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Das hinduistische Pantheon: Indiens Götter im Schmuck

Das hinduistische Pantheon: Indiens Götter im Schmuck

Im Hinduismus zählt man dreiunddreißig Millionen Götter, und das ist kein Versehen, sondern ein Bild: Das Göttliche ist über alles Lebendige verteilt. Aus diesem Meer der Gestalten wählt der Mensch seine eigene, die Ishta-Devata, die persönliche Gottheit, und trägt ihr Zeichen bei sich. Der Elefantengott Ganesha an der Kette, Shivas Dreizack am Ring, eine Münze mit Lakshmi im Geldbeutel wirken als lebendige Verbindung zum gewählten Gott, nicht als Souvenir.

Wie das hinduistische Pantheon aufgebaut ist

Der Hinduismus ordnet seine Götter nicht in eine einzige strenge Hierarchie wie der griechische Olymp. Es ist ein lebendiges, vielschichtiges System, in dem ein Gott Dutzende Namen und Formen hat und eine einzige Idee Dutzende Verkörperungen. Am leichtesten versteht man es über einige Stützpfeiler: Trimurti, Devas und Devis, Avatare.

Trimurti: drei Gesichter einer Kraft

Bronzeskulptur mit den drei höchsten Göttern des Hinduismus: Brahma, Shiva und Vishnu
Die Trimurti in einem einzigen Guss: Brahma, Shiva und Vishnu, drei Gesichter einer einzigen Kraft, die die Welt erschafft, bewahrt und auflöst. Bronze mit Silbereinlage, 9. Jahrhundert.Brahma, Shiva, and Vishnu, 9th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Im Zentrum steht die Trimurti, drei höchste Götter, die für den Kreislauf der Welt zuständig sind. Brahma erschafft das Universum, Vishnu bewahrt und erhält es, Shiva zerstört, um Platz für neue Schöpfung zu schaffen. Das ist keine Feindschaft, sondern der Atemrhythmus der Welt: Geburt, Leben, Auflösung, wieder Geburt. Brahma wird dabei kaum im Schmuck dargestellt und selten allein angebetet, ihm sind nur sehr wenige Tempel geweiht. Vishnu und Shiva dagegen gaben den Anstoß zu zwei riesigen Strömungen des Hinduismus mit jeweils Millionen Anhängern.

Devas und Devis: Götter und Göttinnen

Devas sind die Götter, Devis die Göttinnen. Jeder höchste Gott hat eine Gemahlin, und sie ist kein Schatten, sondern eine eigenständige Kraft, Shakti, also die aktive Energie der Gottheit. Lakshmi, die Gemahlin Vishnus, ist für Reichtum und Glück zuständig. Parvati, die Gemahlin Shivas, für Liebe und mütterliche Fürsorge, und in zorniger Form wird sie zu Durga und Kali. Sarasvati, die mit Brahma verbunden ist, schützt Wissen und Künste. In vielen Strömungen gilt gerade die Göttin, Devi oder Shakti, als höchste Kraft, aus der alles Übrige geboren wird.

Avatare: der Gott, der auf die Erde herabstieg

Ein Avatar ist das Herabsteigen eines Gottes in einen irdischen Körper, wenn der Welt Unheil droht. Am häufigsten spricht man von Avataren im Zusammenhang mit Vishnu: Er kam als Fisch, als Schildkröte, als Eber, als Mann-Löwe, und in menschlicher Gestalt als Rama und Krishna. Deshalb sind Rama und Krishna keine eigenen Götter, sondern Formen Vishnus, und werden zugleich als eigenständige Helden mit eigenen Geschichten, Festen und Tempeln geliebt und verehrt.

Warum es so viele Götter gibt

Die Vielzahl der Götter im Hinduismus widerspricht nicht der Idee eines einzigen Ursprungs. Brahman ist das unpersönliche Absolute, die Grundlage alles Seienden, und die einzelnen Götter sind seine Gesichter, dem Menschen zugewandt. Ganesha oder Lakshmi anzubeten heißt nicht, die Einheit zu leugnen: Es heißt, sich an jene Seite des Göttlichen zu wenden, die der eigenen Not am nächsten ist. Daher der gelassene Umgang mit der Wahl der persönlichen Gottheit: Jeder geht auf seinem eigenen Pfad zum Absoluten.

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Indiens Götter im Schmuck: Geschichte

Die Verbindung von indischem Gold und Göttern ist älter als die meisten Schmucktraditionen, die wir kennen. Schmuck war in Indien fast nie nur Schmuck.

Tempelgold und der Kult des Bildes

In südindischen Tempeln häufte man über Jahrhunderte Gold an: Opfergaben der Gläubigen, Geschenke der Herrscher, Verkleidungen für die Götterstatuen. So entstand ein ganzes Genre des Tempelschmucks, schwer, mit reliefierten Götterantlitzen, Lotosblüten und Pfauen. Man legte ihn den Tempeltänzerinnen und den Götterstatuen selbst zu den Festen an. Das Götterbild auf dem Gold war kein Dekor, sondern Teil des Rituals: Indem man den Gott schmückte, drückte man Hingabe aus, Bhakti.

Kundan und Meenakari: Technik und Bild

Der Norden Indiens brachte zwei Gipfel der Schmuckkunst hervor. Kundan ist eine alte Technik, bei der Steine in eine Fassung aus hauchdünnen Streifen reinen Goldes gesetzt werden, ohne Krappen und Zacken. Meenakari ist farbige Emaille, mit der die Rückseite eines Schmuckstücks bemalt wird, sodass das Stück von vorn wie von hinten schön ist. Auf solchen Arbeiten erschienen oft Krishna mit der Flöte, Radha, Pfauen und Lotosblüten. Festlicher Schmuck wurde zur tragbaren Miniatur mit einer Szene aus dem Leben der Götter.

Der Gott als persönlicher Schutz

Neben dem festlichen Gold gab es auch eine alltägliche Schicht. Eine schlichte Münze mit Lakshmi, ein Anhänger mit Ganesha, eine Schnur mit einem Om-Anhänger, ein Ring mit Shivas Antlitz. Das ist eine häusliche, warme Frömmigkeit: Man trägt den Gott, damit er einem nahe ist, auf der Reise, im Handel, beim Lernen. Das kleine Bild wirkte zugleich als Siegel der Hingabe und als Schutz, und genau diese Schicht steht dem am nächsten, wie die Symbolik der Götter heute getragen wird.

