
Heiligenmedaillen und Devotionalienmedaillons: das geweihte Bildnis, das man am Herzen trägt
Kleines Metall mit großer Geschichte
Vor tausend Jahren war ein Skapulier ein Stück gewebter Stoff, kein silbernes Medaillon mit emailliertem Heiligenbild. Was heute neben dem Kreuz in der Schmuckvitrine liegt, hat einen langen Weg hinter sich: vom Tuchstreifen über die byzantinische Reliquienkapsel bis zur fein gravierten Marienmedaille. Und dieser Weg ist spannender, als er aussieht.
Heiligenmedaille, Devotionalienmedaillon, Skapulier und Reliquiar werden gern durcheinandergebracht, dazu noch mit dem Kreuz und der Ikone verwechselt. Die Unterschiede sind real, und sie sind nicht kosmetisch. Im Folgenden klären wir, was eine Heiligenmedaille tatsächlich ist, wie sie sich vom Reliquiar und vom Skapulier unterscheidet, wer darauf abgebildet wird, aus welchem Metall sie gefertigt ist, ob man sie ungetauft tragen darf, ob man sie zur Taufe schenkt und wie man die empfindliche Emaille pflegt, damit das Bildnis nicht nach ein paar Jahren verblasst.
Was eine Heiligenmedaille ist
Am Anfang stand das geweihte Schutzzeichen
Die Idee dahinter verrät den Ursprung. Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten wollten Gläubige ein Zeichen ihres Glaubens dicht am Körper tragen, ein Stück Heiliges, das an die Frömmigkeit erinnert und auf Reisen begleitet. Man nähte geweihte Erde von einer Wallfahrtsstätte, ein Stück gesegnetes Brot oder einen Streifen Pergament mit einem Gebet in ein kleines Tuch- oder Lederbeutelchen und trug es an einer Schnur unter dem Hemd. Die Logik war einfach: Der Mensch sollte ein Stück Heiligtum bei sich haben, das ihn schützt und an seinen Glauben mahnt.
Wie aus dem Beutelchen ein Metallmedaillon wurde
Mit der Zeit wurde der Inhalt wichtiger als die Hülle, und die Hülle wurde haltbarer. Das Tuchbeutelchen nutzte sich ab, ging verloren, wurde nass. Handwerker begannen, flache Kapseln und aufklappbare Behälter aus Metall zu fertigen, in die man dasselbe Heiligtum legen konnte, und diese Kapseln fürchteten weder Wasser noch Zeit. Allmählich erhielt die Kapsel selbst ein Heiligenbildnis auf dem Deckel, und die Grenze zwischen dem Behälter für das Heiligtum und dem Bild des Heiligen verwischte. So entstand der Gegenstand, den man heute als Heiligenmedaille kennt, obgleich Medaille und Reliquiar streng genommen zwei verschiedene Wege mit verschiedener Geschichte sind.
Die Heiligenmedaille heute: was meistens gemeint ist
Im heutigen Sprachgebrauch nennt man Heiligenmedaille meist ein kleines flaches Medaillon oder eine Kapsel, die man an einer Kette am Herzen trägt. Im Inneren kann ein gerolltes Gebet stecken, ein Körnchen Weihrauch, manchmal ein winziges gedrucktes Bildchen. Außen findet sich oft eine Gravur oder ein Email-Bildnis. Es ist eine persönliche Sache, man zeigt sie selten her, man trägt sie unter der Kleidung und nimmt sie mit auf Reisen. Vom Wesen her steht die Heiligenmedaille einem Heiligtum für die Tasche näher als einem Schmuckstück zur Schau.
Was man in die Kapsel legt
Wenn sich ein Medaillon öffnen lässt, stellt sich dem Träger die verständliche Frage, was hinein soll. Traditionell ist es ein Zettel mit den Worten eines Gebets, meist eines kurzen wie des Ave Maria, ein Körnchen Weihrauch, ein Stück geweihter Hostie oder geweihte Erde von einem Wallfahrtsort, die man von einer Pilgerreise mitgebracht hat. Mancher legt ein winziges gedrucktes Heiligenbildchen hinein. Die Grundregel ist einfach: Hinein kommt, was für den Menschen wirklich ein Heiligtum ist, nicht zufälliger Kleinkram. Die Kapsel ist ein Behälter für Sinn, keine Souvenirschachtel, und der Inhalt entscheidet, was sie für den Träger sein wird.
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Was ein Devotionalienmedaillon ist
Das Medaillon ist ein kleines Bild aus Metall
Das Devotionalienmedaillon, vom lateinischen devotio, der Hingabe, ist eine kleine Metallplatte mit einem reliefierten oder emaillierten Bildnis eines Heiligen, der Gottesmutter, eines Engels oder einer biblischen Szene. Anders als bei der Reliquienkapsel ist das Medaillon meist aus einem Stück: Das Bildnis ist nicht im Inneren verborgen, sondern auf der Vorderseite herausgestellt. Es ist im Grunde ein tragbares Andachtsbild, gemacht dafür, immer beim Menschen zu sein.
Wie sich das Medaillon vom Reliquiar unterscheidet
Ganz kurz gesagt: Das Reliquiar ist seinem Ursprung nach ein Behälter für ein Heiligtum, das Medaillon ist seinem Ursprung nach das Bild selbst. In der Praxis sind die Grenzen verwischt, und Händler nennen denselben Gegenstand oft mit beiden Begriffen. Wer es aber genau will: Die Kapsel, die sich öffnen lässt und etwas im Inneren bewahrt, steht dem Reliquiar näher; die flache Platte mit Bildnis, die nichts bewahrt, steht dem Medaillon näher. Ein guter Handwerker wird in der Regel präzisieren, was genau man in der Hand hält.
