
Piercingschmuck: welcher Schmuck, welches Material und welche Größe für welches Piercing
Neun von zehn Problemen mit einem frischen Piercing kommen nicht vom Stich selbst, sondern vom Metall, das darin steckt. Eine billige Legierung mit Nickel bringt Juckreiz, Rötung und einen Stichkanal, der monatelang nicht abheilt. Der Körper lässt sich an dreißig Stellen stechen, und fast überall beginnt die Antwort auf die Frage "was kaufen" beim Metall, erst danach bei der Form.
Danach ist das Wichtigste für den Kauf geklärt: welche Schmuckarten es gibt (Barbells, Ringe, Labrets, Bananen, Tunnel), aus welchem Metall man Schmuck für ein frisches und für ein verheiltes Piercing nimmt, wie man bei den Größen nicht durcheinanderkommt und was genau in jede Stelle gehört, vom Ohrläppchen bis zum Bauchnabel. Zu jedem Piercing gibt es einen eigenen Absatz: welcher Schmuck, welches Material, welche Größe, wo es geht, wie lange die Heilung dauert. Wenn du die Anatomie der Stiche selbst suchst und nicht die Schmuckwahl, gibt es dazu einen eigenen Überblick über die Piercing-Arten am Körper.
Welchen Piercingschmuck es gibt: die Schmuckarten
Bevor es um die Zonen geht, lohnt sich der Blick auf den Schmuck selbst. Es gibt nicht viele Grundformen, und jede ist auf bestimmte Stiche zugeschnitten. Wer versteht, wie sich ein Barbell von einer Banane und ein Clicker von einem Labret unterscheidet, kauft nicht mehr auf gut Glück.
Barbell: gerader Stab mit zwei Kugeln
Der Barbell (deutsch "Hantelstab") ist ein gerader Stab mit Gewinde, auf den beidseitig Kugeln oder andere Aufsätze geschraubt werden. Der Klassiker für die Zunge, das Industrial am Ohr und einige Knorpelstiche. Eine Kugel sitzt meist fest, die zweite ist abnehmbar, um den Schmuck einzusetzen und zu wechseln. Stärke und Länge des Stabs wählt man streng nach dem Piercing: ein zu langer Barbell schlackert und hakt, ein zu kurzer drückt auf das Gewebe. Für ein frisches Piercing nimmt man den Barbell mit Längenzugabe für die Schwellung und tauscht später gegen einen kürzeren.
Banane (gebogener Barbell) für Bauchnabel und Augenbraue
Die Banane ist ein gebogener Barbell, ein Stab im Bogen mit Kugeln an den Enden. Die Form folgt der natürlichen Krümmung des Gewebes, deshalb ist die Banane der Standardschmuck für den Bauchnabel (Navel) und oft für die Augenbraue. Ein gerader Barbell würde im Bauchnabel drücken und ein Abstoßen begünstigen, der gebogene sitzt in der Falte anatomisch richtig. Obere und untere Kugel sind unterschiedlich groß: unten kleiner, oben größer oder mit Anhänger, Stein, Kristall. Für ein frisches Bauchnabelpiercing nimmt man eine glatte Titanbanane ohne schweren Behang, der Schmuck kommt erst nach dem Abheilen dazu.
Clicker-Ring mit Klappmechanismus
Der Clicker ist ein Ring, dessen Bogen sich an einem winzigen Scharnier öffnet und mit einem Klick einrastet, daher der Name. Einsetzen und Abnehmen sind bequem, nichts dreht sich auf oder geht verloren. Clicker gibt es fürs Septum, den Nasenflügel, den Helix, den Daith, die Augenbraue und für das Ohrläppchen. Oft schmückt eine Reihe kleiner Steine den Bogen. Das ist der praktischste Ring für die meisten Ohr- und Nasenstiche: sitzt fest, wechselt in Sekunden, verlangt kein Geschick. Für ein frisches Piercing taugt der Clicker, wenn er aus Implantat-Titan und mit richtigem Durchmesser ist.
Circular-Barbell (Hufeisen): offener Ring
Der Circular-Barbell, das Hufeisen, ist ein offener Ring in U-Form mit zwei abnehmbaren Kugeln an den Enden. Eine Universalform: Septum, Nasenflügel, Augenbraue, Helix, Brustwarze, Intimpiercing. Der Hauptvorteil fürs Septum: das Hufeisen lässt sich leicht verstecken, indem man die Enden nach oben in die Nase dreht. Die Kugeln lassen sich gegen farbige, gegen solche mit Steinen oder gegen Spitzen tauschen. Durchmesser und Stärke wählt man je nach Zone. Das Hufeisen ist einfacher aufgebaut als der Clicker und oft günstiger, der Kugelwechsel ist etwas weniger bequem.
Labret: Stecker mit flacher Platte
Der Labret ist ein Stab mit einer flachen Scheibe an einer Seite und einem aufschraubbaren oder eingesteckten Teil an der anderen. Ursprünglich für den Stich unter der Lippe gedacht (daher der Name), doch die flache Platte hat sich fast überall als ideal erwiesen: sie drückt nicht von innen, hakt nicht, bleibt beim Abheilen bequem. Der Labret sitzt im Nasenflügel, im Helix, Tragus, in der Conch, in Lippenstichen und im frischen Ohrläppchen. Viele Piercer halten den Labret mit flacher Scheibe wegen des bequemen Bodens für den besten Erstschmuck der meisten Gesichts- und Ohrstiche.
Threadless (Push-Pin): Schmuck ohne Gewinde
Threadless heißt wörtlich "ohne Gewinde", ein System, bei dem der Aufsatz nicht geschraubt, sondern in den hohlen Stab gesteckt wird, gehalten von der leichten Federspannung eines Stiftchens (Push-Pin). Sitzt fest, geht durch Ziehen ab, kein Gewinde kann überdrehen. Diese Systeme schätzt man wegen des schnellen Wechsels: ein Stab, und die Tops (Steine, Sternchen, Cluster) wechseln wie Aufsätze. Threadless-Labrets sind beliebt für Helix, Conch, Nase, Ohrläppchen. Ein hochwertiges Threadless-System aus Titan ist eine bequeme und sichere Wahl für das frische wie für das verheilte Piercing.
Nasenschraube und L-Form für den Nasenflügel
Für den Nasenflügel gibt es Schmuck, der ohne Verschluss hält. Die Nasenschraube ist ein Steinchen auf einem Stab, dessen unteres Ende spiralförmig gebogen ist: man dreht sie leicht ein, und sie hält von selbst in der Nase. Daneben stehen die L-Form und der gerade Nasenstecker mit Fixierung. Alle zeigen nach außen nur einen kleinen Stein oder eine Kugel, die Mechanik steckt im Nasenloch. Mehr zu den Formen für die Nase, dem Septum und den Fakes steht im Ratgeber zu Septum und Nasenschmuck.