Diaspora und Welt

Die Inder verteilten sich über die ganze Welt, und mit ihnen verbreitete sich die Symbolik der Götter. Ganesha wurde wohl zur bekanntesten indischen Gottheit außerhalb Indiens, seinen Elefantenkopf erkennen selbst jene, die keinen einzigen anderen Gott nennen könnten. Das Om-Zeichen und das Bild des tanzenden Shiva gingen über Yoga und Kunst in die Weltkultur ein. So wurden Indiens persönliche Götter Teil einer gemeinsamen Symbolsprache, die weit über seine Grenzen hinaus verständlich ist.

Ganesha: der Beseitiger von Hindernissen

Ganesha, der Gott mit dem Elefantenkopf und dem menschlichen Körper, ist der beliebteste und bekannteste Gott Indiens. Als Sohn Shivas und Parvatis beseitigt er Hindernisse und schützt alles Anfangende: ein neues Vorhaben, einen Umzug, das Lernen, eine Hochzeit. Deshalb wendet man sich zuerst an ihn, vor jedem anderen Gott. Seine Attribute sind der abgebrochene Stoßzahn, die Süßigkeit Modak, die Maus als Reittier. Im Schmuck steht Ganesha für einen gelungenen Start und das Wegräumen von Hürden. Ausführlich zu seiner Geschichte, dem abgebrochenen Stoßzahn und der Maus lesen Sie in der eigenen Betrachtung über Ganesha im Schmuck.

Lakshmi: Göttin des Reichtums und Glücks

Lakshmi, die Gemahlin Vishnus, ist die Göttin der Fülle, des Glücks und des Wohlstands, des materiellen wie des geistigen zugleich. Man stellt sie sitzend oder stehend auf einer Lotosblüte dar, mit Goldmünzen, die aus ihrer Hand strömen, umgeben von Elefanten. An sie wendet man sich zum Fest Diwali, wenn man das Glück für das neue Jahr ins Haus ruft. Im Schmuck steht Lakshmi für Wohlstand, Wohlergehen und die sanfte Anziehung des Guten. Eine Münze oder einen Anhänger mit ihr trägt man oft im Geldbeutel; getragen wird sie von jenen, die das Erworbene halten und mehren wollen.

Shiva: Dreizack, drittes Auge und Tanz

Shiva, der Zerstörer und Verwandler aus der Trimurti, ist der Gott der Widersprüche: ein furchterregender Asket-Einsiedler und zugleich ein liebender Gemahl, Herr des Tanzes und Schutzpatron der Yogis. Seine Attribute sind die Trishula, der dreizinkige Speer, Symbol der drei Kräfte der Welt, das dritte Auge auf der Stirn, das die Illusion verbrennen kann, der Halbmond im Haar, die Schlange am Hals und die Trommel Damaru. Das Bild des tanzenden Shiva-Nataraja, eingeschlossen in einen Feuerring, gibt den ewigen Rhythmus von Geburt und Zerfall wieder. Im Schmuck steht Shiva für innere Kraft, Überwindung, geistige Disziplin. Der Dreizack als Anhänger ist knapp und kraftvoll zugleich.

Vishnu: der Bewahrer der Welt

Steinstele mit dem vierarmigen Vishnu und den Göttinnen Lakshmi und Sarasvati an seinen Seiten
Der vierarmige Vishnu mit Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos, an seinen Seiten die Gemahlinnen Lakshmi und Sarasvati, die bewahrende Kraft, umgeben von Wohlstand und Wissen. Schwarzer Stein, 11. bis 12. Jahrhundert.Vishnu with His Consorts, Lakshmi and Sarasvati, 11th–12th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Vishnu, der zweite Gott der Trimurti, erhält die Ordnung des Weltgefüges und steigt als Avatar auf die Erde herab, wenn dem Bösen Einhalt geboten werden muss. Man stellt ihn mit vier Armen dar, in denen er das Muschelhorn Shankha, den Diskus Chakra, die Keule Gada und einen Lotos hält, mit blauer oder dunkler Haut, in gelben Gewändern. Oft ruht er auf der tausendköpfigen Schlange Shesha inmitten des Milchozeans, und aus seinem Nabel wächst ein Lotos, auf dem Brahma sitzt, ein Bild ununterbrochener Schöpfung. Seine Gemahlin Lakshmi massiert ihm sanft die Füße, und dieses Paar symbolisiert die Vereinigung der bewahrenden Kraft mit dem Wohlstand bringenden Prinzip. Im Schmuck steht Vishnu für Gleichgewicht, den Schutz der Ordnung, Pflichttreue. Sein unmittelbares Bild trägt man seltener als die Bilder seiner Avatare Rama und Krishna, doch das Muschelhorn Shankha und der Diskus begegnen einem als eigenständige Zeichen.

Krishna: Flöte und Pfauenfeder

Krishna, der achte Avatar Vishnus, ist einer der beliebtesten Götter: Hirte, Schelm, weiser Ratgeber und Geliebter. Man erkennt ihn an der Flöte, der Pfauenfeder im Haar und der blauen Haut. Die Flöte ruft die Seelen zum Göttlichen, die Pfauenfeder ist ein Zeichen von Schönheit und Spiel, und die Liebe Krishnas und der Hirtin Radha wurde zum Bild der hingebungsvollen Liebe der Seele zu Gott. Im Schmuck steht Krishna für Freude, Liebe, ein leichtes Herz. Flöte und Pfauenfeder sind häufige Motive in Kundan und Meenakari, und die blaue Farbe gibt man mit Saphir oder Emaille wieder.

Sarasvati: Vina, Schwan und Wissen

Sarasvati, die Göttin des Wissens, der Musik, der Rede und der Künste, ist die Schutzpatronin der Lernenden und der Schaffenden. Man stellt sie in weißen Gewändern dar, mit der Vina, einem Saiteninstrument, mit einem Buch und einer Gebetskette, reitend auf einem weißen Schwan oder neben einem Pfau. Die weiße Farbe bedeutet reines, von Leidenschaften freies Wissen, der Schwan die Fähigkeit, das Wesentliche vom Leeren zu trennen, wie der Vogel der Legende nach Milch von Wasser trennt. Die Gebetskette in ihrer Hand steht für Sammlung, das Buch für die ewige Weisheit, die Vina für Harmonie und die Schönheit der klingenden Rede. An sie wendet man sich vor Prüfungen und wichtiger schöpferischer Arbeit, und zu ihrem Fest Vasant Panchami schreiben Kinder unter ihrem Schutz zum ersten Mal Buchstaben. Im Schmuck steht Sarasvati für einen klaren Verstand, das Lernen, die Inspiration.