Das Skapulier: das Zeichen, das aus zwei Teilen besteht
Eine eigene und sehr verbreitete Form ist das Skapulier. Ursprünglich ist es ein Stück Ordenskleidung, daraus wurde das kleine Skapulier für Laien: zwei kleine Tuchbildchen, durch zwei Bänder verbunden, so getragen, dass das eine vorn auf der Brust und das andere am Rücken liegt. Später goss man dasselbe Zeichen oft in Metall, als Skapuliermedaille, damit es haltbarer war und sich nicht im Schweiß auflöste. Geschlossen schützte die Metallform das Bild vor dem Abwetzen, und für den Träger blieb das Skapulier ein stilles, beständiges Zeichen der Zugehörigkeit. Für den Reisenden war diese Form ideal: kompakt, robust, und das Bildnis stets griffbereit.
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Geschichte: von den frühen Christen bis zur Reisemedaille
Frühes Christentum und die ersten getragenen Heiligtümer
Die Gewohnheit, ein Zeichen des Glaubens am Körper zu tragen, ist älter, als man denkt. Schon in den ersten Jahrhunderten trugen Christen kleine Gegenstände mit den Symbolen des Fisches, des Ankers, des guten Hirten. Es waren bescheidene Anhänger, oft aus unedlem Metall oder Bein, und man trug sie unauffällig, weil der Glaube damals nicht selten Vorsicht verlangte. Die Idee, das Heiligtum stets bei sich zu haben, wurde genau damals geboren und hat alle folgenden Jahrhunderte unverändert überdauert.
Das Enkolpion: die Reliquienkapsel für die Brust
Einer der unmittelbaren Vorfahren der Heiligenmedaille ist das Enkolpion, vom griechischen Wort für auf der Brust. Es ist eine hohle Brustkapsel, meist in Kreuzform, die sich an Scharnieren öffnen ließ. Hinein legte man einen Reliquiensplitter, ein Stück Gewand, geweihte Erde. Das Enkolpion trug man an einer Kette über oder unter der Kleidung, und genau es verband zwei Ideen in einem Gegenstand: das Zeichen des Kreuzes außen und den Behälter für das Heiligtum innen. Viele alte Brustkreuze, die Archäologen finden, sind in Wahrheit aufklappbare Enkolpien und keine massiven Kreuze. Wer sich gerade für das Thema Kreuz interessiert, findet bei uns einen eigenen Beitrag zur Kreuzkette und ihrer Symbolik.
Byzanz als Quelle der Tradition
Das getragene Heiligenbild und seine Formen, Enkolpion, gegossenes Medaillon, Email-Miniatur, sind ein gemeinsames Erbe der frühen Christenheit, und ihren Glanz erhielten sie in Byzanz. Die byzantinischen Meister beherrschten den Zellenschmelz, eine feinste Technik, bei der man die Zeichnung mit goldenen Stegen auslegt und mit farbigem Glas füllt. Diese Stücke setzten den Maßstab und das Vorbild, an dem sich die Werkstätten in Ost und West orientierten. Darum tragen frühe abendländische Medaillons einen deutlich byzantinischen Zug in der Komposition der Bildnisse und in der Technik, und erst danach gewann die Tradition ihr eigenes Gesicht.
Die abendländische Tradition: das Medaillon neben dem Kreuz
Im katholisch geprägten Westen hat sich das getragene Bildmedaillon neben dem Halskreuz eingebürgert und wurde Teil des Alltags. Man goss sie aus Kupfer und Bronze zu Tausenden, und bis heute findet man gegossene Medaillons und Klappbilder mit den Bildnissen der Gottesmutter, des heiligen Nikolaus, der Soldatenheiligen. Der Kupferguss war billig und zugänglich, deshalb konnte ein Medaillon auch der Bauer, der Soldat und der Kaufmann besitzen. Die feine Arbeit in Silber und Gold mit Emaille war für jene bestimmt, die sie sich leisten konnten, aber der Gegenstand selbst war kein Vorrecht der Reichen.
Reisemedaillen und Klappbilder für Wanderer
Ein besonderes Kapitel sind die Reisemedaillen. Der Kaufmann auf dem Jahrmarkt, der Pilger auf dem Weg zum Heiligtum, der Soldat im Feldzug, der Seemann auf der Fahrt: Sie alle wollten ihr Heiligtum mitnehmen, doch ein Andachtsbild auf einem Brett nimmt man nicht mit auf die Reise. Da half das Klappbildchen oder die robuste Metallmedaille. Man nähte sie in die Kleidung, hängte sie um den Hals, verbarg sie im Reisesack. Bei Seeleuten und Soldaten wurde die Medaille nicht selten zum gehütetsten Besitz, der einzigen Erinnerung an Heimat und Glauben mitten in der Fremde.
Die Brandemaille und die Blüte der Email-Medaille
Eigens steht die Blüte der emaillierten Medaille. Die Brandemaille ist eine im Feuer geschmolzene Emaille, auf die man mit Farben malt und die man im Ofen brennt, wodurch die Farben glasartig werden und kaum verblassen. Die Maler dieser Kunst, im französischen Limoges ebenso wie in anderen Zentren des Kontinents, brachten die Miniatur auf das Niveau echter Malerei. Eine Email-Medaille von der Größe eines Fingernagels konnte ein durchgearbeitetes Bildnis mit Schatten und Lichtern tragen. Ein solches Stück galt als kleines Kunstwerk und wurde vererbt.
Die Medaille bei Soldat und Seemann
Unter denen, die sich besonders an das getragene Heiligtum hielten, waren Menschen gefährlicher Berufe. Der Soldat zog in den Feldzug, ohne zu wissen, ob er zurückkehrt, der Seemann ging für Monate auf Fahrt. Die Medaille wurde für sie zum Band mit Heimat und Glauben, und oft war sie das einzige persönliche Stück, das ein Mensch ständig trug. Man nähte die Medaille in die Kleidung, verbarg sie im Sack, gab sie dem Sohn vor dem Dienst weiter. Viele alte getragene Medaillons, die uns erhalten sind, haben mit ihren Besitzern manchen Feldzug durchgestanden, und die Spuren des Tragens sind ihnen anzusehen: das abgewetzte Bildnis, die abgegriffenen Ränder, die reparierte Öse.