Tunnel und Plug für das gedehnte Ohrläppchen
Tunnel und Plug sind Schmuck für gedehnte Stiche, meist des Ohrläppchens. Der Plug ist massiv, der Tunnel innen hohl, mit Öffnung. Man setzt sie in den Kanal, der Schritt für Schritt gedehnt wurde, von der Standardstärke bis zu Zentimetern. Das Material ist entscheidend: für einen frisch gedehnten Kanal nimmt man glattes, porenfreies Material (Titan, Glas, hochwertiger Stahl), Organik (Holz, Horn, Stein) erst in ein vollständig verheiltes weiches Läppchen, sonst sammelt die poröse Oberfläche Schmutz und reizt. Das Dehnen ist eine eigene Disziplin: Eile reißt Gewebe und hinterlässt eine Narbe.
Materialien für Piercings: 316L, Titan und was sicher ist
Das ist der Hauptabschnitt für den Kauf. Die Schmuckform lässt sich leicht tauschen, doch das Metall im frischen Piercing entscheidet, ob es ruhig abheilt oder zu monatelanger Entzündung wird. Es gilt eine Regel: je frischer das Piercing, desto reiner muss das Metall sein.
Chirurgenstahl 316L und 316L Qualität: der deutsche Klassiker
Chirurgenstahl der Sorte 316L (englisch stainless steel 316L) ist das gefragteste Material für Schmuck am Körper, und in Deutschland ist "316L Schmuck" der Suchbegriff Nummer eins. Das L steht für "low carbon", also niedriger Kohlenstoffgehalt, was das Metall korrosionsbeständiger und in der Legierung stabiler macht. 316L Edelstahl hält die Politur, ist fest, langlebig und günstiger als Titan. Für ein verheiltes Piercing passt er den allermeisten Menschen und bleibt jahrelang schön. Wichtig für die Qualität: ein echter 316L Edelstahl trägt diese genaue Kennung, nicht die vage Angabe "chirurgischer Stahl" ohne Sorte.
316LVM: die reinere Vakuum-Version des Stahls
316LVM ist derselbe Stahl in einer reineren Version, im Vakuum umgeschmolzen (VM steht für "vacuum melted"). Durch das Umschmelzen unter Vakuum sinkt der Anteil an Einschlüssen und Verunreinigungen, die Oberfläche wird gleichmäßiger, und der Stahl poliert sich zu einem glatteren Finish. Für empfindliche Haut ist 316LVM die bessere Wahl unter den Stahlsorten, weil die glattere, dichtere Oberfläche weniger Angriffsfläche für Reizungen bietet. Ein Nachteil bleibt: auch der reinste Stahl enthält gebundenen Nickel, und darum ist er für ein frisches Piercing nicht die erste Wahl. Für den verheilten Kanal ohne Allergie ist 316LVM ausgezeichnet.
Warum 316L Nickel enthält und was das bedeutet
316L Edelstahl besteht aus Eisen, Chrom, Nickel und Molybdän, und der Nickel ist fest in der Legierung gebunden. Im Normalfall tritt fast nichts davon aus, deshalb vertragen die meisten Menschen 316L Schmuck ohne Probleme im verheilten Ohrläppchen. Zwei Situationen ändern das Bild: eine ausgeprägte Nickelallergie, bei der schon Spuren reichen, und die frische Wunde, in der der Kanal offen liegt und das Risiko höher ist. Für diese beiden Fälle greift man zu Titan. Wer 316L kauft, achtet also auf zwei Dinge: die genaue Sortenkennung und den eigenen Hautzustand. Zum Mechanismus gibt es einen Beitrag über die Nickelallergie bei Schmuck.
Implantat-Titan ASTM F136: der Goldstandard für frische Piercings
Implantat-Titan der Sorte ASTM F136 (Legierung Ti-6Al-4V ELI, dieselbe, aus der Knochenimplantate gefertigt werden) ist die beste Wahl für ein frisches Piercing. Es ist biokompatibel, gibt keinen Nickel ins Gewebe ab, ist sehr leicht und wird selbst von hochempfindlicher Haut gut vertragen. Titan lässt sich in Farbe anodisieren, ohne eine Beschichtung, die sich abreiben würde. Wenn ein Piercer ins frische Piercing Implantat-Titan F136 oder das nah verwandte ASTM F1295 setzt, ist das ein Zeichen, dass die Heilung ernst genommen wird. Zu den Eigenschaften des Metalls selbst gibt es einen Beitrag über Titan im Schmuck.
Titan F136 gegen Stahl 316L: die Kernentscheidung
Für ein frisches Piercing und empfindliche Haut wählt man Implantat-Titan F136: leichter, reiner, kein Nickelaustritt. Für ein verheiltes Piercing ohne Allergie ist Chirurgenstahl 316L die solide, preiswerte Wahl, die die meisten Menschen gut vertragen. So sieht die einfache Faustregel aus: frische Wunde und empfindliche Haut gehen an Titan, verheilter Kanal ohne Reaktion darf Stahl. Wer beim Erststich spart und billigen Stahl unbekannter Sorte nimmt, spart am falschen Ende, denn eine verschleppte Entzündung kostet Wochen. Beide Materialien haben ihren Platz, sie stehen nur an verschiedenen Stellen der Heilung.
Titan Grade 23 und die Sortenkennung richtig lesen
Implantat-Titan F136 wird auch als Titan Grade 23 gehandelt, denn Grade 23 ist die Bezeichnung für dieselbe ELI-Legierung mit besonders niedrigem Anteil an Einschlüssen. Daneben taucht Grade 2 auf, reines, unlegiertes Titan (Commercially Pure), das ebenfalls nickelfrei und biokompatibel ist. Für Piercings gilt: die Kennung ASTM F136 oder "implant grade" ist das Siegel, auf das man achtet. Vage Angaben wie "Titan-Optik", "titanfarben" oder "titanbeschichtet" bedeuten nicht, dass echtes Implantat-Titan drin steckt, sie beschreiben nur die Farbe. Ein seriöser Anbieter nennt die genaue Sorte, ein unseriöser bleibt beim Wort "Titan" ohne Zahl.