Durga und Kali: die zornigen Formen der Göttin

Bronzeskulptur der vielarmigen Göttin Durga, die den Büffeldämon Mahishasura besiegt
Die vielarmige Durga schlägt den Büffeldämon Mahishasura, die Waffen aller Götter zugleich in den Händen, ein Bild der Kraft des Guten, das sich gegen das Böse erhebt. Kupferlegierung, 14. Jahrhundert.The Goddess Durga Slaying Mahisha, 14th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Durga und Kali sind zornige Erscheinungsformen der großen Göttin, und über sie spricht man am besten mit Respekt und Genauigkeit. Durga, die vielarmige Kriegerin auf einem Löwen oder Tiger, besiegt den Büffeldämon Mahishasura: Sie ist die Beschützerin der Welt, die Kraft des Guten, die sich gegen das Böse erhebt. Kali, die dunkle Göttin mit herausgestreckter Zunge und einer Girlande, verkörpert die unerbittliche Zeit und die Zerstörung der Illusionen, doch für ihre Verehrer ist sie vor allem die liebende Mutter, die von der Angst vor dem Tod befreit. Ihre Bilder sind tief und lassen sich nicht auf „gruselige Bildchen“ reduzieren. Im Schmuck lesen sich die Zeichen Durgas, besonders die Trishula und der Löwe, als Schutz und innere Standhaftigkeit. Das ist eine starke Symbolik, die man bewusst wählt.

Hanuman: Hingabe und Stärke

Hanuman, der Affengott, treuer Gefährte Ramas, ist ein Vorbild für Hingabe, Mut und selbstloses Dienen. Den Legenden nach übersprang er den Ozean mit einem einzigen Sprung, hob einen ganzen Berg mit dem Heilkraut empor, weil er die richtige Pflanze nicht erkennen konnte, und ging unversehrt durch das Feuer. An ihn wendet man sich um Schutz, Geistesstärke und Mut, besonders dienstags und samstags. Im Schmuck steht Hanuman für Treue, Ausdauer, das Überwinden der Angst. Sein Bild und die Keule Gada sind als männlicher Schutz und Zeichen der Standhaftigkeit beliebt. Ein eigentümlicher Zug: Den Legenden nach erinnert sich Hanuman nicht an seine eigene Kraft, bis man ihn daran erinnert, und dieses Motiv der schlummernden Macht macht ihn jedem nahe, der lernt, an sich selbst zu glauben.

Om: der Klang, aus dem alles entstand

Om, oder Aum, ist kein Gott, sondern der Urklang, aus dessen Schwingung dem Glauben nach das Universum geboren wurde. Mit dieser Silbe beginnt man Gebete und Mantras, und ihre Schreibweise in Devanagari wurde zu einem der bekanntesten spirituellen Zeichen der Welt. Im Schmuck steht Om für die Verbindung mit allem Seienden, für inneren Frieden, für einen spirituellen Weg ohne Bindung an einen einzelnen Gott. Was jede Biegung des Symbols bedeutet und wie man es respektvoll trägt, dazu gibt es einen eigenen großen Leitfaden über Om im Schmuck.

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Die Avatare Vishnus: zehn Herabkünfte

Eine eigene Schicht der indischen Symbolik sind die Avatare Vishnus, seine irdischen Verkörperungen. Traditionell zählt man zehn davon, die Dashavatara, und jeder kam, wenn der Welt der Untergang drohte. Diese Bilder begegnen einem in der Tempelschnitzerei wie im Schmuck, besonders im Süden Indiens.

Die ersten tierischen Formen

Die frühesten Avatare sind tierisch. Matsya, der Fisch, rettete einen Weisen und die Samen des Lebens vor der großen Flut. Kurma, die Schildkröte, hielt ihren Rücken unter den Berg beim Quirlen des Ozeans. Varaha, der Eber, hob die versunkene Erde mit seinen Hauern aus der Tiefe. Diese Bilder sind alt und verweisen auf Schöpfungsmythen; im Schmuck sind sie selten, begegnen einem aber als Familienschutz in einzelnen Gemeinschaften.

Mann-Löwe und Zwerg

Narasimha, der Mann-Löwe, zerriss einen Dämon, den weder ein Mensch noch ein Tier, weder bei Tag noch bei Nacht töten konnte: Der Gott erschien auf der Schwelle in der Dämmerung in einer Gestalt, die weder das eine noch das andere war. Vamana, der Zwerg, vermaß mit drei Schritten das ganze Universum und bändigte einen stolzen König. Das sind Avatare, die von der List des Gesetzes und vom Triumph der Ordnung über die selbstsichere Stärke erzählen.

Rama: Vorbild der Pflicht

Rama, der siebte Avatar, ist der Held des Epos über die Entführung seiner Gemahlin Sita und den Feldzug, sie mit einem Heer von Affen unter Hanumans Führung zu befreien. Rama verkörpert das Dharma, die Treue zur Pflicht, zur Ehre und zum gegebenen Wort, selbst um den Preis des eigenen Glücks. Sein Bogen ist ein häufiges Zeichen, und sein Name allein gilt als Mantra. Im Schmuck trägt man das Bild von Rama und Sita als Zeichen treuer Liebe und Standhaftigkeit.

Krishna und der kommende Kalki

Krishna, der achte Avatar, ist der beliebteste, von ihm war oben ausführlich die Rede. Als neunten nennen verschiedene Traditionen mal Buddha, mal Balarama. Und der zehnte, Kalki, ist noch nicht gekommen: Der Prophezeiung nach erscheint er auf einem weißen Pferd am Ende des jetzigen dunklen Zeitalters, um den Kreislauf zu beenden und einen neuen zu beginnen. Kalki ist ein seltenes, aber kraftvolles Motiv der Hoffnung auf eine Erneuerung der Welt.