Warum man Medaillons goss und nicht prägte
Auch die Technik spielte eine Rolle dabei, dass die Medaille zum Gegenstand des Volkes wurde. Der Guss nach dem Wachsmodell erlaubte es, aus einer Form Hunderte und Tausende gleicher Medaillons zu gewinnen, ohne für jede Kopie teure Meister heranzuziehen. Gießereien gaben ganze Serien von Klappbildern und Medaillons mit festen Motiven heraus. Die Güte des Gusses war unterschiedlich, vom Groben bis zum Feinen, doch das Prinzip selbst machte das Heiligtum zur Massenware und zugänglich, lange vor der industriellen Fertigung.
Wie sich Medaille und Medaillon vom Kreuz und von der Ikone unterscheiden
Medaille und Medaillon sind kein Kreuz
Das ist das Erste, was man verstehen sollte, denn hier ist die Verwechslung am häufigsten. Das Kreuz ist das Zeichen des Christentums selbst, die Darstellung des Kreuzes, an dem Christus gekreuzigt wurde. Darauf muss überhaupt kein menschliches Bildnis sein, nur die Form des Kreuzes und manchmal der Korpus. Heiligenmedaille und Medaillon sind anders gebaut: Ihre sinngebende Mitte ist das Bildnis, das Bild eines bestimmten Heiligen, der Gottesmutter oder eines Engels. Man kann Kreuz und Medaille zugleich tragen, und viele tun das auch, denn es sind dem Sinn nach verschiedene Dinge: das Zeichen des Glaubens und der persönliche Fürsprecher.
Das Medaillon ist kein Wandbild
Ein Andachtsbild im gewohnten Sinn ist ein auf Holz oder Leinwand gemaltes Bild, vor dem man zu Hause oder in der Kirche betet. Das Medaillon ist seine getragene Form, gemacht dafür, mit dem Menschen unterwegs und über den Tag hinweg zu sein. Der Unterschied liegt nicht in der Heiligkeit des Bildes, sondern in Bestimmung und Größe. Das Wandbild bleibt am Ort, das Medaillon reist mit dem Träger. Im Grunde ist das Medaillon die Antwort auf eine einfache Frage: Wie nimmt man das Andachtsbild mit, ohne es unter dem Arm zu tragen.
Wie sich die Heiligenmedaille vom gewöhnlichen Amulett unterscheidet
Hier ist es wichtig, die Begriffe nicht zu vermengen. Ein gewöhnliches Amulett oder ein Talisman ist ein Gegenstand der volkstümlichen und heidnischen Tradition, dem man eine schützende Kraft an sich zuschreibt. Die Heiligenmedaille dagegen ist ein kirchlicher Gegenstand: Ihr Sinn liegt nicht in der Magie des Metalls, sondern in der Mahnung an den Glauben und im Gebet, mit dem sich der Mensch an Gott und die Heiligen wendet. Eine Medaille als Glücksbringer zu tragen, ohne Glauben hineinzulegen, widerspricht ihrem eigenen Sinn. Wenn Sie das Thema der Schutzzeichen im weiteren Sinn interessiert, dazu gibt es einen eigenen Beitrag über Schutzamulette, Amulette und Talismane.
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Wer auf Medaille und Medaillon abgebildet wird
Die Gottesmutter: das häufigste Bildnis
Das Bildnis der Gottesmutter ist wohl das verbreitetste Motiv auf getragenen Medaillons. Maria wird als Fürsprecherin verehrt, an sie wendet man sich in Sorge, Krankheit, vor der Geburt, auf Reisen. Es gibt Dutzende fester Bildtypen, von der Wunderbaren Medaille mit der Unbefleckten Empfängnis über die Madonna vom Berge Karmel bis zu zahllosen Marienmedaillen lokaler Wallfahrtsorte. Jeder Typ ist mit seiner eigenen Geschichte und seinen eigenen Umständen verbunden, in denen man sich an ihn zu wenden pflegt, deshalb ist die Wahl eines bestimmten Bildes meist nicht zufällig.
Der heilige Nikolaus: Patron der Wanderer und Seeleute
Der heilige Nikolaus ist einer der beliebtesten Heiligen, und Medaillons mit ihm trägt man am häufigsten als Schutzpatron auf der Reise, auf dem Wasser, in schwierigen Lebenslagen. Seeleute, Reisende und Kaufleute fühlen sich besonders zu diesem Bild hingezogen. Die historische Logik ist geradlinig: Nikolaus gilt als Helfer der in Seenot Geratenen und als Fürsprecher der zu Unrecht Verurteilten, und dieser Ruf machte seine Medaille zum ständigen Begleiter derer, die oft unterwegs sind.
Der Schutzengel: ein Bild ohne bestimmtes Gesicht
Eine Medaille mit dem Schutzengel wählt man, wenn man ein getragenes Zeichen des persönlichen Schutzes will, das nicht an einen bestimmten Heiligen gebunden ist. Nach christlicher Vorstellung wird dem Menschen ein Schutzengel zur Seite gegeben, der ihn das ganze Leben begleitet. Deshalb schenkt man eine solche Medaille besonders oft Kindern und Patenkindern: Sie ist verständlich, bedarf keiner Erklärung und passt gut als Geschenk zur Taufe.
Der Namenspatron: der persönliche Fürsprecher
Eine sehr häufige und naheliegende Wahl ist die Medaille mit dem Heiligen, dessen Namen der Mensch trägt, seinem persönlichen Schutzpatron. Nach kirchlicher Tradition erhält der Mensch bei der Taufe einen Namen zu Ehren eines Heiligen, und dieser Heilige gilt als persönlicher Fürsprecher. Eine Medaille mit dem eigenen Heiligen zu tragen bedeutet, jenen nah bei sich zu haben, dessen Namen man trägt und an den man sich im Gebet wendet. Den eigenen Patron findet man über den Heiligenkalender, über den Gedenktag des Heiligen mit diesem Namen.