Gold 585 und 750: nur ins verheilte Piercing
Gold für Piercings muss ausreichend legiert sein, mindestens 585 (14 Karat), besser 750 (18 Karat), ohne fragwürdige Zusätze. Reines Gold ist zu weich, deshalb kommen andere Metalle in die Legierung, und hier liegt die Falle: billiges Gold niedriger Feinheit oder mit Nickel in der Weißgoldlegierung reizt die Haut. Gelb- und Roségold hoher Feinheit werden meist gut vertragen. Der Kernpunkt: Gold kommt nur ins vollständig verheilte Piercing. Vergoldung darf nicht in die frische Wunde, die dünne Schicht reibt sich am Gewebe ab und legt den Grundkörper frei.
Niob: rein und hypoallergen
Niob ist ein weiteres Metall, das Piercer für seine Reinheit schätzen. Es ist inert, enthält keinen Nickel, wird von empfindlicher Haut gut vertragen und lässt sich wie Titan durch Strom in Farben anodisieren. Es kostet mehr als Stahl und ist seltener, doch für alle, deren Haut buchstäblich auf alles reagiert, sind Niob und Implantat-Titan die zwei sichersten Optionen. Optisch ist Niob etwas dunkler und grauer als poliertes Titan, in Sachen Sicherheit für das frische Piercing spielen beide in einer Liga.
Anodisiertes Titan: Farbe ohne Beschichtung
Anodisiertes Titan ist dasselbe Implantat-Titan, dem eine dünne Oxidschicht durch Strom Farbe gibt. Der goldene, blaue, violette oder schillernde Ton entsteht nicht durch Farbe oder Auftrag, sondern durch die Dicke der Schicht, deshalb blättert die Farbe nicht ab wie bei einer Vergoldung. Ein anodisiertes Schmuckstück aus Titan F136 bleibt sicher für die Haut, weil unter der Farbe dasselbe biokompatible Metall liegt. Mit der Zeit kann der Ton durch Reibung etwas matter werden, aber er platzt nicht in Schichten ab wie eine billige Beschichtung.
Was man meidet: Nickel, Messing, "Medizinstahl" ohne Kennung
In ein frisches Piercing und in jeden entzündungsanfälligen Kanal gehört kein billiger Modeschmuck, kein Messing, keine Kupfernickel-Legierung, kein Silber. Silber oxidiert in der Wunde und hinterlässt einen dunklen Fleck (Argyrose), Messing und Kupfernickel enthalten Kupfer und Nickel und reizen oft. Eine eigene Falle ist die Aufschrift "Medizinstahl" oder "chirurgische Legierung" ohne Sortenangabe: dahinter kann alles stecken. Suche nach der konkreten Kennung (ASTM F136, 316L, 316LVM) und nach einem Anbieter, der sie nennt. Nickel ist die Ursache der meisten Reaktionen.
Implantat-Titan ASTM F136 und chirurgischer Stahl 316L: Barbells, Clicker, Labrets, Septum-Ringe, Bauchnabel-Schmuck. Willst du beim Start als Erstes Bescheid wissen?
Damit alle Materialien nebeneinander stehen, folgt unten die Vergleichstabelle: was für ein frisches Piercing sicher ist, was hypoallergen ist und was man dem verheilten Kanal und Sonderfällen vorbehält.
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Allergie und Sicherheit: Nickel, Reaktion, Infektion
Das Metall wählt man nicht aus Snobismus, sondern weil die Haut auf die falsche Legierung antwortet. Klären wir, wie eine Allergie aussieht, wie sie sich von einer Infektion unterscheidet und was man dagegen tut.
Wie sich eine Nickelallergie zeigt
Die Nickelallergie ist die häufigste Kontaktallergie auf Metall. Im Piercing sieht sie aus wie eine hartnäckige Rötung rund um den Kanal, Juckreiz, Trockenheit und Schuppung der Haut, manchmal ein Piercing, das nässt und über Wochen und Monate nicht abheilt. Das klassische Zeichen: die Entzündung bleibt genau rund um den Schmuck und lässt nach, sobald man das Metall gegen reines Titan tauscht. Wer schon auf billigen Modeschmuck, Jeansknöpfe oder Gürtelschnallen reagiert hat, sollte Nickel im Piercing ernst nehmen und gleich zu Implantat-Titan oder Niob greifen.
Allergie oder Infektion: der Unterschied
Allergie und Infektion werden verwechselt, behandelt werden sie unterschiedlich. Die Allergie zeigt sich als Juckreiz, Trockenheit, Rötung entlang der Schmuckkontur, oft symmetrisch, ohne starke Schmerzen und ohne Eiter, sie zieht sich schleppend hin und lässt beim Metallwechsel nach. Die Infektion bedeutet zunehmenden Schmerz, Schwellung, Wärme rund um das Piercing, gelbliche oder grünliche Absonderung mit Geruch, manchmal allgemeines Unwohlsein. Bei einer Infektion wechselt man nicht das Metall, sondern geht zum Arzt. Die einfache Regel: juckt und trocknet, ist eher das Metall, schmerzt und eitert, ist eher eine Infektion. Selbstbehandlung ist in beiden Fällen keine gute Idee, besonders wenn es schlimmer wird.
Piercing-Größen: wie man sich nicht vertut
Selbst das perfekte Metall rettet nichts, wenn die Größe daneben liegt. Der Schmuck hat drei Kernmaße: die Stärke des Stabs, den Durchmesser (bei Ringen) und die Länge (bei Barbells und Labrets). Die Stärke legt der Piercer beim Stechen fest, und man ändert sie nicht selbst.
Stabstärke (Gauge)
Die Stärke wird in Millimetern gemessen, im englischsprachigen System in Gauge (kurz G): je größer die Gauge-Zahl, desto dünner der Stab. Typische Werte: Ohrläppchen und Nase etwa 0,8 bis 1,0 mm (18 bis 20G), Ohrknorpel, Augenbraue, Lippe, Bauchnabel meist 1,2 bis 1,6 mm (14 bis 16G), Zunge und Brustwarze in der Regel 1,6 mm (14G). Beim Kauf von neuem Schmuck gleicht man die Stärke mit dem ab, was gerade steckt, auf den Zehntelmillimeter genau: dünner schlackert, dicker passt nicht ohne Dehnen und Schmerz.
Durchmesser bei Ring und Hufeisen
Der Durchmesser ist das Quermaß von Ring, Clicker oder Hufeisen in Millimetern, gemessen an der lichten Innenweite. Für den Nasenflügel meist 6 bis 8 mm, fürs Septum reicht die Spanne weiter (8 bis 10 mm und mehr, wenn man drehen und verstecken will), für Helix und Daith 6 bis 10 mm. Ein zu kleiner Ring drückt und schneidet ein, ein zu großer steht ab und hakt an Kleidung und Haaren. Im Zweifel klärt man den Durchmesser mit dem Piercer, der gestochen hat, oder probiert einen Fake-Ring in ähnlicher Größe.