Indiens Götter in der Kunst

Bevor er zum Anhänger wurde, durchlief der Gott die Tempelskulptur, die Miniaturmalerei und den Tanz. Das Bild, das wir heute tragen, ist über Jahrhunderte der Kunst geprägt worden, und es ist nützlich, diese Kette zu verstehen.

Die Tempelskulptur gab den Kanon vor

Bronzestatue des tanzenden Shiva-Nataraja im Feuerring
Der tanzende Shiva-Nataraja im Feuerring, gegossen von südindischen Meistern, gab den Kanon der Haltung und Attribute vor, aus dem Juweliere seit Jahrhunderten das Bild des Gottes schöpfen. Kupferlegierung, spätes 12. bis frühes 13. Jahrhundert, Tamil Nadu.Shiva as Lord of Dance (Shiva Nataraja), late 12th–early 13th century. The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0 1.0)

Die steinernen und bronzenen Götter der südlichen Tempel legten fest, wie jede Gottheit aussieht: wie viele Arme, was sie in jeder Hand hält, auf welchem Tier sie reitet. Die Vielarmigkeit ist keine Missgestalt, sondern eine Sprache: Die Arme zeigen, über wie viele Kräfte der Gott zugleich verfügt. Der bronzene Nataraja, der tanzende Shiva im Feuerring, wurde vielleicht zum vollkommensten Bild der indischen Plastik, und gerade aus diesem Kanon nehmen Juweliere Haltungen und Attribute.

Miniatur und Emaille

Die indische Miniaturmalerei, besonders die Szenen aus dem Leben Krishnas, schenkte dem Schmuck Farbe und Erzählung. Krishnas blaue Haut, grüne Gärten, goldene Saris gingen vom Papier auf die Meenakari-Emaille über. Eine kleine emaillierte Szene auf einem Anhänger ist im Grunde eine Miniatur, die man auf sich trägt. So gingen Malerei und Schmuckkunst Hand in Hand.

Tanz und Geste

Der klassische indische Tanz erzählt die Geschichten der Götter mit Handgesten, den Mudras. Jede Geste ist ein Wort: Lotos, Muschelhorn, Segen. Dieselben Gesten erstarrten in der Skulptur und im Schmuck: Die Handfläche des Gottes, erhoben in der Abhaya-Mudra, bedeutet „fürchte dich nicht“. Wer die Sprache der Geste kennt, liest das Bild tiefer als bloß eine schöne Figur.

Was die Kunst dem Schmuck gab

Das wichtigste Erbe der Tempelplastik und der Miniaturmalerei ist die Wiedererkennbarkeit und ein fertiges Zeichenvokabular. Dreizack, Lotos, Flöte, Pfauenfeder wiederholten sich in Stein, Bronze und Farben so oft, dass sie sich augenblicklich lesen lassen. Der Juwelier nahm diese über Jahrhunderte geschliffene Sprache und übertrug sie auf Metall und Emaille von kleinem Format.

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Wie man seine Gottheit wählt

Im Hinduismus gibt es den Begriff Ishta-Devata, die erwählte Gottheit, jenes Gesicht des Göttlichen, das ein Mensch sich zum persönlichen Schutzpatron wählt. Die Wahl richtet sich nicht nach der Schönheit des Bildes, sondern nach Bedürfnis, Wesen und Lebensbereich.

Nach Aufgabe und Bedürfnis

Sie beginnen ein neues Vorhaben, einen Umzug, ein Studium, gründen ein Geschäft: das ist Ganesha, der Beseitiger von Hindernissen. Sie wollen Wohlstand halten und mehren: das ist Lakshmi. Sie legen Prüfungen ab, schreiben, beschäftigen sich mit Kunst: das ist Sarasvati. Sie brauchen innere Kraft und geistige Disziplin: das ist Shiva. Sie suchen Schutz und Standhaftigkeit in einer schweren Zeit: das ist Durga oder Hanuman. Ein Gott ist im Hinduismus oft an eine konkrete Aufgabe gebunden, und das ist normal.

Nach dem Wesen

Der Führungspersönlichkeit und dem Hüter der Ordnung steht Vishnu nahe. Wer Freude, Liebe und Leichtigkeit schätzt, dem ist Krishna näher. Dem Asketen, dem Menschen der Disziplin und der Überwindung, Shiva. Der fürsorglichen und großzügigen Natur Lakshmi. Dem Menschen des Verstandes und der Schöpferkraft Sarasvati. Das Bild des Gottes wird zur leisen Erinnerung an jenen Zug, den man in sich halten möchte.

Nach dem Wochentag

In der hinduistischen Tradition sind die Wochentage mit Göttern und Planeten verbunden. Der Montag ist Shiva geweiht, der Dienstag Hanuman und Durga, der Donnerstag Vishnu und den Lehrern, den Gurus, der Freitag Lakshmi und den Göttinnen. Viele wählen einen Tag für das Gebet an ihre Gottheit und knüpfen daran manchmal das Tragen ihres Zeichens. Das ist keine strenge Regel, sondern ein bequemer Rhythmus.

Kann man mehrere tragen

Man kann. Der Hinduismus geht gelassen mit der Verehrung verschiedener Götter um, denn alle sind Seiten des einen. Ein verbreiteter Weg ist, einander ergänzende Kräfte zu vereinen: Lakshmi und Ganesha ruft man gemeinsam für Glück und das Wegräumen von Hürden, und dieses Paar verehrt man oft an Diwali. Wichtig ist nur, die Auswahl nicht zu einem zufälligen Haufen werden zu lassen, sondern zu verstehen, was jedes Zeichen sagt.

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Die Psychologie der Götterwahl

Die Wahl der Gottheit ist selten zufällig. Häufiger fühlt sich der Mensch zu dem hingezogen, was er in sich stärken oder sich täglich in Erinnerung rufen möchte.

Das Zeichen als täglicher Anker

Ein kleines Bild am Hals oder an der Hand wirkt wie ein leiser Anker der Aufmerksamkeit. Wer Ganesha gewählt hat, hält den Gedanken bei sich, dass jede Hürde überwindbar ist. Das Zeichen Lakshmis erinnert an den sorgsamen Umgang mit dem Wohlstand, Shivas Dreizack an die innere Disziplin. Das ist keine Magie, sondern Mechanik der Aufmerksamkeit: ein Ding, das man viele Male am Tag sieht und berührt, hält den gewählten Wert unmerklich im Blickfeld.