Soldatenheilige und Heiler
Eine eigene Gruppe sind Heilige mit einer Spezialisierung in der volkstümlichen Verehrung. Der heilige Georg und der Erzengel Michael als Patrone der Krieger und Beschützer; der heilige Christophorus als Patron der Reisenden und Autofahrer, dessen Medaille man bis heute am Rückspiegel und am Hals trägt; die Ärzteheiligen Kosmas und Damian als Helfer der Kranken. Solche Medaillons wählt man oft bewusst, nach Beruf oder Lebenslage, und in diesem Sinn stehen sie der Idee einer persönlichen, gezielten Fürsprache nahe.
Christus und das Bild des Erlösers
Eine Medaille mit dem Bildnis des Erlösers steht für sich. Darauf stellt man entweder das Antlitz Christi dar oder Motive wie das Schweißtuch der Veronika, bei dem die Überlieferung von einem wunderbaren Abdruck des Antlitzes auf einem Tuch erzählt. Das ist dem Sinn nach das unmittelbarste Bild: kein Fürsprecher vor Gott, sondern der Herr selbst. Eine solche Medaille wählt man, wenn man das zentrale Bild des Glaubens tragen will und nicht die Anrufung eines bestimmten Heiligen. In Strenge und Zurückhaltung steht sie dem Kreuz nahe, trägt aber eben ein Bildnis und kein Kreuzzeichen.
Wie verschiedene Marienbilder mit den Lebensumständen verbunden sind
Die Marienbilder sind verschiedene Darstellungen mit eigener Geschichte, und hinter jeder steht ein eigener Kreis von Anliegen. Die Wunderbare Medaille gilt als allgemeines Schutzzeichen und wird mit dem Gebet um Gnade verbunden. Die Madonna vom Berge Karmel verknüpft man mit dem Skapulier und dem Versprechen des Beistands. Die Schmerzensmutter mit dem von sieben Schwertern durchbohrten Herzen ruft man in Leid und Trauer an. Deshalb sagt die Wahl eines bestimmten Marienbildes für die Medaille oft etwas darüber aus, womit der Mensch zu seinem Glauben kommt, und nicht über den Geschmack am Bild.
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Metall: woraus Medaillen und Medaillons gefertigt werden
Silber: der Klassiker für Bildnis und Emaille
Silber ist das traditionellste Material für getragene Medaillons, und das nicht von ungefähr. Es ist edel, hält ein feines Relief gut, verträgt sich vortrefflich mit Emaille und Niello, und die leichte Patina in den Vertiefungen hebt die Zeichnung des Bildnisses nur hervor. Meist verwendet man Silber 925, eine feste und langlebige Legierung. Wer verstehen will, was sich genau hinter der Punze verbirgt, findet bei uns eine ausführliche Erklärung zu Silber 925. Eine silberne Medaille wirkt zurückhaltend und streng, was dem Wesen des Gegenstands gut entspricht.
Gold: für das Familienerbstück
Eine goldene Medaille wählt man, wenn das Stück als Erbstück über Generationen gedacht ist, etwa als Geschenk zur Taufe, das man später weitergibt. Gold läuft nicht an, braucht keine häufige Pflege und übersteht gelassen Jahrzehnte täglichen Tragens. Gelbgold gibt einen warmen, klassischen Eindruck, Weißgold wirkt strenger und moderner. Für eine emaillierte Medaille ist der goldene Grund besonders schön, weil der warme Glanz des Metalls die Tiefe der Farben verstärkt.
Brandemaille und Heißemaille: Malerei auf Metall
Die emaillierte Medaille ist eine eigene Kategorie. Auf den Metallgrund trägt man Schichten von Emaille auf und brennt sie, und auf die fertige weiße Emaille malt der Miniaturist das Bildnis mit Farben und brennt erneut. Es entsteht eine glasartige Malerei, die in der Sonne nicht verblasst und kein Wasser fürchtet. Der Preis der handgemalten Arbeit liegt höher als der einer gestanzten Medaille, doch das Ergebnis ist ein kleines Bild und kein Abdruck. Wie man solche Stücke pflegt, damit die Emaille lange hält, haben wir gesondert im Ratgeber zur Pflege von Emaille-Schmuck beschrieben.
Kupfer und Messing: historischer Guss und Erschwinglichkeit
Gegossene Medaillons aus Kupfer und Messing sind die älteste und massenhafteste Tradition. Eben aus Kupfer goss man Tausende von Medaillons und Klappbildern, und eben dank der Billigkeit des Metalls war das Heiligtum für jeden zugänglich. Heute wählt man Kupfer und Messing wegen der warmen Farbe, des historischen Eindrucks und der Erschwinglichkeit. Warme Metalle dunkeln mit der Zeit nach, und diese lebendige Patina schätzen viele: Sie verleiht der Medaille das Aussehen eines durchlebten Stücks und nicht einer Ladenneuheit.
Niello und Gravur: wie das Bildnis lesbar wird
Eigens sei die Veredelung erwähnt. Das Niello, eine dunkle Masse in den Vertiefungen des Reliefs, macht das Bildnis lesbar: Die Schatten gehen in die Tiefe, die Erhebungen bleiben hell, und die Miniatur erwacht. Eine Gravur auf der glatten Medaille erlaubt es, den Namen des Trägers, das Taufdatum, ein kurzes Gebet auf die Rückseite zu setzen. Eben die Rückseite trägt am häufigsten die persönliche Inschrift, was die typische Medaille in ein einzigartiges, persönliches Stück verwandelt.
Größe und Form: vom Fingernagel bis zum großen Klappbild
Eine getragene Medaille ist meist klein, von der Größe eines Fingernagels bis zu einer Münze, weil man sie ständig trägt und sie nicht stören soll. Die Form ist häufiger oval oder länglich, seltener rechteckig oder dem Umriss des Bildnisses folgend. Ein Klappbild kann größer sein, besonders das Reisestück, das sowohl zum Tragen als auch zum Aufstellen gedacht ist. Je kleiner die Medaille, desto höher die Anforderung an den Meister: Auf winziger Fläche muss ein erkennbares Bildnis und eine lesbare Miniatur erhalten bleiben, und genau hier zeigen Brandemaille und feiner Guss ihre Klasse.