Stablänge bei Barbell, Banane und Labret
Beim geraden Barbell, bei Banane und Labret zählt nicht der Durchmesser, sondern die Stablänge. Sie muss zur Dicke des durchstochenen Gewebes passen, plus etwas Zugabe für die Schwellung in den ersten Wochen. Ein zu langer Stab bewegt sich und hakt, ein zu kurzer drückt das Gewebe von beiden Seiten und stört die Heilung. Darum kommt ins frische Piercing Schmuck mit Längenzugabe, und wenn die Schwellung zurückgeht (meist nach einigen Wochen), wechselt man auf kürzer und sauberer. Für die Zunge ist die Zugabe besonders wichtig: sie schwillt stark.
Größe von Kugel und Aufsatz
Auch die Aufsätze haben eine Größe, meist 3 bis 5 mm im Durchmesser. Eine zu große Kugel zieht den Schmuck nach unten, eine zu kleine kann durch einen gedehnten Kanal rutschen. Das Gewinde der Kugeln gibt es außen (Gewinde am Stab) und innen (Gewinde in der Kugel, Stab glatt). Innengewinde ist für ein frisches Piercing sicherer: der glatte Stab läuft durch den Kanal, ohne die Wände mit dem Gewinde zu kratzen. Threadless-Systeme kommen ganz ohne Gewinde aus, und das ist noch schonender fürs Gewebe.
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Piercing nach Zonen: welcher Schmuck für welchen Stich
Der praktischste Abschnitt. Unten zu jedem Stich: welcher Schmuck, welches Metall, welche Größe, ob und wo es geht, wie lange die Heilung dauert. Die Ohrstiche kommen zuerst, weil es von ihnen am meisten gibt. Wer die genaue Karte der Ohrpunkte braucht, findet sie im Überblick über die Ohrpiercing-Arten.
Ohrläppchen (Lobe)
Das Ohrläppchen ist der einfachste und schnellste Stich, weiches Gewebe ohne Knorpel. Schmuck für das Läppchen ist der Labret-Stecker, ein kleiner Clicker oder ein dünner Ring. Das Läppchen heilt schnell, meist in 6 bis 8 Wochen, weil es gut durchblutet ist. Für ein frisches Piercing nimmt man Implantat-Titan oder Stahl 316L, Stärke 0,8 bis 1,0 mm. Ist das Läppchen verheilt, darf Gold 585 bis 750 und jedes Design. Das Läppchen trägt mehrere Stiche hintereinander, und mit ihm beginnt man die Bekanntschaft mit dem Piercing gut.
Helix: die obere Ohrkante
Der Helix ist der Stich entlang der oberen Windung des Ohrknorpels. Schmuck fürs Helix ist der Labret mit flacher Platte, ein Clicker oder ein kleines Hufeisen, Stärke meist 1,2 mm (16G), Ringdurchmesser 6 bis 8 mm. Der Knorpel ist heikler als das Läppchen: er heilt länger, im Schnitt 3 bis 6 Monate und mehr, und neigt bei schlechtem Metall oder Verletzung zu Knubbeln. Darum nimmt man für ein frisches Helix nur Implantat-Titan F136, keinen Stahl fragwürdiger Sorte. Der Labret ist während der Heilung bequemer als der Ring, der Ring kommt erst ins reife Piercing.
Tragus: der Vorsprung vor dem Gehörgang
Der Tragus ist der Stich des kleinen Knorpelvorsprungs vor dem Gehörgang. Wegen der Enge ist der ideale Schmuck ein kurzer Labret mit flacher Platte und kleinem Top (Stein, Kugel, Sternchen), Stärke 1,2 mm. Einen Ring trägt man im Tragus auch, aber erst nach dem Abheilen, das frische Piercing ist mit dem Labret bequemer. Der Tragus heilt lange, 3 bis 6 Monate, und mag es nicht, wenn Kopfhörer und Telefon ihn streifen. Metall nur reines Titan, die Stelle ist eng und reizanfällig.
Conch: die Ohrmuschel
Die Conch ist der Stich der breiten Knorpelmulde des Ohrs, näher zur Mitte der Muschel. Der Name kommt von "concha", der Muschel. Je nach Stelle trägt man entweder einen Labret mit Top oder einen großen Clicker-Ring, der den Ohrrand umfasst (äußere Conch). Stärke 1,2 bis 1,6 mm. Die Conch heilt lange, von 3 Monaten bis zu einem Jahr, der Knorpel ist dort dicht. Für ein frisches Piercing ist der Labret aus Implantat-Titan bequemer, der Ring kommt später. Die Conch wirkt gut in Komposition mit Helix und Läppchen, doch man sammelt so eine Konstellation besser Stich für Stich und lässt jeden abheilen.
Daith: die innere Knorpelfalte
Der Daith ist der Stich der inneren Knorpelfalte am Eingang zum Gehörgang. Wegen der Krümmung passt dorthin fast ausschließlich ein Ring: Clicker oder Hufeisen, Durchmesser 8 bis 10 mm, Stärke 1,2 bis 1,6 mm. Den Daith wählen viele wegen der Ästhetik des Rings, der schön in der Tiefe des Ohrs sitzt. Er heilt 3 bis 6 Monate und länger. Metall fürs frische Piercing nur Implantat-Titan. Dem Daith wird die Linderung von Migräne nachgesagt, doch ernsthafte Belege dafür gibt es nicht, und man sticht ihn nicht zur Behandlung, es ist Schmuck, keine Medizin.
Industrial: zwei Stiche auf einem Stab
Das Industrial sind zwei Knorpelstiche, verbunden durch einen langen geraden Barbell (meist oberer Helix und gegenüberliegende Kante). Der Schmuck ist ein gerader Barbell von 32 bis 38 mm Länge, Stärke 1,6 mm (14G), aus Implantat-Titan. Es ist einer der anspruchsvollsten Stiche: zwei Punkte heilen gleichzeitig, verbunden durch einen starren Stab, deshalb ist die Neigung zu Reizung und Knubbeln höher. Die Heilung dauert lang, von 6 Monaten bis zu einem Jahr. Das Metall ist entscheidend: nur reines Titan, keine Kompromisse, der Barbell mit Längenzugabe für die Schwellung.