Ideal, nicht Spiegel

Oft wählt man einen Gott nicht danach, wie wir sind, sondern danach, wie wir werden möchten. Der hektische Mensch fühlt sich zur Ruhe des Asketen Shiva hingezogen, der verschlossene zur Freude Krishnas. Darin liegt kein Widerspruch: Das Symbol gibt eine Richtung vor, es beschreibt keine Tatsache. Auch die indische Tradition ruft nicht den Gott an, der man bereits geworden ist, sondern jenen, dessen Kraft man in einer konkreten Sache braucht.

Hingabe als Halt

Im Hinduismus nennt man die Verbindung mit der persönlichen Gottheit Bhakti, Hingabe. Das ist ein warmes, persönliches Gefühl, näher an Liebe als an Furcht. Das Bild seines Gottes zu tragen heißt, diese Verbindung bei sich zu halten, eine kleine Erinnerung daran, dass man den Schwierigkeiten nicht allein gegenübersteht. Für viele ist genau das, und nicht der Glaube an ein Wunder, der Sinn eines solchen Schmuckstücks.

Symbole und Attribute des Hinduismus

Man kann einen Gott nicht als Figur tragen, sondern als sein Zeichen, und das ist eine alte indische Gewohnheit. Das Zeichen ist zurückhaltender als das Porträt und liest sich als reine Geometrie.

Om

Om ist das wichtigste klangliche und schriftliche Symbol des Hinduismus, das Zeichen des Urgrunds der Welt. Man trägt es als universelles spirituelles Zeichen, das nicht an einen einzelnen Gott gebunden ist. Die Biegungen des Devanagari fügen sich zu einer Form, die man heute auf der ganzen Welt erkennt.

Lotos

Der Lotos wächst aus dem trüben Wasser rein und für den Schmutz unerreichbar empor und wurde deshalb zum Symbol des spirituellen Erwachens, der Reinheit und der Schöpfung. Auf dem Lotos thronen Lakshmi, Sarasvati, Brahma. Die Lotosblüte als eigenständiges Motiv trägt die Idee des Wachstums durch Schwierigkeiten. Mehr dazu in Lotosblume im Schmuck.

Mandala und Yantra

Ein Mandala ist ein geometrisches Schema des Universums, ein Kreis mit eingeschriebenen Mustern, der zur Sammlung dient. Ein Yantra ist ein im Sinn verwandtes Diagramm-Symbol einer konkreten Gottheit. Im Schmuck liest sich das Mandala als Zeichen der Harmonie, der Ganzheit und der Zentrierung, weshalb man es auch außerhalb des religiösen Kontexts schätzt.

Das Swastika als altes indisches Zeichen

Das Swastika verehrt man in Indien seit Jahrtausenden als Zeichen des Wohlergehens, des Glücks und des Sonnenlaufs. Das Wort selbst bedeutet im Sanskrit „das, was Gutes bringt“. Man malt es auf die Türschwellen der Häuser, auf die Geschäftsbücher zu Diwali, auf Hochzeitseinladungen; es begegnet einem in den Tempeln des Buddhismus, Hinduismus und Jainismus in ganz Asien. Dieses friedliche, alte Swastika muss man klar von seiner verzerrten Fassung trennen, die ein verbrecherisches Regime im Europa des 20. Jahrhunderts vereinnahmte: Dort drehte man das Zeichen um, kippte es und füllte es mit menschenverachtendem Sinn, der nichts mit der indischen Tradition zu tun hat. Im indischen Kontext bleibt das Swastika ein gutes Zeichen, doch außerhalb Asiens verlangt sein Tragen Verständnis und Takt, aus Respekt vor dem Gedenken an die Opfer.

Trishula, Shankha und andere

Die Trishula, Shivas Dreizack, bedeutet die drei Kräfte der Welt und die Macht über sie. Die Shankha, das Meeresmuschelhorn Vishnus, erzeugt beim Blasen einen Klang, der dem Om nahekommt, und bedeutet den heiligen Ruf. Das Chakra, der Diskus Vishnus, ist das Zeichen des Kreislaufs von Zeit und Gesetz. Das Damaru, Shivas Trommel, der Rhythmus der Schöpfung. Jedes dieser Zeichen wirkt eigenständig, ohne die Figur des Gottes selbst.

Materialien: Tempelgold, Silber, Meenakari

Die indische Symbolik liebt die Materialien, in denen man sie seit Jahrhunderten zu sehen gewohnt ist, und jedes hat sein eigenes Wesen.

Gold

Gold ist in Indien eine fast heilige Substanz, kein gewöhnliches Metall, die Farbe Lakshmis und der Sonne, das Zeichen der Reinheit und des Wohlergehens. Gelbgold gibt die traditionellste, wärmste Note, besonders im Tempelstil mit den reliefierten Götterantlitzen. Das Bild einer Gottheit in Gold liest sich als kleine häusliche Reliquie, und gerade Gold ist historisch mit der Opfergabe an die Götter verbunden.

Silber

Silber 925 ist praktischer und zurückhaltender, näher am mondhaften, asketischen Register Shivas mit seinem Halbmond. Silber hält die scharfe Grafik des Dreizacks, des Om-Zeichens oder des Mandalas gut und eignet sich für den täglichen Gebrauch. Es ist eine vernünftige Wahl für jeden, der ein spirituelles Symbol ohne festlichen Glanz möchte.

Meenakari: farbige Emaille

Meenakari, die bemalte Emaille aus Rajasthan, gibt dem Schmuck Farbe: Krishnas blaue Haut, das Grün der Pfauenfeder, der rote Sari der Göttin. Mit Emaille überzieht man die Vorderseite wie die Rückseite, sodass das Stück von beiden Seiten lebt. Das ist die malerischste Art, eine Szene mit einem Gott zu tragen, eine kleine Miniatur in Metall.

Kundan und Steine

In der Kundan-Technik setzt man die Steine in reines Gold, und jeden Stein wählt man nach dem Sinn aus. Saphir und blaue Emaille zu Krishna, Rubin und rote Töne zur zornigen Göttin, Perle und Mondstein zur sanften Lakshmi, weiße Steine zu Sarasvati. Der Stein verstärkt das Wesen des Bildes, ohne mit ihm zu hadern.