Fassung und Glas über der Emaille
Eine gute Email-Medaille schließt man nicht selten mit einem dünnen Glas in einer Metallfassung. Das Glas schützt die Malerei vor dem Abwetzen, und die Fassung hält die spröde Email-Platte und verhindert, dass sie beim Stoß gegen Körper oder Kleidung zerspringt. Diese Bauweise erkennt man an alter Brandemaille: Die Miniatur sitzt in einer silbernen Fassung wie ein Stein in der Zarge. Bei der Wahl einer Medaille lohnt der Blick darauf, wie die Emaille gefasst ist: Eine zuverlässige Fassung ist die Gewähr dafür, dass die Malerei Jahre täglichen Tragens übersteht.
Wie und wozu man Medaille und Medaillon trägt
Unter der Kleidung oder darüber: Tradition und Takt
Der wesentliche Unterschied liegt hier nicht in Regeln, sondern im Sinn des Gegenstands. Das getragene Heiligtum ist seinem Wesen nach nach innen gewandt, zum Menschen selbst, deshalb trägt man es üblicherweise unter der Kleidung, am Körper, und stellt es nicht zur Schau. Das ist kein strenges Verbot, sondern eine Frage des Takts: Medaille und Medaillon bleiben eine stille, persönliche Sache, von der nur der Träger weiß. Wer das Medaillon über dem Pullover oder dem Hemd als sichtbares Zeichen des Glaubens tragen will, tut das, sollte aber wissen, dass der Gegenstand dabei seine Rolle wechselt und aus einem persönlichen Heiligtum zu einem sichtbaren Schmuck wird. Es zum offenen Kragen oder zur Kette über dem Stoff zu kombinieren, passt eher zu ruhiger, alltäglicher Kleidung als zu betont festlicher.
An welcher Kette oder Schnur: Länge, Festigkeit, Material
Eine Medaille trägt man ständig, deshalb sind Kette und Schnur wichtiger, als man denkt. Eine bequeme Länge zum Tragen am Körper reicht etwa vom Hals bis zur Mitte der Brust, damit die Medaille am Herzen liegt und nicht zu hoch oder zu tief baumelt. Die Festigkeit ist nicht weniger wichtig als die Länge: Eine dünne Zierkette reißt und geht verloren, und um die Medaille ist es schade. Verlässlicher sind dichte Geflechte, die sich nicht verdrehen und nicht am Stoff hängen bleiben. Eine Schnur aus gewachster Baumwolle oder Leder ist weicher als Metall, kühlt die Haut nicht und passt gut zum zurückhaltenden Wesen des Heiligtums. Das Metall der Kette stimmt man sinnvoll auf das Metall der Medaille ab: Silber zu Silber, Gold zu Gold, damit die Metalle nicht miteinander reagieren und der Eindruck stimmig bleibt.
Zusammen mit dem Kreuz oder getrennt
Kreuz und Medaille tragen verschiedenen Sinn, und man kann sie zusammen tragen, das ist eine geläufige Kombination: das Zeichen des Glaubens und der persönliche Fürsprecher nebeneinander. Mancher hängt beide an eine Kette, mancher verteilt sie auf zwei, damit sie nicht aneinanderschlagen und sich nicht zerkratzen. Sind die Stücke aus verschiedenem Metall oder eines mit spröder Emaille, ist es klüger, sie auf verschiedene Ketten zu verteilen, damit die harte Kante des Kreuzes nicht auf das emaillierte Bildnis schlägt. Ein Missklang entsteht dabei nicht: Kreuz und Medaille ergänzen einander, sie streiten nicht.
Im Alltag, in der Kirche und auf Reisen
Eine Medaille ist gut darin, dass sie keinen besonderen Anlass verlangt. Im Alltag trägt man sie unter der Kleidung und lebt einfach mit ihr, ohne sie abzulegen. In der Kirche stellt man das getragene Heiligtum üblicherweise nicht zur Schau, es bleibt beim Menschen als persönliche Sache und nicht als auffälliges Zeichen. Auf Reisen nahmen Medaille und Klappbild seit jeher mit: Das kompakte, robuste Heiligtum war Begleiter des Kaufmanns, des Pilgers, des Seemanns, und auch heute halten Menschen unterwegs aus derselben Logik die Medaille bei sich. Stehen Sport, Schwimmbad oder schwere körperliche Arbeit bevor, legt man die Medaille besser ab und verwahrt sie sicher, um das Bildnis nicht zu beschädigen und das Stück nicht zu verlieren.
Feingefühl gegenüber fremdem Glauben und Umfeld
Ein getragenes Heiligtum ist etwas Persönliches, und es bei sich zu behalten ist taktvoller, als es vorzuführen. In gemischter Gesellschaft, bei der Arbeit, zu Gast bei Menschen anderen Glaubens ist es ruhiger, wenn die Medaille unter der Kleidung bleibt: So verletzt man niemanden und macht den eigenen Glauben nicht zum Anlass eines Gesprächs, das das Gegenüber nicht gesucht hat. Der Respekt vor fremden Ansichten geht hier Hand in Hand mit eigener Würde: Ein stiller, unaufdringlicher Glaube wirkt stärker als ein betont zur Schau gestellter. Die Medaille fremder Bequemlichkeit zuliebe abzulegen ist nicht nötig, es genügt, sie dort nicht zur Schau zu stellen, wo es unpassend ist.