Nostril: der Stich des Nasenflügels
Das Nostril ist der Stich des Nasenflügels, der bekannteste Nasenstich. Schmuck ist die Nasenschraube, die L-Form, ein Labret oder ein kleiner Clicker-Ring, Stärke 0,8 bis 1,0 mm, Ringdurchmesser 6 bis 8 mm. Der Nasenflügel heilt in 2 bis 4 Monaten, das Gewebe ist gut durchblutet. Für ein frisches Piercing nimmt man Implantat-Titan oder Stahl 316L, der Labret mit flacher Platte ist während der Heilung am bequemsten. Nach dem Abheilen darf Gold und dünner Ring. Der Flügel verbirgt sich leicht: die Schraube zeigt nach außen nur einen winzigen Stein.
Septum: der Stich der Nasenscheidewand
Das Septum ist der Stich des weichen Streifens am Fuß der Scheidewand, des sogenannten Sweet Spot, nicht des Knorpels. Schmuck ist das Hufeisen oder der Clicker, Durchmesser 8 bis 10 mm, Stärke 1,2 bis 1,6 mm. Der Hauptvorteil: das Hufeisen lässt sich leicht verstecken, indem man die Enden nach oben in die Nase dreht, deshalb verträgt sich das Septum mit strengem Dresscode. Es heilt in 2 bis 4 Monaten. Metall fürs frische Piercing nur Implantat-Titan, die Stelle ist empfindlich. Zu den Formen, Fakes und dem Verstecken erklärt der Ratgeber zu Nasenschmuck alles im Detail.
Bridge: der Stich am Nasenrücken
Der Bridge ist ein waagerechter, oberflächlicher Stich der Hautfalte zwischen den Augenbrauen, am Ansatz der Nase. Schmuck ist ein gerader oder leicht gebogener Barbell mit Kugeln an den Rändern, Stärke 1,2 bis 1,6 mm. Der Bridge ist heikel: die Nadel läuft unter der Haut, nicht durch die Nase, und Oberflächenstiche neigen zum Wandern und Abstoßen, weil die Haut dort dünn und beweglich ist. Er heilt länger und passt nicht zu jedem, vieles hängt von der Anatomie des Nasenrückens ab. Metall nur Implantat-Titan, und realistische Erwartungen: einen Teil der Bridges stößt der Körper mit der Zeit ab.
Augenbraue (Eyebrow)
Die Augenbraue ist ein senkrechter Oberflächenstich durch den Rand der Braue. Schmuck ist eine gebogene Banane oder ein kleines Hufeisen mit Kugeln, Stärke 1,2 bis 1,6 mm, Durchmesser 8 bis 10 mm. Wie der Bridge ist die Braue ein Oberflächenstich und neigt zum Wandern, deshalb ist die gebogene Form der geraden vorzuziehen: sie drückt weniger aufs Gewebe und stößt seltener ab. Sie heilt in 2 bis 4 Monaten. Metall Implantat-Titan. Die Kugeln lassen sich erst nach dem Abheilen gegen Steine und Spitzen tauschen, das frische Piercing trägt glatte Titanaufsätze.
Labret: der Stich unter der Unterlippe
Der Labret (als Stich, nicht als Schmuckform, von der oben die Rede war) ist der Punkt mittig unter der Unterlippe. Schmuck ist genau der Labret-Stecker mit flacher Platte: die Scheibe liegt innen an der Schleimhaut und schont Zahnfleisch und Zähne, anders als ein Ring es täte. Stärke 1,2 bis 1,6 mm, Länge mit Zugabe für die Schwellung, die Lippen schwellen deutlich. Er heilt in 2 bis 3 Monaten. Metall nur Implantat-Titan: im Mund berührt der Schmuck ständig die Schleimhaut. Die flache Platte und das glatte Innenteil sind hier kein Luxus, sondern Schutz für Zähne und Zahnfleisch.
Medusa und Philtrum: der Stich über der Oberlippe
Die Medusa, auch Philtrum genannt, ist der Stich mittig in der Rinne über der Oberlippe, unter der Nase. Schmuck ist ein Labret mit flacher Platte innen und dekorativem Top (Stein oder Kugel) außen, Stärke 1,2 bis 1,6 mm. Er heilt in 2 bis 3 Monaten. Metall Implantat-Titan, wie für alle oralen Stiche. Die Medusa spielt schön mit dem Labret darunter zusammen, doch zwei symmetrische Stiche (oben und unten) heilt man nacheinander, nicht auf einmal. Das Innenteil nimmt man glatt und flach, um die Zähne zu schonen.
Monroe und Madonna: der Stich seitlich über der Lippe
Monroe (links) und Madonna (rechts) sind Stiche seitlich über der Oberlippe, die einen Schönheitsfleck nachahmen. Schmuck ist ein kurzer Labret mit kleinem Stein-Top, Stärke 1,2 mm. Er heilt in 2 bis 3 Monaten. Metall Implantat-Titan. Wie bei allen Lippenstichen ist die flache, glatte Platte innen entscheidend: die Stelle liegt nah an Zahnfleisch und Zähnen, und ein grober Aufsatz trägt mit der Zeit den Schmelz ab und begünstigt einen Rückgang des Zahnfleisches. Das Top außen nimmt man klein, damit man beim Essen und Reden nicht daran stößt.
Zunge (Tongue)
Die Zunge ist ein Stich entlang der Mittellinie. Schmuck ist ein gerader Barbell, Stärke 1,6 mm (14G), mit großer Längenzugabe: die Zunge schwillt stark, und den ersten Barbell setzt man lang, nach 2 bis 4 Wochen wechselt man auf kürzer. Metall nur Implantat-Titan, ständiger Kontakt mit Schleimhaut und Zähnen. Sie heilt in 4 bis 6 Wochen. Wichtig: ein zu langer Barbell schlägt nach dem Abschwellen an die Zähne und den Schmelz, deshalb ist der Wechsel auf kurz Pflicht. Die unteren Kugeln nimmt man nicht zu groß, um den Mundboden nicht zu verletzen.
Bauchnabel (Navel)
Der Bauchnabel ist der beliebteste Stich am Körper, und "Bauchnabelpiercing Schmuck" gehört zu den häufigsten Suchen. Schmuck ist die Banane, ein gebogener Barbell, Stärke 1,6 mm (14G), mit kleiner Kugel unten und großer oder dekorativer oben. Einen geraden Barbell setzt man nicht in den Bauchnabel, er drückt. Der Bauchnabel heilt lange, 6 bis 12 Monate, weil sich die Falte beim Bücken und durch Reibung an der Kleidung ständig bewegt. Für ein frisches Piercing nur eine glatte Titanbanane ohne schweren Behang, der Schmuck kommt nach dem Abheilen. Der Bauchnabel mag während der Heilung keine engen Bünde und groben Nähte.