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Wie man ein gutes Götterbild auswählt

Ein Götterbild lässt sich durch grobe Ausführung leicht verderben, deshalb achtet man bei der Wahl nicht auf das Thema, sondern auf die Treue zum Kanon, die Schärfe des Antlitzes und die Qualität des Metalls.

Nach der Treue zum Kanon

Das wichtigste Merkmal eines guten Bildes sind die richtigen Attribute. Ganesha muss einen Elefantenkopf mit einem abgebrochenen Stoßzahn haben, Shiva Dreizack und Halbmond, Lakshmi Lotos und Münzen, Sarasvati Vina und Schwan. Vertauschte Attribute oder eine zufällige Sammlung von Details verraten einen Meister, der ein Bild kopiert hat, ohne es zu verstehen. Ein gutes Bild liest sich auch für den Kenner richtig.

Nach der Schärfe des Antlitzes

Bei einer guten Arbeit ist das Antlitz des Gottes ausgearbeitet: Man erkennt die Gesichtszüge, die Haltung, die Handgeste, selbst wenn der Anhänger fingernagelgroß ist. Bei billiger Stanzware ist das Relief verwaschen, die Details kleben zusammen, der Gott wird zu einem gesichtslosen Fleck. Drehen Sie das Stück im Licht: Die Kanten müssen ein klares Schattenspiel geben, keinen trüben Klecks. Bei Emailstücken achtet man auf die Reinheit der Farbe und die Gleichmäßigkeit der Füllung.

Nach Metall und Fassung

Echtes Gold und Silber tragen einen Feingehaltsstempel, kühlen die Haut, haben Gewicht. Eine billige Imitation ist leicht, warm beim Anfassen und blättert mit der Zeit ab. Beim Tempelgold schätzt man die Tiefe des Reliefs, beim Kundan den gleichmäßigen Sitz der Steine im Goldstreifen, beim Meenakari die Sauberkeit der Emaille ohne Abplatzungen. Eine grobe Fassung, Klebespuren, ein schiefer Rand zeugen von Eile.

Handarbeit gegen Maschine

Heute werden Bilder von Hand wie maschinell gearbeitet. Die Maschine gibt eine gleichmäßige, wiederholbare Form, die Handarbeit lebendige, leicht unvollkommene Linien und Charakter. Keines von beiden ist an sich schlechter: Es kommt auf die Sauberkeit der Ausführung an und darauf, ob die Attribute stimmen. Ein teures Handstück schätzt man für die Handschrift des Meisters, ein sauberes Maschinenstück für die Erschwinglichkeit bei guter Schärfe.

Wie und womit man respektvoll trägt

Die Symbolik einer lebendigen Religion verlangt Geschmack wie Takt. Einige Orientierungen helfen, das Bild eines Gottes schön und mit Respekt zu tragen.

Wo man das Bild eines Gottes trägt

In der indischen Tradition ist der Kopf der reinste Teil des Körpers, die Füße der unreinste. Deshalb ist ein heiliges Bild, das Antlitz eines Gottes, das Om-Zeichen, oberhalb der Gürtellinie am Platz: am Hals, auf der Brust, am Handgelenk, am Finger. Ein heiliges Symbol unterhalb der Gürtellinie zu platzieren, am Knöchel, an einem Gürtel über den Hüften, halten viele Gläubige für respektlos. Diese einfache Regel nimmt die meisten Unbeholfenheiten weg.

Am Hals

Ein Anhänger mit dem Antlitz eines Gottes oder seinem Zeichen an einer Kette ist die klassische Variante. Ein einzelnes Bild an einer schlichten Kette ist immer stärker als mehrere verschiedene Götter durcheinander. Das Antlitz Ganeshas oder Lakshmis trägt man eher größer, auf kurzer oder mittlerer Länge, damit die Zeichnung sichtbar ist. Bei der Länge hilft der Leitfaden zur Kettenlänge.

An der Hand und in den Ohren

Einen Ring mit dem Antlitz Shivas oder dem Om-Zeichen trägt man als persönlichen Schutz; schmal und unauffällig wirkt er an jeder Hand. Ein Armband mit einem Gottesanhänger ist leichter in der Stimmung. Bei Ohrringen nimmt man paarige Motive: zwei Lotosblüten, zwei Pfauenfedern, eine Traube aus Tempelgold. Eine Kamee oder eine emaillierte Miniatur in Ohrringen fertigt man kleiner, damit die Zeichnung nicht mit dem Gesicht hadert.

Respekt vor dem lebendigen Glauben

Wichtig ist, daran zu denken, dass dies Symbole eines Glaubens sind, der für eine Milliarde Menschen lebendig ist, und keineswegs ein ethnisches Muster. Tragen darf sie auch ein Mensch außerhalb des Hinduismus; viele Hindus begrüßen ein aufrichtiges Interesse, sofern es respektvoll ist. Als guter Ton gilt, zu wissen, wen man trägt und was er bedeutet, ein heiliges Bild nicht als reine dekorative Spielerei zu benutzen und es in offenkundig unpassenden Situationen abzulegen. Absicht und Bewusstheit sind wichtiger als Verbote.

Hinduistische Gottheiten und ihre Attribute
GottheitRolleAttributBedeutung im SchmuckBeliebtheit
GaneshaBeseitigt HindernisseElefantenkopf, gebrochener StoßzahnGlücklicher Start
LakshmiReichtum, GlückLotus, GoldmünzenFülle, Wohlstand
ShivaZerstörer, WandlerDreizack, drittes Auge, MondsichelStärke, Disziplin
VishnuBewahrer der OrdnungMuschel, Diskus, LotusGleichgewicht, Schutz
KrishnaAvatar Vishnus, LiebeFlöte, PfauenfederFreude, Liebe des Herzens
SarasvatiWissen, KünsteVina, Schwan, BuchKlarer Verstand, Inspiration

Indiens Götter in der Weltkultur

Die indischen Götter sind längst über Indiens Grenzen hinausgegangen und zu einem Teil der gemeinsamen Symbolsprache geworden. Gerade deshalb lassen sich ihre Zeichen selbst von jenen lesen, die nie eine heilige Schrift aufgeschlagen haben.