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Wem und wie: praktische Fragen
Darf man eine Heiligenmedaille ungetauft tragen
Hier sollte man unverblümt sprechen. Medaille und Medaillon sind kirchliche Gegenstände, und ihr Sinn erschließt sich durch Glauben und Gebet. Ein förmliches Verbot, eine Medaille ungetauft zu tragen, gibt es nicht, doch der Gegenstand selbst ist auf den Gläubigen ausgerichtet, für den das Bildnis kein Bild ist, sondern ein Bild zur Anrufung Gottes und der Heiligen. Wenn ein Mensch nicht getauft ist, sich aber aufrichtig zum Glauben hingezogen fühlt und über die Taufe nachdenkt, ist das Tragen der Medaille nicht zu beanstanden. Sie als modisches Accessoire oder als Glücksbringer zu nehmen, ohne jeden Bezug zum Glauben, widerspricht dagegen der eigentlichen Bestimmung des Stücks.
Wie man eine Medaille zur Taufe schenkt
Medaille und Medaillon sind eines der passendsten Geschenke zur Taufe, neben dem Taufkreuz. Meist schenkt der Pate oder die Patin sie: eine silberne oder goldene Medaille mit dem Schutzengel oder mit dem Heiligen, dessen Namen das Kind bei der Taufe erhält. Eine gute Praxis ist die Gravur auf der Rückseite mit Namen und Taufdatum, damit das Stück zu einem persönlichen Erbstück wird und den Menschen ein Leben lang begleitet. Ausführlicher dazu, was man zu diesem Anlass überhaupt schenkt, haben wir im Beitrag über Schmuck zur Taufe gesammelt.
Über oder unter der Kleidung tragen
Die Tradition ist eindeutig: Das getragene Heiligtum trägt man unter der Kleidung, am Körper, und nicht zur Schau. Das ist kein Verbot, sondern Ausdruck des Wesens des Gegenstands: Er ist persönlich, nach innen gewandt, zum Menschen selbst und nicht zur Umgebung. Deshalb hängt man Medaille und Medaillon meist an eine dünne, feste Kette oder Schnur und verbirgt sie unter dem Hemd. Die Medaille über der Kleidung als Schmuck zu tragen ist möglich, doch das ändert den Sinn: Das Stück, als stilles persönliches Heiligtum gedacht, wird zu einem dekorativen Zeichen, und viele Gläubige sehen das nicht gern.
An welcher Kette tragen
Die Kette sollte vor allem fest und bequem sein, weil man die Medaille ständig trägt. Gut passen Geflechte, die sich nicht verdrehen und nicht an der Kleidung hängen bleiben. Das Metall der Kette stimmt man sinnvoll auf das Metall der Medaille ab: eine silberne Medaille zur silbernen Kette, eine goldene zur goldenen, damit kein Missklang entsteht und die Metalle nicht miteinander reagieren. Viele ziehen die Schnur vor: Sie ist weicher, kühlt die Haut nicht und wirkt bescheidener, was zum Wesen des getragenen Heiligtums gut passt.
Darf man Medaille und Kreuz zusammen tragen
Ja, und das ist sehr verbreitet. Kreuz und Medaille tragen verschiedenen Sinn: Das erste ist das Zeichen des Glaubens, die zweite der persönliche Fürsprecher. Man trägt sie an einer Kette oder an verschiedenen, wie jeder es gewohnt ist. Ein Widerspruch besteht darin nicht, im Gegenteil, eine solche Kombination ist folgerichtig: das allgemeine Zeichen des Christentums und der bestimmte Heilige, an den sich der Mensch persönlich wendet.
Die Medaille als Familienerbstück
Eine der wertvollsten Eigenschaften der Medaille ist ihre Fähigkeit, länger zu leben als ihr Besitzer. Eine silberne oder goldene Medaille mit eingravierten Taufdaten geht von der Großmutter auf die Enkelin über, vom Vater auf den Sohn, und jede Generation fügt ihr die eigene Geschichte hinzu. In diesem Sinn unterscheidet sich die Medaille vom gewöhnlichen Schmuck: Man tauscht sie nicht nach Mode und schmilzt sie nicht ein, man hütet sie eben als Erinnerung und Heiligtum. Die Gravur auf der Rückseite verwandelt das typische Stück in eine Familienchronik, in der sich Namen und Daten wie ein kleiner Stammbaum lesen.
Was man außer der Medaille zur Taufe schenkt
Wenn die Medaille schon vorhanden ist oder man das Geschenk ergänzen will, passen dazu gut eine feste Kette nach dem Wuchs des Kindes, ein Taufkreuz, ein silberner Löffel nach alter Sitte. Die Medaille selbst bleibt dabei das geistliche Hauptgeschenk, das Übrige ist eine alltägliche Ergänzung. Wichtig ist, sich nicht zu wiederholen: Schenkt die Patin die Medaille, übernimmt der Pate sinnvoll die Kette oder das Kreuz, damit die Geschenke sich zu einem Ganzen fügen und nicht doppeln.
Pflege: damit das Bildnis nicht verblasst
Pflege der silbernen Medaille
Silber dunkelt mit der Zeit nach, das ist natürliche Oxidation und kein Schaden. Eine leichte Schwärze in den Vertiefungen des Reliefs ist sogar nützlich, weil sie das Bildnis hervorhebt. Ist die Medaille jedoch ganz nachgedunkelt und matt geworden, reinigt man sie behutsam mit einem weichen Tuch oder einem Silberputztuch. Eine Medaille mit Emaille darf man nicht mit harten Pasten und Schleifmitteln reiben: Sie zerkratzen die Emaille und wischen die Malerei ab. Vor Dusche, Schwimmbad und Sport sollte man die Medaille ablegen, weil Schweiß, Chlor und Kosmetik das Anlaufen des Metalls beschleunigen.
Pflege von Brandemaille und Heißemaille
Brandemaille und Heißemaille sind fest wie Glas, doch eben wie Glas fürchten sie Stöße und schroffe Temperaturwechsel. Die Hauptfeinde der Email-Medaille sind der Sturz auf einen harten Boden, der Schlag gegen den Rand des Beckens und heißes Wasser unmittelbar nach kaltem. Brandemaille reinigt man nur mit einem weichen feuchten Tuch, ohne Pasten und Bürsten. Verwahren sollte man eine solche Medaille besser gesondert, in einem weichen Beutelchen, damit sie nicht an anderem Schmuck reibt und keinen Absplitterung bekommt. Bei sorgsamem Umgang übersteht die Email-Malerei mehrere Generationen, was alte Medaillons in den Museen belegen.