Brustwarzen (Nipple)
Die Brustwarze ist ein Stich an ihrer Basis. Schmuck ist ein gerader Barbell oder ein Hufeisen, Stärke 1,6 mm (14G), Durchmesser nach Anatomie. Sie heilt lange und heikel, 6 bis 12 Monate, die Zone ist empfindlich und reizanfällig. Metall nur Implantat-Titan. Den ersten Barbell nimmt man mit Längenzugabe für die Schwellung. Brustwarzen mögen während der Heilung keine Reibung grober Stoffe und keinen Sport ohne Halt. Den Ring setzt man meist erst ins verheilte Piercing, das frische ist mit dem Barbell bequemer. Ein symmetrisches Paar sticht man gleichzeitig, damit es auf gleicher Höhe sitzt.
Intimpiercing
Intimstiche sind eine eigene, große Gruppe, und der Schmuck hängt dort vom konkreten Punkt ab: meist Hufeisen, Clicker und gebogene Barbells, Stärke 1,6 mm und mehr, aus Implantat-Titan. Die allgemeine Regel ist dieselbe wie überall: reines biokompatibles Metall, Größe streng nach Anatomie, Zugabe für die Schwellung, erfahrener Piercer. Die Heilung schwankt stark je nach Punkt, von einigen Wochen bis zu einem halben Jahr. Es ist eine Zone, in der Eigenregie besonders fehl am Platz ist: sowohl den Stich als auch die Schmuckwahl übernimmt nur eine Fachkraft.
Surface-Piercing und Microdermal
Surface ist ein Oberflächenstich auf flacher Haut (Nacken, Schlüsselbein, Dekolleté, Lende), wo es keinen natürlichen Gewebevorsprung gibt. Er hält an einem speziell gebogenen Surface-Barbell (Staple) oder an einem Microdermal-Anker, der mit einer Platte unter die Haut gesetzt wird und nach außen nur das Gewinde für einen wechselbaren Aufsatz zeigt. Stärke meist 1,2 bis 1,6 mm, Metall nur Implantat-Titan. Oberflächenstiche und Microdermals neigen stärker als alle anderen zum Abstoßen und Wandern, heilen lange und verlangen Sorgfalt. Man tauscht den Top-Aufsatz, den Anker selbst rührt man nicht an.
Titan ins frische Piercing, Gold spaeter. Eile zum Gold ist kein Mut, sondern Entzuendung.
So kombinierst du Piercingschmuck mit deinem Stil
Die medizinische Seite ist geklärt, jetzt zum Styling. Hier steht das, was wirklich trägt, sobald ein Piercing nicht mehr nur ein Stich ist, sondern Teil des Looks wird.
Wie stimme ich das Metall auf den Hautunterton ab? Bei warmem Unterton (Haut mit goldenem, pfirsichfarbenem Schimmer) empfehle ich am verheilten Piercing warmes Gold, es lässt die Haut aufleuchten. Bei kühlem Unterton (rosig, porzellanhell) rate ich zu silbrigem Titan oder Stahl, die nicht mit der Haut streiten. Wer unsicher ist: Titan ist universell, kühl, aber neutral, und passt fast allen. Im frischen Piercing gibt es ohnehin nur eine Wahl, Implantat-Titan, und die Spielereien mit Metallfarbe verschiebe ich auf später.
Minimalistisch oder auffälliger Piercingschmuck? Für einen ruhigen Look wähle ich ein flaches Labret oder eine winzige Kugel bündig mit der Haut: das liest sich als Detail, nicht als Ansage. Für mehr Charakter nehme ich einen Clicker mit Steinen, farbig anodisiertes Titan oder eine größere Form. Die Regel ist einfach: auffälliger Schmuck funktioniert, wenn er allein in der Zone steht. Fünf grelle Punkte in Reihe sind kein Mut, das ist optischer Lärm.
Wie baue ich eine Komposition am Ohr auf? Wenn ich für eine Kundin oder einen Kunden einen Ear Stack (mehrere Ohrstiche als eine Linie) zusammenstelle, halte ich einen Akzent und drumherum Kleinteile. Ein großer Clicker am Helix plus zwei, drei kleine Labrets an Ohrläppchen und Tragus liest sich als durchdachte Linie. Metalle mischen ist erlaubt, dann aber einen dominanten Ton halten und den zweiten nur als Einsprengsel setzen. Und gib jedem Piercing seine eigene Höhe, damit die Stücke nicht übereinander rutschen.
Passt ein Piercing zum Business-Dresscode? Durchaus, wenn man leiser spielt. Zum strengen Dresscode empfehle ich Titan oder Stahl in hautfarbenem oder silbrigem Ton, flache Labrets, wenig Glanz. Ein sauberer Stich am Ohrläppchen oder Helix liest sich als Gepflegtheit, nicht als Rebellion. Große Ringe und farbiges Titan hebe ich mir für die freieren Formate auf.
Ein Piercing oder mehrere? Wer es reduziert mag, dem rate ich zu einem ausdrucksstarken Stich und dem besten Schmuckstück, das drin liegt. Wer den Look in Schichten baut, für den passt eine Komposition, aber eine aufgebaute, keine zufällige. Zwei Regeln, die nie im Stich lassen. Erstens: das Metall im frischen Piercing wählt man nach Sicherheit, nicht nach Optik. Zweitens: ein starker Akzent ist immer ehrlicher als verstreutes Durcheinander ohne Idee.

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Erstschmuck oder Wechsel: der Unterschied ist grundlegend
Dasselbe Piercing verlangt in verschiedenen Phasen verschiedenen Schmuck. Der frische Kanal und der verheilte sind zwei verschiedene Lagen, und sie zu verwechseln kommt teuer.
Frisches Piercing: nur Implantat-Titan und Längenzugabe
Ins frische Piercing kommt das Reinste und Bequemste: Implantat-Titan ASTM F136 (oder Niob), ein glatter Stab mit Innengewinde oder Threadless, Labret oder Banane je nach Zone, mit Längenzugabe für die Schwellung. Kein Gold, kein Silber, keine Beschichtung, keine Steinanhänger, kein schwerer Behang und kein Stahl unklarer Sorte. Die Aufgabe des Erstschmucks ist nicht zu schmücken, sondern den Kanal ohne Reizung abheilen zu lassen. Genau deshalb ist der Erstschmuck immer glatt, leicht, biokompatibel und in der richtigen Größe, nicht der schönste.
