein Dinner, ein Konzert oder eine Feier einen größeren Stein: einen Cocktailring, Tropfenohrringe oder eine Rivière-Kette. Ein dunkles Kleid, Samt, Seide und Satin geben dem Zirkon einen kontrastierenden Hintergrund, auf dem er am hellsten strahlt.

Mit anderem Schmuck ist Zirkon großzügig. Er versteht sich mit weißer Perle, Mondstein und blauem Saphir, und unter den Metallen ist er mit Weißgold und Platin gleichermaßen schön (ein klares, minimalistisches Bild), mit Gelbgold (ein warmer Kontrast im Geist alter Schmuckstücke) und mit Roségold (eine romantische Note). Tragen Sie Lagen, halten Sie Zirkone verschiedener Größe an Ketten verschiedener Länge und sammeln Sie Ringe zu einem ordentlichen Stapel, der dem Stein Luft lässt.

Zwei einfache Ratschläge. Nehmen Sie einen helleren Stein für den Tag und einen größeren für den Abend. Und überladen Sie das Set nicht: Ein lebhafter Zirkon wirkt stärker als drei mittlere.

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Häufige Fragen

Ist Zirkon eine Diamantfälschung?

Nein. Zirkon ist das natürliche Mineral ZrSiO4, aus der Erde gewonnen wie Saphir oder Granat. Mit dem Diamanten teilt er nur die ähnliche Optik. Die künstliche Diamantimitation heißt anders: Es ist Zirkonia, kubisches Zirkoniumoxid (ZrO2), ein synthetisches Material. Die drei ähnlichen Wörter (Zirkon, Zirkonium, Zirkonia) bezeichnen ein Mineral, ein Metall und einen Laborersatz.

Warum ist Zirkon günstiger als ein Diamant, wenn er ebenso gut „spielt"?

Wegen des Unterschieds in der Härte, der Seltenheit großer reiner Steine und der gefestigten Geschmäcker des Marktes. Der Diamant ist härter und beständiger, und sein Bild als der wichtigste durchsichtige Stein setzte sich im kollektiven Bewusstsein des 20. Jahrhunderts fest. Die Optik ist nicht unmittelbar an den Preis gebunden.

Ist Zirkon radioaktiv?

Manche Zirkone, vor allem die rötlichen und braunen, enthalten Spuren von Uran und Thorium und sind sehr schwach radioaktiv. Das Niveau ist verschwindend gering und beim Tragen ungefährlich. Farblose geglühte Steine sind in dieser Hinsicht am unbedenklichsten.

Kann man Zirkon im Ring jeden Tag tragen?

Ja, mit Einschränkungen. Eine Härte von 6,5 bis 7,5 ist geringer als die von Saphir oder Rubin, also wählen Sie für einen Ring, der nicht abgenommen wird, eine geschlossene oder schützende Fassung, die die Kanten des Steins abdeckt. Ohrringe und Anhänger mit Zirkon trägt man täglich ohne Probleme.

Was ist das Glühen und sollte man es fürchten?

Das Glühen ist ein kontrolliertes Erwärmen, mit dem man Edelsteine seit Jahrtausenden behandelt. Es stabilisiert die Farbe, holt den blauen Ton hervor und stellt das Gitter eines metamikten Steins teils wieder her. Die Behandlung ist stabil; die Farbe verblasst nicht. Wichtig ist nur, dass der Verkäufer die Tatsache des Erhitzens ehrlich angibt. Die meisten blauen Zirkone auf dem Markt sind geglüht.

Trübt Zirkon mit der Zeit ein?

Das Mineral selbst ist geologisch stabil und verliert keine Farbe. Trüben kann die Oberfläche durch Kosmetik und Hautfett, doch das geht mit der Reinigung ab. Kleine Kratzer an den Facetten sind mit der Zeit bei nachlässigem Tragen im Ring möglich; man entfernt sie durch Nachpolieren beim Fachmann.

Lässt sich Zirkon mit dem Auge vom Diamanten unterscheiden?

Ein erfahrener Mensch kann das oft. Beim Zirkon zeigt sich die Doppelbrechung: Blickt man durch den Stein, verdoppeln sich die fernen Facettenkanten, beim Diamanten nicht. Die Regenbogenblitze des Zirkons sind wärmer und auffälliger. Ohne Erfahrung übersieht man diese Merkmale leicht, daher ist es sicherer, sich auf einen Laborbefund zu verlassen.

Farbloser oder blauer Zirkon für einen Anhänger?

Geschmackssache. Weiß ist neutral, passt zu jeder Kleidung und liest sich als zurückhaltende Klassik, dem Diamantglanz nahe. Blau bringt Farbe und macht sich gut zu hellen und maritimen Tönen. Für einen Anhänger, vor Stößen geschützt, sind beide praktisch.

Worin unterscheidet sich Zirkon aus Sri Lanka vom thailändischen?

Der aus Ceylon gilt als Maßstab für seine Reinheit und seinen ruhigen Glanz ohne Grün. Der thailändische kann einen leichten gelben oder bräunlichen Ton haben, dafür ist Thailand das wichtigste Schleifzentrum. Das ist ein Unterschied von Geschmack und Herkunft, nicht eindeutig von Qualität.

Worin unterscheidet sich Zirkon von Moissanit?

Moissanit (Siliziumkarbid, SiC) ist ein synthetisches Material, während Zirkon natürlich ist. Moissanit ist härter (etwa 9,25 auf der Mohs-Skala) und hält Stöße im Ring besser aus, doch seine Dispersion ist so hoch, dass das Lichtspiel übertrieben wirkt. Zirkon gibt ein natürlicheres Bild.

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