Über Yoga und Meditation

Das Yoga trug die Haltungen und die Symbolik in alle Welt: das Om-Zeichen in den Studios, das Bild des Yogi Shiva als Schutzpatron der Praxis, die Mantras zu Beginn und am Ende der Stunde. Für viele beginnt die Bekanntschaft mit dem indischen Pantheon gerade auf der Matte, nicht im Buch. So wurden Om und Lotos zu fast universellen Zeichen des inneren Friedens.

Ganesha als gutes Glückszeichen

Ganesha ging wohl am weitesten in die Welt hinaus. Seinen Elefantenkopf erkennt man weit über den Hinduismus hinaus als gutes Zeichen für Glück und einen guten Start. Kleine Ganesha-Figuren stellt man auf den Schreibtisch, man trägt ihn vor einem wichtigen Vorhaben, und in dieser Rolle steht er dem nahe, wie andere Völker ihre Glücksbringer tragen.

In Kunst und Design

Die Bilder der indischen Götter haben Schnitzer, Maler und Juweliere über Jahrhunderte auch außerhalb Indiens inspiriert. Vielarmige Figuren, der tanzende Shiva, Lotos und Mandala gingen in das visuelle Vokabular der Welt ein. Dabei ist die Grenze zwischen respektvollem Interesse und leerem Dekor schmal, und gerade deshalb sollte man sich heiligen Bildern mit Wissen nähern, nicht wie einem hübschen Muster ohne Sinn.

Warum das Symbol auch ohne Kenntnis des Mythos wirkt

Selbst wer nicht alle Legenden kennt, liest den Grundsinn: Der Elefant räumt Hindernisse weg, der Lotos ist Reinheit und Wachstum, der Dreizack Kraft, die Münzen Wohlstand. Die Attribute wurden zu einem verständlichen Alphabet über die Kulturen hinweg. Darin liegt die Stärke des indischen Pantheons für den Schmuck: Das Zeichen spricht für sich, wenn man es mit Verständnis trägt.

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Das hinduistische Pantheon gegen das griechische und ägyptische

Drei große Traditionen gaben dem Schmuck drei verschiedene Symbolsprachen. Den Unterschied zu verstehen ist nützlich, wenn man wählt, wessen Zeichen man tragen will.

Das hinduistische: lebendiger Glaube und persönlicher Gott

Der wichtigste Unterschied des indischen Pantheons liegt darin, dass es eine lebendige Religion einer Milliarde Menschen ist und kein Erbe einer untergegangenen Kultur. Götter gibt es hier nicht zwölf, auch keine strenge Liste, sondern eine fast endlose Vielzahl von Gesichtern eines einzigen Ursprungs. Die Symbolik handelt von Hingabe und der persönlichen Verbindung zum gewählten Gott, von konkreter Hilfe in einer Sache und von einem spirituellen Weg. Der Stil ist bildhaft und warm, mit Antlitzen, vielarmigen Figuren, Lotosblüten und leuchtender Emaille.

Das griechische: Charakter und Ideal

Die griechischen Götter ähneln Menschen, mit Leidenschaften, Schwächen und einer Biografie, und ihr Pantheon ist längst zum Kulturerbe geworden, kein Gegenstand des Glaubens. Die Symbolik handelt von Charakter und Ideal, davon, wie der Mensch sein möchte, und die Zeichen sind anmutig und wiedererkennbar. Wenn das indische Bild von Hingabe und Weg spricht, dann das griechische eher von Charakterzügen. Eine ausführliche Betrachtung in Die Götter des Olymp.

Das ägyptische: Ewigkeit und Schutz

Das ägyptische Pantheon ist strenger und geometrischer, es handelt vom Jenseits, von der Ewigkeit und vom magischen Schutz. Die Göttin Isis und die ägyptischen Götter geben Schutzzeichen wie das Ankh, das Auge des Horus, den Skarabäus, die als Siegel-Amulette wirken. Auch das ist eine für die Praxis tote, aber in ihrer Bildkraft mächtige Tradition. Die indische Symbolik wirkt daneben wärmer und lebendiger, näher am täglichen häuslichen Gebet.

Was sie verbindet

Alle drei tun dasselbe: Sie verwandeln Glaube und Charakter in ein kleines tragbares Zeichen. Doch den indischen Bildern sollte man mit besonderem Takt begegnen, gerade weil hinter ihnen ein lebendiger Glaube steht. Daneben steht auch Buddha im Schmuck: Der Buddhismus wuchs auf indischem Boden und teilt mit dem Hinduismus einen Teil der Symbole, darunter Lotos und Om, und geht dabei doch seinen eigenen Weg.

Fakten, die überraschen

Das indische Pantheon ist voller Details, die in eine kurze Nacherzählung nicht hineinpassen.

Ganesha ruft man als ersten vor jedem anderen Gott und vor jedem Vorhaben an. Deshalb begannen indische Bücher, Dokumente und sogar Schulhefte nicht selten mit dem Zeichen oder dem Namen Ganeshas, damit das Begonnene ohne Hürden gelinge.

Den abgebrochenen Stoßzahn Ganeshas brach er einer Legende nach selbst ab, um damit ein großes Gedicht aufzuschreiben, als die Feder zerbrach. Der Gott, der Hindernisse beseitigt, machte vor dem eigenen Hindernis nicht halt.

Shiva wird mit blauem Hals dargestellt, und das hat eine Geschichte: Beim Quirlen des Weltozeans stieg ein furchtbares Gift auf, das alles Lebendige zu vernichten drohte, und Shiva trank es, um die Welt zu retten, und das Gift blieb als blauer Fleck an seinem Hals.

Der tanzende Shiva-Nataraja, eingeschlossen in einen Feuerring, wurde zu einem der bekanntesten indischen Bilder der Welt. Eine große Bronzestatue des Nataraja stellte man bei einem der größten Zentren der Physik auf, als Metapher für den kosmischen Tanz der Energie.

Lakshmi und die Eule stellt man manchmal zusammen dar, und in Indien ist die Eule in diesem Zusammenhang kein unheilvoller Vogel, sondern eine Vahana, das Reittier der Göttin des Reichtums, eine Begleiterin des Überflusses.

Den Namen Sarasvati trug einst ein heiliger Fluss, in den ältesten Hymnen erwähnt und mit der Zeit ausgetrocknet. Die Göttin des Wissens bewahrte den Namen des verschwundenen Flusses, und der Wasserstrom verwandelte sich in einen Strom der Weisheit.