Piercing verheilt: jetzt dürfen Gold, Design und Ringe
Wenn das Piercing vollständig verheilt ist (und nicht nur äußerlich verheilt aussieht), öffnet sich das ganze Sortiment. Es darf Gold 585 bis 750, Designer-Tops, Steine, Ringe statt Labrets, farbig anodisiertes Titan, Threadless-Aufsätze nach Laune. Hier wählt man das Metall schon nach Ästhetik und Hautton: warmes Gold zum warmen Unterton, silbriges Titan und Stahl zum kühlen. Schmuck im verheilten Kanal wechselt man frei, mit sauberen Händen und sauberem Stück. Den ersten Wechsel eines frischen Piercings überlässt man dennoch dem Piercer.
Pflege und Heilung: das Wichtigste in Kürze
Schmuck und Pflege hängen zusammen: selbst perfektes Titan rettet ein Piercing nicht, wenn man es verletzt und nicht spült. Unten das Grundlegendste, die Details holt man sich immer beim Piercer, der gestochen hat.
Womit man ein frisches Piercing spült
Ein frisches Piercing spült man mit milder Salzlösung: sterile Kochsalzlösung oder ein Apotheken-Spray fürs Piercing, ein paar Mal am Tag, mit sauberen Händen, vorsichtig die Krusten entfernend. Aggressive Mittel (Alkohol, Wasserstoffperoxid, Jod, dauerhaftes Chlorhexidin) taugen fürs frische Piercing nicht: sie trocknen und reizen das Gewebe und bremsen die Heilung. Den Schmuck "damit er nicht anklebt" zu drehen ist unnötig, das ist ein veralteter, schädlicher Rat: das Drehen verletzt den Kanal. Das genaue Pflegeschema gibt das Studio, in dem gestochen wurde.
Heilungszeiten nach Zone
Die Zeiten schwanken stark. Das Läppchen heilt am schnellsten, 6 bis 8 Wochen. Nasenflügel und Septum 2 bis 4 Monate. Die Zunge 4 bis 6 Wochen, aber mit Pflichtwechsel vom langen auf den kurzen Barbell. Lippenstiche 2 bis 3 Monate. Der Ohrknorpel (Helix, Tragus, Conch, Daith, Industrial) lange, von 3 Monaten bis zu einem Jahr. Bauchnabel und Brustwarzen 6 bis 12 Monate. Oberflächenstiche und Microdermals sind heikel und unberechenbar. Äußerlich wirkt ein Piercing früher fertig, als der Kanal innen ausgebildet ist, deshalb hat man es mit dem Wechsel des Erstschmucks nicht eilig.
Fakten, die überraschen
Die Schwellung der Zunge verlangt "zwei Barbells" hintereinander
Den ersten Barbell setzt man betont lang in die Zunge, mit fast einem Zentimeter Zugabe, weil die Zunge so stark schwillt, dass ein kurzer Stab schlicht ins geschwollene Gewebe einschneiden würde. Nach 2 bis 4 Wochen, wenn die Schwellung weg ist, wechselt man den Barbell zwingend auf kurz, sonst schlägt der lange Stab an die Zähne und trägt über Jahre den Schmelz ab. Im Grunde ist ein Zungenstich zwei verschiedene Schmuckstücke, eines für den ersten Monat und eines für danach.
Die Farbe des Titans ist Physik, keine Farbe
Anodisiertes Titan wechselt die Farbe nicht durch einen Farbstoff, sondern durch die Dicke der durchsichtigen Oxidschicht, die man mit Strom erzeugt. Das Licht bricht sich in dieser Schicht, und das Auge sieht einen goldenen, blauen oder violetten Ton, derselbe Effekt, der einen Ölfilm auf einer Pfütze schillern lässt. Es gibt dort nichts zu färben, deshalb blättert die Farbe nicht in Schichten ab, und ein Titanstück lässt sich von Blau zu Violett umstellen, allein durch Ändern der Spannung.
Der Microdermal hält an einem "Anker" unter der Haut
Wo es keinen natürlichen Gewebevorsprung gibt, hält der Microdermal den Schmuck: eine winzige Ankerplatte mit Löchern, die unter die Haut gesetzt wird und nach außen nur das Gewinde für einen wechselbaren Aufsatz zeigt. Die Haut wächst durch die Löcher der Platte und fixiert sie. Das ist eher einem kleinen Implantat als einem klassischen Stich verwandt, und genau deshalb setzt und entfernt man Microdermals nur beim Piercer.
Der "Sweet Spot" des Septums ist weich, obwohl die Scheidewand hart ist
Die Nasenscheidewand fühlt sich hart an, und es scheint, man steche das Septum durch den Knorpel. Tatsächlich gibt es ganz am Fuß einen dünnen weichen Streifen Gewebe, den Sweet Spot, zwischen dem harten Knorpel und der unteren Kante. Trifft man ihn, ist der Stich fast schmerzfrei, obwohl er furchteinflößend aussieht. Der Ruf des Septums als sehr schmerzhafter Stich hält sich genau daran, dass Menschen sich die Nadel im Knorpel vorstellen.
Das Dehnen des Läppchens ist ein Marathon, kein Sprint
Ein Läppchen bis zum Tunnel dehnt man nur langsam, Schritt für Schritt, die Stärke um Bruchteile eines Millimeters steigernd und dem Gewebe Wochen zur Anpassung gebend. Der Versuch, eine Größe zu überspringen, reißt Gewebe, hinterlässt eine Narbe und einen "Blowout", einen nach außen gestülpten Wulst, den man ohne Chirurgen nicht mehr loswird. Erfahrene dehnen über Jahre. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen beim Piercing Geduld wichtiger ist als Mut und als Geld.
Das Industrial sind zwei Stiche auf einem Stab
Das Industrial sieht aus wie ein Schmuckstück, ist aber zwei getrennte Knorpelwunden, starr durch einen geraden Barbell verbunden. Jede heilt für sich, doch der gemeinsame Stab lässt sie nicht unabhängig bewegen, deshalb gilt das Industrial als eines der anspruchsvollsten Piercings in Sachen Metall und Pflege. Jeder Kompromiss bei der Reinheit des Titans trifft hier gleich zwei Punkte.
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Häufige Fragen
Darf Gold ins frische Piercing?
Besser nicht. Ein frisches Piercing ist eine Wunde, und hinein kommt das reinste und stabilste Metall, Implantat-Titan ASTM F136 oder Niob. Gold ist, selbst in hoher Feinheit, weicher und enthält eine Legierung, und billiges Gold mit Nickel reizt die frische Wunde. Vergoldung ist ganz verboten: die dünne Schicht reibt sich am Gewebe ab und legt den Grundkörper frei. Gold 585 bis 750 verschiebt man auf die Phase, in der das Piercing vollständig verheilt ist, dann hält es jahrelang.