Was tun mit angelaufenem Kupfer und Messing
Warme Metalle dunkeln schneller nach als Silber, und hier hängt vieles vom Geschmack ab. Gefällt die dunkle, durchlebte Patina, kann man die Medaille gar nicht anrühren. Will man den Glanz zurückholen, reinigt man Kupfer und Messing mit milden Mitteln, aber ohne Übereifer, um das Relief nicht abzutragen und das Niello in den Vertiefungen nicht zu entfernen. Man sollte eine gegossene Medaille nicht lange einweichen und keine aggressive Chemie verwenden: Sie frisst sich in die Poren des Metalls und hinterlässt Flecken.
Wie man die Medaille aufbewahrt, wenn man sie nicht trägt
Wird die Medaille für längere Zeit abgelegt, etwa während einer Krankheit oder auf einer Reise ohne sie, verwahrt man sie besser getrennt vom übrigen Schmuck. Harte Ketten und feste Steine zerkratzen weiches Silber und stechen in die spröde Emaille, wenn alles auf einem Haufen liegt. Geeignet ist ein weiches Tuchbeutelchen oder ein eigenes Fach des Kästchens. Der silbernen Medaille tut trockene Luft gut, weil Feuchtigkeit das Nachdunkeln beschleunigt. Die Email-Medaille fürchtet nicht die Feuchtigkeit, sondern Stöße, deshalb braucht sie eine weiche, vor Stürzen geschützte Umgebung.
Wann ein Fachmann nötig ist und keine Hausreinigung
Es gibt Fälle, in denen man die Medaille besser nicht selbst anrührt. Eine Absplitterung der Emaille, ein gesprungenes Glas der Fassung, eine locker gewordene Öse, durch die die Kette läuft, das ist Arbeit für den Juwelier. Eine alte oder ererbte Medaille zeigt man erst recht besser einem Fachmann, bevor man sie reinigt: Unsachgemäßes Polieren trägt das Relief ab und mindert den Wert des Stücks. Hausreinigung ist angebracht für die alltägliche, oberflächliche Pflege, und alles, was Bauweise und Malerei betrifft, überlässt man besser dem Meister.
Weihe: kurz zum Wesentlichen
Wozu man die Medaille weiht
Nach kirchlicher Tradition pflegt man das getragene Heiligtum in der Kirche zu weihen. Die Weihe ist kein magisches Ritual, das das Metall mit Kraft auflädt, sondern ein Gebet der Kirche darum, dass das Stück dem Träger zum Guten diene und an den Glauben mahne. Die gekaufte Medaille bringt man in die Kirche, und der Priester segnet sie, das dauert meist wenige Minuten. Viele Gemeinden weihen Medaillen an bestimmten Tagen oder auf Bitte nach dem Gottesdienst, deshalb erkundigt man sich besser vorab nach der Ordnung vor Ort.
Wenn die Medaille als Schmuck gekauft ist
Wenn die Medaille vor allem als schönes Stück erworben ist, verpflichtet niemand dazu, sie zu weihen. Ist sie aber für den Träger eben ein Heiligtum und kein Dekor, ist die Weihe der folgerichtige Schritt. Die Entscheidung bleibt beim Menschen und hängt davon ab, welchen Sinn er selbst in den Gegenstand legt. Aufzudrängen gibt es hier nichts: Glaube ist etwas Inneres und nichts Förmliches.
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Fakten, die überraschen
Der Ursprung steckt im Tuch, nicht im Metall
Heute stellt man sich eine Heiligenmedaille als silbernes Medaillon vor, doch am Anfang stand kein Gramm Metall. Das erste getragene Heiligtum war ein Beutelchen aus Tuch oder Leder, und das Skapulier ist bis heute in seiner ursprünglichen Form aus zwei Tuchbildchen erhalten geblieben. Erst Jahrhunderte später kleidete sich das getragene Zeichen in Silber und Gold. So beschreibt der gewohnte Eindruck eines blanken Metallmedaillons einen späten Zustand einer viel älteren Tuchtradition.
Alte Brustkreuze ließen sich oft öffnen
Viele meinen, das alte Brustkreuz sei aus einem Stück gewesen. In Wahrheit ist ein erheblicher Teil der von Archäologen gefundenen großen Brustkreuze ein Enkolpion, eine hohle Kapsel an Scharnieren, in die man ein Heiligtum legte. Das heißt, der Vorfahr der Medaille und der Vorfahr des Kreuzes waren nicht selten ein und derselbe Gegenstand: das Kreuz außen, der Behälter innen.
Die Kupfermedaille war erschwinglicher, als man denkt
Es gibt die Vorstellung, das getragene Heiligtum sei ein Luxus gewesen. Doch der Kupfer- und Bronzeguss war so massenhaft, dass man Medaillons und Klappbilder zu Tausenden goss, und sie kosteten wenig. Archäologen finden sie buchstäblich überall, wo Menschen lebten. Teuer waren Silber, Gold und die feine Brandemaille, doch die Medaille selbst war ein Gegenstand für jeden Tag und für Menschen jedes Vermögens.
Brandemaille malt man wie ein Bild, unter dem Mikroskop der Geduld
Eine Email-Medaille von der Größe eines Fingernagels ist kein Stempel, sondern eine handgemalte Miniatur. Der Meister malt das Bildnis mit besonderen Farben auf die gebrannte Emaille und brennt die Arbeit erneut, manchmal mehrfach, weil verschiedene Farben bei verschiedener Temperatur sitzen. Verfehlt er den letzten Brand, ist die Arbeit verdorben. Deshalb schätzt man gute Brandemaille als kleine Malerei und nicht als ein juwelierhandwerkliches Halbzeug.