Krishna liebte als Kind die geklärte Butter so sehr, dass er sie aus den unter die Decke gehängten Töpfen stahl, und die Szene mit dem kleinen Butterdieb wurde zu einem beliebten Sujet der Miniaturen und der emaillierten Schmuckstücke.

Das Swastika malt man in Indien bis heute am Tag von Diwali auf die Geschäftsbücher und eröffnet das neue Finanzjahr unter dem Zeichen des Wohlergehens. Für eine Milliarde Menschen ist es ein Zeichen des Glücks und nicht das, wozu man es im Europa des 20. Jahrhunderts machte.

Durga hält in ihren Händen die Waffen aller Götter: Shivas Dreizack, Vishnus Diskus, Indras Blitz gaben die Götter ihr, damit sie den Dämon besiege, mit dem sie selbst nicht fertig wurden. Die Göttin sammelte die Kraft des ganzen Pantheons in einem Paar Hände.

Hanuman weiß den Legenden nach nichts von seiner Kraft, bis man ihn daran erinnert. Dieses Motiv, die im Menschen schlummernde Macht, die man sich bewusst machen muss, machte ihn zum Lieblingsbild für jene, die lernen, an sich selbst zu glauben.

Mythos oder Fakt?
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Häufige Fragen

Wie viele Götter gibt es im Hinduismus?

Die Tradition spricht von dreiunddreißig Millionen, doch das ist ein Bild der Grenzenlosigkeit, keine genaue Zahl. Tatsächlich gibt es einige höchste Götter (die Trimurti Brahma, Vishnu, Shiva und die großen Göttinnen), ihre Avatare und Formen sowie eine Vielzahl lokaler und häuslicher Gottheiten. Alle gelten als Gesichter eines einzigen Ursprungs, des Brahman.

Darf ich hinduistische Symbole tragen, wenn ich kein Hindu bin?

Ja, viele Hindus begrüßen ein aufrichtiges und respektvolles Interesse. Als guter Ton gilt, zu wissen, wen und was Sie tragen, ein heiliges Bild nicht als leere Spielerei zu benutzen und einfache Regeln des Takts zu beachten, etwa das Antlitz eines Gottes oberhalb der Gürtellinie zu tragen. Absicht und Respekt sind hier wichtiger als ein formales Verbot.

Welcher der Götter bringt Glück und Geld?

Für Reichtum, Glück und Wohlstand ist Lakshmi zuständig, die Gemahlin Vishnus. Ihre Münze oder ihren Anhänger trägt man oft im Geldbeutel; getragen wird sie von jenen, die den Wohlstand halten und mehren wollen. Im Paar mit ihr ruft man Ganesha, damit er die Hürden auf dem Weg zum Glück wegräumt, und dieses Paar verehrt man besonders zum Fest Diwali.

Wie unterscheiden sich Krishna und Rama von Vishnu?

Krishna und Rama sind Avatare Vishnus, seine Herabkünfte auf die Erde in einem menschlichen Körper. Das heißt, sie sind keine eigenen Götter, sondern Formen eines einzigen Gottes, die kamen, um die Ordnung wiederherzustellen. Dabei werden sie als eigenständige Helden mit eigenen Geschichten, Festen und Tempeln geliebt und verehrt.

Warum ist Ganesha außerhalb Indiens so beliebt?

Das Bild des Gottes mit dem Elefantenkopf ist lebhaft, gütig und leicht wiedererkennbar, und seine Rolle als Beseitiger von Hindernissen und Schutzpatron der Anfänge ist auch ohne Kenntnis der ganzen Mythologie verständlich. Deshalb wurde Ganesha zur bekanntesten indischen Gottheit der Welt, und man trägt ihn für einen gelungenen Start eines neuen Vorhabens, selbst als Mensch außerhalb des Hinduismus.

Was bedeutet das Swastika im Hinduismus und darf man es tragen?

Im Hinduismus ist das Swastika ein altes Zeichen des Wohlergehens, des Glücks und der Sonne, es ist Jahrtausende alt und hat nichts mit den Verbrechen des 20. Jahrhunderts in Europa zu tun, wo man das Zeichen verzerrte und vereinnahmte. Im indischen Kontext ist es ein gutes Symbol. Doch außerhalb Asiens verlangt sein Tragen Verständnis und Takt, aus Respekt vor dem Gedenken an die Opfer, weshalb man ihm besonders bewusst begegnet.

Welches Material ist das traditionellste für ein Götterbild?

Gold, besonders im südindischen Tempelstil mit den reliefierten Antlitzen. Gold ist in Indien mit der Göttin Lakshmi verbunden und gilt als reine, fast heilige Substanz. Für farbige Szenen mit Göttern ist die Meenakari-Emaille traditionell, für Steine die Kundan-Technik. Silber steht dem asketischen Register Shivas näher und ist für den täglichen Gebrauch bequem.

Darf man mehrere Götter zugleich tragen?

Man darf. Der Hinduismus geht gelassen mit der Verehrung verschiedener Götter um, denn alle sind Seiten eines einzigen Ursprungs. Es ist bequem, einander ergänzende Kräfte zu vereinen, etwa Lakshmi und Ganesha für Glück und das Wegräumen von Hürden. Wichtig ist nur, die Bilder nicht zu einem zufälligen Haufen zusammenzuwerfen, sondern den Sinn jedes Zeichens zu verstehen.

Fazit

Das hinduistische Pantheon ist keine strenge Liste von Göttern, sondern ein lebendiges Meer von Bildern, aus dem jeder sein eigenes Gesicht des Göttlichen wählt. Ganesha räumt Hürden weg, Lakshmi bringt Wohlstand, Shiva gibt die Kraft der Überwindung, Sarasvati die Klarheit des Verstandes, Krishna die Freude des Herzens. Die alte indische Tradition hat längst gezeigt, wie man diesen Glauben auf sich trägt, über Tempelgold, Kundan, Meenakari und eine schlichte Münze mit einem Gott im Geldbeutel. Heute wirkt dieselbe Sprache in Anhängern, Ringen und Ohrringen: Man wählt kein Bild, sondern eine nahe Kraft und den eigenen Weg. Ein einziges Zeichen genügt, ein Antlitz, ein Dreizack oder ein Om, damit das Symbol erklingt, und wichtig ist, es mit Respekt vor dem lebendigen Glauben zu tragen, der hinter ihm steht.

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