Titan oder Stahl 316L: was wählen?
Für ein frisches Piercing und empfindliche Haut wählt man Implantat-Titan F136: leichter, reiner, kein Nickelaustritt. Chirurgenstahl 316L und 316LVM sind günstiger, fest und passen den meisten Menschen im verheilten Piercing, doch wer eine Nickelallergie hat, ist mit Titan besser dran. Wenn das Budget reicht und das Piercing frisch ist, ist Titan die sicherere Wette. Im verheilten Kanal ohne Allergie funktioniert 316L Edelstahl hervorragend.
Woran erkenne ich echten 316L Edelstahl in guter Qualität?
An der genauen Kennung und am Anbieter, der sie nennt. Echter 316L Schmuck trägt die Sortenangabe "316L" oder "316LVM", nicht nur das vage Wort "Edelstahl" oder "chirurgischer Stahl". Ein hochwertiges Stück hat eine gleichmäßige, dichte Politur ohne raue Stellen, besonders am Gewinde und an den Übergängen. 316L Qualität bedeutet außerdem, dass der Kohlenstoffgehalt niedrig ist (das L) und die Legierung korrosionsbeständig bleibt. Fehlt jede Sortenangabe, geht man davon aus, dass die Qualität nicht garantiert ist.
Warum heilt mein Piercing seit Monaten nicht?
Meist gibt es drei Ursachen: falsches Metall (Nickel, billige Legierung), Verletzung (Drehen des Schmucks, Anstoßen, Schlafen auf dem Piercing) und aggressive Pflege (Alkohol, Peroxid). Hartnäckige Rötung und Juckreiz entlang der Schmuckkontur deuten auf eine Allergie, dann hilft der Wechsel auf Implantat-Titan. Schmerz, Schwellung und eitrige Absonderung sind Zeichen einer Infektion und ein Grund für den Arzt. Manchmal ist schlicht die Größe falsch: ein zu kurzer Stab drückt auf das geschwollene Gewebe.
Ab welchem Alter darf man sich piercen lassen?
Das hängt vom Land und den Regeln des jeweiligen Studios ab, und für Minderjährige ist fast überall die Anwesenheit und Zustimmung eines Elternteils oder Vormunds nötig. Einzelne Stiche (Zunge, Intim, Brustwarzen) machen verantwortungsvolle Piercer vor der Volljährigkeit gar nicht. Gesundheit und Heilung sind wichtiger als Eile: unreifes Gewebe und aktives Wachstum sind ein zusätzlicher Risikofaktor. Die konkreten Regeln klärt man vorab im Studio.
Darf ich mit einem neuen Piercing schlafen?
Schlafen ja, aber nicht auf dem Piercing. Druck und Reibung am Kissen sind in den ersten Wochen eine häufige Ursache für Reizung, Knubbel und Verschieben des Schmucks, besonders bei Knorpelstichen am Ohr. Auf der Seite mit einem frischen Ohrpiercing schläft man nicht, besser auf dem Rücken oder auf der anderen Seite. Es hilft ein sauberer Kissenbezug, den man oft wechselt, und ein Reisekissen mit Loch fürs Ohr für alle, die anders nicht können.
Piercing und MRT: muss man den Schmuck herausnehmen?
Meist ja. Vor einer Magnetresonanztomografie bittet man, den Schmuck aus dem Körper zu nehmen. Modernes Implantat-Titan ist unmagnetisch und stört das MRT in den meisten Fällen nicht, doch das entscheiden der Arzt und das Protokoll der Klinik, nicht die Trägerin. Stahl und Schmuck unbekannter Zusammensetzung nimmt man eindeutig heraus. Der Haken: ein frisches Piercing darf nicht lange leer bleiben, sonst zieht sich der Kanal zusammen, deshalb denkt man an einen geplanten Termin früh und bespricht mit dem Piercer einen dielektrischen Platzhalter aus Bioplast.
Muss ich Piercings in der Schwangerschaft wechseln?
Verheilten Piercings macht eine Schwangerschaft meist nichts aus. Der Bauchnabel kann sich beim Wachsen des Bauchs eng anfühlen, dann wechselt man die Banane auf eine längere und flexiblere (auch einen flexiblen Einsatz aus Bioplast), damit die Haut nicht über starres Metall gespannt wird. Brustwarzen in der Stillzeit sind ein eigenes Thema: den Schmuck nimmt man fürs Stillen heraus, damit er nicht stört und kein Risiko schafft. Ein neues Piercing in der Schwangerschaft rät man ab: die Heilung läuft langsamer und heikler.
Fazit
Die Wahl des Piercingschmucks beginnt nicht bei der Form, sondern beim Material und bei der Phase. Ins frische Piercing kommt reines Implantat-Titan ASTM F136 in richtiger Größe und glatter, leichter Schmuck ohne Behang, ob Labret fürs Ohr, Banane für den Bauchnabel oder Barbell für die Zunge. Ist der Kanal verheilt, öffnet sich alles: Gold hoher Feinheit, farbiges Titan, Ringe, Designer-Tops, Metall zum Hautton. Für den Alltag und den verheilten Kanal ist 316L Edelstahl die solide Wahl, für die frische Wunde und empfindliche Haut das Titan. Die Form wählt man nach Zone (Labret und Clicker für Knorpel, Banane für Bauchnabel und Braue, Hufeisen fürs Septum), und die Größe gleicht man mit dem Piercing auf den Zehntelmillimeter ab. Zwei Regeln halten alles zusammen: reines Metall für die frische Wunde und ein guter Piercer statt Ratschlägen aus dem Netz.
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Über Zevira
Zevira stellt Schmuck zusammen, den man täglich trägt und nicht für Feiertage im Kästchen versteckt, und setzt auf ehrliche Materialien: reines Titan und Chirurgenstahl dort, wo das Metall die Haut berührt, Gold hoher Feinheit dort, wo Langlebigkeit zählt. Dasselbe Prinzip übertragen wir auf den Piercingschmuck, den wir für den Start vorbereiten: Implantat-Titan ASTM F136 und Stahl 316L, glatter Schmuck und Größen für jede Zone, vom Läppchen bis zum Bauchnabel. Wer zwischen Titan und Gold, zwischen Labret und Ring, zwischen frischem Piercing und Wechsel schwankt, schreibt uns, wir helfen bei Metall, Form und Größe.