Ein Gegenstand konnte zwei Namen tragen
Die Verwechslung zwischen Medaille und Reliquiar entstand nicht gestern und nicht durch den Irrtum der Händler. Ein und derselbe Gegenstand ging tatsächlich zwei Wege: vom Beutelchen mit dem Heiligtum und vom Metallbildchen, und irgendwann verschmolzen diese Wege. Die Kapsel mit dem Bildnis auf dem Deckel entspricht ehrlich beiden Bestimmungen zugleich: Sie ist Behälter des Heiligtums und Bild. Deshalb gibt es oft schlicht kein strenges richtiges Wort, und beide Namen beschreiben dieselbe Sache von verschiedenen Seiten.
Das Klappbild ist ein Hausaltar für die Tasche
Ein Reise-Klappbild aus zwei oder drei Flügeln klappte sich zu einem richtigen kleinen Hausaltar auf, den man im Gasthof oder im Zelt auf den Tisch stellte. Geschlossen schützte es das Bild vor dem Abwetzen und passte in die Handfläche. Das war durchdachte Ingenieurskunst: Kompaktheit, Festigkeit und die Vollständigkeit des Bildes in einem Gegenstand, lange vor der Zeit der Klappdinge.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Heiligenmedaille vom Reliquiar?
Dem Ursprung nach ist das Reliquiar ein Behälter für ein Heiligtum, ein Beutelchen oder eine Kapsel, und die Medaille ist das Bild selbst, eine flache Metallplatte mit einem Bildnis. In der Praxis verwendet man die Worte oft als Synonyme. Wer es genau will: Was sich öffnet und etwas im Inneren bewahrt, steht dem Reliquiar näher, und die ganze Platte mit Bildnis steht der Medaille näher.
Darf man eine Heiligenmedaille ungetauft tragen?
Ein unmittelbares Verbot gibt es nicht, doch die Medaille ist auf den Gläubigen ausgerichtet, für den das Bildnis ein Bild zum Gebet ist und kein Bild zur Zierde. Wenn ein Mensch sich zum Glauben hingezogen fühlt, darf man sie tragen. Die Medaille als modisches Accessoire oder als Glücksbringer zu nehmen, ohne Bezug zum Glauben, widerspricht dem Sinn des Stücks.
Darf man Medaille und Kreuz zusammen tragen?
Ja. Es sind dem Sinn nach verschiedene Dinge: Das Kreuz ist das Zeichen des Glaubens, die Medaille der persönliche Fürsprecher. Man trägt sie an einer Kette oder an verschiedenen, ein Widerspruch besteht darin nicht, und die Kombination kommt sehr häufig vor.
Wen stellt man am besten auf einer Medaille zum Geschenk für ein Kind dar?
Meist wählt man den Schutzengel oder den Heiligen, dessen Namen das Kind bei der Taufe erhält. Eine Medaille mit dem Engel ist verständlich und universell, eine Medaille mit dem Namenspatron macht das Geschenk persönlich. Gut ist eine Gravur mit Namen und Taufdatum auf der Rückseite.
Muss man eine Medaille weihen?
Nach Tradition weiht man das getragene Heiligtum in der Kirche: Das ist ein Gebet der Kirche um den Träger und keine Magie. Ist die Medaille für Sie eben ein Heiligtum, ist die Weihe folgerichtig. Ist sie vor allem ein schönes Stück, ist die Weihe nicht zwingend. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Aus welchem Metall soll man die Medaille wählen?
Silber ist der Klassiker: edel, hält Relief und Emaille, für viele erschwinglich. Gold wählt man für das Erbstück über Generationen. Brandemaille ist Handmalerei, eine kleine Malerei. Kupfer und Messing sind die historische, warme und erschwingliche Variante. Die Wahl hängt vom Budget ab und davon, ob es ein Erbstück oder ein Alltagsstück ist.
Wie pflegt man eine Email-Medaille, damit das Bildnis nicht verblasst?
Nur mit einem weichen feuchten Tuch reinigen, ohne Pasten, Bürsten und Schleifmittel. Vor Stößen und Stürzen auf Hartes schützen, keinen schroffen Temperaturwechseln aussetzen. Gesondert verwahren, in einem weichen Beutelchen, damit es keine Absplitterungen und Kratzer von anderem Schmuck gibt. Bei sorgsamem Umgang hält die Brandemaille über Generationen.
Die Medaille unter der Kleidung oder darüber tragen?
Traditionell trägt man das getragene Heiligtum unter der Kleidung, am Körper, weil es eine persönliche Sache ist, die zum Menschen selbst gewandt ist. Über der Kleidung als Schmuck zu tragen ist möglich, doch das ändert den Sinn des Stücks, und viele Gläubige sehen das nicht gern.
Was am Ende bleibt
Medaille und Medaillon sind kein modisches Accessoire und keine Spielart des Kreuzes, sondern eine eigene, sehr alte Tradition, das Bildnis eines Fürsprechers am Herzen zu tragen. Hinter dem schlicht aussehenden Stück steht eine tausendjährige Geschichte: vom Tuchbeutelchen und der Brustkapsel bis zum silbernen Medaillon mit Brandemaille, das man wie ein Bild malt. Bei der Wahl einer Medaille lohnt es, nicht daran zu denken, wie sie über dem Pullover aussieht, sondern daran, wessen Bildnis und wessen Namen Sie nah bei sich tragen wollen, und aus welchem Metall dieses Stück die Jahre übersteht.
Silber 925, warme Metalle, Emaille und Brandemaille, Symbolik mit Geschichte und Gravur auf Wunsch.
Über Zevira
Zevira ist eine spanische Marke aus Albacete, der Stadt der Metallhandwerker. Wir lieben Stücke mit Charakter und Geschichte: edles Silber, warme Metalle, lebendige Emaille und Symbolik, hinter der ein Sinn steht. Wenn Sie sich im Metall zurechtfinden wollen, beginnen Sie mit der Erklärung zu Silber 925, und über die Pflege der feinen Malerei berichtet der Ratgeber zu Emaille-Schmuck.






















